Die Meningokokken-Meningitis ist eine gefürchtete Erkrankung, die besonders im Kindergartenalter auftreten kann. Sie wird durch Bakterien verursacht und kann innerhalb von Stunden lebensbedrohlich werden. Dieser Artikel soll umfassend über die Ansteckung, Symptome, Behandlung und Prävention dieser Krankheit informieren, um Eltern und Erziehern ein besseres Verständnis und Handlungssicherheit zu vermitteln.
Was ist Meningokokken-Meningitis?
Die Meningokokken-Meningitis ist eine Entzündung der Hirnhäute, die durch Bakterien namens Meningokokken (Neisseria meningitidis) verursacht wird. Diese Bakterien können auch eine Blutvergiftung (Sepsis) auslösen. Es gibt verschiedene Serogruppen von Meningokokken, wobei in Deutschland vor allem die Serogruppen B und C relevant sind. Meningokokken-Erkrankungen sind gefährliche bakterielle Infektionen, die v.a. Hirnhautentzündungen (Meningitis) oder Blutvergiftung (Sepsis) verursachen.
Ansteckung und Übertragung
Wie erfolgt die Ansteckung?
Die Übertragung der Meningokokken erfolgt durch engen Kontakt mittels Tröpfcheninfektion. Meningokokken leben im Nasen-Rachen-Raum des Menschen und werden durch Tröpfchen (z.B. beim Husten, Niesen u.ä.) übertragen. Außerhalb des menschlichen Körpers sterben die Bakterien rasch ab. Allerdings beherbergt ein großer Prozentsatz (ca.10%) der Menschen (auch in Europa) Meningokokken im Mundbereich, ohne dass es zu Erkrankung oder Ansteckung kommt.
Risikofaktoren für eine Ansteckung
Erstkontakt mit dem Erreger, fehlende Antikörper und vorausgegangene Virusinfektionen der Atemwege begünstigen den Ausbruch der Krankheit. Auch enge Wohnverhältnisse und große Menschenansammlungen unter schlechten hygienischen Bedingungen, wie z.B. in Flüchtlingslagern, erhöhen das Risiko einer Infektion.
Inkubationszeit
Die Inkubationszeit (die Zeit zwischen Infektion und ersten Symptomen) dauert in der Regel 3 bis 4 Tage, kann aber einen Zeitraum von 2 bis 10 Tagen umfassen.
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Symptome der Meningokokken-Meningitis
Eine Meningokokken-Meningitis beginnt i.d.R. 2 bis 4 Tage nach der Ansteckung mit schlagartig einsetzendem hohen Fieber, starken Kopfschmerzen, Schüttelfrost, Lichtempfindlichkeit, Schwindel und Erbrechen. Als typisches Zeichen der Meningitis tritt eine schmerzhafte Genickstarre auf.
Typische Symptome
- Plötzlich einsetzendes hohes Fieber
- Starke Kopfschmerzen
- Schüttelfrost
- Lichtempfindlichkeit
- Schwindel
- Erbrechen
- Schmerzhafte Genickstarre (Meningismus)
Symptome bei Babys und Kleinkindern
Babys haben meist außer hohem Fieber wie bei einer Grippe keine eindeutigen Krankheitszeichen. Bei folgenden Auffälligkeiten sollten Eltern auf jeden Fall den Kinder- und Jugendarzt zu Rate ziehen: Der Säugling mag nichts essen, erbricht evtl. Je kleiner die Kinder, desto weniger eindeutig sind die Krankheitszeichen. Bei Säuglingen und Kleinkindern können auch Bauchschmerzen, Nahrungsverweigerung, Durchfälle, Unruhe, schlechte Weckbarkeit, schrilles Schreien sowie blasse oder fleckige Haut vorwiegen. Kalte Hände und Füße trotz heißem Körper sowie bläuliche Färbung rund um den Mund gehören auch zu den Warnzeichen.
Weitere Symptome
Nach einem kurzen Vorstadium mit uncharakteristischen Symptomen wie bei einer beginnenden Erkältung treten oft Kopfschmerzen, Fieber, Schüttelfrost, Schwindel, Erbrechen, Nackensteifigkeit und schweres Krankheitsgefühl auf. Häufig bestehen auch rotviolette Hautblutungen.
Warnzeichen
Auf eine Meningitis weisen Licht-, Lärm- oder/und Berührungsempfindlichkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen, hohes Fieber, Benommenheit und Nackensteifigkeit hin. Beugt das Kind den Nacken nach vorne, verschlimmern sich die Schmerzen. Ein typisches Kennzeichen sind auch rot-violette Hautflecken, die nicht verschwinden, wenn man mit einem Glas darauf drückt oder Schmerzen in den Beinen, die das Stehen oder Gehen erschweren. Die Symptome müssen aber nicht alle zusammen auftreten.
