Orfiril Long: Wirkung, Anwendung, Nebenwirkungen und wichtige Hinweise

Orfiril long ist ein Medikament, das zur Behandlung von Anfallsleiden (Epilepsie) und Manien eingesetzt wird. Es enthält den Wirkstoff Valproinsäure und gehört zur Gruppe der Antiepileptika. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Anwendung, Wirkung, Nebenwirkungen und wichtige Hinweise zu Orfiril long.

Was ist Orfiril Long und wofür wird es angewendet?

Orfiril long ist ein Mittel zur Behandlung von Anfallsleiden (Antiepileptikum) und Manien. Es wird angewendet zur Behandlung von:

  • Anfällen, die von beiden Gehirnhälften ausgehen (generalisierte Anfälle, z. B. Absencen, myoklonische und tonisch-klonische Anfälle).
  • Anfällen, die von einem umschriebenen Gebiet des Gehirns ausgehen (fokale Anfälle) und sich unter Umständen auf beide Hirnhälften ausbreiten (sekundär generalisierte Anfälle).
  • Anderen Anfallsformen, z. B. Anfällen mit einfacher oder gemischter (komplexer) Symptomatik sowie bei Anfällen, die sich von einem umschriebenen Hirngebiet auf beide Hirnhälften ausbreiten (sekundär generalisierte Anfälle) zusammen mit anderen Arzneimitteln gegen Anfallsleiden, wenn diese Anfallsformen auf die übliche antiepileptische Behandlung nicht ansprechen.
  • Manie, wenn Sie sich sehr aufgeregt, freudig erregt, aufgewühlt, enthusiastisch oder hyperaktiv fühlen. Manie tritt bei einer Krankheit auf, die als „bipolare Störung“ bezeichnet wird. Orfiril long kann eingesetzt werden, wenn Lithium nicht verwendet werden kann.

Hinweise zur Anwendung

Die Umstellung von bisherigen (nicht retardierten) Valproinsäure-haltigen Darreichungsformen auf Orfiril long kann 1:1 innerhalb von 1-2 Tagen erfolgen. Dabei ist auf eine ausreichende Serumkonzentration von Valproinsäure zu achten. Bei Kleinkindern ist Orfiril long nur in Ausnahmefällen Mittel der ersten Wahl zur Behandlung von Anfallsleiden; das Mittel sollte bei Kleinkindern nur unter besonderer Vorsicht nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung und möglichst nicht zusammen mit anderen Arzneimitteln gegen Anfallsleiden angewendet werden.

Dosierung von Orfiril Long

Die Dosierung von Orfiril long wird von Ihrem Arzt individuell auf Sie abgestimmt, da sie von verschiedenen Faktoren abhängt. Die Dosierung wird in der Regel langsam erhöht und auf eine für Sie passende Erhaltungsdosis eingestellt. Für die einzelnen Dosierungsschritte stehen Arzneimittel mit verschiedenen Wirkstoffstärken zur Verfügung.

  • Epilepsie - Allgemeine Dosierungsempfehlung:

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    • Kinder und Jugendliche von 6-14 Jahren mit 25-40 kg Körpergewicht

      • Einzeldosis: 2-4 Kapseln
      • Gesamtdosis: 1-mal täglich
      • Zeitpunkt: unabhängig von der Mahlzeit
    • Jugendliche ab 14 Jahren mit 40-60 kg Körpergewicht

      • Einzeldosis: 2-5 Kapseln
      • Gesamtdosis: 1-mal täglich
      • Zeitpunkt: unabhängig von der Mahlzeit
    • Epilepsie: Alternativ kann die Tagesdosis auch auf 2 Gaben verteilt eingenommen werden.

  • Vorbeugung gegen eine manisch-depressive Phase und Manie: Das Arzneimittel wird entsprechend dem Körpergewicht dosiert. Lassen Sie sich dazu von Ihrem Arzt oder Apotheker beraten. Für Erwachsene stehen Arzneimittel mit geeigneterem Wirkstoffgehalt zur Verfügung.

  • Patienten mit einer Nierenfunktionsstörung: Sie müssen in Absprache mit Ihrem Arzt eventuell die Einzel- oder die Gesamtdosis reduzieren oder den Dosierungsabstand verlängern.

