Brasilien, ein riesiges und vielfältiges Land, lockt mit seiner atemberaubenden Natur, pulsierenden Kultur und herzlichen Gastfreundschaft. Doch neben all den Reizen birgt das Land auch gesundheitliche Risiken, die Reisende kennen sollten. Eine der wichtigsten Vorsichtsmaßnahmen ist die Auseinandersetzung mit empfohlenen Impfungen, insbesondere gegen Meningitis. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Meningitis-Impfungen für Brasilien, basierend auf aktuellen Empfehlungen und wissenschaftlichen Erkenntnissen.
Einführung
Reisen in ferne Länder sind aufregend, erfordern aber auch eine sorgfältige Vorbereitung, um gesundheitliche Risiken zu minimieren. Impfungen spielen dabei eine entscheidende Rolle, da sie vor potenziell gefährlichen Krankheiten schützen. Brasilien stellt aufgrund seiner geografischen Lage und klimatischen Bedingungen besondere Herausforderungen dar, weshalb bestimmte Impfungen dringend empfohlen werden.
Gelbfieberimpfung: Eine Notwendigkeit für Brasilienreisende
Gelbfieber ist eine schwere Virusinfektion, die durch Stechmücken der Gattung Aedes übertragen wird. Die Krankheit tritt in äquatorialen Regionen Afrikas sowie in Mittel- und Südamerika auf. In Südamerika umfasst die Gelbfieberzone zwölf Länder sowie zusätzlich verschiedene karibische Inseln.
Übertragung und Symptome
Stechmückenweibchen übertragen das Virus beim Stich von Affe zu Mensch (sog. Dschungel-Gelbfieber) oder von Mensch zu Mensch (sog. Stadt-Gelbfieber). Die Moskitos stechen während der Tagesstunden. Nach dem Stich einer infizierten Mücke und der Übertragung der Erreger vermehrt sich das Virus im Organismus. Der individuelle Verlauf einer Gelbfiebererkrankung ist sehr unterschiedlich. Häufig zeigen sich nur milde Symptome, in 15 % der Fälle kommt es aber zu schweren Verläufen der Infektion. Ein schneller Fieberanstieg geht mit schweren Allgemeinerscheinungen einher (Kopf-, Muskelschmerzen, Übelkeit), häufig begleitet von verlangsamtem Puls und Bindehautentzündung. Hämorrhagisches Gelbfieber führt zu Haut- und Organblutungen. Neben diesen schweren Verlaufsformen mit Leberbeteiligung (Gelbsuchtsymptome, daher der Name) kommt es auch zu leichten Erkrankungen, auch symptomfreie Verläufe sind möglich. Die Gesamtletalität des Gelbfiebers beträgt zwischen 10 20 %.
Impfempfehlung und Gültigkeit
Die Impfung wird allen Reisenden (mit einigen Ausnahmen), die Länder oder Gebiete mit einem Gelbfieberrisiko besuchen, empfohlen. Die erste Grundimpfung sollte mindestens 10 Tage vor der Einreise in ein Gelbfieber-Endemiegebiet durchgeführt werden. Danach gilt der Impfschutz als lebenslang wirksam. Die Impfung wird bei Reisen in Risikogebiete dringend empfohlen und wird von den meisten Risikoländern bei der Einreise zwingend verlangt. Laut WHO besteht der Impfschutz nach einmaliger Impfung lebenslang, wenn nicht gleichzeitig mit einer Masernimpfung geimpft wurde oder unter Immunsuppression. Inzwischen akzeptieren die Mehrzahl der Reiseländer die lebenslange Wirksamkeit der Gelbfieber-Impfung. Der Lebendimpfstoff wird nur bei zugelassenen Impfstellen abgegeben und der Impfschutz tritt nach ca. 10 Tagen ein und liegt bei fast 100 %. Die Impfung ist in der Regel gut verträglich, gelegentlich treten Hautrötungen, Schwellungen oder auch grippeähnliche Symptome auf. Über 60-jährige sollten allerdings nur unter strenger Indikationsstellung geimpft werden. Nach Aufenthalt in Gelbfieberländern ohne Impfschutz kann die Einreise in andere Länder verweigert werden. Aus medizinischen Gründen besteht die Möglichkeit einer Impfbefreiung, die von staatlichen Stellen beglaubigt sein muss, aber nicht unbedingt von allen Ländern anerkannt wird. Ist eine Befreiung von der Impfpflicht aus medizinischen Gründen notwendig (Examption Certificate) kann dies von einer Gelbfieberimpfstelle ausgestellt werden.
