Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch eine Neigung zu wiederholten Krampfanfällen gekennzeichnet ist. Diese Anfälle entstehen durch eine übermäßige oder fehlerhafte Erregung von Nervenzellen im Gehirn. Dieser Artikel bietet einen detaillierten Überblick über Epilepsie, ihre Symptome, Ursachen, Behandlungsmöglichkeiten und wichtige Aspekte für Betroffene.
Was ist Epilepsie?
Epilepsie ist definiert als die Neigung, Krampfanfälle zu erleiden, die durch eine Störung der elektrischen Aktivität der Nervenzellen im Gehirn verursacht werden. Es ist wichtig zu beachten, dass ein einzelner Anfall nicht automatisch eine Epilepsie-Diagnose bedeutet.
Symptome von Epilepsie
Die Symptome eines epileptischen Anfalls können vielfältig sein und hängen davon ab, welcher Bereich des Gehirns betroffen ist. Oft kündigt sich ein Anfall an, insbesondere bei fokaler Epilepsie. Betroffene verspüren möglicherweise Übelkeit, einen seltsamen Geschmack oder Geruch, oder erleben Angstgefühle. Diese Vorboten werden als Aura bezeichnet.
Fokale Anfälle
Bei einem fokalen Anfall ist nur ein bestimmter Bereich des Gehirns betroffen. Die Symptome sind daher weniger stark ausgeprägt. Betroffene können den Kopf oder die Augen bewegen, kauen, schlucken oder Schmatzgeräusche von sich geben. Die Symptome sind vielfältig und hängen davon ab, welcher Bereich des Gehirns den Anfall auslöst. Ein fokaler Anfall kann in einen generalisierten Anfall übergehen.
Generalisierte Anfälle
Ein generalisierter tonisch-klonischer Anfall, früher als "Grand-Mal" bezeichnet, führt zu plötzlichem Bewusstseinsverlust. Die betroffene Person kann stürzen. Es kommt zum Verlust der Kontrolle über die Muskeln. "Tonisch" bedeutet, dass sich die Muskulatur unkontrolliert anspannt, während "klonisch" zuckende Bewegungen beschreibt. Die Person kann erstarren und Zuckungen erleiden. Die Haut kann sich leicht bläulich färben, und Speichelfluss ist möglich.
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Ein generalisierter Anfall ist eine erhebliche Anstrengung für den Körper. Nach dem Anfall sind Betroffene oft benommen, müde oder verwirrt. Es kann zu Kontrollverlust über Blase und Darm kommen, und kurzzeitige Lähmungen sind möglich. Einige Personen beißen sich während des Anfalls auf die Zunge. Übelkeit, Kopfschmerzen und Muskelkater sind ebenfalls häufig. In seltenen Fällen kann ein Anfall zu lebensgefährlichen Herzrhythmusstörungen führen, die sofort behandelt werden müssen.
Absencen
Absencen treten meist bei Kindern und Jugendlichen auf und äußern sich durch eine plötzliche Bewusstseinsstörung, oft mit geöffneten Augen. Diese Anfälle dauern meist weniger als 10 Sekunden.
Ursachen von Epilepsie
Ein epileptischer Anfall entsteht, wenn Nervenzellen in der Hirnrinde aus dem Takt geraten und zu viele elektrische Impulse aussenden oder im selben Rhythmus feuern, obwohl dies nicht sein sollte. Dies liegt daran, dass Hirnzellen einander anregen können, was zur Ausbreitung fokaler Anfälle und zum Übergang in generalisierte Anfälle führen kann.
Die Ursache einer Epilepsie kann in einer Schädigung des Hirngewebes liegen, beispielsweise nach einem Schlaganfall, einer Entzündung oder einer Kopfverletzung. Auch die Parkinson-Krankheit und Alzheimer-Demenz können Epilepsie verursachen. Einige Gene können zur Epilepsie führen, was bedeutet, dass die Neigung, eine Epilepsie zu entwickeln, angeboren sein kann. In diesen Fällen tritt die Epilepsie oft schon im Kindesalter auf. In einigen Fällen liegt die Ursache in einer Stoffwechselstörung, im Immunsystem oder ist unbekannt.
Mögliche Auslöser
- Schlafmangel
- Alkoholkonsum und Alkoholentzug
- Giftstoffe
Risikofaktoren
- Schlaganfall
- Kopfverletzungen
- Hirntumor
- Entzündung der Hirnhäute (Meningitis) oder des Gehirns (Enzephalitis)
- Fieberkrämpfe bei Kindern
Auch wenn bisher kein epileptischer Anfall aufgetreten ist, erhöht ein Fieberkrampf in der Kindheit das Risiko, irgendwann eine Epilepsie zu entwickeln. Eine Kopfverletzung kann ebenso Jahre später eine Epilepsie verursachen. Auch Schlaganfälle und Hirntumoren können verantwortlich sein. Außerdem spielen psychosoziale Faktoren eine Rolle: Wer in Armut lebt, hat ein höheres Risiko, an Epilepsie zu erkranken.