Diagnose
Genickstarre, plötzlich einsetzendes Fieber und heftige Kopfschmerzen können Anzeichen einer Meningokokken-Meningitis sein. Bei Verdacht auf Meningitis wird der Arzt den Wirbelkanal punktieren (Lumbalpunktion) und daraus Nervenflüssigkeit (Liquor) entnehmen und sie untersuchen. Der direkte Nachweis von Meningokokken aus Liquor, Blut, hämorrhagischen Hautinfiltraten oder anderen sterilen Körpersubstraten (alles Hinweise auf das Vorliegen einer invasiven Meningokokken-Erkrankung) ist nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtig.
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Behandlung
Eine unverzügliche Antibiotika-Behandlung ist für die Prognose einer Meningokokken-Erkrankung entscheidend. Es ist entscheidend, Erkrankte möglichst frühzeitig mit Antibiotika zu behandeln. Deshalb sollten Eltern bei einem Verdacht sofort zum Kinder- und Jugendarzt. Meningitis erfordert häufig eine intensivmedizinische Behandlung im Krankenhaus. Wenn Bakterien die Verursacher sind, erhält das Kind Infusionen mit Antibiotika.
Prävention
Impfung
Es existieren Impfstoffe gegen Meningokokken der Serogruppen C, A, W135 und Y und seit 2013 auch gegen Meningokokken der Serogruppe B. Seit dem Jahr 2006 empfiehlt die STIKO eine Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe C für alle Kinder im 2. Lebensjahr sowie entsprechende Nachimpfungen für Kinder, bei denen die Impfung versäumt wurde. Für alle Kinder empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) seit 2024 Impfungen gegen Meningokokken B im Alter von 2, 4 und 12 Monaten. Spätestens bis zum 5. Geburtstag sollten Nachholimpfungen erfolgen. Wenn Indikationen für einen zusätzlichen Impfschutz gegen die in Deutschland nur selten vorkommenden Serogruppen A, W135 oder Y vorliegen, z. B. bei gesundheitlicher Gefährdung, bei Reisen in Endemiegebiete oder bei einer postexpositionellen Impfung, sollte mit einem entsprechendem 4-valenten Konjugatimpfstoff geimpft werden. Für den seit Dezember 2013 verfügbaren auf Oberflächenproteinen basierenden Impfstoff gegen die Serogruppe B hat die STIKO bislang keine Standard-Impfempfehlung für Säuglinge oder Kinder ausgesprochen, da wichtige Daten als Entscheidungsgrundlage ausstehen.
Hygienemaßnahmen
Außerhalb des Körpers sterben die Keime rasch ab, deshalb erfolgt eine Übertragung meist bei engem Kontakt mit Erkrankten über Nasen-Rachen-Sekret. Ansteckungen lassen sich oft nicht verhindern, allerdings schützt Händewaschen vor der einen oder anderen Ansteckung.
Meldepflicht
Ärzte sind auch zur Meldung verpflichtet, wenn sie eine Meningokokken-Meningitis oder -Sepsis festgestellt haben. Auch Todesfälle und Verdachtsfälle sind bei diesen Krankheitsformen meldepflichtig. Dies bedeutet, dass Untersuchungslabore bzw. Ärzte alle Meningokokken-Befunde und Erkrankungsfälle an das Gesundheitsamt am Wohnort des Patienten melden müssen. Die Gesundheitsämter übermitteln die Fälle an die zuständige Landesstelle (in Bayern: das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL)). Die Landesstelle überprüft die Meldungen und analysiert z. B. die Anzahl und regionale Verteilung der Fälle, um Häufungen zu entdecken.
Andere Erreger und Krankheiten mit ähnlichen Symptomen
Es ist wichtig zu beachten, dass Meningitis auch durch andere Erreger als Meningokokken verursacht werden kann, darunter Viren, andere Bakterien (z.B. Pneumokokken, Haemophilus influenzae Typ b) und in seltenen Fällen auch Pilze oder Parasiten. Einige virale Infektionen, wie z.B. durch Enteroviren, können ähnliche Symptome wie eine Meningokokken-Meningitis hervorrufen.
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Enteroviren
Enteroviren sind eine heterogene Gruppe verschiedener Viren aus der Familie der Picornaviridae. Enteroviren kommen weltweit vor. Infektionen mit Enteroviren können das ganze Jahr über auftreten, zeigen aber in den gemäßigten Klimazonen eine saisonale Häufung in den Sommer- und Herbstmonaten. Die Übertragung der Enteroviren erfolgt fäkal-oral von Mensch zu Mensch oder über mit Stuhl oder Speichel kontaminierte Gegenstände bzw. Lebensmittel und Trinkwasser. Enteroviren lassen sich im Stuhl bis zu mehreren Wochen nachweisen, auch wenn die akute Erkrankung schon abgeklungen ist.