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Die Gesamtdosis sollte nicht ohne Rücksprache mit einem Arzt oder Apotheker überschritten werden.

Art und Dauer der Anwendung

Nehmen Sie das Arzneimittel unzerkaut mit Flüssigkeit (z.B. 1 Glas Wasser) ein. Oder: Bereiten Sie das Arzneimittel zu und nehmen Sie es ein. Dazu öffnen Sie die Kapsel und verrühren den Inhalt in reichlich Flüssigkeit (möglichst kohlensäurehaltig) oder vermischen es mit breiförmiger Nahrung. Die Anwendungsdauer richtet sich nach Art der Beschwerde und/oder Dauer der Erkrankung und wird deshalb nur von Ihrem Arzt bestimmt.

Überdosierung

Bei einer Überdosierung kann es unter anderem zu Verwirrtheit, niedrigem Blutdruck und Koma kommen. Setzen Sie sich bei dem Verdacht auf eine Überdosierung umgehend mit einem Arzt in Verbindung.

Einnahme vergessen?

Setzen Sie die Einnahme zum nächsten vorgeschriebenen Zeitpunkt ganz normal (also nicht mit der doppelten Menge) fort. Achten Sie vor allem bei Säuglingen, Kleinkindern und älteren Menschen auf eine gewissenhafte Dosierung. Im Zweifelsfalle fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker nach etwaigen Auswirkungen oder Vorsichtsmaßnahmen.

Was sollten Sie vor der Einnahme von Orfiril Long beachten?

Orfiril long darf nicht eingenommen werden, wenn Sie:

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  • allergisch gegen Valproinsäure, Natriumvalproat, Valproat-Seminatrium, Calciumvalproat-Dihydrat oder einen der sonstigen Bestandteile dieses Arzneimittels sind
  • Lebererkrankungen in der eigenen oder familiären Vorgeschichte sowie bestehenden schwerwiegenden Funktionsstörungen von Leber oder Bauchspeicheldrüse haben
  • Funktionsstörungen der Leber mit tödlichem Ausgang während einer Valproinsäure-Behandlung bei Geschwistern hatten
  • angeborene oder erworbene Störungen im Stoffwechsel des Blutfarbstoffes (Porphyrie) haben
  • bekannte Störungen des Harnstoffzyklus (Störungen des Abbaus stickstoffhaltiger Stoffwechselprodukte) haben
  • einen unbehandelten Carnitinmangel (eine sehr seltene Stoffwechselerkrankung) haben
  • Blutgerinnungsstörungen haben
  • einen genetischen Defekt haben, der eine mitochondriale Erkrankung verursacht (z.B. Alpers-Huttenlocher-Syndrom)

Spezielle Warnhinweise für Frauen

  • Bipolare Störungen: Wenn Sie schwanger sind, dürfen Sie Orfiril long nicht zur Behandlung von bipolaren Störungen anwenden. Wenn Sie eine Frau sind, die schwanger werden könnte, dürfen Sie Orfiril long nicht zur Behandlung von bipolaren Störungen einnehmen, es sei denn, dass Sie während der gesamten Behandlung mit Orfiril long eine wirksame Methode zur Schwangerschaftsverhütung (Kontrazeption) anwenden. Sie dürfen weder die Einnahme von Orfiril long noch Ihre Empfängnisverhütung beenden, bevor Sie darüber mit Ihrem Arzt gesprochen haben. Ihr Arzt wird Sie weiter beraten.
  • Epilepsie: Wenn Sie schwanger sind, dürfen Sie Orfiril long nicht zur Behandlung von Epilepsie anwenden, es sei denn, es stehen keine anderen wirksamen Alternativen für Sie zur Verfügung. Wenn Sie eine Frau sind, die schwanger werden könnte, dürfen Sie Orfiril long nicht zur Behandlung von Epilepsie einnehmen, es sei denn, dass Sie während der gesamten Behandlung mit Orfiril long eine wirksame Methode zur Schwangerschaftsverhütung (Kontrazeption) anwenden. Sie dürfen weder die Einnahme von Orfiril long noch Ihre Empfängnisverhütung beenden, bevor Sie darüber mit Ihrem Arzt gesprochen haben. Ihr Arzt wird Sie weiter beraten.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt bevor Sie Orfiril long einnehmen. Informieren Sie unverzüglich Ihren Arzt:

