Meningokokken-Impfung: Schutz, Ursachen und was Sie wissen sollten

Meningokokken sind Bakterien, die schwere Erkrankungen wie Hirnhautentzündung (Meningitis) und Blutvergiftung (Sepsis) verursachen können. Diese Erkrankungen sind in Deutschland zwar selten, verlaufen aber oft schwerwiegend und können lebensbedrohlich sein. Daher ist es wichtig, sich über Meningokokken, ihre Übertragung, Symptome und Vorbeugung zu informieren. Ein wichtiger Baustein der Vorbeugung ist die Impfung, über die in diesem Artikel ausführlich informiert wird.

Was sind Meningokokken?

Meningokokken (Neisseria meningitidis) sind Bakterien, die weltweit vorkommen und den Nasen-Rachen-Raum besiedeln können. Etwa jeder zehnte Mensch trägt Meningokokken unbemerkt im Nasen-Rachen-Raum. Die Übertragung erfolgt durch engen Kontakt, beispielsweise über Speichel oder Nasensekret, etwa beim Küssen. Da die Bakterien außerhalb des Körpers rasch absterben, ist eine Ansteckung ohne engen Kontakt eher unwahrscheinlich.

Es gibt verschiedene Serogruppen von Meningokokken, die durch unterschiedliche Oberflächenstrukturen der Bakterien unterschieden werden. Die Serogruppen A, B, C, W, X und Y sind die häufigsten Auslöser schwerer, invasiver Erkrankungen. In Deutschland werden die meisten Erkrankungen durch die Serogruppen B, Y, C und W verursacht. Dabei treten Meningokokken-Erkrankungen der Serogruppe B überwiegend bei Kindern und Jugendlichen auf, während Erkrankungen durch Serogruppe Y vor allem ältere Personen betreffen.

Symptome und Folgen von Meningokokken-Erkrankungen

Meningokokken-Erkrankungen können in jedem Alter auftreten, am häufigsten jedoch bei Säuglingen im ersten Lebensjahr und bei Jugendlichen zwischen 15 und 19 Jahren. Von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit dauert es in der Regel 3 bis 4 Tage, kann aber auch zwischen 2 und 10 Tagen liegen.

Die Symptome einer Meningokokken-Erkrankung können vielfältig und unspezifisch sein, was die Diagnose erschwert. Zunächst treten oft grippeähnliche Symptome wie Fieber, Unwohlsein, Kopf- und Gliederschmerzen, Appetitmangel und Übelkeit auf. Bei Säuglingen und Kleinkindern können Reizbarkeit, Schläfrigkeit, Krämpfe, Aufschreien und eine vorgewölbte Fontanelle hinzukommen.

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Im weiteren Verlauf können spezifischere Symptome auftreten, die auf eine Hirnhautentzündung (Meningitis) oder eine Blutvergiftung (Sepsis) hindeuten. Bei einer Meningitis kommen unter anderem Erbrechen und Nackensteifigkeit hinzu. Eine Sepsis kann sich durch Blutdruckabfall bemerkbar machen und bis zum Organversagen fortschreiten. Bei einem großen Teil der Erkrankten treten zusätzlich Hautveränderungen auf, vor allem, wenn sich die Infektion im Körper ausbreitet und eine Blutvergiftung entsteht. Ein Warnsignal sind Petechien, punktförmige Einblutungen in die Haut.

Da die Symptome anfangs oft unspezifisch sind und einer Grippe ähneln, werden Meningokokken-Erkrankungen nicht immer sofort erkannt. Bei Verdacht auf eine Meningokokken-Erkrankung ist jedoch schnelles Handeln gefragt. Beim ersten Verdacht sollte sofort ein Arzt oder ein Krankenhaus aufgesucht werden, da die Erkrankung innerhalb weniger Stunden lebensbedrohlich werden kann.

