Ephedrin in der Neurologie: Anwendung, Wirkung und Risiken

Ephedrin, ein Wirkstoff mit vielfältigen Anwendungen, findet auch im neurologischen Bereich Beachtung, insbesondere im Zusammenhang mit Hypotonie während Anästhesieverfahren. Dieser Artikel beleuchtet die neurologischen Aspekte von Ephedrin, seine Wirkmechanismen, Anwendungsgebiete, Risiken und wichtige Vorsichtsmaßnahmen.

Einführung

Ephedrin ist ein Sympathomimetikum, das sowohl direkt an Alpha- und Beta-Rezeptoren wirkt als auch indirekt durch die Freisetzung von Noradrenalin an sympathischen Nervenendigungen. Diese duale Wirkweise führt zu einer Stimulation des zentralen Nervensystems, des kardiovaskulären Systems und des Atmungssystems. Im klinischen Alltag wird Ephedrinhydrochlorid intravenös zur Behandlung von Hypotonie eingesetzt, insbesondere während Spinal-, Epidural- oder Allgemeinanästhesie.

Pharmakologische Eigenschaften und Wirkmechanismus

Ephedrin wirkt als Sympathomimetikum, indem es das zentrale Nervensystem, das kardiovaskuläre System, das Atmungssystem und die Sphinktere des Verdauungs- und Harntrakts stimuliert. Es ist sowohl ein direktes Sympatomimetikum an Alpha- und Betarezeptoren und übt zum anderen über die verstärkte Ausschüttung von Noradrenalin an sympathischen Nervenendigungen eine indirekte Wirkung aus. Nach der Verabreichung wird Ephedrin rasch und vollständig resorbiert und im Körper verteilt. Es akkumuliert in Organen wie Leber, Nieren, Lunge, Milz und Gehirn, was zu einem hohen Verteilungsvolumen führt. Ein geringer Teil wird in der Leber oxidativ abgebaut, während der Großteil unverändert über den Urin ausgeschieden wird.

Anwendungsgebiete in der Neurologie

Die primäre neurologische Anwendung von Ephedrin liegt in der Behandlung von Hypotonie, die im Rahmen von Anästhesieverfahren auftreten kann. Hierbei wird Ephedrinhydrochlorid intravenös durch den Anästhesisten oder unter dessen Aufsicht verabreicht. Die übliche Dosis beträgt 5-10 mg als langsame Injektion, die bei Bedarf alle 3-4 Minuten wiederholt werden kann, wobei eine maximale Tagesdosis von 150 mg nicht überschritten werden sollte.

Indikation:Behandlung einer Hypotonie während einer Spinal- oder Periduralanästhesie oder einer Allgemeinanästhesie bei Erwachsenen und Jugendlichen > 12 Jahre.

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Dosierung und Verabreichung

Die Dosierung von Ephedrin muss auf die niedrigste wirksame Dosis und den kürzestmöglichen Zeitraum beschränkt werden. Die Verabreichung erfolgt ausschließlich intravenös durch den Anästhesisten oder unter dessen Aufsicht. Die übliche Dosis zur Behandlung von Hypotonie beträgt 5-10 mg als langsame Injektion, die bei Bedarf alle 3-4 Minuten wiederholt werden kann. Die Maximaldosis beträgt 150 mg pro 24 Stunden. Bei älteren Patienten sollte die Dosis vorsichtig gewählt und am unteren Ende des Dosierungsbereichs begonnen werden, um die größere Häufigkeit einer eingeschränkten Leber-, Nieren- oder Herzfunktion sowie von Begleiterkrankungen oder anderer medikamentöser Therapie zu berücksichtigen.

Risiken und Nebenwirkungen

Die Anwendung von Ephedrin kann mit verschiedenen Nebenwirkungen verbunden sein, die das Nervensystem betreffen können. Dazu gehören:

  • Psychiatrische Erkrankungen: Verwirrtheit, Depression, Angstzustände, psychotische Zustände
  • Erkrankungen des Nervensystems: Schlaflosigkeit, Nervosität, Reizbarkeit, Unruhe, Schwäche, Kopfschmerzen, Schwitzen, Zittern, Migräne, Hypersalivation
  • Augenerkrankungen: Episoden von Winkelblockglaukom/Engwinkelglaukom (bei anatomisch prädisponierten Patienten)
  • Herzerkrankungen: Tachykardie, Palpitationen, Hypertonie, Herzrhythmusstörungen, präkordiale Schmerzen, pektanginöse Schmerzen, reflektorische Bradykardie, Herzstillstand, Hypotonie
  • Gefäßerkrankungen: Blutungen, zerebrale Hämorrhagie
  • Erkrankungen der Atemwege: Dyspnoe, Lungenödeme
  • Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts: Übelkeit, Erbrechen, verminderter Appetit
  • Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen: Muskelschwäche
  • Erkrankungen der Nieren und Harnwege: Dysurie

Die missbräuchliche Anwendung von Ephedrin kann zu schweren Nebenwirkungen führen, darunter starke Angstgefühle, Delirium, Halluzinationen und Psychosen.

