Melissengeist: Wirkung und Anwendung – Ein traditionelles Heilmittel im Fokus

Einleitung

Melissengeist, ein traditionelles pflanzliches Arzneimittel, erfreut sich seit Jahrhunderten großer Beliebtheit. Seine vielfältigen Anwendungsgebiete reichen von der Linderung nervöser Beschwerden bis zur Unterstützung der Verdauung. Dieser Artikel beleuchtet die Wirkungsweise von Melissengeist, seine traditionellen Anwendungsgebiete und gibt Hinweise zur korrekten Anwendung.

Die Zitronenmelisse: Ursprung und Geschichte

Die Zitronenmelisse (Melissa officinalis), aus der der Melissengeist gewonnen wird, ist eine mehrjährige, krautige Pflanze, die ursprünglich aus dem Orient stammt. Sie kann bis zu 90 cm hoch werden und zeichnet sich durch ihre stark verzweigten, vierkantigen Stängel und die ei- bis herzförmigen Blätter mit grob gezähntem Rand aus. Beim Zerreiben verströmen die Blätter einen intensiven, zitronenartigen Duft.

Die Nutzung der Zitronenmelisse in der Heilkunde reicht über 2000 Jahre zurück. Bereits in der Antike wurde sie von Dioskurides und Plinius Sekundus (1. Jhd. n. Chr.) für verschiedene Zwecke eingesetzt. Dioskurides empfahl sie unter anderem bei Skorpion- und Spinnenstichen, Hundebissen, zur Förderung der Menstruation, als Mundspülung gegen Zahnschmerzen und als Klistier gegen Durchfallerkrankungen. Plinius pries die Melisse in seiner „Naturalis historia“ als Mittel gegen Hysterie.

Im Mittelalter wurde die Melisse auch in Deutschland als Heilpflanze bekannt. Avicenna (11. Jhd.) setzte sie zur Stärkung der Vitalität und Vertreibung der Melancholie ein, aber auch bei Angstzuständen, nervös bedingten Kopfschmerzen oder Herzproblemen. Hildegard von Bingen (1098 - 1179) empfahl sie unter dem Namen „Binsuga“ zur Stärkung und Erfreuung des Herzens und lobte sie als Kraut für angenehme Träume und guten Schlaf. Paracelsus (1493 - 1541) verwendete die Pflanze später aufgrund ihrer herzförmigen Blätter gemäß der Signaturenlehre bei Herzkrankheiten.

Inhaltsstoffe und ihre Wirkung

Klosterfrau Melissengeist enthält eine Kombination von Inhaltsstoffen verschiedener Heilpflanzen, darunter:

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  • Melissenblätter
  • Angelikawurzel
  • Alantwurzelstock
  • Ingwerwurzelstock
  • Gewürznelken
  • Galgantwurzelstock
  • Schwarze Pfefferfrüchte
  • Enzianwurzel
  • Muskatsamen
  • Pomeranzenschalen
  • Zimtrinde und Zimtblüten
  • Kardamomsamen

Diese Heilpflanzen können das vegetative Nervensystem beruhigen, welches für die Regulation zahlreicher Körperfunktionen zuständig ist. Dadurch können Beschwerden wie innere Unruhe und Nervosität, Magen-Darm-Beschwerden oder Muskelverspannungen gelindert werden.

Die gesundheitlich wirksamen Bestandteile der Melisse sind vor allem in den Blättern zu finden. Melisse wirkt entkrampfend, beruhigend, antibakteriell und virustatisch.

Traditionelle Anwendungsgebiete von Melissengeist

Klosterfrau Melissengeist ist ein traditionelles Arzneimittel, das ausschließlich aufgrund langjähriger Anwendung für bestimmte Anwendungsgebiete registriert ist. Zu den traditionellen Anwendungsgebieten gehören:

Innerliche Anwendung:

  • Zur Besserung des Allgemeinbefindens (bzw. zur Stärkung oder Kräftigung) bei Belastung von Nerven und Herz-Kreislauf mit innerer Unruhe und Nervosität.
  • Zur Förderung der Schlafbereitschaft.
  • Bei Wetterfühligkeit.
  • Zur Besserung des Befindens bei Unwohlsein, zur Förderung der Funktion von Magen und Darm, insbesondere bei Neigung zu Völlegefühl und Blähungen.
  • Zur Besserung des Befindens bei unkomplizierten Erkältungen und zur Stärkung.

Äußerliche Anwendung:

  • Zur Unterstützung der Hautdurchblutung z. B. bei Muskelkater und Muskelverspannungen.
  • Umschläge mit Melissengeist können die Beschwerden bei Rheuma, Nervenschmerzen, steifem Nacken, Prellungen, Quetschungen, Blutergüssen lindern.

Anwendung und Dosierung

Klosterfrau Melissengeist kann sowohl innerlich als auch äußerlich angewendet werden.

Innerliche Anwendung:

Sofern nicht anders ärztlich verordnet, werden ein bis drei Mal täglich jeweils fünf bis zehn Milliliter Klosterfrau Melissengeist eingenommen. Die Flüssigkeit kann mit mindestens der doppelten Menge Wasser verdünnt oder auf ein Stück Brot gegeben werden. Es wird empfohlen, das Medikament nicht auf nüchternen Magen einzunehmen, um Beschwerden wie Sodbrennen, Übelkeit oder Brechreiz zu vermeiden. Die Tageshöchstdosis von 25 Millilitern sollte nicht überschritten werden.