  • Bei Symptomen für eine Leber- und/oder Bauchspeicheldrüsenschädigung. Das Risiko einer Leberschädigung ist erhöht, wenn Orfiril long von Kindern unter 3 Jahren, Personen, die gleichzeitig andere Antiepileptika einnehmen oder andere neurologische oder Stoffwechselerkrankungen und schwere Formen der Epilepsie haben, eingenommen wird.
  • Wenn Sie oder Ihr Kind Probleme wie Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen, Abgeschlagenheit oder verminderte Aufmerksamkeit, Erbrechen entwickeln. Dies kann auf einen erhöhten Ammoniakspiegel in Ihrem Blut zurückzuführen sein.
  • Bei einer Verschlimmerung Ihrer Krampfanfälle. Wie bei anderen Arzneimitteln zur Behandlung von Epilepsie kann es auch unter der Behandlung mit Orfiril long zu einer Zunahme der Häufigkeit oder Schwere von Krampfanfällen kommen. Benachrichtigen Sie in diesem Fall umgehend Ihren Arzt.
  • Eine geringe Anzahl von Patienten, die mit Antiepileptika wie Orfiril long behandelt wurden, hatten Gedanken daran, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen. Wenn Sie zu irgendeinem Zeitpunkt solche Gedanken haben, setzen Sie sich sofort mit Ihrem Arzt in Verbindung.
  • Schwere Hautreaktionen einschließlich Stevens-Johnson-Syndrom, toxischer epidermaler Nekrolyse, Arzneimittelreaktion mit Eosinophilie und systemischen Symptomen (DRESS), Erythema multiforme und Angiödem wurden im Zusammenhang mit einer Behandlung mit Valproat berichtet. Suchen Sie sofort einen Arzt auf, wenn Sie eines der in Abschnitt 4 beschriebenen Symptome dieser schweren Hautreaktionen bemerken.

Sprechen Sie vor Behandlungsbeginn mit Ihrem Arzt, wenn Sie:

  • eine frühere Schädigung des Knochenmarks haben; in diesem Fall ist eine strenge ärztliche Überwachung erforderlich (Blutbildkontrollen)
  • systemischen Lupus erythematodes haben (eine Reaktion der körpereigenen Abwehr gegen eigenes Bindegewebe)
  • bei Ihnen der Verdacht auf Stoffwechselstörungen besteht, insbesondere angeborener Enzymmangelkrankheiten wie eine Störung des Harnstoffzyklus, da dadurch ein Risiko eines erhöhten Ammoniakspiegels im Blut besteht
  • Sie eine seltene Erkrankung namens „Carnitin-Palmitoyl-Transferase-(CPT-)II-Mangel“ haben, da bei Ihnen ein erhöhtes Risiko für Muskelerkrankungen besteht
  • Ihnen bekannt ist oder Ihr Arzt vermutet, dass es in Ihrer Familie eine durch einen genetischen Defekt verursachte mitochondriale Erkrankung gibt, da dadurch das Risiko einer Leberschädigung besteht
  • bei Ihnen die Aufnahme von Carnitin, das in Fleisch und Milchprodukten enthalten ist, über die Nahrung beeinträchtigt ist, insbesondere bei Kindern unter 10 Jahren
  • bei Ihnen ein Carnitinmangel besteht und Sie Carnitin einnehmen
  • eingeschränkte Nierenfunktion und/oder Eiweißmangel im Blut haben. In diesen Fällen kann eine Verringerung der Valproinsäure-Dosis erforderlich sein.
  • vor einem chirurgischen oder zahnärztlichen Eingriff stehen (z. B. dem Ziehen eines Zahns). Da bei Einnahme von Orfiril long eine erhöhte Blutungsneigung bestehen kann, muss der behandelnde Arzt darüber informiert werden, dass Sie Orfiril long einnehmen, damit die Blutgerinnung überprüft wird.
  • gleichzeitig Arzneimittel einnehmen, die die Blutgerinnung hemmen (z. B. Vitamin-K-Antagonisten). Da es zu einer erhöhten Blutungsneigung kommen kann, muss die Blutgerinnung (INR-Wert) regelmäßig überprüft werden. Ebenso kann bei gleichzeitiger Einnahme von Acetylsalicylsäure (z. B. ASS, Aspirin) die Blutungsneigung verstärkt sein, so dass regelmäßige Kontrollen der Blutgerinnung erforderlich sind (Bestimmung der Blutungszeit und/oder Blutplättchenzahl).
  • eine bestehende HIV-Infektion haben, da Orfiril long eventuell die Vermehrung von HI-Viren stimulieren kann
  • jemals nach der Anwendung von Valproat einen schweren Hautausschlag oder Hautablösung, Blasenbildung und/oder Geschwüre im Mund entwickelt haben.

