Plexus Brachialis Arterien Anatomie: Eine umfassende Übersicht

Die Anatomie des Plexus brachialis und der dazugehörigen Arterien ist ein komplexes und wichtiges Thema, insbesondere für Mediziner und Studierende der Medizin. Dieser Artikel bietet einen detaillierten Überblick über die beteiligten Strukturen, ihre Funktionen und klinische Relevanz.

Einführung in den Plexus Brachialis und die Arteria Axillaris

Der Plexus brachialis ist ein Nervengeflecht, das aus den Spinalnerven der Segmente C5 bis Th1 gebildet wird. Er versorgt den Schultergürtel und die gesamte obere Extremität mit motorischen und sensorischen Nervenfasern. Die Arteria axillaris, auch Achselarterie genannt, ist die Hauptschlagader der oberen Extremität und setzt die Arteria subclavia fort. Sie verläuft in enger anatomischer Beziehung zum Plexus brachialis und versorgt diesen sowie die umliegenden Strukturen mit Blut.

Die Arteria Subclavia und ihre Äste

Die Arteria subclavia, die unter dem Schlüsselbein verläuft, ist der Ursprung für die Blutversorgung des Schultergürtels. Sie beteiligt sich mit den Arteriae suprascapularis und transversa colli an der Versorgung des Schultergürtels.

Anastomosen im Bereich des Schulterblattes

Die Arteria suprascapularis und der Ramus profundus der Arteria transversa colli (variabel: Arteria dorsalis scapulae) bilden gemeinsam mit der Arteria circumflexa scapulae aus der Arteria axillaris Anastomosen im Bereich des Schulterblattes. Diese Anastomosen bilden die sogenannte Schulterblattarkade. Über die Schulterblattarkade kann bei einem Verschluss der Arteria axillaris ein Kollateralkreislauf über die Arteria circumflexa scapulae (aus der Arteria subscapularis) und über die Arteria subclavia aufrechterhalten werden. Im Notfall darf eine Unterbindung der Arteria axillaris zur Aufrechterhaltung des Kollateralkreislaufes zwischen Arteria subclavia und Arteria axillaris nur proximal des Abgangs der Arteria subscapularis erfolgen.

Der Verlauf der Arteria Axillaris

Die Arteria subclavia gelangt zwischen Schlüsselbein und erster Rippe (kostoklavikulärer Raum) zur freien oberen Extremität und wird vom lateralen Rand der ersten Rippe an als Arteria axillaris bezeichnet. Den kostoklavikulären Raum passieren außer der Arteria subclavia der Plexus brachialis und die Vena subclavia. Der Plexus brachialis liegt darin am weitesten lateral; darauf folgt die Arteria subclavia. Plexus brachialis und Arteria subclavia werden von einer gemeinsamen Gefäß-Nerven-Scheide umhüllt, deren Bindegewebe sich in den Gefäß-Nerven-Straßen der oberen Extremität fortsetzt. Die am weitesten medial ziehende Vena subclavia ist nicht Teil dieser Scheide.

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Unterteilung der Arteria Axillaris

Die Arteria axillaris wird entsprechend ihrer Lage zum Musculus pectoralis minor unterteilt:

  • Proximaler Abschnitt: Medial vom Musculus pectoralis minor innerhalb des Trigonum clavi-deltoideo-pectorale.
  • Mittlerer Abschnitt: Hinter dem Musculus pectoralis minor.
  • Distaler Abschnitt: Lateral vom Musculus pectoralis minor.

Ihre Versorgungsgebiete sind die Schulterregion und die Brustwand.

