Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch anfallsartige, starke Kopfschmerzen auszeichnet, die Stunden bis Tage andauern können. Obwohl Migräne oft als "Frauenkrankheit" bezeichnet wird, können auch Männer davon betroffen sein. Tatsächlich sind etwa 6 % der Männer in Deutschland von Migräne betroffen. Dieser Artikel befasst sich mit den Ursachen, Symptomen und Behandlungsmöglichkeiten von Migräne bei Männern.
Was ist Migräne?
Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Sie ist eine vielschichtige neurologische Erkrankung, die mit einer Reihe von belastenden Symptomen einhergehen kann, darunter Übelkeit, Lichtempfindlichkeit und Lärmempfindlichkeit. Migräne kann den Alltag der Betroffenen stark einschränken, da jede körperliche Aktivität die Schmerzen noch verschlimmern kann. Verantwortlich für Migräne ist eine Funktionsstörung des Gehirns, insbesondere der Strukturen, die für die Schmerzentstehung und -verarbeitung zuständig sind. Bei Migränebetroffenen ist die Hirnrinde überempfindlich, was bedeutet, dass äußere Reize verstärkt wahrgenommen werden.
Ursachen und Auslöser von Migräne bei Männern
Die genauen Ursachen der Migräne sind bis heute nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass eine genetische Veranlagung eine Rolle spielt. Studien deuten darauf hin, dass bei Migränebetroffenen grundsätzlich eine aktivere Reizverarbeitung im Gehirn stattfindet als bei Nichtbetroffenen. Wenn nun bestimmte Reize oder Einflussfaktoren (sogenannte Trigger) auf dieses empfindliche System treffen, kann es zu Veränderungen im Gehirn kommen, die letztlich zum Migräneanfall führen.
Zu den häufigsten Triggern von Migräneattacken gehören:
- Stress und starke Emotionen: Stress, überschwängliche Freude oder Angst können Migräneattacken auslösen. Oft tritt die Migräne erst nach dem Abklingen der Belastung auf.
- Hormonelle Veränderungen: Obwohl hormonelle Schwankungen eher mit Migräne bei Frauen in Verbindung gebracht werden, können auch Männer von hormonellen Veränderungen betroffen sein, die Migräne auslösen. Eine Studie zeigte, dass migränebetroffene Männer durchschnittlich einen höheren Östrogenspiegel haben und häufiger Symptome eines Androgenmangels aufweisen.
- Unregelmäßiges Essen und Auslassen von Mahlzeiten: Unregelmäßiges Essen oder das Auslassen von Mahlzeiten, wie z. B. intermittierendes Fasten, kann zu Migräneattacken führen.
- Bestimmte Lebensmittel: Einige Lebensmittel, wie Käse und Rotwein, können bei manchen Menschen Migräne auslösen.
- Wetterveränderungen: Wetterveränderungen, wie Föhn oder plötzliche Temperaturschwankungen, können ebenfalls Migräneattacken triggern.
- Unregelmäßiger Schlaf: Unregelmäßiger Schlaf, wie zu viel oder zu wenig Schlaf, kann Migräneattacken begünstigen.
- Äußere Reize: Helles Licht, Straßenlärm, Gerüche und Rauch können Migräneattacken auslösen.
- Bestimmte Medikamente: Einige Medikamente können ebenfalls Migräneattacken verursachen.
- Übermäßiger Kaffeekonsum: Insbesondere zu viel Kaffee kann Kopfschmerzen auslösen, plötzlicher Verzicht darauf allerdings auch.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Auslöser von Migräne individuell verschieden sein können. Ein Kopfschmerztagebuch kann helfen, die persönlichen Trigger zu identifizieren und zu vermeiden.
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Symptome von Migräne bei Männern
Die Symptome von Migräne bei Männern können sich von denen bei Frauen unterscheiden. Während Frauen häufig unter typischen Migränesymptomen wie einseitigen, pulsierenden Kopfschmerzen, Übelkeit und Lichtempfindlichkeit leiden, erleben Männer mit Migräne häufiger Aura-Symptome.
Aura-Symptome können sein:
- Sehstörungen: Wahrnehmung von Doppelbildern, Lichtblitzen, Wellenlinien oder blinden Flecken.
- Hörprobleme: Hörprobleme bis hin zu vorübergehender Taubheit.
- Empfindungsstörungen: Kribbeln oder Taubheitsgefühle in den Gliedmaßen, im Gesicht oder der Zunge.
- Sprechstörungen: Schwierigkeiten, sich auszudrücken oder Gesprochenes zu verstehen.
- Schwindel und Schwächegefühl
- Koordinationsstörungen
- Einseitige Lähmungen
Es ist wichtig zu beachten, dass Migräne bei Männern oft nicht den gängigen Kriterien entspricht, was die Diagnose erschweren kann. Im Alter geht eine Migräne bei Männern öfter mit beidseitigen Kopfschmerzen einher.