Unter der Therapie mit Orfiril long kann eine Gewichtszunahme auftreten. Kontrollieren Sie regelmäßig Ihr Gewicht, und vereinbaren Sie erforderlichenfalls mit Ihrem Arzt geeignete Maßnahmen, um diese möglichst gering zu halten. Gewichtszunahme kann ein Risikofaktor für zystisch vergrößerte Eierstöcke (polyzystisches Ovarialsyndrom) sein.

Orfiril long kann Schilddrüsenhormone aus der Plasmaeiweißbindung verdrängen, so dass diese rascher abgebaut werden und somit fälschlicherweise ein Verdacht auf eine Schilddrüsenunterfunktion entstehen kann. Fragen Sie in diesen Fällen vor Behandlungsbeginn den Arzt.

Warnhinweis: Leber- und/oder Bauchspeicheldrüsenschädigung

Gelegentlich sind schwere (bis tödlich verlaufende) Schädigungen der Leber, selten auch der Bauchspeicheldrüse aufgetreten. Diese Schädigungen treten unabhängig von der Orfiril long-Dosis auf. Am häufigsten betroffen sind Kinder unter 15 Jahren, insbesondere Säuglinge und Kinder unter 3 Jahren mit schweren Anfallsformen, besonders, wenn zusätzlich eine Hirnschädigung, geistige Zurückgebliebenheit oder bekannte Stoffwechselstörungen vorliegen. Bei diesen Patienten sollte Orfiril long möglichst als alleiniges Arzneimittel gegen Anfallsleiden eingenommen werden. In der Mehrzahl der Fälle wurden die Leberschäden in den ersten 6 Behandlungsmonaten beobachtet. Daher ist insbesondere während der ersten 6 Behandlungsmonate eine engmaschige ärztliche Überwachung der Patienten erforderlich.

Bei einer Schädigung der Leber oder der Bauchspeicheldrüse zeigen sich klinische Auffälligkeiten häufig vor einer Veränderung der Blutwerte. Patienten bzw. deren Eltern/Bezugspersonen sollen bei Auftreten der folgenden Beschwerden sofort Kontakt mit dem behandelnden Arzt aufnehmen, da diese Anzeichen einer Schädigung der Leber- oder Bauchspeicheldrüse sein können:

  • Appetitverlust, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Fieber
  • Abneigung gegen gewohnte Speisen, Abneigung gegen Orfiril long
  • Müdigkeit, Schlappheit, Teilnahmslosigkeit, Bewusstseinsstörungen, Verwirrtheit, Unruhe, Bewegungsstörungen, körperliches Schwächegefühl
  • Zunahme von Häufigkeit oder Schwere der Anfälle
  • auffällig häufig blaue Flecken/Nasenbluten
  • Wassereinlagerungen an den Augenlidern oder Beinen
  • Gelbsucht

Störungen des Harnstoffzyklus (Hyperammonämie)

Unter der Behandlung mit valproinsäurehaltigen Arzneimitteln kann es zu einem Anstieg des Ammoniakserumspiegels (Hyperammonämie) kommen. Suchen Sie deshalb beim Auftreten von Symptomen wie Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Erbrechen, erniedrigtem Blutdruck oder bei Zunahme der Anfälle Ihren Arzt auf. Dieser sollte dann die Serumspiegel von Ammoniak und Valproinsäure bestimmen; ggf. ist Orfiril long abzusetzen. Bei Verdacht auf eine bereits bestehende enzymatische Störung des Harnstoffzyklus sollte bereits vor Beginn einer Valproinsäuretherapie eine genaue Abklärung eventueller Stoffwechselabweichungen erfolgen.

