Mehrmals Ejakulieren: Zusammenhang mit Dopamin, Gesundheitliche Auswirkungen und Mythen

Die menschliche Sexualität ist ein komplexes und faszinierendes Gebiet, das von zahlreichen Faktoren beeinflusst wird. Selbstbefriedigung, Orgasmus und Ejakulation sind natürliche Bestandteile der Sexualität, die sowohl körperliche als auch psychische Auswirkungen haben können. In diesem Artikel werden wir uns mit dem Zusammenhang zwischen mehrmaligem Ejakulieren und Dopamin, den gesundheitlichen Auswirkungen der Selbstbefriedigung sowie einigen Mythen und Fakten rund um das Thema Orgasmus auseinandersetzen.

Selbstbefriedigung: Ein gesunder Bestandteil der Sexualität

Die Selbstbefriedigung gehört schon in der Pubertät zu einer gesunden Sexualentwicklung dazu. In der Pubertät setzen hormonelle Veränderungen verschiedene Impulse in Gang, die eigene Sexualität intensiv zu entdecken und vor allem zu erleben: Die Jugendlichen erfahren zum Beispiel das Verliebtsein, sehnen sich nach Zärtlichkeit und haben sexuelle Fantasien. Langsam wächst auch die Schambehaarung, bei Mädchen entwickelt sich zum Beispiel die Brust und Jungen entdecken die Erektion des Penis.

Die Masturbation spielt neben dem ersten Geschlechtsverkehr eine bedeutende Rolle im Leben der Heranwachsenden. Auch später gehört die Selbstbefriedigung zu einem gesunden Sexualleben dazu.

Wenn du dich selbst befriedigst oder dich selbst zum Orgasmus bringst, hat das viele positive Einflüsse auf deine Gesundheit. Ein wichtiger Hintergrund: Wenn du deinen sexuellen Höhepunkt erreichst, setzt dein Gehirn viele verschiedene Hormone frei. Dazu gehören das „Glückshormon“ Dopamin und das „Kuschelhormon“ Oxytocin. Sie tragen entscheidend zu den gesundheitlichen Vorteilen der Selbstbefriedigung bei und wirken dem „Stresshormon“ Cortisol entgegen.

Dopamin und das Belohnungssystem

Dopamin ist ein Neurotransmitter, der eine wichtige Rolle im Belohnungssystem des Gehirns spielt. Es wird ausgeschüttet, wenn wir etwas tun, das uns Freude bereitet, wie zum Beispiel essen, Sport treiben oder Sex haben. Dopamin hat einen motivations- und antriebssteigernden Effekt und bringt uns dazu, uns den „Glücklichmachern“ zuzuwenden.

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Im Gegensatz zu anderen Glückshormonen wie Serotonin, die eher im Moment wirken, sorgt Dopamin langfristig dafür, dass wir immer wieder eine „Dosis“ unserer Belohnung haben wollen.

Beim Sex bis hin zum Orgasmus wird im menschlichen Gehirn unter anderem eine Menge Dopamin ausgeschüttet. Dieses sogenannte Glückshormon sorgt für eine Art Rauschzustand, sexuelle Erregung und gute Gefühle. Außerdem wird das Hormon Oxytocin, auch Kuschelhormon genannt, freigesetzt.

Mehrmals Ejakulieren und Dopamin

Die Frage, ob mehrmaliges Ejakulieren einen direkten Zusammenhang mit dem Dopaminspiegel hat, ist komplex und nicht abschließend geklärt. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass jede Ejakulation zu einer vorübergehenden Ausschüttung von Dopamin führt, was ein Gefühl von Vergnügen und Belohnung verstärken kann.

Einige Studien deuten darauf hin, dass eine längere sexuelle Aktivität, die zu mehreren Orgasmen führt, zu einer stärkeren und länger anhaltenden Dopaminausschüttung führen kann. Dies könnte erklären, warum manche Menschen das Gefühl haben, dass mehrmaliges Ejakulieren zu einem intensiveren und befriedigenderen sexuellen Erlebnis führt.

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Reaktion auf sexuelle Aktivität und die damit verbundene Dopaminausschüttung von Person zu Person unterschiedlich sein kann. Faktoren wie Alter, sexuelle Erfahrung, psychischer Zustand und individuelle Unterschiede in der Gehirnchemie können eine Rolle spielen.

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Gesundheitliche Vorteile der Selbstbefriedigung

Die Selbstbefriedigung hat viele positive Einflüsse auf deine Gesundheit. Wenn du deinen sexuellen Höhepunkt erreichst, setzt dein Gehirn viele verschiedene Hormone frei. Dazu gehören das „Glückshormon“ Dopamin und das „Kuschelhormon“ Oxytocin. Sie tragen entscheidend zu den gesundheitlichen Vorteilen der Selbstbefriedigung bei und wirken dem „Stresshormon“ Cortisol entgegen.