Symptome von Enterovirus-Infektionen
Die meisten Infektionen durch Enteroviren verlaufen ohne Symptome und werden deshalb nicht bemerkt. Die Enteroviren können unspezifische fieberhafte Erkrankungen verursachen, zum Teil mit Exanthem (Hautausschlag). Durch Enteroviren verursachte Atemwegserkrankungen können milde verlaufen, aber auch als schwerer grippaler Infekt. Gelegentlich sind dabei gastroenteritische Begleitsymptome wie Durchfall zu beobachten, besonders bei Erkrankungen durch Echoviren. Verläufe mit Pneumonie sind ebenfalls möglich. Enteroviren sind häufig als Erreger einer aseptischen Meningitis (auch als seröse Meningitis bezeichnet) bzw. Enzephalitis zu finden, wobei nicht selten in Verbindung mit der Sommergrippe ein epidemisches Auftreten zu beobachten ist. Typische Symptome sind Kopfschmerzen, Lichtscheu, Nackensteife, Übelkeit und Fieber. Auch Allgemeinsymptome wie Abgeschlagenheit, Muskelschmerzen, Bauchschmerzen, Durchfall oder Exanthem können auftreten. Aseptische Meningitiden durch Enteroviren sind meist durch Coxsackie- und Echoviren verursacht und heilen ohne bleibende Schäden aus. Beweisend für die Ätiologie der Meningitis ist der Nachweis von Enteroviren im Liquor. Da Enteroviren regelmäßig mit dem Stuhl in großen Mengen ausgeschieden werden, sollte in jedem Fall ergänzend Stuhl eingesandt werden.
Diagnostik und Nachweis von Enteroviren
Bei milden Krankheitsverläufen ist im Einzelfall der gezielte Nachweis von Enteroviren im Allgemeinen nicht erforderlich. Bei schweren Erkrankungen wie z. B. Virusmeningitis sowie bei gehäuften Erkrankungsfällen in Gemeinschaftseinrichtungen wie z. B. Kindergärten und Schulen kann Material zum Nachweis von Enteroviren zum LGL gesandt werden. Je nach klinischer Symptomatik lassen sich Enteroviren in Liquor, Rachenspülwasser bzw. Rachenabstrich und im Stuhl nachweisen. Die Wahrscheinlichkeit, Enteroviren als ursächliche Erreger einer Erkrankung zu finden, ist in Stuhlproben am höchsten. Rachenabstriche sollten mit einem Probenahmeset für virologische Untersuchungen (z. B. Virocult, Mastaswab o. ä.) entnommen und im dem Set beigefügten Röhrchen mit Transportmedium versandt werden. Bei Verdacht auf Virusmeningitis können Enteroviren in den ersten Krankheitstagen im Liquor nachgewiesen werden. Die gleichzeitig zu beobachtende Virusausscheidung im Stuhl kann länger als 2 Wochen festgestellt werden. Bei akuten Erkrankungen erfolgt die Diagnose vorzugsweise durch Erregernachweis mittels Nukleinsäureamplifikationstechniken wie z. B. die PCR. Ergänzend zur PCR wird im LGL die Virusanzucht in verschiedenen Zellkulturen mit anschließender Serotypisierung der für die Erkrankung ursächlichen Enteroviren durchgeführt. Serologische Untersuchungen zum Antikörpernachweis bezüglich Enteroviren sind speziellen Fragestellungen vorbehalten.
Hand-Fuß-Mund-Krankheit (HFMK)
Die Symptomatik dieser hoch ansteckenden Erkrankung ist typisch und wird häufig durch Coxsackievirus A 16 verursacht. Aber auch andere Enteroviren wie z. B. Coxsackievirus A9, B2 und B5 sowie Enterovirus 71 können in Frage kommen. Es kommt typischerweise zum Auftreten von hohem Fieber und einem Exanthem mit Bläschenbildung an den Händen und Füßen sowie einem Enanthem in der Mundhöhle mit Bläschen im Bereich von Zunge, Wandschleimhaut und Gaumen. Diese Bläschen verändern sich später zu schmerzhaften Erosionen (Aphthen). Lippen, weicher Gaumen, Tonsillen und Rachen sind meist nicht betroffen. Die Erkrankung heilt im Allgemeinen nach 8-14 Tagen spontan aus. Betroffen sind meist Kinder im Vorschul- und Schulalter.
Bedeutung für Kindergärten
Kindergärten sind Orte, an denen viele Kinder eng zusammenkommen, was die Ausbreitung von Infektionskrankheiten begünstigen kann. Daher ist es besonders wichtig, auf Hygiene zu achten und bei Verdacht auf Meningitis oder andere ansteckende Krankheiten schnell zu handeln.
Seltene Erkrankungen
Weniger als 1 % der Kinder leiden daran. Diese Kinder fallen nicht nur durch sehr häufige Infektionen auf (mehr als 12 Infektionen pro Jahr), sondern v. a. durch besonders langwierige und schwerwiegende Verläufe, z. B. Abszessbildungen an der Haut. Häufig findet die Ärzt*in ungewöhnliche Erreger als Ursache, z. B. Ihr Kleinkind mehr als 12, Ihr Schulkind mehr als 8 Infekte pro Jahr hat, die einzelnen Episoden in der Regel länger als 4 Tage andauern und sie ungewöhnlich schwer erscheinen oder von Komplikationen begleitet werden wie Hirnhautentzündung (Meningitis) oder Lungenentzündung (Pneumonie). sich Ihr Kind zwischen den Infekten nicht mehr erholt. Ihr Kind neben den häufigen Infektionen nicht wie seine Altersgenossen wächst und/oder eher dünn ist. die Infektionskrankheiten trotz Antibiotika nicht gut ausheilen.
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