Kontraindikationen

Ephedrin darf nicht angewendet werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen Ephedrin
  • Übererregbarkeit
  • Phäochromozytom
  • Arteriosklerose
  • Aneurysma
  • Koronarthrombose
  • Diabetes mellitus
  • Ischämische Herzerkrankung
  • Unkorrigierte Hypovolämie
  • Thyreotoxikose
  • Winkelblockglaukom
  • Prostatahypertrophie bei älteren Patienten
  • Begleitende Medikation mit (nicht-selektiven) Monoaminooxidasehemmern (MAOI) bzw. auch innerhalb von 2 Wochen nach Absetzen einer solchen Behandlung
  • Anderen indirekten Sympathomimetika wie Phenylpropanolamin, Phenylephrin, Pseudoephedrin oder Methylphenidat
  • Alpha-Sympathomimetika

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Ephedrin darf nur vom oder unter Aufsicht des Anästhesisten verabreicht werden. Besondere Vorsicht ist geboten bei Patienten mit:

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  • Hyperthyreose
  • Hypertonie
  • Anamnestisch bekannter Herzerkrankung, einschließlich chronischer Herzkrankheit
  • Chronischer Angststörung oder sonstigen psychischen Störungen
  • Kardiovaskulären Erkrankungen wie Arrhythmie, Tachykardie, Gefäßverschlusskrankheiten
  • Durchblutungsstörung des Gehirns oder autonomer Dysfunktion
  • Angina pectoris (pectanginöse Schmerzen können ausgelöst werden)
  • Eingeschränkter Nierenfunktion (erhöhtes Toxizitätsrisiko)

Ephedrin sollte bei Patienten, die sich einer Narkose mit Cyclopropan, Halothan oder anderen halogenierten Anästhetika unterziehen, vermieden oder mit Vorsicht angewendet werden, da dies zum Auftreten von Kammerflimmern führen kann. Bei der Verabreichung von Ephedrin bei Patienten, die Herzglycoside, Chinidin oder trizyklische Antidepressiva einnehmen, besteht ein erhöhtes Arrhythmierisiko.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Ephedrin kann Wechselwirkungen mit verschiedenen Medikamenten eingehen, die das Nervensystem beeinflussen können. Dazu gehören:

  • Nichtselektive MAO-Hemmer: Risiko einer hypertensiven Episode
  • Andere indirekt wirkende Sympathomimetika: Verstärkung der Wirkung von Pseudoephedrin und erhöhtes Risiko einer Vasokonstriktion und/oder einer hypertensiven Krise
  • Reversible MAO-A-Hemmer (RIMAs), Linezolid, dopaminerge oder vasokonstriktorisch wirksame Mutterkornalkaloide: Risiko einer Vasokonstriktion und/oder einer hypertensiven Krise
  • Volatile halogenierte Anästhetika: Perioperative akute Hypertonie
  • Guanethidin, Reserpin und Methyldopa: Abschwächung der Wirkung von Pseudoephedrin
  • Trizyklische Antidepressiva: Abschwächung oder Verstärkung der Wirkung von Pseudoephedrin
  • Digitalisglycoside, Chinidin oder trizyklische Antidepressiva: Gehäuftes Auftreten von Arrhythmien
  • Blutdrucksenkende Arzneimittel: Verminderung der antihypertensiven Wirkung, Risiko von Bluthochdruck und anderen kardiovaskulären Nebenwirkungen kann erhöht sein

Es ist wichtig, dass Ärzte und Patienten alle Medikamente berücksichtigen, die eingenommen werden, um potenzielle Wechselwirkungen zu vermeiden.

Anwendung während Schwangerschaft und Stillzeit

Die Anwendung von Ephedrin in der Schwangerschaft sollte vermieden werden, da es die Plazentaschranke passiert und mit einer Steigerung der fetalen Herzfrequenz und Herzfrequenzvariabilität verbunden war. Tierstudien haben teratogene Wirkungen gezeigt. Da Ephedrin auch in die Muttermilch übertritt, sollte das Stillen für zwei Tage unterbrochen werden, wenn eine Ephedrin-Therapie erforderlich ist.

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