Äste der Arteria Axillaris

Im proximalen Abschnitt innerhalb der Mohrenheim-Grube liegen die Faszikel des Plexus brachialis noch lateral von der Arteria axillaris innerhalb der gemeinsamen Gefäß-Nerven-Scheide. Erst im mittleren Abschnitt hinter dem Musculus pectoralis minor ordnen sich die Fasciculi posterior, medialis und lateralis des Plexus brachialis um die Arteria axillaris. Die im proximalen Abschnitt der Arteria axillaris abgehenden Arteria thoracica superior und Rami subscapulares beteiligen sich an der Versorgung der Muskeln subclavius, serratus anterior und subscapularis. Innerhalb der Mohrenheim-Grube tritt die Arteria thoracoacromialis durch die Fascia clavi-deltoideo-pectoralis und versorgt mit ihren Ästen die Muskeln subclavius, deltoideus, serratus anterior, pectoralis major und pectoralis minor sowie die Schultergürtelgelenke. Unter dem lateralen Rand des Musculus pectoralis minor zieht auf dem Musculus serratus anterior die Arteria thoracica lateralis, die Äste an die Muskeln pectorales und an den Musculus serratus anterior sowie an die Brustdrüse abgibt. Aus dem distalen Abschnitt der Arteria axillaris entspringt die kräftige Arteria subscapularis, die sich in die Arteriae thoracodorsalis und circumflexa scapulae verzweigt. Die Arteria thoracodorsalis läuft bedeckt vom lateralen Rand des Musculus latissimus dorsi auf dem Musculus serratus anterior nach distal und versorgt die Muskeln latissimus dorsi, serratus anterior, subscapularis und teres major sowie die Haut der seitlichen Brustwand. Die Arteria circumflexa scapulae zieht mit ihren Begleitvenen durch die mediale Achsellücke in die Fossa infraspinata, wo sie die Muskeln infraspinatus, teres minor und deltoideus sowie die Schultergelenkkapsel versorgt. Distal von der Arteria circumflexa scapulae entspringt die Arteria circumflexa humeri posterior, die mit ihren Begleitvenen und dem Nervus axillaris durch die laterale Achsellücke in das Spatium subdeltoideum gelangt und den Musculus deltoideus, die Schultergelenkkapsel und die Haut der Schulterregion versorgt. Die Arteria circumflexa humeri posterior variiert stark in ihrem Ursprung (gemeinsamer Ursprung mit der Arteria subscapularis; Ursprung aus der Arteria profunda brachii oder Ursprung der Arteria profunda brachii aus der Arteria circumflexa humeri posterior). Die dünne Arteria circumflexa humeri anterior zieht zum Collum chirurgicum des Humerus und versorgt die lange Bizepssehne, die Schultergelenkkapsel und den Musculus deltoideus.

Die Arteria Brachialis und ihre Aufteilung

Die Arteria axillaris geht am distalen Rand des Musculus pectoralis major in die Arteria brachialis über. Die Arteria brachialis läuft am Oberarm nur von Haut, Unterhautfettgewebe und Fascia brachii bedeckt im Sulcus bicipitalis medialis bis zur Ellenbeuge. Innerhalb der Gefäß-Nerven-Scheide liegen die Arteria brachialis mit ihren Begleitvenen, der Nervus medianus sowie bis zur Oberarmmitte der Nervus ulnaris und im proximalen Oberarmdrittel der Nervus radialis. Der Nervus medianus begleitet die Arteria brachialis proximal an ihrer lateralen Seite; in Oberarmmitte läuft er vor der Arterie; distal überkreuzt er sie und zieht dann medial von ihr in die Ellenbeugegrube. Der Nervus ulnaris liegt proximal der medialen Seite der Arteria brachialis eng an. In Oberarmmitte verlässt er den Gefäß-Nerven-Strang und zieht in die Extensorenloge. Der Nervus radialis läuft proximal hinter der Arteria brachialis; er verlässt den Gefäß-Nerven-Strang am Unterrand der Ansatzsehne des Musculus latissimus dorsi und zieht in Begleitung der Arteria profunda brachii auf die Rückseite des Oberarmes in den Radialiskanal.

Kollateralkreisläufe im Ellenbogenbereich

Die Arteria profunda brachii zweigt distal der Ansatzsehne des Musculus teres major aus der Arteria brachialis ab; sie teilt sich im Radialiskanal in die Arteriae collateralis media und collateralis radialis, die sich am Aufbau des Rete articulare cubiti beteiligen und einen Kollateralkreislauf im Bereich der Ellenbogenregion bilden. Die Arteria profunda brachii versorgt die Muskeln pectoralis major, triceps brachii und coracobrachialis sowie den Humerusschaft. Am Aufbau des Rete articulare cubiti beteiligen sich ferner die aus der Arteria brachialis abzweigenden Arteriae collaterales ulnares superior und inferior.