Verlauf von Migräneattacken
Migräneattacken können in verschiedene Phasen eingeteilt werden:
- Vorbotenphase (Prodromalstadium): In dieser Phase treten unverkennbare Vorboten auf, die den Betroffenen die Migräneattacke ankündigen. Diese Vorboten sind sehr individuell und können Heißhunger, häufiges Gähnen, Reizbarkeit oder Euphorie umfassen.
- Aura: Etwa 15 Prozent der Migränebetroffenen haben eine Migräne mit Aura. Unmittelbar vor der Schmerzphase bemerken diese Patientinnen und Patienten Symptome wie Sehstörungen, Hörprobleme, Empfindungsstörungen oder Sprechstörungen. Die Aura besteht in der Regel nicht länger als eine Stunde.
- Schmerzphase: Typisch für die Migräne ist ein stechender, pochender oder pulsierender Kopfschmerz, der sich in der Regel einseitig bildet und auf Stirn, Schläfe und Augenbereich ausbreitet. Die Schmerzphase hält in der Regel zwischen vier und 72 Stunden an. Häufige Begleitsymptome sind Übelkeit und Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit, ein verstärktes Wahrnehmen von Gerüchen, eine erschwerte Nasenatmung und Naselaufen sowie leichtes Augentränen.
- Rückbildungsphase (Erholungsphase): In der Rückbildungsphase entwickeln sich die pochenden oder pulsierenden Kopfschmerzen zu gleichbleibendem Schmerz, der allmählich abklingt. Häufig haben Betroffene ein erhöhtes Schlafbedürfnis, bis die Migräneattacke vollends beendet ist.
Diagnose von Migräne bei Männern
Die Diagnose von Migräne basiert in erster Linie auf einem ausführlichen Arzt-Patienten-Gespräch (Anamnese) und einer neurologischen Untersuchung. Der Arzt wird nach der Häufigkeit, Dauer, Art und Stärke der Kopfschmerzen sowie nach möglichen Begleitsymptomen fragen. Ein Kopfschmerztagebuch kann helfen, die Diagnose zu erleichtern.
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In einigen Fällen können weitere Untersuchungen des Gehirns, wie z. B. eine Bildgebung des Kopfes, notwendig sein, um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen.
Behandlung von Migräne bei Männern
Da die Migräne eine chronische Erkrankung ist, deren Ursachen noch nicht genau bekannt sind, ist bislang keine Heilung möglich. Jedoch stehen heute Arzneimittel zur Verfügung, die die Symptome rund um die Migräneattacke effektiv lindern und so die Lebensqualität von Betroffenen deutlich verbessern können.
Die Behandlung von Migräne umfasst in der Regel zwei Ansätze:
- Akuttherapie: Die Akuttherapie zielt darauf ab, die Symptome einer akuten Migräneattacke zu lindern. Hierzu können Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure (ASS) eingesetzt werden. Bei mittelschweren bis schweren Attacken stehen Triptane zur Verfügung. Triptane sind Medikamente, die speziell zur Behandlung von Migräne entwickelt wurden. Sie wirken, indem sie Entzündungsvorgänge im Gehirn hemmen, erweiterte Blutgefäße verengen und die Schmerzausbreitung unterdrücken. Antiemetika können zur Linderung von Übelkeit und Erbrechen eingesetzt werden.
- Prophylaxe: Die Prophylaxe zielt darauf ab, die Häufigkeit, Dauer und Intensität von Migräneattacken zu reduzieren. Eine medikamentöse Migräneprophylaxe kann sinnvoll sein, wenn die Migräneattacken häufig auftreten und die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Zur medikamentösen Prophylaxe stehen verschiedene Substanzen zur Verfügung, darunter Betablocker, Antidepressiva und Antiepileptika. Eine weitere Möglichkeit ist die Behandlung mit speziell entwickelten Antikörpern. Neben der medikamentösen Prophylaxe können auch nicht-medikamentöse Maßnahmen wie Entspannungsverfahren, Ausdauersport und das Vermeiden persönlicher Trigger helfen, Migräneattacken vorzubeugen.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Behandlung von Migräne individuell angepasst werden muss. Ein Arzt kann die geeigneten Medikamente und Behandlungsstrategien empfehlen.
Geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Behandlung
Unterschiede zeigen sich auch bei der medikamentösen Behandlung: Auf die Migräne-Medikamente sprechen Männer oft besser an als Frauen. Darüber hinaus neigen sie weniger zu psychischen Begleiterkrankungen wie Depressionen und Ängste.
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Weitere Aspekte der Migräne bei Männern
- Unterdiagnose: Migräne bei Männern wird häufig unterdiagnostiziert, da Migräne oft als "Frauenkrankheit" angesehen wird und Männer seltener ärztliche Hilfe suchen.
- Komorbiditäten: Migräne kann bei Männern mit anderen Erkrankungen einhergehen, insbesondere mit koronaren Herzerkrankungen und Nierensteinen.
- Chronifizierung: Männer mit episodischer Migräne haben ein höheres Risiko, von der episodischen in eine chronische Migräne überzugehen.