Trotz Behandlung kann eine Meningokokken-Erkrankung schwerwiegende Folgen haben. Bei einer Meningitis kommt es bei 10 bis 20 Prozent der Betroffenen zu Komplikationen wie Krampfanfällen oder Taubheit und bei Kindern auch zu Entwicklungsstörungen. Etwa einer von 100 der Erkrankten verstirbt. Bei einer Sepsis kann es zu Gewebeschädigungen bis hin zum Absterben einzelner Gliedmaßen kommen, so dass eine Amputation nötig werden kann. Rund 13 Prozent der Erkrankten mit septischem Verlauf versterben. Bei einer schweren Form des septischen Schocks, dem sogenannten Waterhouse-Friderichsen-Syndrom, verstirbt rund ein Drittel der Betroffenen. Eine im Fachmedium Lancet veröffentlichte Untersuchung zeigt, dass fast die Hälfte der Kinder mit einer Meningokokken-Infektion nach einem ärztlichen Erstkontakt wieder nach Hause geschickt wurden.

Impfempfehlungen der STIKO

Um bestmöglich vor Meningokokken-Erkrankungen zu schützen, empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) verschiedene Impfungen. Zum Schutz vor den unterschiedlichen Meningokokken-Gruppen gibt es verschiedene Impfungen, die seit vielen Jahren in Deutschland genutzt werden. Seit Januar 2024 empfiehlt die STIKO standardmäßig die Impfung gegen Meningokokken B und Meningokokken C für Säuglinge und Kleinkinder. Dementsprechend werden die Kosten für diese Impfungen von den Krankenkassen übernommen (Pflichtleistung).

Meningokokken-B-Impfung

Die STIKO empfiehlt allen Säuglingen ab dem Alter von zwei Monaten die Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe B (MenB). Versäumte Impfungen gegen Meningokokken B sollen bis zum 5. Geburtstag nachgeholt werden. Die Impfserie soll möglichst frühzeitig begonnen werden und im Alter von 2, 4 und 12 Monaten verabreicht werden. Im Alter von 12 bis 23 Monaten besteht die Impfserie aus 2 Impfstoffdosen in einem Mindestabstand von 2 Monaten und einer 3. Impfstoffdosis 12 bis 23 Monate nach der 2. Impfung. Personen ab dem Alter von 2 Jahren erhalten nur 2 Impfstoffdosen in einem Mindestabstand von 1 Monat.

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Zur Vermeidung von Fieber oder Schmerzen nach der Impfung wird eine vorbeugende Gabe von Paracetamol empfohlen, die zeitgleich mit der Impfung gegen Meningokokken B oder kurz danach begonnen werden sollte.

Meningokokken-C-Impfung

Die Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe C (MenC) wird Kleinkindern im Alter ab 12 Monaten nicht mehr empfohlen, da diese Erkrankungen sehr selten geworden sind. Versäumte Impfungen gegen Meningokokken C sollen bis zum 18. Geburtstag nachgeholt werden. In Einzelfällen kann die MenC-Impfung dennoch sinnvoll und begründet sein.

Meningokokken-ACWY-Impfung

Bei erhöhtem Risiko wird zudem die Impfung mit Meningokokken-ACWY-Impfstoff empfohlen, beispielsweise bei einer angeborenen oder erworbenen Immunschwäche oder bei Langzeitaufenthalten in Ländern mit epidemischen Vorkommen. Hierzu berät Sie Ihre Ärztin beziehungsweise Ihr Arzt.

Personen aller Altersgruppen, bei denen ein erhöhtes Risiko für eine Meningokokken-Erkrankung besteht, wird die Impfung mit einem Meningokokken-Kombinationsimpfstoff gegen die Serogruppen A, C, W und Y empfohlen. Außerdem sollten sie gegen Meningokokken B geimpft werden, wenn dies im Säuglings- oder Kleinkindalter noch nicht erfolgt ist. Zu den Risikogruppen zählen Personen mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung aufgrund einer angeborenen oder erworbenen Immunschwäche (zum Beispiel bei fehlender Milz) sowie gefährdetes Laborpersonal.

Die STIKO empfiehlt eine Kombi-Impfung für Jugendliche zwischen zwölf und 14 Jahren gegen die Serogruppen A, C, W und Y. Hat man die Impfung nicht im empfohlenen Alter erhalten, solle man sie bis zum 25. Geburtstag nachholen, empfiehlt die STIKO.