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Varianten der Arteria Brachialis

Die Arteria brachialis zieht im distalen Abschnitt des Oberarms auf dem Musculus brachialis schräg nach distal-radial und gelangt bedeckt vom Lacertus fibrosus in die Ellenbeugegrube. Sie teilt sich in Höhe des Collum radii in die Arteriae radialis und ulnaris. Die Arteria brachialis darf zur Aufrechterhaltung der Kollateralkreisläufe im Ellenbogenbereich (Rete articulare cubiti) im Notfall nur distal des Abgangs der Arteria profunda brachii oder distal vom Abgang der Arteria collateralis ulnaris inferior unterbunden werden. Als Relikt aus der Embryonalzeit kommt am Oberarm nicht selten eine Variante in Form einer nicht rückgebildeten oberflächlichen Armarterie, Arteria brachialis superficialis, vor. Die oberflächliche Armarterie läuft meistens vor der Medianusgabel und vor dem Nervus medianus nach distal, wo sie sich als Arteria radialis („hoher Ursprung“ der Arteria radialis) oder seltener als Arteria ulnaris fortsetzt.

Die Arterien des Unterarms: Arteria Radialis und Arteria Ulnaris

Die Arteria radialis und die Arteria ulnaris sind die Hauptschlagadern des Unterarms und setzen die Arteria brachialis fort.

Arteria Radialis: Verlauf und Versorgungsgebiet

Die Arteria radialis setzt die Verlaufsrichtung der Arteria brachialis im Ellenbogenbereich fort. Sie gibt hier die Arteria recurrens radialis ab, die im Radialistunnel zwischen den Muskeln brachialis und brachioradialis rückläufig in das Rete articulare cubiti einmündet. Versorgungsgebiete der Arteria radialis an Unterarm und Hand sind die radiale Beugergruppe der Unterarmmuskeln und das darüberliegende Hautareal, Radius, Haut und Sehnen des Handrückens, Muskeln und Haut des Thenar sowie Muskeln, Sehnen und Haut der Mittelhand und der Finger im radialen Bereich.

Verlauf im Unterarm

Aus der Ellenbeuge tritt die Arteria radialis zwischen den Muskeln brachialis und pronator teres in die Radialisstraße des Unterarms, in der sie gemeinsam mit ihren Begleitvenen und dem Ramus superficialis des Nervus radialis nach distal zieht. Die Arteria radialis liegt hier in einer Rinne zwischen den Muskeln pronator teres und flexor carpi radialis, die proximal vom Musculus brachioradialis überlagert wird. Im distalen Unterarmdrittel tritt die Arteria radialis unter dem Muskelbauch des Musculus brachioradialis hervor und läuft oberflächlich am ulnaren Rand seiner Ansatzsehne zum Unterarmende. Der hier abzweigende Ramus palmaris superficialis versorgt die Daumenmuskeln und zieht in die Hand, wo er sich im Regelfall mit der Arteria ulnaris zum oberflächlichen Hohlhandbogen, Arcus palmaris superficialis, verbindet.

Verlauf im Bereich der Handwurzel

Im Bereich der Handwurzel unterkreuzt die Arteria radialis die Ansatzsehnen der Muskeln abductor pollicis longus und extensor pollicis brevis und gelangt auf die Dorsalseite der Hand in die "Tabatière anatomique". Von dort zieht sie im Spatium interosseum I zwischen den Köpfen des Musculus interosseus dorsalis I zur Hohlhand, wo sie sich in ihre Endäste verzweigt. Der in der "Tabatière anatomique" entspringende Ramus carpalis dorsalis bildet mit dem Ramus carpalis der Arteria ulnaris das Rete carpale dorsale.

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Endäste der Arteria Radialis

Endäste der Arteria radialis sind die Arteria princeps pollicis und der Arcus palmaris profundus. Die Arteria princeps pollicis versorgt den Daumen und die radiale Seite des Zeigefingers. Der Arcus palmaris profundus zieht quer über die Basen der Mittelhandknochen nach ulnar, wo er sich im Regelfall mit dem schwachen Ramus palmaris profundus der Arteria ulnaris zum tiefen Hohlhandbogen vereinigt. Aus dem tiefen Hohlhandbogen entspringen variabel 3-4 dünne Arteriae metacarpales palmares, die fingerwärts ziehen und sich zunächst in die Arteriae digitales palmares communes und weiter distal in die Arteriae digitales palmares propriae aufteilen.

Arteria Ulnaris: Verlauf und Versorgungsgebiet

Die Arteria ulnaris läuft nach ihrem Abgang aus der Arteria brachialis auf dem Musculus brachialis nach ulnar-distal durch die Ellenbeuge. Sie wird vom Musculus pronator teres und von den oberflächlichen Flexoren bedeckt. Sie gibt hier die Arteria recurrens ulnaris ab, die die benachbarten Muskeln versorgt und rückläufig in das Rete articulare cubiti einmündet.