Ältere Menschen

Bei älteren Patienten können die unter den Nebenwirkungen aufgeführten Störungen des Magen-Darm-Traktes und zentralnervösen Störungen (Müdigkeit) bei Behandlungsbeginn verstärkt auftreten.

Verschlechterung des Anfallsleidens

Wie bei der Einnahme anderer Antiepileptika auch, kann es unter der Behandlung mit Valproinsäure-haltigen Arzneimitteln zur Verschlechterung des Anfallsleidens kommen.

Kinder und Jugendliche

Besondere Vorsicht bei der Einnahme von Orfiril long ist erforderlich bei Kleinkindern, die gleichzeitig andere Arzneimittel gegen Anfallsleiden einnehmen, mehrfachbehinderten Kindern und Jugendlichen mit schweren Anfallsformen. Orfiril long sollte nicht bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren zur Behandlung von Manie eingesetzt werden. Die gleichzeitige Einnahme von Orfiril long und Acetylsalicylsäure sollte bei fieberhaften Erkrankungen bei Säuglingen und Kindern unterbleiben und bei Jugendlichen nur auf ausdrückliche ärztliche Anweisung erfolgen. Auf Grund des hohen Wirkstoffgehaltes ist Orfiril long 300 mg im Allgemeinen für Kinder unter 3 Jahren nicht geeignet. Hierfür steht die weitere Dosisstärke Orfiril long 150 mg zur Verfügung.

Einnahme von Orfiril Long zusammen mit anderen Arzneimitteln

Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie andere Arzneimittel einnehmen, kürzlich andere Arzneimittel eingenommen haben oder beabsichtigen andere Arzneimittel einzunehmen.

Die Wirkung und teilweise die Nebenwirkungen von Orfiril long werden verstärkt durch:

  • Felbamat (Mittel gegen Anfallsleiden), das dosisabhängig die Serumkonzentrationen von freier Valproinsäure erhöht
  • Cimetidin (Mittel gegen Magengeschwüre)
  • Erythromycin (Mittel gegen bakterielle Infektionen)
  • Acetylsalicylsäure (z. B. Aspirin, ASS: Mittel gegen Fieber und Schmerzen); die Konzentration an freier Valproinsäure im Serum wird erhöht, zudem kann die Blutungsneigung erhöht sein.

Die Wirkung von Orfiril long wird abgeschwächt durch:

  • andere Arzneimittel gegen Anfälle wie Phenobarbital, Phenytoin, Primidon und Carbamazepin (wird auch bei bipolaren Störungen eingesetzt), durch beschleunigte Valproinsäure-Ausscheidung
  • Mefloquin (Mittel gegen Malaria), das Valproinsäure verstärkt abbaut und darüber hinaus eine mögliche krampfauslösende Wirkung hat
  • Carbapeneme (Antibiotika zur Behandlung von bakteriellen Infektionen, wie z.B. Imipenem, Panipenem, Meropenem). Die gleichzeitige Anwendung von Valproinsäure und Carbapenemen sollte vermieden werden, weil dadurch die Wirksamkeit von Valproinsäure vermindert werden kann. Teilen Sie Ihrem Arzt mit, wenn Sie eines der vorgenannten Arzneimittel einnehmen.
  • Rifampicin (Mittel gegen Tuberkulose)
  • Protease-Inhibitoren wie Lopinavir oder Ritonavir (Mittel zur Behandlung von HIV-Infektionen)
  • Colestyramin (Mittel zur Senkung der Blutfette)
  • Östrogenhaltige Mittel (einschließlich bestimmter empfängnisverhütender Hormonpräparate)
  • Metamizol (Mittel zur Behandlung von Schmerzen und Fieber)
  • Methotrexat (zur Behandlung von Krebs- oder entzündlichen Erkrankungen).

Mögliche Nebenwirkungen von Orfiril Long

Wie alle Arzneimittel kann auch dieses Arzneimittel Nebenwirkungen haben, die aber nicht bei jedem auftreten müssen.

