Meningitis durch Hantaviren: Ursachen und Symptome

Hantaviren sind weltweit verbreitete Viren, die von Nagetieren auf den Menschen übertragen werden können. Diese Zoonoseerreger können verschiedene Krankheitsbilder verursachen, darunter das Hämorrhagische Fieber mit renalem Syndrom (HFRS) in Europa und Asien sowie das Hantavirus-induzierte kardiopulmonale Syndrom (HCPS) in Amerika. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und weitere wichtige Aspekte von Hantavirus-Infektionen, insbesondere im Hinblick auf Meningitis.

One Health-Ansatz bei viralen Zoonosen

Die Erforschung, Prävention und Bekämpfung von viralen Zoonosen wie Hantavirus-Infektionen erfordert einen holistischen Ansatz, der als "One Health" bekannt ist. Dieser Ansatz berücksichtigt die enge Verbindung zwischen der Gesundheit von Menschen, Tieren und Ökosystemen. Sektorübergreifende Zusammenarbeit zwischen Gesundheitswesen, Veterinärmedizin, Umweltschutz, Landwirtschaft und Wissenschaft ist unerlässlich, um umfassende Lösungen zu entwickeln.

Die Rolle der Reservoirwirte

Charakteristisch für virale Zoonosen ist die dauerhafte Verbreitung des Erregers in bestimmten Tierspezies, den sogenannten Reservoirwirten. Diese Tiere tolerieren die Infektion oft ohne klinische Symptome zu entwickeln. Wenn der Erreger auf eine andere Spezies, wie den Menschen, überspringt (Spillover), kann dies zu schweren Erkrankungen führen.

Hantaviren: Eine Übersicht

Hantaviren gehören zur Familie der Hantaviridae und sind behüllte RNA-Viren. Der Name "Hantavirus" leitet sich vom koreanischen Fluss Hantan-gang ab, wo während des Koreakrieges Anfang der 1950er-JahreSoldaten an einem schwer verlaufenden hämorrhagischen Fieber erkrankten. Die Viren sind weltweit verbreitet, wobei ihr Vorkommen an das Verbreitungsgebiet der jeweiligen Reservoirwirte gebunden ist.

Reservoirwirte und Übertragungswege

Das natürliche Reservoir von Hantaviren sind verschiedene kleine Säugetiere, insbesondere Nagetiere wie Rötelmäuse, Brandmäuse und Gelbhalsmäuse. Die Viren werden von infizierten Nagetieren über Speichel, Urin und Kot ausgeschieden. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt hauptsächlich indirekt, z. B. durch das Einatmen kot- oder urinkontaminierten Staubs. Auch eine Übertragung durch Bisse infizierter Nagetiere ist möglich.

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Hantavirus-Arten in Deutschland

In Deutschland sind hauptsächlich das Puumala-Orthohantavirus (PUUV), das Dobrava-Belgrad-Virus (DOBV), das Tulavirus und das Seoulvirus für humane Infektionen verantwortlich. Das PUUV wird hauptsächlich von der Rötelmaus übertragen und verursacht die meisten Hantavirus-Erkrankungen in Deutschland.

Ursachen von Hantavirus-Infektionen

Die Hauptursache für Hantavirus-Infektionen ist der Kontakt mit Ausscheidungen infizierter Nagetiere. Dies kann auf verschiedene Weise geschehen:

  • Einatmen kontaminierten Staubs: Beim Reinigen von Kellern, Schuppen oder anderen Räumen, in denen sich Nagetiere aufhalten, kann Staub aufgewirbelt werden, der mit Hantaviren kontaminiert ist.
  • Direkter Kontakt mit Ausscheidungen: Bei Gartenarbeiten oder anderen Tätigkeiten im Freien kann es zu direktem Kontakt mit Urin, Kot oder Speichel infizierter Nagetiere kommen.
  • Bisse infizierter Nagetiere: Obwohl seltener, können auch Bisse von infizierten Nagetieren zu einer Hantavirus-Infektion führen.

Risikofaktoren

Einige Faktoren erhöhen das Risiko einer Hantavirus-Infektion:

  • Berufliche Exposition: Personen, die in der Forstwirtschaft, Landwirtschaft oder im Baugewerbe arbeiten, haben ein höheres Risiko, da sie häufiger mit Nagetieren und deren Ausscheidungen in Kontakt kommen.
  • Aufenthalt in Endemiegebieten: In bestimmten Regionen Deutschlands, wie der Schwäbischen Alb, dem Bayerischen Wald und dem Münsterland, treten Hantavirus-Infektionen häufiger auf.
  • Aktivitäten im Freien: Gartenarbeiten, Holzhacken, Jagen, Zelten und andere Aktivitäten im Freien können das Risiko einer Infektion erhöhen.
  • Nagerbefall: Das Vorhandensein von Nagetieren in und um Wohnhäuser erhöht das Risiko einer Exposition gegenüber Hantaviren.