Verlauf im Unterarm

Im distalen Bereich der Fossa cubitalis entspringt die Arteria interossea communis, die sich in die Arteria interossea anterior und in die Arteria interossea posterior teilt. Die Arteria interossea anterior läuft gemeinsam mit ihren Begleitvenen und dem Nervus interosseus antebrachii anterior zwischen den Muskeln flexor pollicis longus und flexor digitorum profundus auf der Membrana interossea antebrachii nach distal. Die Arteria interossea anterior versorgt die begleitenden Muskeln und tritt am proximalen Rand des Musculus pronator quadratus mit ihrem Hauptstamm durch die Zwischenknochenmembran nach dorsal und mündet in das Rete carpale dorsale. Die Arteria interossea posterior tritt kurz nach ihrem Abgang aus der Arteria interossea communis durch die Membrana interossea antebrachii auf die Unterarmrückseite und zieht in Begleitung des Ramus profundus des Nervus radialis zwischen den oberflächlichen und tiefen Extensoren zur Hand, wo sie gemeinsam mit der Arteria interossea anterior und den Rami carpales der Arteriae radialis und ulnaris das Rete carpale dorsale bildet.

Verlauf im Bereich der Handwurzel

Der Stamm der Arteria ulnaris tritt nach Verlassen der Fossa cubitalis in die Ulnarisstraße des Unterarms. Hier zieht die Arterie gemeinsam mit ihren Begleitvenen und dem Nervus ulnaris auf dem Musculus flexor digitorum longus nach distal und versorgt die angrenzenden Muskeln. Proximal werden die Leitungsbahnen vom Musculus flexor carpi ulnaris bedeckt, oberhalb der Handgelenke nehmen sie eine oberflächliche Lage ein und ziehen am radialen Rand der Ansatzsehne des Musculus flexor carpi ulnaris zum Handgelenk. In Höhe der Handgelenke gibt die Arteria ulnaris die Rami carpales palmaris und dorsalis ab, die sich am Aufbau des Rete carpale palmare oder des Rete carpale dorsale beteiligen.

Endäste der Arteria Ulnaris

Innerhalb der Guyon-Loge teilt sich die Arteria ulnaris in ihre Endäste, Ramus palmaris profundus und Arcus palmaris superficialis. Der Arcus palmaris superficialis anastomosiert mit dem Ramus palmaris superficialis der Arteria radialis im oberflächlichen Hohlhandbogen, der in ca. 30 % der Fälle ausschließlich aus der Arteria ulnaris gebildet wird. Aus dem Arcus palmaris superficialis entspringen meistens 3 Arteriae digitales palmares communes, die sich in Höhe der Fingergrundgelenke in 6 Arteriae digitales palmares propriae aufteilen und den 2.-5. Finger versorgen. Der Ramus profundus der Arteria ulnaris zieht gemeinsam mit dem Ramus profundus des Nervus ulnaris durch den Kleinfingerballen in die Tiefe der Hohlhand und beteiligt sich am Aufbau des Arcus palmaris profundus, der überwiegend aus der Arteria radialis gespeist wird.

Variante: Arteria Mediana

Als Variante kann am Unterarm ein Relikt aus der Embryonalzeit in Form einer Arteria mediana erhalten bleiben, die variabel aus der Arteria ulnaris, der Arteria interossea communis oder selten aus der Arteria brachialis entspringt.

