Umgangssprachlich werden die Begriffe Demenz und Alzheimer oft synonym verwendet. Medizinisch gesehen ist dies jedoch nicht ganz korrekt. Demenz ist ein Oberbegriff für eine Vielzahl von Erkrankungen, die mit einem fortschreitenden Verlust komplexer Hirnleistungen einhergehen. Alzheimer hingegen ist die häufigste Form der Demenz und macht etwa 60 bis 70 Prozent aller Demenzfälle aus.
Was ist Demenz?
Der Begriff Demenz leitet sich vom lateinischen Wort "dementia" ab, was so viel wie "Torheit" oder "Wahnsinn" bedeutet. Demenz ist ein Sammelbegriff für verschiedene neurologische und neurophysiologische Erkrankungen, die mit einer Minderung der kognitiven Fähigkeiten einhergehen. Demenz (von lat. „Dementia“ - zu Deutsch: Torheit, Wahnsinn) ist der Überbegriff für Krankheitsbilder, die sich auf den Verlust geistiger, emotionaler und sozialer Fähigkeiten als Folge einer Gehirnschädigung beziehen. Folglich ist der Betroffene nicht mehr imstande, alltägliche Aktivitäten selbstständig zu bewältigen.
Zu den betroffenen Fähigkeiten gehören insbesondere:
- Das Langzeitgedächtnis
- Das Arbeitsgedächtnis
- Die Reaktionsgeschwindigkeit
- Die Sprache
- Die Motorik
- Die räumliche und zeitliche Orientierung
Im späteren Verlauf der Krankheit kann auch die Persönlichkeitsstruktur beeinträchtigt werden.
In Deutschland leiden etwa 1,8 Millionen Menschen an Demenz. Das Risiko, an Demenz zu erkranken, steigt mit dem Alter. So leidet im Alter zwischen 65 und 69 Jahren jeder Zwanzigste an einer Demenz, zwischen 80 und 90 Jahren sogar fast jeder Dritte. Aufgrund des demografischen Wandels nimmt der Anteil der Demenzerkrankten seit Jahren signifikant zu. Für das Jahr 2050 wird ein Anstieg auf 2,4 bis 2,8 Millionen Betroffene prognostiziert.
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Unterarten der Demenz
Zu den Unterarten der Demenz gehören:
- Alzheimer
- Vaskuläre Demenz
- Frontotemporale Demenz (Morbus Pick)
- Lewy-Körperchen-Demenz (LBD)
- Creutzfeldt-Jakob-Krankheit
- Korsakow-Syndrom
- Chronische Traumatische Enzephalopathie (CTE)
Nicht immer lässt sich genau abgrenzen, welche Demenzform konkret vorliegt. Dazu kommt, dass auch Mischformen unterschiedlicher Demenzen möglich sind - insbesondere die Alzheimer-Demenz und die vaskuläre Demenz treten häufig gemeinsam auf.
Was ist Alzheimer?
Die Alzheimer-Krankheit, Fachbegriff Morbus Alzheimer, wurde nach ihrem Entdecker Alois Alzheimer benannt und macht etwa zwei Drittel aller Demenzfälle aus, was sie zur häufigsten Demenzform macht. Es handelt sich um eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung - also eine Erkrankung, die mit dem Abbau von Nervenzellen im Gehirn einhergeht. Alzheimer ist mit 60 Prozent die häufigste Erkrankungsform der Demenz. Die sogenannte Alzheimer-Krankheit ist eine neurodegenerative Erkrankung und die häufigste Form von Demenz. Korrekt wird die Alzheimer-Erkrankung als „Demenz vom Alzheimer-Typ“ oder „Morbus Alzheimer“ bezeichnet - „Morbus“ bedeutet Krankheit. Neurodegenerativ bedeutet, dass Zellen des Nervensystems nach und nach geschädigt werden und absterben beziehungsweise ihre Funktion nicht mehr erfüllen können.
Alois Alzheimer untersuchte 1901 eine Patientin namens Auguste Deter, die von ihrem Mann in die Klinik eingeliefert wurde, da sie zeitliche und räumliche Orientierung verloren hatte und unter einem stark beeinträchtigten Gedächtnis litt. Fünf Jahre später verstarb Frau Deter und Alzheimer bat darum, ihr Gehirn zugeschickt zu bekommen. Er fand, dass die Nervenzellen großflächig zerstört waren und dass sich Proteine, sogenannte Plaques, im gesamten Kortex abgelagert hatten. Dieses Krankheitsbild wurde später nach ihm benannt.
