Medikamentös-induziertes Parkinson-Syndrom: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Das medikamentös induzierte Parkinson-Syndrom ist eine Form des Parkinsonismus, die als Nebenwirkung bestimmter Medikamente auftreten kann. Es ist wichtig, dieses Syndrom zu erkennen und von anderen Formen des Parkinson-Syndroms zu unterscheiden, um eine angemessene Behandlung zu gewährleisten.

Einführung in das Parkinson-Syndrom

Das Parkinson-Syndrom ist ein Oberbegriff für verschiedene Krankheitsentitäten, die durch eine Verlangsamung der Willkür- und Nicht-Willkürbewegungen (Akinese) in Verbindung mit mindestens einem der weiteren Kardinalsymptome Ruhetremor, Rigor und Haltungsinstabilität gekennzeichnet sind. Die Parkinson-Krankheit (idiopathisches Parkinson-Syndrom [IPS]) ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen, deren Prävalenz bei 100 bis 200 pro 100.000 Einwohner liegt.

Ursachen des medikamentös-induzierten Parkinson-Syndroms

Das häufigste Parkinson-Syndrom mit eindeutiger äußerer Ursache ist das medikamentös induzierte Parkinson-Syndrom. Vor allem Antipsychotika können die Übeltäter sein. Wenn ein Patient Beruhigungsmittel gegen Halluzinationen und Wahnvorstellungen einnimmt, kann er einen Dopamin-Mangel entwickeln. Der Antagonismus an zentralen Dopamin-D2-Rezeptoren wird für diesen Effekt hauptsächlich verantwortlich gemacht. Mit der Einführung atypischer Neuroleptika, die eine geringere Affinität zu den D2-Rezeptoren aufweisen, ging die Inzidenz der medikamentös induzierten Parkinson-Syndrome deutlich zurück.

Neben Neuroleptika/Antipsychotika können auch einige Antidepressiva, Kalziumkanalblocker, prokinetische Substanzen, einige Antikonvulsiva sowie Antiemetika einen Partialantagonismus zu den D2-Rezeptoren aufweisen und ein Parkinsonoid induzieren. Detaillierte Kenntnisse über die potenziell auslösenden Pharmaka sind daher besonders wichtig, insbesondere im Umgang mit einem geriatrischen Patientenkollektiv, das per definitionem besonders vulnerabel gegenüber Arzneimittelnebenwirkungen ist.

Einige Medikamente, die das Parkinson-Syndrom auslösen können, sind Chlorpromazin oder Haloperidol (gegen Psychosen), Lithium (gegen bipolare Störungen), Metoclopramid (gegen Übelkeit) oder Flunarizin (zur Vorbeugung von Migräne-Anfällen).

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Symptome des medikamentös-induzierten Parkinson-Syndroms

Die Parkinson-Symptome können sofort oder nach einiger Zeit auftreten. Die Empfindlichkeit, diesen Parkinsonismus zu entwickeln, variiert je Person. Das Erscheinungsbild des medikamentös induzierten Parkinson-Syndroms kann sich je nach Substanzklasse unterschiedlich zeigen. Die Symptome ähneln denen der Parkinson-Krankheit und umfassen:

  • Bradykinese (Bewegungsverlangsamung)
  • Rigor (Muskelsteifheit)
  • Tremor (Zittern), meist Ruhetremor
  • Posturale Instabilität (Gleichgewichtsstörungen)

Diagnose des medikamentös-induzierten Parkinson-Syndroms

Die Diagnose eines medikamentös induzierten Parkinson-Syndroms basiert auf folgenden Kriterien:

  • Symptombeginn im Anschluss an eine Behandlung mit einem Dopamin-Antagonisten.
  • Fehlen der Symptome vor dem Beginn der Medikation.
  • Symptomremission nach Absetzen der Medikation.

Es ist wichtig, andere Ursachen für Parkinsonismus auszuschließen, wie z. B. die Parkinson-Krankheit, atypische Parkinson-Syndrome oder andere sekundäre Ursachen. Eine sorgfältige Anamnese, neurologische Untersuchung und gegebenenfalls Bildgebung können erforderlich sein, um die Diagnose zu sichern.

Klinisch lassen sich das idiopathische und medikamentös induzierte Parkinson-Syndrom nur schwer voneinander unterscheiden, was zu Fehldiagnosen führen kann. Klinische Kriterien, die die Verdachtsdiagnose eines medikamentös induzierten Parkinsonoids unterstützen, umfassen: 1) Symptombeginn im Anschluss an eine Behandlung mit einem Dopamin-Antagonisten, 2) Fehlen der Symptome vor dem Beginn der Medikation und 3) Symptomremission nach Absetzen der Medikation.

Differenzialdiagnose

Die Abgrenzung der verschiedenen Parkinson-Syndrome untereinander, insbesondere die Differenzierung des idiopathischen Parkinson-Syndroms von anderen Parkinson-Syndromen, wie der Multisystematrophie (MSA), der progressiven supranukleären Paralyse (PSP, bzw. Synonym Steele-Richardson-Olszewski-Syndrom) und der kortikobasalen Degeneration/Syndrom (CBD/CBS, engl. Corticobasal Degeneration/Syndrome), kann schwierig sein. Die Unterscheidung der Parkinson-Syndrome ist aber von Bedeutung für die Behandlung. Nicht alle Formen des Parkinson-Syndroms sprechen gleichermaßen auf Parkinson-Medikamente an.