Die Venen der Oberen Extremität

Die oberflächlichen epifaszialen Venen bilden zwei Schichten. Die größeren Venen liegen unmittelbar auf der oberflächlichen Faszie; ein Netzwerk dünner Venen kommt in der Subkutis vor. Die epifaszialen Hautvenen nehmen an Dichte von der Hand zur Schulter ab. Auf der Beugeseite des Arms ist das Netz der subkutanen Venen dichter als auf der Streckseite. Aus den subkutanen Venen des Handrückens, Rete venosum dorsale manus, gehen radial die Vena cephalica und ulnar die Vena basilica hervor. Die Vena basilica tritt als eigenständiger Venenstamm in Höhe der Handwurzel in Erscheinung. Sie läuft zunächst am ulnaren Rand der Unterarmrückseite nach proximal und zieht im oberen Drittel des Unterarms auf dessen Vorderseite. Durch die Ellenbeuge gelangt sie in die mediale Bizepsfurche des Oberarms, in dessen Mitte sie normalerweise die Fascia brachii am Hiatus basilicus durchbricht und nach kurzem subfaszialem Verlauf in die Vena brachialis mündet. Die Vena basilica wird proximal vom Stamm des Nervus cutaneus brachii medialis begleitet. Die Vena cephalica entsteht in Höhe der Handwurzel durch den Zusammenfluss des Venengeflechts der radialen Seite des Handrückens. Im distalen Teil des Unterarms zieht die Vene auf der radialen Seite und wendet sich im mittleren Abschnitt auf die Beugeseite, wo sie parallel zum ulnaren Rand des Musculus brachioradialis durch die Ellenbeuge zum Oberarm läuft. Am Unterarm wird die Vena cephalica von Ästen des Nervus cutaneus antebrachii lateralis und des Ramus superficialis des Nervus radialis begleitet. Aus der Ellenbeuge zieht die Vena cephalica im Sulcus bicipitalis lateralis nach proximal und gelangt durch den Sulcus deltoideo-pectoralis in die Mohrenheimsche Grube. Hier durchbricht sie die Fascia clavi-deltoideo-pectoralis und mündet in die Vena axillaris. Als Variante kann sich die Vena cephalica im Mündungsbereich aufteilen. Ein oberflächlicher Ast läuft in diesem Fall über die Klavikula in die Fossa supraclavicularis und mündet dort in die Vena jugularis externa. Die subkutanen Venen aus dem mittleren Bereich des Handrückens drainieren häufig in eine akzessorische Vene, Vena cephalica accessesoria (Vena salvatella). Die inkonstante Vene läuft zunächst auf der Streckseite des Unterarms und zieht dann auf die Beugeseite, wo sie in Höhe des Ellenbogengelenks in die Vena cephalica oder Vena basilica mündet. Vena cephalica und Vena basilica sind auf der Unterarmstreckseite durch variable Venen miteinander verbunden. Eine konstante Verbindung zwischen beiden Venen besteht in der Ellenbeuge durch die Vena mediana cubiti, die von radial-distal nach ulnar-proximal zieht. Auf der Beugeseite des Unterarms kommen in variabler Form weitere Hautvenen vor. Die Vena mediana antebrachii erhält Blut aus dem oberflächlichen Hohlhandbogen. Die in der Unterarmmitte laufende Vene steht direkt mit der Vena mediana cubiti, über die Vena mediana cephalica mit der Vena cephalica oder über die Vena mediana basilica mit der Vena basilica in Verbindung. Eine Anastomose zwischen Vena mediana antebrachii und den tiefen Venen des Unterarms ist möglich.

Klinische Relevanz

Die Kenntnis der Anatomie des Plexus brachialis und der dazugehörigen Arterien ist von großer Bedeutung für verschiedene medizinische Bereiche:

  • Regionalanästhesie: Ultraschallgesteuerte Blockaden des Plexus brachialis werden häufig zur Anästhesie bei Operationen an der oberen Extremität eingesetzt. Die genaue Kenntnis der Lage der Nerven und Gefäße ermöglicht eine gezielte Injektion von Lokalanästhetika und minimiert das Risiko von Komplikationen.
  • Gefäßchirurgie: Verletzungen oder Verschlüsse der Arteria axillaris oder ihrer Äste können zu schweren Durchblutungsstörungen der oberen Extremität führen. Eine rasche Diagnose und Behandlung sind entscheidend, um irreversible Schäden zu vermeiden.
  • Traumatologie: Frakturen im Bereich des Schultergürtels oder des Oberarms können zu Verletzungen des Plexus brachialis und der umliegenden Gefäße führen. Eine sorgfältige Untersuchung und Dokumentation der neurologischen und vaskulären Funktion ist unerlässlich.
  • Neurologie: Erkrankungen des Plexus brachialis, wie z. B. die Thoracic-outlet-Syndrom, können zu Schmerzen,Sensibilitätsstörungen und Muskelschwäche in der oberen Extremität führen. Eine genaue Kenntnis der Anatomie des Plexus brachialis ist für die Diagnose und Behandlung dieser Erkrankungen unerlässlich.