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Äußerliche Anwendung:

Soweit nicht anders ärztlich empfohlen, wird der Melissengeist auf die schmerzenden Bereiche aufgetragen und eingerieben. Die Flüssigkeit kann unverdünnt oder bis zur doppelten Menge mit Wasser verdünnt angewendet werden.

Ältere Patienten sowie Patienten mit Allergien oder Hautproblemen sollten vor der äußerlichen Anwendung einen Verträglichkeitstest durchführen, indem sie eine kleine Menge Melissengeist auf die Haut in der Armbeuge auftragen und eine Stunde warten. Bei Reaktionen wie Rötungen, Blasen oder Juckreiz sollte das Produkt nicht angewendet werden.

Die Inhaltsstoffe des Melissengeistes können die Haut lichtempfindlicher machen. Daher sollte während der Anwendung übermäßige UV-Strahlung durch lange Sonnenbäder oder Solarienbesuche vermieden werden, um Hautentzündungen vorzubeugen.

Mögliche Nebenwirkungen und Gegenanzeigen

Bei innerlicher Anwendung von Klosterfrau Melissengeist können häufig Müdigkeit oder Magenbeschwerden wie Übelkeit oder Sodbrennen auftreten. Gelegentlich kann es zu Schwindel kommen. Selten verspüren Patienten ein Wärmegefühl oder es treten Überempfindlichkeitsreaktionen wie Juckreiz auf der Haut oder ein Taubheitsgefühl in den Extremitäten auf. Bei längerer UV-Strahlung können Hautreaktionen auftreten. Der Inhaltsstoff Zimt (Zimtaldehyd) kann ebenfalls die Haut reizen. Bei längerer äußerlicher Anwendung kann die Haut austrocknen, in diesem Fall empfiehlt sich die Verwendung einer rückfettenden Hautpflege.

Klosterfrau Melissengeist darf unter folgenden Umständen nicht angewendet werden:

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  • Bei Allergie gegen einen der Inhaltsstoffe oder gegen Perubalsam
  • Bei Magen- und Darmgeschwüren
  • Auf geschädigter Haut, z. B. bei Hautkrankheiten oder nach Verbrennungen
  • Bei Lebererkrankungen
  • Bei Alkoholismus
  • Bei Epilepsie
  • Bei organischen Hirnerkrankungen
  • In der Schwangerschaft und Stillzeit
  • Bei Kindern

Melissengeist und Alkoholsucht im Alter

Ein wachsendes Problem stellt die Sucht im Alter dar. Hierbei spielen Alkohol und Medikamente oft eine Rolle. Besonders bei Frauen kann der Griff zu "Stärkungstropfen" wie Klosterfrau Melissengeist, der einen hohen Alkoholgehalt aufweist, den Einstieg in den Alkoholismus darstellen.

Studien zeigen, dass ältere Menschen oft aus Einsamkeit, Verlusten oder dem Ausscheiden aus dem Berufsleben in die Sucht geraten. Die Sucht verläuft dabei oft leiser und ist von Vereinsamung und Isolation geprägt. Die Familie, insbesondere Kinder und Enkelkinder, spielen eine wichtige Rolle bei der Motivation, eine Therapie zu beginnen.

In Altersheimen stellt die Alkoholsucht ein Tabuthema dar. Bewohner haben grundsätzlich das Recht, Alkohol zu trinken, aber der Umgang mit Alkoholproblemen ist schwierig, da die Selbstbestimmung der Bewohner nicht eingeschränkt werden soll. Altersheime müssen oft improvisieren, da die Krankenkassen selten Therapien für ältere Menschen bezahlen.

Medikamentenabhängigkeit im Alter

Neben Alkohol spielt auch die Medikamentenabhängigkeit, insbesondere von Schlaf- und Beruhigungsmitteln, eine große Rolle im Alter. Oft beginnt der Konsum von Psychopharmaka in den Jahren zwischen 50 und 55, insbesondere bei Frauen, die unter psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Unruhe und Schlaflosigkeit leiden.

Ärzte und Apotheker tragen eine besondere Verantwortung, da sie die Medikamente verschreiben bzw. abgeben. Sie sollten sich der unerwünschten Wirkungen, insbesondere der Abhängigkeit, bewusst sein und ältere Menschen entsprechend aufklären. Studien zeigen, dass ein hoher Prozentsatz der Tablettenabhängigen in Deutschland Schlaftabletten konsumieren.

Melissengeist selbst herstellen

Die Herstellung von Melissengeist ist auch in Eigenregie möglich. Hierfür werden frische Melisseblätter, Zitronenschalen, Ingwer und verschiedene Gewürze benötigt. Die Zutaten werden in Alkohol (Doppelkorn, Wodka oder Gin) oder Sauerhonig eingelegt und ziehen für mehrere Wochen. Nach der Ziehzeit wird der Melissengeist gefiltert und in Flaschen abgefüllt.

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