Wie man das Belohnungszentrum durch Dopamin beeinflusst: Ernährung, Lebensstil und Wissenschaft der Liebe

Dopamin, ein essentieller Neurotransmitter im menschlichen Gehirn, spielt eine entscheidende Rolle bei Motivation, Antrieb, Vergnügen und Lernfähigkeit. Ein Ungleichgewicht dieses Neurotransmitters kann sich in verschiedenen Formen äußern, von Antriebslosigkeit und Reizbarkeit bis hin zu depressiven Symptomen.

Was ist Dopamin?

Dopamin ist ein Katecholamin-Neurotransmitter, eine chemische Botenstoffverbindung, die Informationen zwischen Nervenzellen überträgt. Es ist stark von Lebensstil, Ernährung, Hormonspiegel und Stressbelastung abhängig.

Dopamin und Sucht

Dopamin spielt eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Suchtverhalten. Es wirkt insbesondere im Belohnungssystem des Gehirns und hat eine belohnungsankündigende Wirkung. Situationen, die mit Belohnungen einhergehen, werden durch Dopamin markiert und im Suchtgedächtnis abgespeichert.

Soziale Medien nutzen diese Lernmechanismen unseres Gehirns. Nette Kommentare in sozialen Netzwerken werden mit dem Handy assoziiert, wodurch eine Belohnungserwartung entsteht. Das Handy wird immer wichtiger, während andere Dinge im Raum weniger wahrgenommen werden. Dies kann in Extremfällen zu einer Ähnlichkeit mit klassischen Abhängigkeiten führen.

Gerade die Gehirne von Jugendlichen reagieren besonders empfindlich auf die Ausschüttung von Dopamin. Die Nutzung von sozialen Medien kann dazu führen, dass sie sich stark auf das Handy und soziale Netzwerke ausrichten, was schwer wieder loszuwerden ist.

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Wie man Dopamin auf natürliche Weise beeinflusst

Glücklicherweise lässt sich Dopamin gezielt beeinflussen - durch Ernährung, Schlaf, Bewegung und gezielte Diagnostik.

Ernährung

Eine eiweißreiche Ernährung mit Tyrosin und Phenylalanin kann die Dopaminproduktion fördern. Es gibt jedoch noch keine stichhaltigen wissenschaftlichen Erkenntnisse darüber, ob der Konsum phenylalaninhaltiger Lebensmittel wie Fleisch, Nüsse oder Hülsenfrüchte den Dopaminspiegel tatsächlich steigern kann.

Eine ausgewogene Ernährung, insbesondere die mediterrane Ernährungsweise mit viel Obst, Gemüse, Olivenöl und Fisch sowie weißem Fleisch, hat eine stabilisierende Wirkung auf das Nervensystem.

Bewegung

Intensive, aber nicht überfordernde Belastung kann ebenfalls die Dopaminproduktion anregen. Sport versetzt die meisten Menschen nach einer Zeit in eine Art Glückszustand. Wer mit Sport den Dopaminspiegel steigern möchte, sollte mehrmals in der Woche Sport von mindestens mittlerer Intensität machen.

Schlaf

Schlafmangel kann das Dopaminsystem durcheinanderbringen. Ausreichend Schlaf ist sehr wichtig für den Körper und das Gehirn insgesamt und kann vermutlich auch helfen, den Dopaminhaushalt zu stabilisieren.

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Nahrungsergänzungsmittel

L-Tyrosin kann als Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden, um die Dopaminproduktion zu unterstützen. Es gibt auch Nahrungsergänzungsmittel, die viele Substanzen enthalten, die Vorstufen von Dopamin sind. Ihr Effekt ist aber gering. Gerade bei krankhaftem Dopaminmangel - etwa im Rahmen von ADHS oder Depressionen - helfen solche Vorstufen kaum.

Vorsicht bei Dopamin-Wirkstoffen

Dopamin-Wirkstoffe sollten nur unter ärztlicher Begleitung eingenommen werden.

Dopamin und Liebe

Die Gehirnaktivität Frischverliebter ist ein wahres Hormon-Wirrwarr. Oxytocin, Vasopressin, Dopamin, Serotonin - ein komplexes Zusammenspiel aus Botenstoffen ist mit dafür verantwortlich, dass wir Händchen halten, schmachten, heiraten und uns wieder scheiden.

Die Phasen der Liebe

Man unterscheidet drei Phasen: Die erste ist das Verliebtsein, die zweite die leidenschaftliche Liebe und die dritte die kameradschaftliche.