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Aktuelle Empfehlungen der WHO
Aufgrund der Zunahme der Gelbfieber-Fälle in Brasilien aktualisierte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am 16. Januar 2018 ihre Gelbfieberempfehlung für Reisende: Die WHO empfiehlt die Gelbfieber-Impfung für alle Gebiete im Bundesstaat Sao Paulo - bislang galt die Empfehlung nur für die nördlichen und westlichen Gebiete im Bundesstaat Sao Paulo sowie für Acre, Amapa, Amazonas, Distrito Federal (einschl. der Hauptstadt Brasilia), Goias, Maranhao, Mato Grosso, Mato Grosso do Sul, Minas Gerais, Para, Rondonia, Roraima und Tocantins, sowie in Teilen von Bahia, Parana, Piaui, Rio de Janeiro, Rio Grande do Sul und Sanat Catarina. Auch für Besucher der Iguazu-Wasserfälle wir eine Gelbfieberimpfung empfohlen.
Meningokokken-Impfung: Schutz vor bakterieller Hirnhautentzündung
Meningokokken sind Bakterien, die eine schwere Hirnhautentzündung (Meningitis) und Blutvergiftung (Sepsis) verursachen können. Es gibt verschiedene Serotypen von Meningokokken, von denen einige häufiger vorkommen als andere. Eine Impfung gegen Meningokokken ist besonders für Reisende in Regionen mit erhöhtem Risiko empfehlenswert.
Impfempfehlungen der STIKO
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt bestimmte Reiseimpfungen aufgrund eines erhöhten Expositionsrisikos gegenüber impfpräventablen Erkrankungen auf Auslandsreisen.
Meningokokken-Impfstoffe
Das gramnegative Bakterium Neisseria meningitidis existiert in fünf relevanten Serotypen, A, B, C, W135 und Y, von denen in verschiedenen Weltregionen unterschiedliche vorherrschen. Vor allem vor Reisen in den Meningitis-Gürtel im subsaharischen Afrika sei es deshalb sinnvoll, gegen alle fünf Serotypen zu impfen. Einen Impfstoff, der das auf einen Schlag erledigt, gibt es nicht. Gegen die Serotypen A, C, W135 und Y gerichtet sind die tetravalenten Konjugatimpfstoffe Nimenrix® und Menveo®, die Jelinek als gleichwertig einstufte. In Deutschland nicht mehr auf dem Markt, aber als Reimport verfügbar und auch international noch gebräuchlich seien die Polysaccharid-Impfstoffe Mencevax® ACWY und Meningokokken-Impfstoff® A + C Merieux. Der Proteinimpfstoff Bexsero® schützt ausschließlich vor dem Serotyp B. Er wird vermutlich Mitte des Jahres Konkurrenz bekommen durch den weiteren Serotyp-B-Impfstoff Trumenba®, der allerdings häufiger gegeben werden muss (drei- statt zweimal) und nur für 10- bis 25-Jährige bestimmt ist, während Bexsero ab dem zweiten Lebensmonat eingesetzt werden kann.
Weitere empfohlene Impfungen für Brasilien
Neben Gelbfieber und Meningokokken gibt es weitere Impfungen, die für Brasilienreisende in Betracht gezogen werden sollten:
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- Hepatitis A und B: Hepatitis A wird durch kontaminierte Lebensmittel und Wasser übertragen, während Hepatitis B durch Blut und sexuelle Kontakte übertragen wird.
- Typhus: Typhus ist eine bakterielle Infektion, die durch kontaminierte Lebensmittel und Wasser übertragen wird.
- Tollwut: Tollwut ist eine Viruserkrankung, die durch den Biss infizierter Tiere übertragen wird.
- Japanische Enzephalitis: Die Impfung gegen die Japanische Enzephalitis mit Ixiaro® ist für Reisende indiziert, die in ländlichen Gebieten Asiens übernachten.
- Dengue-Fieber: Dengueviren werden landesweit durch tagaktive Aedes-Mücken übertragen. Die Erkrankung geht in der Regel mit Fieber, Hautausschlag sowie ausgeprägten Gliederschmerzen einher und betrifft zunehmend auch Reisende. In seltenen Fällen treten insbesondere bei Kindern, Älteren und Menschen mit Vorerkrankungen schwerwiegende Komplikationen inklusive möglicher Todesfolge auf. Eine Chemoprophylaxe und eine spezifische Therapie existieren nicht. Eine Impfung ist verfügbar. Lassen Sie sich bezüglich einer Impfung individuell reisemedizinisch beraten.