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Zu den wichtigen Differenzialdiagnosen gehören:

  • Essentieller Tremor: häufigste neurologische Ursache des Halte- und Aktionstremors. Der Essentielle Tremor betrifft normalerweise symmetrisch beide Hände und Arme und tritt auf, wenn die Arme ausgestreckt gehalten werden oder wenn sie Aktivitäten ausführen.
  • Demenz mit Lewy-Körperchen: Schwerwiegende neurokognitive Störungen mit visuellen Halluzinationen, schwankender Wahrnehmung, REM-Schlafstörungen und Parkinsonismus. Demenz tritt vor der Entwicklung von Parkinson-Anzeichen auf.
  • Kortikobasale Degeneration: charakteristische Form des Parkinsonismus, bei der es sich um eine fortschreitende asymmetrische Bewegungsstörung handelt. Kognitive Merkmale umfassen Aphasie, Apraxie, Verhaltensänderungen, Verlust der exekutiven Funktion und visuell-räumliche Dysfunktion. In der Bildgebung ist eine asymmetrische kortikale Atrophie zu sehen.
  • Progressive supranukleäre Parese: Klinisch stellt sich eine Haltungsinstabilität mit mehreren Stürzen in der Anamnese dar. Die progressive supranukleäre Parese ist die häufigste degenerative Form des Parkinsonismus. Dysphagie, Rigidität und kognitive Symptome.
  • Multisystematrophie (MSA): Gruppe seltener, tödlich verlaufender neurodegenerativer Symptome. Ataxie-Teleangiektasien und Pyramidenbahnzeichen. MSA schreitet schneller voran als IPS.
  • Vaskuläres Parkinson-Syndrom: Dieses Syndrom kann durch häufige kleine Schlaganfälle verursacht werden.

Behandlung des medikamentös-induzierten Parkinson-Syndroms

Durch Medikamente zu stoppen oder die Dosis zu reduzieren, verschwindet diese Form von Parkinsonismus in der Regel wieder. Die wichtigste Maßnahme ist das Absetzen oder Reduzieren des auslösenden Medikaments. In den meisten Fällen verschwinden die Symptome innerhalb von Wochen oder Monaten nach Absetzen des Medikaments.

In einigen Fällen können Medikamente zur Behandlung der Parkinson-Symptome eingesetzt werden, wie z. B. Levodopa oder Dopaminagonisten. Diese Medikamente können jedoch nicht immer wirksam sein und können unerwünschte Nebenwirkungen verursachen. Das Ansprechen auf dopaminerge Medikation ist bei einem Parkinsonoid zumeist reduziert, kann jedoch variieren.

Opipramol-induziertes Parkinson-Syndrom

Opipramol ist eines der meistverordneten Psychopharmaka in Deutschland und wird häufig als Tranquilizer bei Angststörungen oder Schlaflosigkeit eingesetzt. Allerdings liegen kaum wissenschaftliche Daten (Pharmakologie und Klinik) zu dieser Substanz vor, die sowohl die Wirksamkeit als auch das Nebenwirkungsspektrum abbilden.

In einer Studie konnte gezeigt werden, dass Opipramol ein Parkinson-Syndrom induzieren kann. In Übereinstimmung mit bisherigen Publikationen zu medikamentös induzierten Parkinson-Syndromen sahen die Autoren eine erhöhte Vulnerabilität bei älteren Menschen und Frauen, was möglicherweise auf die Tatsache zurückgeführt werden kann, dass in ihrem Patientenkollektiv auch mehr Frauen Opipramol erhalten hatten. Ein weiterer Prädilektionsfaktor bestand in einer kortikalen Atrophie.

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Bedeutung der korrekten Diagnose und Behandlung

Eine korrekte Diagnosestellung und frühzeitiges Erkennen medikamentös induzierter Parkinsonoide ist vor allem bei einem geriatrischen Patientenkollektiv aus mehreren Gründen von besonderer Bedeutung. Erstens nimmt der Kenntnisstand über medikamentös induzierte Parkinson-Syndrome ab, weil deren Inzidenz sinkt, seit die atypischen Neuroleptika, die seltener extrapyramidal-motorische Nebenwirkungen und Parkinson-Syndrome auslösen, eingeführt wurden. Zweitens wiesen ältere Patienten häufiger eine Multimedikation auf, die oft weniger bekannte Dopamin-Antagonisten beinhaltet, beispielsweise Calciumkanalblocker, Antiemetika oder Antikonvulsiva. Und drittens sind geriatrische Patienten besonders anfällig dafür, ein medikamentös induziertes Parkinsonoid zu entwickeln, weil bei ihnen ein altersbedingter Abbau der nigrostriatalen Dopaminrezeptoren vorliegt.

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