In der oft nur wenige Wochen dauernden Phase eins ist der Körper im Ausnahmezustand. Er produziert das aufputschende Adrenalin und das Glückshormon Dopamin. Durch letzteres fühlen sich die Schmetterlinge im Bauch wie eine Belohnung an, und es fördert, dass man sich monogam verhält. Dass man sich krank vor Liebe fühlt, immerzu an den Traumpartner denken muss und sogar Verlustängste hat, liegt am Serotonin. Interessant ist auch dies: Die Testosteronspiegel von Mann und Frau nähern sich an.

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Für das, was danach kommt, nämlich die Liebe in Phase zwei, sind aber diese beiden ganz entscheidend: das Kuschelhormon Oxytocin und das Treuehormon Vasopressin. Das Vasopressin hat viele Funktionen. Es reguliert den Wasserhaushalt und die Gefäße. Aber es steuert auch die positiven wie negativen Emotionen. Das Oxytocin dagegen spielt bei den Geburtswehen und beim Milcheinschuss fürs Baby eine Rolle.

Ähnlich verhält es sich in der kumpelhaften dritten Stufe. Für den vertrauten, geborgenen Zustand statt hormoneller Achterbahnfahrt sorgen wiederum Oxytocin und Vasopressin.

Die Rolle von Dopamin in der Liebe

Vor allem vier Bereiche im limbischen System, darunter das Belohnungszentrum, zeigen sich bei Verliebten besonders aktiv. Eine zentrale Rolle spielt Dopamin. Der Neurotransmitter, den der Volksmund auch gerne "Glückshormon" nennt, suggeriert Erfüllung und Befriedigung und wird mit Euphorie aber ebenso Suchterkrankungen assoziiert. Liebende reagieren auf die Fotos ihres Schwarms also wie Kokainsüchtige oder Alkoholkranke auf ein Bild ihrer Droge.

Andere Hormone und Botenstoffe in der Liebe

In der ersten Phase des Verliebtseins ist auch das Aufputschhormon Adrenalin besonders präsent. Es ist mitverantwortlich für die Ruhelosigkeit, das Kribbeln, ja diese Schmetterlinge im Bauch, die Verliebte bei ihren ersten Treffen oft meinen, zu spüren. Die Pupillen weiten sich, der Atem geht schneller, der Blutdruck steigt, der Körper wird in Alarmbereitschaft gesetzt. Dabei unterscheiden sich die körperlichen Stressreaktionen des Flirtens nicht von denen einer Paniksituation.

Zu Beginn einer Partnerschaft sinkt bei Männern der Testosteronspiegel und lässt sich dadurch ausgeglichener agieren. Gleichzeitig steigt bei Frauen das männliche Sexualhormon an und steigert damit die sexuelle Lust.

Und als wären dies nicht schon genug neuronale Irrungen und Wirrungen, kommt auch noch der Botenstoff Serotonin ins Spiel, der gerade in der Anfangsphase großen Schwankungen unterliegt. Hier geht Donatella Marazziti soweit, das starke Auf- und Ab des Serotoninspiegels mit den Werten von Zwangserkrankten zu vergleichen.

Erst kürzlich hat die Wissenschaft begonnen, sich diesem Botenstoff der Treue und Vertrautheit intensiver zu widmen. Physiologisch gesehen sorgt Oxytocin primär für die Muskelkontraktionen während des Orgasmus. Auch während der Geburt und dem Stillen des Kindes wird es verstärkt ausgeschüttet. Oxytocin hat damit von Anfang an Einfluss auf die Bindung und das Vertrauen zwischen zwei Individuen. Durch Körperkontakt und Wärme werden besonders viele Botenstoffe freigesetzt: "Daher ist es wichtig, möglichst viel zu kuscheln", sagt Professor und Bio-Psychologe Peter Walschburger der Freien Universität Berlin. Mit der Länge einer Beziehung kann der Oxytocin-Spiegel schleichend sinken und somit eine Beziehung instabil werden lassen.

Die primären physiologischen Funktionen Vasopressins sind die Durchblutung der Genitalorgane und die Verminderung des Harndrangs. Gleichzeitig gilt Vasopressin als Hormon, dass die Kommunikation und Verbindung zweier Partner in einer Beziehung unterstützt.

Liebe kann man riechen! Pheromone, chemische Signalstoffe, die dem Informationsaustausch unter Artgenossen dienen, beeinflussen auch das Sexualverhalten und die Partnerwahl.