Alzheimer-Demenz: Definition
Bei der Alzheimer-Demenz handelt es sich um eine fortschreitende Hirnerkrankung, die einen zunehmenden Verfall der kognitiven Fähigkeiten zur Folge hat. Infolgedessen werden das Gedächtnis sowie weitere Kognitionen und das Verhalten von Betroffenen gestört.
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Symptome der Alzheimer-Krankheit
Typische Symptome der Alzheimer-Krankheit sind:
- Vergesslichkeit
- Verwirrtheit
- Orientierungslosigkeit
- Wortfindungs- und Sprachstörungen
- Veränderungen in Verhalten, Stimmung und Persönlichkeit
Im fortgeschrittenen Stadium haben viele Patienten auch Schwierigkeiten bei alltäglichen Ritualen wie Essen und Trinken oder der Körperpflege.
Ursachen der Alzheimer-Krankheit
Die genauen Ursachen der Alzheimer-Krankheit sind noch nicht vollständig geklärt. Wissenschaftler:innen verstehen Morbus Alzheimer heute etwas besser als noch vor einigen Jahrzehnten und wissen, dass schädliche Proteinablagerungen im Gehirn (Beta-Amyloid-Ablagerungen und Fibrillen aus Tau) für die Krankheit typisch sind. Sicher ist aber, dass Alzheimer eine neurodegenerative Erkrankung ist. Durch spezielle Veränderungen im Gehirn kommt es bei der Alzheimer-Demenz zu einem fortschreitenden Verlust von geistigen Funktionen.
Es gibt eine Reihe an Faktoren, die das Risiko für die Entwicklung von Demenzerkrankungen und kognitiven Abbauprozessen erhöhen können.
Diagnose der Alzheimer-Krankheit
Bis heute ist eine histologische Untersuchung des Gehirns notwendig, um Alzheimer mit Sicherheit zu diagnostizieren. Zu Lebzeiten handelt es sich bei einer Alzheimer-Diagnose daher immer um eine Verdachtsdiagnose. Ob nicht doch eine andere neurologische Krankheit vorlag, lässt sich erst nach dem Tod durch eine histologische Untersuchung des Nervengewebes feststellen. Hierbei wird das Gehirn in einer Autopsie auf Beta-Amyloide und Tau-Proteine untersucht.
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Die Diagnostik bei einer Alzheimer-Krankheit umfasst in der Regel mehrere Untersuchungen und spezielle Tests. Das ist wichtig, denn die Symptome des Patienten müssen gründlich bewertet und abgeklärt werden. Im Rahmen von verschiedenen Demenz-Tests wird die geistige Leistungsfähigkeit untersucht.
Stadien der Alzheimer-Krankheit
Die Alzheimer-Krankheit ist chronisch. Wie lange die einzelnen Krankheitsstadien bei Alzheimer andauern, variiert je nach Einzelfall. Oftmals beginnt eine Alzheimer-Erkrankung mit „leichten kognitiven Störungen“.
Die Stadien der Alzheimer-Krankheit lassen sich grob in folgende Phasen einteilen:
- Stadium 1: Es liegt keine Beeinträchtigung vor. Es sind noch keine Anzeichen von Alzheimer zu erkennen.
- Stadium 2: Das Wahrnehmungsvermögen ist sehr leicht gemindert. Dies kann möglicherweise altersbedingt sein. Es sind keine Anzeichen von Alzheimer zu erkennen.
- Stadium 3: Das Wahrnehmungsvermögen ist leicht gemindert. Es treten erste Schwierigkeiten auf, wie zum Beispiel das Vergessen von Namen, gerade Gelesenem oder kürzlich Erlebtem. Es zeigen sich erste Symptome von Alzheimer.
- Stadium 4: Das Wahrnehmungsvermögen ist mäßig gemindert. Symptome von Alzheimer werden erkennbar. Für diese Stufe typisch sind Erinnerungslücken an die eigene Vergangenheit, schlechte Stimmung und Schwierigkeiten bei Rechen- oder anderen komplexen Aufgaben wie dem Planen einer Feier.
- Stadium 5: Das Wahrnehmungsvermögen ist mittelschwer gemindert. Es treten auffällig viele Gedächtnis- und Denklücken auf. Erkrankte brauchen erste Hilfestellungen im Alltag. Sie können Probleme haben, sich an ihre Telefonnummer zu erinnern, vergessen welcher Tag ist oder wo sie gerade sind.