Häufige Nebenwirkungen

  • Magen-Darm-Beschwerden, wie: Übelkeit, Durchfälle, Bauchschmerzen, vermehrter Speichelfluss, Appetitsteigerung, Appetitlosigkeit, Gewichtszunahme, Gewichtsverlust
  • Kopfschmerzen
  • Schläfrigkeit
  • Teilnahmslosigkeit (Apathie)
  • Störung der Bewegungskoordination (Ataxie)
  • Reizbarkeit
  • Zittern
  • Unruhe
  • Selbstmordgedanken
  • Missempfindungen, wie Kribbeln, Ameisenlaufen oder Taubheit
  • Bewegungsstarre des ganzen Körpers
  • Muskelkrämpfe
  • Erkrankungen des Gehirns
  • Leberschäden
  • Veränderung des Blutbildes, wie: Thrombozytopenie (Verminderung der Anzahl der Blutplättchen), Leukopenie (Verminderung der Anzahl der weißen Blutkörperchen)
  • Erhöhte Ammoniakwerte im Blut
  • Wassereinlagerungen (Ödeme)
  • Blutungen, mit eventuell verlängerter Blutungszeit
  • Haarausfall
  • Nagel- und Nagelbetterkrankungen
  • Unregelmäßige Monatsblutung
  • Erhöhung der Leberenzyme

Seltene Nebenwirkungen

  • Knochenmarkstörung mit Blutbildungsstörung (Knochenmarkdepression)
  • Übermässige Ausschüttung an männlichem Geschlechtshormon (Testosteron)
  • Aggression
  • Antriebssteigerung
  • Konzentrationsstörungen
  • Augenzittern
  • Schwindel
  • Zahnfleischerkrankungen
  • Verwirrtheit
  • Blutarmut (Anämie)
  • Gefäßentzündung
  • Spontan auftretende (Schleim-) Haut-Schwellung (Angioödem)
  • Taubheit
  • Brustfellerguss
  • Erkrankung der Bauchspeicheldrüse
  • Blasenschwäche mit ungewolltem Harnabgang
  • Nierenversagen
  • Schmerzhafte Monatsblutung (Dysmenorrhoe)
  • Krampfanfälle
  • Unangemessene Sekretion des antidiuretischen Hormons
  • Vermännlichung der Frau
  • Ausbleibende Regelblutung (Amenorrhoe)
  • Eingeschränktes Erinnerungsvermögen
  • Sinnestäuschungen (Halluzinationen)
  • Veränderung der Haare
  • Benommenheit
  • Unterkühlung
  • Natriummangel
  • Hörverlust
  • Entzündung der Mundschleimhaut (Stomatitis)
  • Schwerste Bewusstseinsstörung (Koma)
  • Medikamenteninduzierter Parkinsonismus (reversibel)
  • Entzündung der Bauchspeicheldrüse

Wichtige Hinweise bei Auftreten von Nebenwirkungen

Bemerken Sie eine Befindlichkeitsstörung oder Veränderung während der Behandlung, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.

Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft

Orfiril long ist während der Schwangerschaft kontraindiziert, es sei denn, es gibt keine geeigneten Alternativen zur Behandlung Ihrer Erkrankung. Valproat passiert die Plazentaschranke und kann schwere angeborene Fehlbildungen und Entwicklungsstörungen beim Kind verursachen. Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung mit Orfiril long eine wirksame Verhütungsmethode anwenden.

Stillzeit

Es liegen begrenzte Daten zum Übergang von Valproinsäure in die Muttermilch vor. Aufgrund des Risikos für Nebenwirkungen beim Säugling sollte während der Behandlung mit Orfiril long nicht gestillt werden.

Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen

Orfiril long kann auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch das Reaktionsvermögen so weit verändern, dass z.B. die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigt wird.

Wichtige Informationen zu den Inhaltsstoffen

Orfiril long enthält Natrium. Dies ist bei Patienten mit einer natriumkontrollierten Diät zu berücksichtigen. Die Natriummenge variiert je nach Dosisstärke.

Lagerung von Orfiril Long

Das Arzneimittel muss:

  • vor Hitze geschützt
  • vor Feuchtigkeit geschützt (z.B. im fest verschlossenen Behältnis) aufbewahrt werden.

Das Arzneimittel muss nach Anbruch/Zubereitung innerhalb der nächsten Stunde verbraucht werden!

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