Der Signalstoff ist für die Kommunikation und Verbindung zwischen den Nervenzellen verantwortlich, ist bei der Gedächtnisbildung entscheiden und wird daher auch "Nervennährstoff" genannt. Forscher haben in Studien einen erhöhten Neurotrophinwert im Blut frisch Verliebter festgestellt. Die Neurotrophin-Werte der Verliebten waren signifikant höher als die von Versuchspersonen, die schon länger in einer Partnerschaft lebten. Die Forscher gehen davon aus, dass Neurotrophine für Euphorie am Beginn einer Liebesromanze verantwortlich sind.

Dopamin und Partnerwahl

Hormongesteuert: Forschende haben herausgefunden, wodurch das Gehirn leidenschaftliches Begehren erzeugt und damit Paarbeziehungen stabilisiert. Demnach spielt dafür der Hirnbotenstoff Dopamin eine entscheidende Rolle. Der Partnerkontakt flutet das Belohnungszentrum mit Dopamin und sorgt so für das motivierende Glücksgefühl der Liebe.

Dopamin und Trennungsschmerz

Sowohl in der Liebe als auch beim Konsum von Drogen strebten Menschen nach der Stimulation des Belohnungssystems im Gehirn. Dies könnte auch erklären, warum Menschen nach einer Trennung von ihrem Partner in eine Depression oder tiefe Trauer verfallen: Das Belohnungssystem ist mangels Oxytocin-Ausschüttung unterstimuliert und quasi auf Entzug.

Die Chemie der Verliebtheit

Am Anfang fühlt sich die Liebe an wie ein Drogentrip: Die Gedanken kreisen unablässig um den Partner und man bekommt feuchte Hände und Herzrasen. Forscher fanden heraus, dass der Grund dafür das körpereigene Hormon Phenylethylamin sein könnte. Ist der Auslöser für die romantische Liebe also am Ende nur Chemie?

Weil im Belohnungssektor unseres Gehirns Dopamin aktiviert wird, fühlt sich der Zustand der Verliebtheit an wie ein Rausch. Diese Euphorie ist vergleichbar mit dem Gefühlszustand, der durch den Konsum von Alkohol oder Kokain ausgelöst wird. Einen besonders großen Einfluss auf das Glücksgefühl hat ein Molekül namens Phenylethylamin (PEA). Diese chemische Substanz soll sogar der Grund sein, warum wir uns verlieben.

Was folgt auf Verliebtheit?

Allerdings geht der dopamingeschwängerte Zustand der Verliebtheit nach maximal drei Jahren vorbei. Denn mit der Zeit weicht das Phenylethylamin immer mehr dem als Liebeshormon bekannten Oxytocin, das Gefühle der Zufriedenheit, Gelassenheit und Geborgenheit auslöst. Die Folge: Eine stabile Bindung mit unserem Partner wird uns wichtiger als der Sex.

Dopamin-Detox

Beim „Dopamin Detox“, auch Dopaminfasten genannt, zieht man sich für eine bestimmte Zeit in eine möglichst ruhige Umgebung zurück und vermeidet alles, was sonst eine Dopaminausschüttung stimuliert. Wer immer unterwegs ist - online und offline -, könnte sich zum Dopamin Detox beispielsweise für ein Wochenende in eine ruhige Hütte im Wald zurückziehen, ohne Internet und mit abgeschaltetem Telefon.

Es gibt bislang keine aussagekräftigen Studien darüber, inwieweit ein solches Dopamin Detox tatsächlich den Dopaminhaushalt beeinflusst. Man kann aber schon davon ausgehen, dass es eine gewisse Wirkung hat. Es geht ja nicht nur um die Dopaminkonzentration, sondern auch um das eigene Wohlbefinden und die Zufriedenheit. Und die können durch ein solches Dopamin Detox in vielen Fällen gesteigert werden - wenngleich es vielen anfangs auch schwerfallen dürfte, die relative Reizarmut auszuhalten.

Krankheiten im Zusammenhang mit Dopamin

Liegt ein Dopaminmangel vor, kann dies mit Erkrankungen wie Depressionen oder einem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADHS) einhergehen. Es gibt außerdem Hinweise, dass ein Dopaminmangel in Wechselwirkung mit Umwelt- und genetischen Faktoren zur Entstehung von Parkinson beitragen kann.

Ein langfristiges Ungleichgewicht im Dopaminsystem wiederum kann mit Erkrankungen wie Schizophrenie einhergehen. Außerdem greifen Drogen in das Dopaminsystem ein und regen das Gehirn zur verstärkten Ausschüttung des Botenstoffes an.

Wann ist ärztlicher Rat einzuholen?

Wer sich sehr häufig unwohl und antriebslos fühlt, und es dafür keinen konkreten Grund gibt, sollte eine ärztliche Praxis aufsuchen. Es muss dann nicht unbedingt ein Dopaminmangel dahinterstecken.

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