Symptome von Hantavirus-Infektionen

Die Symptome einer Hantavirus-Infektion können je nach Virustyp und individuellem Gesundheitszustand variieren. Viele Infektionen verlaufen asymptomatisch oder mit unspezifischen Symptomen. Symptomatische Erkrankungen werden in der Regel unter dem Begriff "Hämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom" (HFRS) zusammengefasst.

Frühphase

Die Frühphase einer Hantavirus-Infektion ähnelt oft einer Grippe und beginnt typischerweise mit:

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  • Plötzlich einsetzendem Fieber (über 38 °C)
  • Schüttelfrost
  • Abgeschlagenheit
  • Kopfschmerzen
  • Muskelschmerzen
  • Bauchschmerzen
  • Rückenschmerzen

Spätphase

In schwereren Fällen können in der Spätphase der Erkrankung folgende Symptome auftreten:

  • Blutdruckabfall
  • Nierenfunktionsstörungen bis hin zum akuten Nierenversagen
  • Verminderte Urinproduktion (Oligurie)
  • Proteinurie (vermehrt Eiweiß im Urin)
  • Hämaturie (Blut im Urin)
  • Thrombozytopenie (verminderte Anzahl von Blutplättchen)
  • Blutungen (in seltenen Fällen)

Hantavirus-induziertes kardiopulmonales Syndrom (HCPS)

In Nord- und Südamerika verursachen bestimmte Hantaviren das HCPS, das sich durch folgende Symptome auszeichnet:

  • Husten
  • Atemnot
  • Lungenödem
  • Kardiopulmonale Dekompensation
  • Schnell fortschreitendes Atemnotsyndrom (ARDS)

Meningitis durch Hantaviren

Obwohl Hantaviren in erster Linie für HFRS und HCPS bekannt sind, können sie in seltenen Fällen auch neurologische Komplikationen verursachen, darunter Meningitis. Die Symptome einer Hantavirus-Meningitis können sein:

  • Kopfschmerzen
  • Nackensteifigkeit
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Lichtempfindlichkeit
  • Bewusstseinsstörungen
  • Krampfanfälle

Es ist wichtig zu beachten, dass Meningitis durch Hantaviren eine seltene Komplikation ist und die meisten Patienten mit Hantavirus-Infektionen keine Meningitis entwickeln.

Diagnose von Hantavirus-Infektionen

Die Diagnose einer Hantavirus-Infektion basiert in der Regel auf serologischen Tests, die spezifische IgM- und IgG-Antikörper gegen Hantaviren im Blut nachweisen. In der Frühphase der Erkrankung kann auch der Nachweis von Hantavirus-RNA im Blut mittels Polymerasekettenreaktion (PCR) möglich sein.

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Behandlung von Hantavirus-Infektionen

Es gibt keine spezifische antivirale Therapie für Hantavirus-Infektionen. Die Behandlung erfolgt symptomatisch und umfasst:

  • Schmerzlinderung mit Analgetika
  • Volumensubstitution bei Dehydration
  • Dialyse bei Nierenversagen
  • Intensivmedizinische Betreuung bei schweren Verläufen mit Blutungen, Kreislaufinstabilität oder ARDS

In einigen Fällen wurde die frühzeitige antivirale Chemotherapie mit Ribavirin als erfolgreich beschrieben, die Wirksamkeit wird jedoch kontrovers diskutiert.

Prävention von Hantavirus-Infektionen

Da es keinen Impfstoff gegen Hantaviren gibt, besteht der wirksamste Schutz vor Infektionen in der Vermeidung von Kontakten mit Nagetieren und deren Ausscheidungen. Folgende Maßnahmen können helfen, das Risiko einer Infektion zu verringern:

  • Verhindern des Eindringens von Nagetieren in Gebäude: Dichten Sie Ritzen und Fugen an Türen, Fenstern und Wänden ab. Bewahren Sie Lebensmittel und Tierfutter in dicht schließenden Behältern auf. Beseitigen Sie Unterschlupf- und Nistmöglichkeiten für Nager.
  • Sichere Beseitigung von Nagetieren und deren Ausscheidungen: Tragen Sie beim Umgang mit toten Nagetieren oder dem Reinigen von Räumen mit Nagerbefall Gummihandschuhe und eine Atemschutzmaske (FFP3-Maske). Befeuchten Sie kontaminierte Bereiche vor der Reinigung, um Staubentwicklung zu vermeiden. Verwenden Sie keinen Staubsauger, um Staub aufzuwirbeln.
  • Vorsichtsmaßnahmen im Freien: Tragen Sie bei Gartenarbeiten oder anderen Tätigkeiten im Freien Handschuhe und eine Atemschutzmaske, insbesondere in Gebieten mit bekanntem Nagerbefall. Waschen Sie sich nach der Arbeit gründlich die Hände.
  • Bekämpfung von Nagetieren: Setzen Sie Schlagfallen oder zugelassene Nagergifte ein, um Nagetiere in und um Wohnhäuser zu bekämpfen. Achten Sie darauf, die Fallen und Köder für Kinder und Haustiere unzugänglich aufzustellen.

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