Die regelmäßige Selbstbefriedigung kann das Risiko für Prostatakrebs senken. Je häufiger Männer einen Samenerguss (Ejakulation) haben, desto niedriger ist ihr Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken.

Zu dieser Feststellung kamen Forschende der Harvard University in einer Langzeitstudie. Demnach haben Männer, die 21-mal oder häufiger pro Monat ejakulieren, ein um 31 Prozent geringeres Erkrankungsrisiko als diejenigen, die nur etwa vier- bis siebenmal im Monat einen Samenerguss haben.

Im Allgemeinen kann die weibliche Selbstbefriedigung das Selbstwertgefühl und die körperliche Zufriedenheit der Frau deutlich steigern, insbesondere wenn sie dabei zum Orgasmus kommt. Einer US-amerikanischen Studie zufolge sind masturbierende Frauen mit dem Sexualleben in ihrer Paarbeziehung zufriedener. Sie haben mehr Orgasmen und ein höheres sexuelles Verlangen als Frauen, die sich nicht regelmäßig selbst befriedigen. Weitere gesundheitliche Vorteile der weiblichen Masturbation, die Forschende beobachtet haben:

  • Linderung von Regelschmerzen, ähnlich wie beim Sex während der Periode
  • Weniger Scheidentrockenheit
  • Verringerung von Schmerzen beim Geschlechtsverkehr

Auch in der Schwangerschaft können Frauen von den positiven Wirkungen der Masturbation profitieren: Der Körper produziert beim Orgasmus stimmungsaufhellende und schmerzlindernde Hormone (Endorphine, Oxytocin). Deshalb kann Selbstbefriedigung dazu beitragen, Schwangerschaftsbeschwerden wie Übelkeit oder Rückenschmerzen zu lindern.

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Masturbation baut Stress ab, hebt die Stimmung und macht glücklich, lindert Schmerzen, z. B. Kopfschmerzen, wirkt entkrampfend und kann so z. B. Menstruationskrämpfe lindern, lässt besser schlafen, beugt u. U. Blasenentzündungen und Harninkontinenz vor, verbessert den Sex mit dem Partner und wirkt Prostataerkrankungen entgegen.

Mythen und Fakten rund um den Orgasmus

Um die Geheimnisse des sexuellen Höhepunkts mit wissenschaftlichen Methoden zu ergründen, fotografieren oder filmen Forscher Probanden beim Sex und lassen Männer im Labor in Reagenzgläser ejakulieren. Sie erkunden mit Druckmesssonden, Leuchtdioden sowie mechanischen Phalli die Vaginen der Probandinnen.

Hier sind einige Fakten rund ums Kommen, die man wissen sollte:

  • Was passiert im Gehirn? Beim Sex bis zum Orgasmus wird im menschlichen Gehirn unter anderem eine Menge Dopamin ausgeschüttet. Dieses sogenannte Glückshormon sorgt für eine Art Rauschzustand, sexuelle Erregung und gute Gefühle. Außerdem wird das Hormon Oxytocin, auch Kuschelhormon genannt, freigesetzt. Zusätzlich wird das Hormon Prolaktin ausgeschüttet. Dieses Hormon fördert unter anderem Beruhigung und Schlaf und führt primär bei Männern nach der Ejakulation zu einer Art Erregungsstopp.

  • Wie lange dauert ein Orgasmus? Bei Frauen kann der Höhepunkt allgemein länger anhalten als bei Männern. Ein weiblicher Orgasmus kann Studien zufolge etwa 20 Sekunden, aber auch länger zu fühlen sein, während er bei Männern oft nach ein paar Sekunden vorbei ist.

  • Wer kommt häufiger: Frauen oder Männer? Kurz gesagt: In heterosexuellen Beziehungen kommt der Mann häufiger. Diese Lücke zwischen Männern und Frauen nennt man auch "Gender Orgasm Gap". Ein Forschungsüberblick aus dem Jahr 2022 zeigt als Ergebnis, dass beim Heterosex typischerweise zwischen 30 und 60 Prozent der Frauen kommen, bei den Männern sind es zwischen 70 und 100 Prozent. Die Orgasmus-Lücke schließe sich tendenziell mit zunehmender sexueller Erfahrung.

