DHEA und Multiple Sklerose: Aktuelle Studien und Erkenntnisse

DHEA (Dehydroepiandrosteron) ist ein Steroidhormon, das hauptsächlich in der Nebennierenrinde produziert wird und als Vorstufe für sowohl männliche (Androgene) als auch weibliche (Estrogene) Sexualhormone dient. Es ist auch als Anti-Aging-Hormon bekannt, da sein Spiegel im Alter deutlich abnimmt. Dieser Artikel beleuchtet die Rolle von DHEA im Körper, seine potenziellen Auswirkungen auf Multiple Sklerose (MS) und die aktuellen Studienergebnisse zu diesem Thema.

DHEA: Ein Überblick

DHEA wird erst im Alter von 6 bis 10 Jahren in nennenswerter Menge produziert, was möglicherweise zufällig mit dem Alter zusammenfällt, ab dem ADHS diagnostizierbar wird. Der DHEA-Spiegel erreicht seinen Höhepunkt im Alter von etwa 25 bis 30 Jahren und sinkt dann mit zunehmendem Alter kontinuierlich auf 10 bis 20 % im hohen Alter. Zu Beginn der Pubertät steigt DHEA bzw. Die altersbedingte Abnahme von DHEA wird nicht durch eine geringere ACTH-Produktion ausgelöst.

Die meisten Quellen berichten von einem höheren oder gleich hohen basalen DHEA-Spiegel bei Frauen und einem höheren basalen DHEA-Sulfat-Spiegel bei Männern. Bei Männern erhöht DHEA vorwiegend den Östrogenanteil, bei Frauen vorwiegend den Androgenanteil im Blut. Bei Männern wird in manchen Geweben Testosteron gebildet, ohne jedoch den Testosteronspiegel im Blut zu erhöhen.

Der DHEA-Spiegel hat denselben circadianen Rhythmus wie Cortisol, da DHEA von ACTH angeregt wird, das innerhalb der HPA-Achse auch die Cortisolbildung anregt. Möglicherweise unterliegt DHEA bei gesunden Menschen entgegen der bisherigen Auffassung doch einer Aufwachreaktion (DAR) im Sinne eines starken Pegelanstiegs auf das 8-fache, die unmittelbar mit dem Erwachen erfolgt, anders als die Cortisolaufwachreaktion (CAR), deren Maximum rund 40 Minuten nach dem Aufwachen erfolgt. Nach unserer Hypothese könnte dies stimmig mit der mangelhaften Schlafqualität bei melancholischer und psychotischer Depression (besonders in der zweiten Nachthälfte) zusammenhängen. Melancholische und psychotische Depression sind von einem überhöhten Cortisol/DHEA-Verhältnis gekennzeichnet.

DHEA und seine Funktionen im Körper

DHEA ist an zahlreichen Prozessen im Körper beteiligt, darunter:

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  • Hormonproduktion: DHEA dient als Vorstufe für die Synthese von Androgenen und Östrogenen, den wichtigsten Sexualhormonen.
  • Immunmodulation: DHEA kann das Immunsystem beeinflussen und zur Abwehr von Bakterien und Viren beitragen.
  • Neuroprotektion: Studien deuten darauf hin, dass DHEA das Wachstum und die Regeneration von Nervenzellen stimulieren kann.
  • Anti-Aging-Effekte: DHEA wird mit einer Vielzahl von Anti-Aging-Effekten in Verbindung gebracht, wie z. B. die Stärkung des Immunsystems, die Regulierung des Zuckerstoffwechsels und die Unterstützung der Herzgesundheit.

DHEA und Multiple Sklerose: Aktuelle Forschung

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der die Myelinschicht, die die Nervenfasern umgibt, zerstört wird. Die genauen Ursachen von MS sind noch nicht vollständig geklärt, aber es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischen und Umweltfaktoren eine Rolle spielt.

Die Forschung zur Rolle von DHEA bei MS ist noch begrenzt, aber einige Studien deuten auf einen möglichen Zusammenhang hin.

Einfluss auf das Immunsystem

Da MS eine Autoimmunerkrankung ist, bei der das Immunsystem körpereigenes Gewebe angreift, ist es wichtig zu verstehen, wie DHEA das Immunsystem beeinflusst. DHEA/S wirken (wie Cortisol) entzündungshemmend (anti-inflammatorisch).