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Reiseimpfung

Darüber hinaus können Impfungen gegen Meningokokken ACWY und/oder Meningokokken B als Reiseimpfungen sinnvoll sein. Auf www.bereit-zu-reisen.de kannst du dich diesbezüglich informieren. Eine individuelle Impfberatung kann nur deine behandelnde Kinderärztin oder dein Kinderarzt vornehmen.

Impfstoffe

Für die Serogruppe B und C sind in Deutschland jeweils monovalente Impfstoffe (Einzelimpfstoffe) zugelassen sowie quadrivalente Impfstoffe (Vierfachimpfstoffe) gegen die 4 Serogruppen A, C, W, und Y (MenACWY). Die STIKO hat ihre Empfehlung zur Impfung gegen die Serogruppe B angepasst und empfiehlt für Säuglinge ab dem Alter von zwei Monaten eine Standardimpfung gegen Meningokokken der Serogruppe B (MenB) mit dem Protein-basierten Vierkomponenten-Impfstoff 4CMenB (Bexsero).

Moderne Konjugatimpfstoffe weisen im Gegensatz zu herkömmlichen Polysaccharid-Impfstoffen eine Reihe von Vorteilen auf:

  • Schützen besser: Konjugatimpfstoffe besitzen eine höhere Immunogenität, d.h. nach der Impfung werden mehr Antikörper gegen die Erreger gebildet.
  • Schützen länger: Nach der Impfung mit einem Konjugatimpfstoff bildet das Immunsystem ein Immungedächtnis aus.
  • Führen in allen Altersgruppen zu einer robusten Immunantwort - im Gegensatz zu Polysaccharid-Impfstoffen, die bei Säuglingen und Kleinkindern nicht gut wirksam sind.
  • Ermöglichen Auffrischung des Impfschutzes: Dank des Immungedächtnisses kann die Impfung mit einem Konjugatimpfstoff auch aufgefrischt werden.
  • Reduzieren Anzahl der Bakterienträger: Im Gegensatz zu den Polysaccharid-Impfstoffen führt eine Impfung mit einem Konjugatimpfstoff dazu, dass keine Meningokokken mehr unerkannt im Nasen-Rachenraum siedeln können.
  • Tragen zum Aufbau einer Herdenimmunität bei: Bei Verwendung von Konjugatimpfstoffen wird der Aufbau einer so genannten Herdenimmunität möglich.

Mögliche Impfreaktionen und Nebenwirkungen

Die Impfung ist in der Regel gut verträglich. Wie bei jeder Impfung können jedoch Nebenwirkungen auftreten, die je nach verwendetem Impfstoff etwas verschieden und unterschiedlich häufig sind. Durch die Anregung der körpereigenen Abwehr können für kurze Zeit vorübergehende Impfreaktionen auftreten, die in der Regel nach wenigen Tagen ohne Folgen wieder abklingen. Dazu zählen Rötungen, Schwellungen und Schmerzen an der Impfstelle, Fieber, Kopfschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie allgemeines Unwohlsein. Schwere Nebenwirkungen sind sehr selten.

Viele Eltern sorgen sich, wenn nach einer Impfung Rötungen, Schwellungen und Schmerzen an der Einstichstelle auftreten oder ihr Kind mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen oder Unwohlsein reagiert. Dabei handelt es sich um eine sogenannte Impfreaktion - diese zeigt an, dass sich das Immunsystem mit der Impfung auseinandersetzt, um den Schutz vor der Erkrankung aufzubauen.

Meningokokken-Erkrankung in der KiTa - was ist zu tun?

Das gilt auch für Personen, in deren Wohngemeinschaft ein Krankheits- oder Verdachtsfall aufgetreten ist. Betroffene müssen die Gemeinschaftseinrichtung über die Erkrankung sowie über den Verdacht informieren. Nach der Genesung können Betroffene die Gemeinschaftseinrichtungen wieder besuchen.

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