  • Mehrmals kommen? Auch wenn das Phänomen, multiple Orgasmen erleben zu können, häufig nur Frauen zugeschrieben wird, können theoretisch auch Männer diese Erfahrung machen. Während der weibliche Körper nach dem Höhepunkt schnell wieder für sexuelle Erregung empfänglich ist, benötigt der männliche zuerst eine Erholungsphase. Nach ausreichender Pause ist es jedoch auch manchen Männern möglich, erneut zu kommen.

  • Täuschen Frauen häufiger den Höhepunkt vor? Häufig gilt das Vortäuschen eines Orgasmus in heterosexuellen Beziehungen als eher weibliches Thema. Nach Angaben einer ungarischen Forschergruppe haben ihn etwa 30 bis 70 Prozent der Frauen in ihrem Leben schon einmal simuliert. Der Umfrage aus dem Jahr 2022 zufolge ist Unsicherheit der häufigste Grund dafür. Doch auch Männer spielen Dinge mitunter nur vor.

  • Wie verändert sich das Gefühl im Alter? Grundsätzlich kann Lust und sexuelles Verlangen bei allen lange erhalten bleiben, doch erleben Menschen Orgasmen im hohen Alter weniger intensiv. Davon sind nach medizinischen Erkenntnissen Frauen und Männer gleichermaßen betroffen.

Wann ist Selbstbefriedigung schädlich?

Unter Jugendlichen kursieren viele Mythen und Vorurteile rund um die Themen der Sexualität, zum Beispiel, dass häufiges Masturbieren schädlich sei. Doch das lässt sich nicht pauschal sagen: Wie bereits beschrieben geht die Selbstbefriedigung vor allem mit vielen gesundheitsfördernden Eigenschaften einher.

Die Häufigkeit der Masturbation dürfen grundsätzlich alle Menschen für sich selbst bestimmen. Ob einmal pro Woche, mehrmals am Tag oder nur einmal im Monat - es spricht nichts dagegen. Sei dir dennoch bewusst: Selbstbefriedigung ist kein Leistungssport! Versuche stattdessen herauszufinden, wann und wie es dir angenehm ist.

Wenn du sehr häufig onanierst, können deine Geschlechtsorgane mitunter leichte Hautreizungen davontragen. In der Regel klingen solche Beschwerden nach wenigen Tagen ohne Folgen ab, wenn du die Masturbation bis zur Heilung pausierst. Bei lang anhaltenden Komplikationen wendest du dich am besten an deine Hausarzt-, gynäkologische oder urologische Praxis.

Von einem „zu viel“ sprechen Fachleute bei der Selbstbefriedigung für gewöhnlich dann, wenn eine Person andere Lebensbereiche vernachlässigt, um ihre Gelüste auszuleben (Zwanghafte sexuelle Funktionsstörung). Das kann bei Jugendlichen zum Beispiel so aussehen: regelmäßig der Schule fernbleiben, die Hausaufgaben unerledigt lassen oder lange vereinbarte Treffen mit dem Freundeskreis absagen. Stattdessen steht Onanieren auf dem Programm.

Falls du ein solches zwanghaftes Verhalten bei dir feststellst, hol dir fachlichen Rat. Möglicherweise kann dir eine Sexualtherapie helfen. Sprich mit deinen Eltern oder einer anderen Vertrauensperson über deine Möglichkeiten.

Dopaminfasten: Ein bewusster Umgang mit Belohnungen

Das Belohnungssystem unseres Gehirns ist evolutionär betrachtet ein überlebenswichtiger Mechanismus. Doch in unserer heutigen Zeit gibt es verschiedenste, zum Teil intensivere Formen von Belohnungen, die zu einer gewissen Abhängigkeit führen können.

Der Kalifornische Verhaltenspsychologe Cameron Sepah hat das Konzept des Dopaminfastens 2019 auf Basis wissenschaftlich-empirischer Untersuchungen geprägt und bekannt gemacht. Die Grundidee besagt, dass wir impulsives, dopaminvermitteltes Verhalten wie exzessive Smartphone-Nutzung oder Gaming in den Griff bekommen, wenn wir bewusst in bestimmten Zeiten darauf verzichten: stunden-, tage- oder auch wochenweise.

Mit Phasen des Dopaminfastens ahmen wir in gewisser Weise „Dürrezeiten“ nach, die der frühe Mensch ganz automatisch erlebte. In jeder Religion gibt es zudem Verzichtübungen, Fastenarten und zur Mäßigkeit aufrufende Gebote. Auch bei der Kindererziehung haben wir den instinktiven Impuls, unseren Kindern nicht einfach unbegrenzt alles zu erlauben, was Spaß macht. Es deutet also menschheitsgeschichtlich alles darauf hin, dass uns Phasen des Verzichts zwischendurch guttun, wir als Menschen dafür ausgelegt sind und uns bewusst dazu entscheiden.

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