Deltawellen: Funktion, Bedeutung und Anwendung im Gehirn

Einführung

Schlaflosigkeit ist ein weit verbreitetes Problem, von dem schätzungsweise die Hälfte aller Deutschen regelmäßig betroffen ist. Stress und seelische Belastungen sind oft die Ursache. Bisher wurden die Symptome meist medikamentös behandelt. Schlafforscher haben nun eine sanfte Methode gefunden: Deltawellen. Dieser Artikel beleuchtet die Funktion und Bedeutung von Deltawellen im Gehirn, wie sie gemessen und beeinflusst werden können und welche potenziellen Anwendungen sie haben.

Was sind Deltawellen?

Unser Gehirn arbeitet mit elektrischen Schwingungen, den sogenannten Gehirnwellen. Diese entstehen durch die Kommunikation von Nervenzellen (Neuronen) mittels elektrischer Impulse. Die Gesamtheit dieser Signale wird als Gehirnwellen bezeichnet. Diese Wellen können mit einem Elektroenzephalogramm (EEG) gemessen werden, wobei Elektroden an der Kopfhaut angebracht werden. Die erfasste Aktivität hat verschiedene Frequenzen und Amplituden, die mit unterschiedlichen Bewusstseinszuständen und mentalen Aktivitäten in Verbindung gebracht werden.

Deltawellen sind die langsamsten Gehirnwellen mit einer Frequenz von 0,5 bis 4 Hz (Hertz). Sie treten hauptsächlich während des Tiefschlafs auf, insbesondere in den Schlafphasen 3 und 4, und sind im Wachzustand äußerst selten. Deltawellen zeichnen sich durch Trance- und "nicht-physische" Zustände bzw. durch einen traumlosen Schlaf aus und das Bewusstsein ist dabei komplett ausgeschaltet, lediglich das Unterbewusstsein ist aktiv.

Die Rolle der Deltawellen im Schlaf

Deltawellen dominieren den Tiefschlaf, der als die erholsamste Schlafphase gilt. In dieser Phase finden wichtige Heilungsprozesse und regenerative Zustände im Gehirn statt. Delta-Wellen sind im Wesentlichen für sämtliche Heilungsvorgänge verantwortlich und dienen der Stärkung des Immunsystems. Schlaflosigkeit ist oft mit Problemen des Gehirns verbunden, in diese ruhige Phase sehr niedrigfrequenter Wellen zu gelangen.

Schlafphasen und Gehirnwellen

Der Schlaf lässt sich anhand der verschiedenen Gehirnwellen in unterschiedliche Phasen unterteilen. Es gibt zwei Hauptkategorien:

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  • Non-REM-Schlaf (Phasen 1-4): In der Leichtschlafphase (Phase 2) werden die Gehirnströme langsamer. In der Tiefschlafphase (Phase 3) wechseln sich die extrem langsamen Gehirnströme (=Delta-Wellen) mit schnelleren ab.
  • REM-Schlaf (Phase 5):

Man durchläuft nachts mehrere Schlafzyklen (Phasen 1-5). Ein Zyklus dauert durchschnittlich 90 bis 110 Minuten, wobei die REM-Phasen in den ersten Zyklen kürzer, die Tiefschlafphasen jedoch länger sind.

Wie man Deltawellen stimulieren kann

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Produktion von Deltawellen im Gehirn zu fördern:

  • Deltawellen-Musik: Speziell entwickelte Musik mit Deltawellen kann helfen, schneller einzuschlafen, indem sie das Gehirn in einen entspannteren Zustand versetzt. Eine neue, sanfte Methode, die von Schlafforschern der Universität Köln getestet wurde, verwendet unhörbare Wellen mit sehr niedriger Frequenz (Delta-Wellen), um das Gehirn zu beruhigen und zu einem tieferen und längeren Schlaf zu führen.
  • Binaurale Beats: Diese funktionieren, indem sie dem Gehirn zwei leicht unterschiedliche Frequenzen über Kopfhörer vorspielen, was zur Stimulation von Gehirnwellen führen kann.
  • Meditation und Entspannungstechniken: Tief entspannende Zustände wie Meditation oder Hypnose können auch im Wachzustand das Auftreten von Deltawellen fördern.
  • Ernährung: Lebensmittel, die reich an Magnesium und Tryptophan sind, können indirekt die Schlafqualität verbessern und somit auch die Deltawellen-Aktivität fördern.