Neurologische Effekte

Ebenso wie andere Steroidhormone stimuliert DHEA Wachstum und Regeneration von Nervenzellen. Nachgewiesen wurde diese Wirkung in Zell- und Tierexperimenten. Sie spielt vor allem für die Suche nach neuen Behandlungsmethoden für neurodegenerative Erkrankungen eine Rolle, zu denen beispielsweise Multiple Sklerose, Parkinson und Alzheimer gehören.

DHEA-Spiegel bei MS-Patienten

Einige Studien haben untersucht, ob der DHEA-Spiegel bei MS-Patienten von dem gesunder Kontrollpersonen abweicht. Die Ergebnisse dieser Studien sind jedoch nicht eindeutig. Beispielsweise zeigte eine Studie, dass der DHEA-Blutspiegel (der nicht zwingend dem DHEA-Niveau im Gehirn entsprechen muss) bei Alzheimer gegenüber gleich alten Vergleichspersonen nicht verändert ist.

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DHEA als Therapieansatz

Aufgrund seiner potenziellen immunmodulatorischen und neuroprotektiven Eigenschaften wurde DHEA als möglicher Therapieansatz für MS untersucht. Es gibt jedoch nur wenige klinische Studien, die die Wirksamkeit von DHEA bei MS untersucht haben.

Eine Studie fand bei ADHS um 25 % verringerte Speichel-DHEA-Spiegel sowie signifikant abweichende DHEA zu Cortisol Verhältnisse. Speichel-DHEA-Spiegel und DHEA/Cortisol-Verhältnis korrelierten unabhängig voneinander negativ mit den CPT-Scores für Ablenkbarkeit und Impulsivität. Bei Anoxie (die eine häufige ADHS-Ursache darstellt, z.B. DHEAS-Gabe verbesserte bei Mäusen die 5-CSRTT-Leistung (5-choice serial reaction time task), eine Hemmung der Steroidsulfatase beeinträchtigte die Testleistung. Ein Verlust der Sts-Gen-Expression während der gesamten Entwicklung in 39,X(Y)*O-Mäusen bewirkt Defiziten in der 5-CSRTT-Leistung bei kurzen Reizdauern und einer verminderten antizipatorischen Reaktion. Kinder mit ADHS, die mit MPH behandelt wurden, zeigten einen signifikanten Anstieg des Speichel-DHEA-Spiegels, des Plasma-DHEA-Spiegels, oder des Plasma-DHEAS-Spiegels.

Wechselwirkungen und Nebenwirkungen

Unerwünschte Nebenwirkungen sind bei niedrigen Dosierungen von DHEA nicht gegeben. Bei der Einnahme extrem hoher, medizinisch nicht gerechtfertigter Dosen kann es zu Akne, vermehrter Körperbehaarung oder - bei Frauen - zu einer tieferen Stimme kommen. Nach einer Dosisreduktion verschwinden solche Effekte jedoch wieder. Vom Internationalen Olympischen Komitee wird das Hormon als Dopingmittel eingestuft - seine Einnahme vor offiziellen sportlichen Wettkämpfen ist folglich verboten. Bei diagnostizierten hormonsensitiven Krebsarten wie Brust-, Eierstock- oder Gebärmutterkrebs sollte DHEA nicht eingenommen werden. Zur Krebsprävention kann die Verwendung des Hormons jedoch sinnvoll sein. Wechselwirkungen mit anderen Substanzen sind nicht bekannt. Studien legen nahe, dass aus der gemeinsamen Anwendung von DHEA, seines Vorläuferhormons Pregnenolon sowie des Hormons Melatonin positive Effekte resultieren können.

Fazit

Die Forschung zur Rolle von DHEA bei Multipler Sklerose ist noch in einem frühen Stadium. Obwohl einige Studien auf einen möglichen Zusammenhang hindeuten, sind weitere Untersuchungen erforderlich, um die genauen Auswirkungen von DHEA auf den Krankheitsverlauf von MS zu verstehen. Es ist wichtig zu beachten, dass DHEA kein Ersatz für eine konventionelle MS-Therapie ist und dass die Einnahme von DHEA nur nach Rücksprache mit einem Arzt erfolgen sollte.

Es gibt bisher keine Hinweise, dass Hormontherapien in den Wechseljahren eine ungünstige Wirkung auf den Krankheitsverlauf bei MS haben. Für das DHEA speziell ist dies nicht untersucht worden, so dass man dies formal nicht eindeutig beantworten kann, aus meiner Sicht spricht jedoch nichts für eine Fortführung der DHEA Therapie. Wichtig sind natürlich gerade in einem solchen Fall rel. engmaschige Kontrolluntersuchungen, zumindest initial alle 6 Monate.

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