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Häufigkeit von Epilepsie
Etwa jeder zehnte Mensch erlebt einmal in seinem Leben einen epileptischen Anfall, erleidet aber danach wahrscheinlich nie einen zweiten. Die Häufigkeit der Epilepsie beträgt 0,5 bis 1,2 %. Frauen und Männer sind gleichermaßen betroffen.
Diagnose von Epilepsie
Wenn Sie einen Anfall erlebt haben, sollten Sie in der Hausarztpraxis auch die Begleitsymptome beschreiben, einschließlich Übelkeit und plötzlicher Stimmungsschwankungen. Es ist wichtig, nach möglichen Auslösern zu suchen, wie z. B. Schlafmangel oder die Einnahme neuer Medikamente. Berichten Sie auch, ob in Ihrer Familie bereits eine Epilepsie aufgetreten ist.
Es ist sehr hilfreich, wenn andere Personen einen Anfall beobachtet haben und bei der Untersuchung beschreiben können. Videoaufnahmen können besonders nützlich sein, um die Dauer und Art des Anfalls zu dokumentieren. Es ist wichtig zu differenzieren, da es auch nicht-epileptische Anfälle gibt, die psychische Ursachen haben und anders ablaufen. Eine Bewusstlosigkeit, wie sie bei Kreislaufstörungen auftritt, ist kein epileptischer Anfall.
Nach dem Arztgespräch folgen meist eine körperliche Untersuchung und eine Blutentnahme. Außerdem werden Sie auf Anzeichen für neurologische Beschwerden hin untersucht. Es kann zusätzlich eine Messung der elektrischen Herzaktivität (EKG) gemacht werden.
Bei Verdacht auf Epilepsie erhalten Sie eine Überweisung zur Facharztpraxis für Neurologie. Wichtig ist eine Messung der Hirnströme (EEG) - für einige Minuten oder als Langzeitaufzeichnung. Ein EEG sollte innerhalb von 24 Stunden nach einem Anfall gemacht werden, weil es dann aufschlussreicher ist. Derselbe Zeitrahmen gilt für die schmerzlose, ungefährliche Darstellung des Gehirns durch Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT). Diese Untersuchungen finden in der radiologischen Praxis statt.
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In seltenen Fällen kann das Hirnwasser, das Gehirn und Rückenmark umgibt, untersucht werden. Dies geschieht durch den Einstich mit einer Nadel in den Rücken (Liquorpunktion).
Nach einem erstmaligen Anfall sollten Sie sich im Krankenhaus untersuchen lassen, um gefährliche Ursachen wie einen Schlaganfall auszuschließen. Gleiches gilt, wenn Sie sehr lange bewusstlos waren oder wiederholte oder untypische Anfälle erlitten. Personen mit bekannter Epilepsie benötigen nach einem einzelnen Anfall meist keine Krankenhauseinweisung.
Behandlung von Epilepsie
Die Behandlung eines epileptischen Anfalls umfasst sowohl Sofortmaßnahmen während des Anfalls als auch langfristige Strategien zur Verhinderung weiterer Anfälle.
Sofortmaßnahmen während eines Anfalls
Während des Anfalls können Anwesende eine weiche Unterlage unter den Kopf legen und harte Gegenstände aus der Umgebung entfernen. Die Person sollte während des Anfalls nicht festgehalten werden. Bringen Sie die Person nach dem Anfall in die stabile Seitenlage. Wenn bei der Person keine Epilepsie vorbekannt ist, sollte der Rettungsdienst gerufen werden (112), auch wenn der Anfall vorbei ist. Anfälle über 5 Minuten gelten als Notfall - rufen Sie den Rettungsdienst! Bei zwei Anfällen in kurzer Zeit ohne zwischenzeitige Erholung müssen Sie ebenfalls den Notruf wählen!
Medikamentöse Behandlung
Medikamente sind der wichtigste Teil der Behandlung, um weitere Anfälle zu verhindern. Sie blockieren Kanäle in den Gehirnzellen, durch die Kalzium- und Natriummoleküle fließen, und beeinflussen die Freisetzung von Neurotransmittern (Botenstoffen im Gehirn). Bei fokaler Epilepsie wird oft das Medikament Lamotrigin verwendet. Die generalisierte Epilepsie wird häufig mit Lamotrigin oder Valproinsäure behandelt. Absencen therapiert man oft mit Ethosuximid.