Die "Somnia"-Methode der Universität Köln

Schlafforscher der Universität Köln haben eine CD namens "Somnia" getestet. Diese CD enthält monotone Musik, die jedoch nicht zum Einschlafen gedacht ist. Stattdessen werden aus den Tonsignalen unhörbare Frequenzen im Infraschall-Bereich erzeugt. Diese Frequenzen sollen das Gehirn trainieren, die Tiefschlafphase zu verlängern und zu intensivieren.

Die Musik muss über zwei Stereo-Lautsprecher abgespielt werden, wobei die Frequenzen der Töne auf dem linken und rechten Kanal leicht gegeneinander verschoben sind. Dort, wo sich die Schallwellen der beiden Lautsprecher überlagern, entsteht durch Interferenz eine neue Art von Wellen mit sehr niedriger Frequenz: die Delta-Wellen. Diese stimulieren das Gehirn, selbst wieder intensiver diese Wellen zu erzeugen.

Eine Studie mit 170 Probanden mit schweren Schlafstörungen ergab, dass sich die Schlafdauer im Testzeitraum von sechs Wochen um etwa 30 Minuten verbesserte und das Einschlafen wesentlich schneller ging. Die Forscher waren überrascht von diesem Effekt und drei Viertel der Probanden wollten die CD weiterhin nutzen.

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Weitere Anwendungen von Gehirnwellen-Stimulation

Die Beeinflussung von Gehirnwellen hat nicht nur Auswirkungen auf den Schlaf. Da verschiedene Aktivitäten des Gehirns mit bestimmten Frequenzen verbunden sind, gibt es auch andere Anwendungsgebiete für die Interferenz-Methode:

  • Konzentration: Stimulation von Beta-Wellen kann die Konzentrationsfähigkeit verbessern.
  • Entspannung: Alpha-Wellen fördern Entspannung und Stressabbau.
  • Motivation: Bestimmte Frequenzen können die Motivation steigern.
  • Lernen und Gedächtnis: Gamma-Wellen sind mit Lernen, Erinnerung und Bewusstsein verbunden.

brainLight-Systeme

Moderne Geräte wie die brainLight-Systeme nutzen eine Mischung von Tönen, Akkorden und Frequenzen, um den Anwender je nach Programmwahl in unterschiedliche Zustände zu führen, von leichter Entspannung über Meditation bis hin zu extremer Bewusstheit. Sie verwenden schnell blinkendes Licht (Beta-Wellen), um Nutzer aus einem angespannten Zustand abzuholen und durch langsamer werdendes Blinken in den Alpha-Zustand zu führen.

Die Schumann-Frequenz

Es gibt Hinweise darauf, dass die Gehirnwellen von Heilern in Frequenz und Phase mit der Schumann-Frequenz der Erde synchron sind. Die Schumann-Frequenz ist die Eigenfrequenz der Erde, die durch natürliche elektromagnetische Felder entsteht.

Kritik und Vorsicht

Obwohl die Stimulation von Gehirnwellen vielversprechend ist, ist es wichtig, einige Punkte zu beachten:

  • Wissenschaftliche Evidenz: Die Forschung zu den Auswirkungen von Gehirnwellen-Stimulation ist noch nicht abgeschlossen. Es sind weitere Studien erforderlich, um die langfristigen Auswirkungen und die optimale Anwendung zu verstehen.
  • Individuelle Unterschiede: Die Reaktion auf Gehirnwellen-Stimulation kann von Person zu Person unterschiedlich sein.
  • Sicherheit: Obwohl Deltawellen-Musik im Allgemeinen als sicher gilt, sollten Menschen mit Epilepsie oder anderen neurologischen Erkrankungen vor der Anwendung einen Arzt konsultieren.

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