Malaria in Brasilien: Risikogebiete und Prophylaxe
Brasilien ist ein Malarialand. Ein mittleres Risiko liegt im Bundesstaat Rondônia, im Norden und Westen von Pará, im Westen von Mato Grosso, bei Flussreisen auf dem Amazonas (von Iquitos in Peru bis zum Delta, inkl. Manaus) sowie den Stadtzentren von Boa Vista und Porto Velho vor. Malariafrei sind die Städte Brasilia, Rio de Janeiro, São Paulo, Recife, Fortaleza und Salvador, Iguaçu-Fälle. Der Anteil an Malaria tertiana (P. vivax) beträgt 83%, Malaria tropica-Fälle (P. falciparum) und Mischinfektionen machen 17% aus.
Schutzmaßnahmen
- Expositionsprophylaxe: Konsequenter Schutz vor Insektenstichen durch langärmelige Oberteile, Hosen, Moskitonetze und Repellents.
- Chemoprophylaxe: In den aufgeführten Risikogebieten wird die vorbeugende Einnahme von Atovaquon / Proguanil (Malarone®) oder als preiswerte Alternative Mefloquin (z.B. Lariam®) empfohlen. Alternativ kommt Doxycyclin in Frage. Die konkrete Auswahl der Anti-Malaria-Mittel, deren individuelle Anpassung sowie Nebenwirkungen bzw. Unverträglichkeiten mit anderen Medikamenten sollten vor der Einnahme mit einem Tropenmediziner oder Reisemediziner besprochen werden.
Weitere Gesundheitsrisiken und Vorsorgemaßnahmen
Neben Impfungen und Malariaprophylaxe gibt es weitere Gesundheitsrisiken, die Reisende in Brasilien beachten sollten:
- Durchfallerkrankungen: Durchfallerkrankungen sind häufige Reiseerkrankungen. Durch eine entsprechende Lebensmittel- und Trinkwasserhygiene lassen sich die meisten Durchfallerkrankungen jedoch vermeiden.
- Chikungunya-Fieber: Chikungunyaviren werden von tagaktiven Aedes-Mücken übertragen. Die Erkrankung ist gekennzeichnet durch hohes Fieber und unter Umständen länger anhaltenden Gelenk- und Muskelschmerzen.
- Brasilienisches Purpurfieber: Im Bundesstaat São Paulo treten vereinzelte Fälle dieser saisonal durch Zecken übertragenen bakteriellen Infektionskrankheit auf. In der Regel kommt es zu Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Hautausschlägen.
- Sonnenschutz: Aufgrund der erhöhten UV-Strahlung am Reiseziel besteht ein Risiko für Sonnenbrand und andere UV-Schäden. Benutzen Sie Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor (LSF/SPF 30-50) auf der unbedeckten Haut.
- Vorsicht vor Tieren: Berühren oder füttern Sie keine Tiere, die Sie nicht kennen. Tierbisse und Kratzer können zu schweren Krankheiten wie Tollwut führen.
Sicherheitshinweise für Reisende in Brasilien
Die Kriminalitätsrate und die Gefahr, Opfer eines Raubüberfalls oder eines anderen Gewaltverbrechens zu werden, sind in Brasilien hoch, besonders in den Großstädten wie Belém, Fortaleza, Maceio, Porto Alegre, Recife, Rio de Janeiro, Salvador, São Luiz und São Paulo.
Empfehlungen zur Vermeidung von Kriminalität
- Bewahren Sie Geld, Ausweise, Führerschein und andere wichtige Dokumente sicher auf; speichern Sie ggf. elektronische Kopien/Fotos.
- Verstauen Sie mobile Geräte unauffällig.
- Zahlen Sie in Taxis und bei Standverkäufern bevorzugt in bar. Führen Sie nur kleinere Beträge bzw. eine Kreditkarte mit sich.
- Nehmen Sie keine Prostituierten oder flüchtige Bekannte in das eigene Hotelzimmer bzw. die eigene Unterkunft mit.
- Meiden Sie unbelebtes Gegenden nach Geschäftsschluss und an Wochenenden.
Reisemedizinische Beratung und Reiseapotheke
Vor einer Reise nach Brasilien ist eine individuelle reisemedizinische Beratung empfehlenswert. Dabei können spezifische Risiken und notwendige Schutzmaßnahmen besprochen werden.
Inhalte der Reiseapotheke
Eine Reiseapotheke sollte jeder Urlauber bei sich haben. Je nach Reiseart sollten u.a. folgende Dinge enthalten sein:
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- Schmerzmittel und Fiebersenker
- Mittel gegen Durchfall, Übelkeit und Erbrechen
- Verbandsmaterial und Desinfektionsmittel
- Insektenschutzmittel
- Sonnenschutzmittel
- Medikamente gegen Reisekrankheit
- ggf. persönliche Medikamente in ausreichender Menge
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