- Stadium 6: Das Wahrnehmungsvermögen ist schwerwiegend gemindert. Das Gedächtnis wird zunehmend schlechter. Es können erste Persönlichkeitsveränderungen auftreten. Symptome sind beispielsweise das Vergessen des eigenen Namens oder das Nichterkennen von bekannten Personen.
- Stadium 7: Das Wahrnehmungsvermögen ist sehr schwer gemindert. Betroffene können sich nicht mehr mitteilen und ihre Bewegungen kontrollieren.
Behandlung der Alzheimer-Krankheit
Leider gibt es bisher weder eine effektive Behandlungsmethode gegen die Alzheimer-Krankheit, noch können wir eine Erkrankung vollständig verhindern. Es gibt aber auch Demenzformen, deren Ursachen außerhalb des Gehirns liegen (Beispiel: Vitaminmangel). Für die Alzheimer-Behandlung sind verschiedene Wirkstoffe zugelassen, darunter sogenannte Cholinesterase-Hemmer. Sie beeinflussen genau die Botenstoffe im Gehirn, die für die Gedächtnisfunktion eine zentrale Rolle spielen, und können den Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit leicht verzögern. Bei anderen Demenzformen wirken diese Medikamente in der Regel nicht.
Neu sind monoklonale Antikörper. Ein Wirkstoff wurde in diesem Jahr in der EU zugelassen. Er richtet sich gezielt gegen Amyloid-beta-Ablagerungen im Gehirn - eine der vermuteten Ursachen der Alzheimer-Krankheit. Damit steht nun eine Alzheimer-Therapie zur Verfügung, die nicht nur symptomatisch wirkt, sondern ursächlich in den Krankheitsprozess eingreift.
Neben der medikamentösen Behandlung spielen auch nicht-medikamentöse Therapiebausteine eine wichtige Rolle. Dazu gehören beispielsweise Gedächtnistraining, Ergotherapie, Musiktherapie oder Biographiearbeit. Auch Psychotherapie kann eine Option sein, schließlich stellt die Diagnose Demenz auch eine große emotionale Belastung dar. Das Ziel besteht in jedem Fall darin, Betroffenen den Umgang mit der Erkrankung zu erleichtern und ihnen so lange wie möglich ein selbstständiges Leben zu ermöglichen.
Vorbeugung gegen Alzheimer-Demenz
Sehr wohl zeigen aber Studien, dass mental aktive Menschen ein geringeres Demenzrisiko besitzen. Als Faustregel gilt: Umso geistig aktiver man ein Leben lang ist, desto höher die sogenannte kognitive Reserve, die es ermöglicht, die Folgen einer Demenz länger auszugleichen.
Geistig aktive Menschen können also das Risiko senken, später an einer Demenzform wie Alzheimer zu erkranken. Dabei kommt es gerade im Ruhestand oft zu einer Verringerung der geistigen Aktivität. Es muss ein Ausgleich zur nun wegfallenden Arbeit geschaffen werden. Bei vielen Rentner:innen beliebt sind Spiele wie Kreuzworträtsel oder Sudoku. Diese regen allgemein die Gehirnaktivität an.
Noch effektiver zeigen sich abwechslungsreiche Übungen, die ihre Schwierigkeit personalisiert anpassen. Deshalb gibt es bei NeuroNation über 30 Übungen, die jeweils verschiedene Hirnfunktionen trainieren. Bei jeder Aufgabe nimmt mit steigendem Level die Schwierigkeit zu und beansprucht somit immer ausreichend die Gehirnleistung. Außerdem kann in der Prävention durch Gehirnjogging aktiv die Gedächtnisleistung erweitert werden, um eine gesteigerte kognitive Reserve aufzubauen.
Mit kognitivem Training sorgen Sie nicht nur für das Alter vor, sondern können auch eine sofortige Verbesserung in Ihrer Konzentrationsfähigkeit, Ihrer Merkfähigkeit und weiteren kognitiven Bereichen spüren.
Gemeinsamkeiten von Alzheimer und Demenz
Der Unterschied zwischen Alzheimer und anderen Demenzen beschränkt sich also auf die Ursache der Krankheit. Gemeinsamkeiten gibt es allerdings viele. Beide Krankheiten rufen ein Absterben der Nervenzellen im Gehirn hervor, welches nicht heilbar ist und eine stufenweise Verschlechterung der Gehirnleistung zur Folge hat. Der Krankheitsverlauf kann sich über Jahre strecken.
Unterschiede zwischen Alzheimer und anderen Demenzformen
Neben Alzheimer gibt es aber noch weitere Demenzformen, die teils unterschiedliche Auslöser haben. Die anfänglichen Symptome der unterschiedlichen Demenzformen sind sehr ähnlich, ihr Krankheitsverlauf jedoch nicht.