Manche Medikamente führen zu Nebenwirkungen wie Schläfrigkeit, Schwindel und Konzentrationsstörungen. Einige Medikamente erhöhen das Risiko für Osteoporose oder verringern die Wirkung von Verhütungsmitteln („Pille”). Valproinsäure und manche andere Epilepsiemedikamente dürfen in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden. Aus diesen Gründen sollten Kosten und Nutzen immer abgewogen werden. Nach 2 Jahren Anfallsfreiheit können Sie mit den behandelnden Ärzt*innen besprechen, ob es sinnvoll ist, das Medikament abzusetzen.
Nervenstimulation
Sollten Medikamente keine Wirkung zeigen, dann bietet Nervenstimulation eine Alternative. Es wird ein Stimulator implantiert, der elektrischen Strom an den Vagusnerv abgibt. Dadurch sinkt die Zahl der Anfälle ‒ Anfallsfreiheit wird damit jedoch nicht erreicht.
Operation
Reicht eine Therapie mit Medikamenten nicht aus, dann kann operiert werden. Operationen haben sich in der Behandlung der Epilepsie bewährt. Dabei wird oft mit modernen Lasern oder Radiowellen ein Stück Hirngewebe abgetragen.
Ketogene Ernährung
Wenn Sie von Epilepsie betroffen sind, sollten sich besonders Kinder und Jugendliche ketogen ernähren. Das heißt, sie sollten viel Fett und sehr wenige Kohlenhydrate (Brot, Nudeln, Kartoffeln) zu sich nehmen. Der Körper reagiert auf diese Ernährung mit Fettverbrennung ‒ einem Zustand, der sonst beim Fasten auftritt. Auch im Gehirn laufen dann andere Stoffwechselprozesse ab ‒ bei jeder zweiten genetisch bedingten Epilepsie kann man so Anfallsfreiheit erreichen. Die Ernährungsumstellung braucht jedoch Disziplin.
Leben mit Epilepsie
Epilepsie kann eine große Belastung im Beruf und im Privatleben darstellen. Da jeder Anfall ein Risiko birgt und es unmöglich ist, Anfälle vorherzusagen, führt Epilepsie zu großer Verunsicherung. Aus Angst und Scham ziehen sich Betroffene zurück. Es gibt jedoch Strategien, um mit der Erkrankung umzugehen und ein erfülltes Leben zu führen.
Berufswahl
Menschen mit Epilepsie sollten einen Beruf ausüben, bei dem kein erhöhtes Risiko besteht, sich selbst oder andere zu gefährden. Der Spitzenverband der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) informiert über Vorschriften zur beruflichen Beurteilung.
Freizeit und Reisen
Wenn Sie von Epilepsie betroffen sind, sollten Sie regelmäßig schlafen und Alkohol vermeiden. Auf Schwimmausflüge sollten Sie verzichten. Flackernde Lichter können Anfälle auslösen ‒ moderne Computer und Fernseher sind jedoch unproblematisch. Bei Auslandsreisen sollten Sie eine Medikamentenliste in englischer Sprache mitführen.
Führerschein
Das Autofahren bei Epilepsie ist nicht erlaubt. Eine Ausnahme gilt bei einer länger anhaltenden, dokumentierten Anfallsfreiheit. Ihre Fahreigung muss beurteilt werden.
Kinderwunsch
Bestimmte Medikamente dürfen in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden. Deshalb sollten Sie bei einem Kinderwunsch ärztlichen Rat einholen und die Schwangerschaft engmaschig überwachen lassen.
Metoclopramid (MCP) und Epilepsie
Metoclopramid (MCP) ist ein Medikament, das zur Behandlung von Übelkeit und Erbrechen eingesetzt wird. Es wirkt auf das Brechzentrum im Gehirn und direkt auf den Magen-Darm-Trakt. MCP kann jedoch bei Menschen mit Epilepsie kontraindiziert sein.
Warum MCP bei Epilepsie problematisch sein kann
MCP kann das Risiko von Krampfanfällen erhöhen und sollte daher bei Patienten mit Epilepsie vermieden werden. Es gibt Wirkstoffe gegen Übelkeit, die nicht ins Gehirn übergehen und daher für Menschen mit Epilepsie besser geeignet sind.
Alternativen zu MCP
Wenn ein Patient mit Epilepsie unter Übelkeit und Erbrechen leidet, sollten alternative Medikamente in Betracht gezogen werden, die das Risiko von Krampfanfällen nicht erhöhen.