Die Parkinson-Krankheit, auch bekannt als Morbus Parkinson oder Schüttellähmung, ist eine neurodegenerative Erkrankung, die hauptsächlich den Untergang von Dopamin-produzierenden Neuronen in der Substantia nigra im Mittelhirn verursacht. Obwohl die Krankheit meist als idiopathisches Parkinson-Syndrom sporadisch auftritt, gibt es auch familiäre Formen mit genetischer Ursache sowie symptomatische Formen, die durch andere Ursachen ausgelöst werden können. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen des sporadischen Parkinson-Syndroms und die verschiedenen Faktoren, die zu seiner Entstehung beitragen können.
Was ist das Parkinson-Syndrom?
Ein Parkinson-Syndrom ist durch eine Kombination der Kernsymptome Bradykinese (Verlangsamung der Bewegungen) mit Rigor (Muskelsteifheit), Tremor (Zittern) oder posturaler Instabilität (Haltungsinstabilität) definiert. Neben dem idiopathischen Parkinson-Syndrom (IPS), auch Parkinson-Krankheit (PK) genannt, gibt es auch sekundäre Parkinson-Syndrome, die auf erkennbare Ursachen wie Medikamentennebenwirkungen, Normaldruckhydrozephalus oder vaskuläre Enzephalopathie zurückzuführen sind. Atypische Parkinson-Syndrome umfassen Krankheitsentitäten wie Demenz mit Lewy-Körpern (DLK), Multisystematrophie (MSA), progressive supranukleäre Blickparese (PSP) und kortikobasale Degeneration (CBD).
Symptome und Diagnose
Die Parkinson-Krankheit und verwandte Parkinson-Syndrome schränken die Beweglichkeit der Patienten zunehmend ein und können später auch zu Demenz führen. Die Erkrankung tritt am häufigsten zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr auf. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Bradykinese: Verlangsamung der Bewegungsfähigkeit.
- Rigor: Steifheit der Muskeln, oft in Nacken, Armen und Beinen.
- Ruhetremor: Unwillkürliches Zittern der Hände oder Füße in Ruhe.
- Posturale Instabilität: Gleichgewichtsstörungen und Sturzgefahr.
Frühe Anzeichen können Depressionen, Schlafstörungen, Verstopfung, Störungen des Geruchssinns, eine leisere Stimme oder fehlendes Mitschwingen eines Arms beim Gehen sein.
Die Diagnose erfolgt in der Regel durch ein ausführliches Gespräch und eine neurologische Untersuchung. Zusätzliche diagnostische Maßnahmen wie zerebrale Bildgebung (CT, MRT), nuklearmedizinische Untersuchungen (IBZM-SPECT, DAT-Scan), Nervenwasseruntersuchung, Tremordiagnostik, autonome Testung, neuropsychologische Testung, kardiale Diagnostik, Riech-Test und genetische Beratung können zur Abgrenzung von anderen Erkrankungen notwendig sein.
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Ursachen des sporadischen Parkinson-Syndroms
Der Großteil der Betroffenen erkrankt um das sechzigste Lebensjahr, wobei die Krankheit ohne erkennbaren Auslöser auftritt. Dies wird als idiopathisch oder sporadisch bezeichnet. Obwohl die genauen Ursachen für das Nervenzellsterben in der Substantia nigra noch nicht vollständig geklärt sind, werden verschiedene Faktoren diskutiert:
Genetische Veranlagung
Parkinson-Syndrome sind nur in den seltensten Fällen erblich - sie treten meist sporadisch auf. Jedoch bestimmt das Erbmaterial die Anfälligkeit des Einzelnen wesentlich mit. Günter Höglinger konnte während seiner Forschungstätigkeit bereits einige dieser genetischen Risikofaktoren isolieren. Etwa zehn Prozent der Parkinson-Erkrankungen sind genetisch bedingt, wobei Mutationen in bestimmten Genen das Risiko erhöhen können. Diese Mutationen können dazu führen, dass Proteine nicht ordnungsgemäß gefaltet werden oder ihre Funktion verändern, was wiederum die Funktion von Gehirnzellen beeinträchtigt. Die genetische Komponente von Parkinson ist äußerst komplex, und Forscher setzen ihre Bemühungen fort, um die genauen genetischen Ursachen und Mechanismen zu entschlüsseln. Dabei werden auch epigenetische Veränderungen und Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Genen untersucht.
Umweltfaktoren
Umweltfaktoren spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Parkinson. Die Exposition gegenüber Pestiziden, Lösungsmitteln, Schwermetallen und anderen Toxinen kann das Risiko einer Parkinson-Erkrankung erhöhen. Ein Beispiel ist die Identifizierung eines natürlichen Umweltfaktors als Auslöser eines atypischen Parkinson-Syndroms durch Günter Höglinger (eine tropische Frucht, die auf der Karibikinsel Guadeloupe und anderen tropischen Regionen konsumiert wird). Die Forschung konzentriert sich intensiv auf die Identifizierung spezifischer Umweltfaktoren und deren Wechselwirkung mit genetischen Veranlagungen.