Vaskuläre Demenz (VaD)
Die vaskuläre Demenz (VaD) ist eine Form der Demenz, die durch Schädigung der Blutgefäße im Gehirn verursacht wird. Diese Schädigung kann durch einen Schlaganfall, eine Verengung der Blutgefäße oder eine Verstopfung der Blutgefäße entstehen. Die Symptome von VaD können Gedächtnisverlust, Schwierigkeiten bei der Planung und Durchführung von Aufgaben, Sprachprobleme und emotionale Instabilität umfassen.
| Merkmal | Alzheimer | Vaskuläre Demenz |
|---|---|---|
| Beginn | Schleichend, Symptome nehmen langsam zu | Plötzlich |
| Ursache | Absterben von Nervenzellen im Gehirn | Schädigung der Blutgefäße im Gehirn |
Frontotemporale Demenz (FTD)
Die frontotemporale Demenz (FTD) ist eine neurodegenerative Erkrankung, die durch den Abbau von Nervenzellen in den Frontal- und Temporallappen des Gehirns gekennzeichnet ist. Diese Regionen sind für die Kontrolle von Verhalten, Sprache und Emotionen sowie für die Verarbeitung von Sprache und sozialen Informationen wichtig. FTD kann zu Verhaltensänderungen, Sprachschwierigkeiten, Gedächtnisproblemen und einem Verlust der Fähigkeit führen, alltägliche Aufgaben auszuführen.
| Merkmal | Alzheimer | Frontotemporale Demenz |
|---|---|---|
| Alter bei Auftreten | Meistens ab dem 70. Lebensjahr | Häufig zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr |
| Verlauf | Schleichend | Schneller als Alzheimer |
| Hauptsymptom | Gedächtnisverlust, Persönlichkeitsveränderungen treten später auf | Selten Gedächtnisverlust, Persönlichkeitsveränderungen stehen im Vordergrund |
Demenz mit Lewy-Körperchen (DLB)
Die Demenz mit Lewy-Körperchen (DLB) ist eine Form der Demenz, die durch das Vorhandensein von sogenannten Lewy-Körperchen im Gehirn verursacht wird. Lewy-Körperchen sind abnormale Ablagerungen von Proteinen in den Nervenzellen, die die normale Funktion des Gehirns beeinträchtigen können. Die Symptome von DLB können kognitive Beeinträchtigungen, visuelle Halluzinationen, Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus und Parkinson-ähnliche Bewegungsstörungen umfassen.
Die Alzheimer-Demenz und die Lewy-Körperchen-Demenz sind sich ebenfalls in vielen Merkmalen ähnlich, weshalb letztere lange Zeit gar nicht als eigenständige Erkrankung galt. Inzwischen ist sie als solche anerkannt, denn es gibt auch Unterschiede zwischen Alzheimer & Demenz mit Lewy-Körperchen. Die wichtigsten sind:
- Der Zustand von Alzheimer-Patienten verschlechtert sich langsam und mehr oder weniger stetig. Der Verlauf der Lewy-Körperchen-Demenz ist dagegen oft schwankend, vor allem, was die Aufmerksamkeit betrifft.
- Gedächtnisstörungen zeigen sich bei Alzheimer schon früh, bei Lewy-Body-Demenz oft erst spät.
- Visuelle Halluzinationen, wie sie bei der Lewy-Körperchen-Demenz sehr häufig und früh auftreten, sind bei Alzheimer selten frühe Symptome.
- Die Lewy-Body-Demenz geht oft und früh mit Parkinson-ähnlichen Symptomen (extrapyramidale Bewegungsstörungen) einher, besonders mit Muskelsteifheit (Rigor). Bei Alzheimer treten eher erst später auf. Menschen mit Lewy-Körperchen-Demenz leiden dagegen unter wiederholtem Bewusstseinsverlust und Schlafstörungen (unter anderem mit tatsächlicher Handlung der Trauminhalte).
- Die Überempfindlichkeit gegen Neuroleptika (Mittel gegen Halluzinationen, Wahn, Verwirrung etc.) ist ein weiterer deutlicher Unterschied zwischen Alzheimer und der Demenz mit Lewy-Körperchen: Menschen mit Lewy-Body-Demenz vertragen diese Medikamente schlecht oder gar nicht, da sie schwere motorische Nebenwirkungen wie Rigor, Tremor oder sogar akinetische Krisen auslösen können. Daher sind typische und die meisten atypischen Antipsychotika bei ihnen kontraindiziert.