Entzündung und Immunsystem
Entzündungsprozesse im Gehirn und eine gestörte Immunreaktion werden ebenfalls mit Parkinson in Verbindung gebracht. Das Immunsystem spielt eine entscheidende Rolle bei der Reparatur von Gewebeschäden und dem Schutz des Gehirns. Die Entzündungshypothese von Parkinson hat in den letzten Jahren verstärkte Aufmerksamkeit erhalten. Aktuelle Studien befassen sich mit der Entwicklung von Medikamenten, die die Neuroinflammation gezielt beeinflussen.
Oxidativer Stress und Mitochondrien
Oxidativer Stress, ausgelöst durch einen Überschuss an freien Radikalen im Körper, wird mit der Parkinson-Erkrankung in Verbindung gebracht. Besonders anfällig für oxidativen Stress sind Dopamin-produzierende Neuronen aufgrund ihrer hohen Konzentration an Fettsäuren und begrenzten antioxidativen Abwehrmechanismen. Mitochondrien, die als die „Kraftwerke der Zellen“ bezeichnet werden, spielen eine entscheidende Rolle in der Energieproduktion. Bei Parkinson-Patienten wurden Anomalien in der mitochondrialen Funktion festgestellt. Dies könnte dazu führen, dass die Zellen nicht ausreichend Energie produzieren und schließlich absterben. Die Forschung in diesem Bereich konzentriert sich auf die Entwicklung von Medikamenten und Behandlungsansätzen, die den oxidativen Stress reduzieren und die mitochondriale Funktion verbessern können.
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Proteinstörungen und die Rolle von Alpha-Synuclein
Ein charakteristisches Merkmal der Parkinson-Erkrankung ist die Ansammlung abnormer Proteine im Gehirn. Dabei sind besonders Alpha-Synuclein und Tau von Bedeutung. Die Ablagerungen von Alpha-Synuclein, auch Lewy-Körperchen genannt, beeinträchtigen die normale Funktion von Nervenzellen und führen zu ihrem Absterben. Alpha-Synuclein hat in den letzten Jahren verstärkte Aufmerksamkeit in der Forschung erhalten, da es als Schlüsselspieler in der Parkinson-Pathologie angesehen wird. Forscher untersuchen Strategien zur Reduzierung der Alpha-Synuclein-Ablagerungen und zur Entwicklung von Medikamenten, die den Krankheitsverlauf verlangsamen können.
Alter und Geschlecht
Das Alter ist ein nicht veränderbarer Risikofaktor für Parkinson. Die meisten Patienten, die an Parkinson erkranken, sind über 60 Jahre alt. Obwohl die genauen Gründe für diese Altersabhängigkeit noch nicht vollständig verstanden sind, spielen die Akkumulation von Schäden und Stressfaktoren im Laufe des Lebens eine bedeutende Rolle. Männer haben ein höheres Erkrankungsrisiko im Vergleich zu Frauen, und die Gründe hierfür sind Gegenstand intensiver Forschung.
Therapie
Morbus Parkinson ist bislang nicht heilbar. Mit geeigneten Therapien lässt sich die Krankheit jedoch oft über Jahre hinweg gut kontrollieren. Eine wichtige Rolle spielt die medikamentöse Behandlung. So kann die Gabe von Dopaminvorstufen (z. B. in Form des Antiparkinson-Wirkstoffs L-Dopa) den Dopaminmangel ausgleichen. Ist die medikamentöse Behandlung nicht mehr ausreichend, kommt ein so genannter Hirnschrittmacher in Frage.
Im Mittelpunkt der Behandlung steht heute die Therapie mit Medikamenten sowie die regelmäßige Physiotherapie und Logopädie. Bis jetzt gibt es kein Medikament, dass die Ursache der Erkrankung, nämlich den Verlust der betroffenen Nervenzellen, aufhalten kann. In den letzten Jahren sind jedoch viele neue Medikamente entwickelt worden, mit denen man die Krankheit gut behandeln kann. Der Arzt muss für jeden Patienten die auf den Einzelfall abgestimmte Kombination und Dosierung auswählen.
Prävention und Lebensstil
Die Vorbeugung von Parkinson ist ein wichtiger Forschungsbereich. Die Identifizierung von Risikofaktoren und die Entwicklung präventiver Strategien sind von entscheidender Bedeutung, um die steigende Zahl von Parkinson-Erkrankungen in der alternden Bevölkerung zu bewältigen.
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- Regelmäßige Bewegung: Sport und körperliche Aktivität wurden mit einem geringeren Parkinson-Risiko in Verbindung gebracht.
- Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit reichlich Obst und Gemüse kann eine Schutzfunktion gegen Parkinson haben.
- Stressmanagement: Chronischer Stress kann das Risiko für Parkinson erhöhen.
Forschung und Ausblick
Die Forschung des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und anderer Institutionen konzentriert sich auf die Ursachenforschung, die Rolle von Entzündungsprozessen, Genmutationen und die Beteiligung geschädigter Mitochondrien. Ein weiteres wichtiges Forschungsziel ist die Suche nach Biomarkern für die Früherkennung und die Verfolgung des Krankheitsverlaufs. Die Identifizierung von Risikofaktoren und die Entwicklung präventiver Strategien sind von entscheidender Bedeutung, um die steigende Zahl von Parkinson-Erkrankungen in der alternden Bevölkerung zu bewältigen.
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