Ultraschallgestützte Blockade des Plexus Brachialis

Die ultraschallgestützte Blockade des Plexus brachialis auf axillärer Ebene ist eine gängige Technik, um Operationen an Ellenbogen, Unterarm und Hand zu ermöglichen. Die selektive Blockade der einzelnen Nerven ist wichtig, da Lokalanästhetika die in bindegewebigen Tunneln verlaufenden Nerven nicht alle zuverlässig erreichen, wenn nur ungezielt in die Gefäß-Nerven-Straße injiziert wird. Sonografische axilläre Schlüsselandmarken sind der Musculus latissimus dorsi, der Musculus coracobrachialis und die Arteria axillaris. Die Out-of-Plane-Technik ist gewebeschonender und arterielle Abgänge sind leichter zu umgehen. Ferner ist die OOP-Technik flexibler, wenn nicht alle peripheren Nerven in einem Schnitt zu erkennen sind. Zusätzlich kann der Nervus intercostobrachialis ergänzend zur selektiven Blockade der „Hauptnerven“ mit dem gleichen Hauteinstich nahezu immer auf Grund des kürzeren Punktionsweges erreicht werden. Die axilläre Ebene bietet einen Zugang zum Nervus intercostobrachialis.

Anatomische Grundlagen für die Ultraschalluntersuchung

In der Achselfalte liegen alle peripheren Nerven des Plexus brachialis oberflächlich zur Sehne des Musculus latissimus dorsi und des Musculus teres major. Der Nervus radialis steigt mit der Arteria profunda brachii zum dorsalen Humerus ab, aber wann die Arteria profunda brachii die Arteria axillaris verlässt, ist variabel. Der Nervus ulnaris verläuft auf dem Musculus triceps brachii zum Sulcus ulnaris und der Nervus medianus gemeinsam mit der Arteria brachialis, der Fortsetzung der Arteria axillaris, zur Ellenbeuge. Der Nervus cutaneus brachii medialis verläuft in dieser Position bereits hoch variabel: wo und wie viele Äste des Nerven die Fascia brachii durchbrechen, ist variabel. Die Lokalanästhesie mit Infiltration oberhalb der Oberarmfaszie ist somit ein anatomisch begründeter Bestandteil der Blockade. Der Nervus musculocutaneus geht aus dem Faszikulus lateralis hervor und verläuft in den Musculus coracobrachialis.

Technische Aspekte der Ultraschalluntersuchung

Für die Ultraschalluntersuchung wird eine Linear-Array-Sonde mit einem 40mm Footprint (Erwachsene) und einem MSK- oder Nerv-Preset verwendet. Die Frequenz beträgt 10-15MHz (Erwachsene). Die Fokuszone sollte mittig zwischen Haut und Musculus latissimus dorsi-Sehne liegen. Verschiedene Bildoptimierungstechnologien können getrennt oder gemeinsam eingesetzt werden und können einen massiven Einfluss auf die Darstellung ausüben.

Innere sonoanatomische Landmarken

Zwingend: Sehne des Musculus latissimus dorsi auf dem Musculus teres major, Arteria axillaris, Musculus coracobrachialis.

  • Nervus medianus: Achte beim Verfolgen des Nerven auf die Rotation des Nerven um die Arterie: oberflächlich oder tief zu ihr.
  • Nervus ulnaris: Faszie des Musculus triceps. Besonders deutlich ist der Nerv oberflächlich zur M.
  • Nervus radialis: Abstieg zum dorsalen Humerus.
  • Nervus musculocutaneus: Musculus coracobrachialis oder Nervus medianus.

Blockade in der Out-of-Plane-Technik

Bei der Plexus brachialis Blockade auf axillärer Ebene in der Out-of-Plane-Technik wird der Nervus musculocutaneus bereits blockiert, die Kanüle wird auf Hautniveau zurückgezogen, anguliert und ulnarseitig zur Arteria axillaris neu positioniert. Mit dieser Technik werden die Nerven des Plexus nacheinander erreicht. Die Position der Kanülenspitze wird durch die Darstellung der Öffnung (double-dot-sign) der Facettenschliffkanüle bestätigt.

Klinische Überprüfung der Blockade

Die klinische Überprüfung der Blockade erfolgt motorisch und sensibel.

  • Nervus radialis (C5-Th1): „Strecken Sie den Arm im Ellenbogengelenk“ - Musculus triceps.
  • Nervus medianus (C6-Th1): „Greifen Sie mit Daumen und Zeigefinger, drehen Sie die Hand nach außen“ - Musculus flexor carpi radialis, Mm. pronator teres et quadratus.
  • Nervus ulnaris (C8-Th1): „Beugen Sie im Handgelenk, Spreizen Sie die Finger, Beugen Sie den kleinen und den Ringfinger“ - Musculus flexor carpi ulnaris, Mm. flexor digitorum profundus.
  • Nervus musculocutaneus (C6-C8): „Beugen Sie den Arm“ - Musculus biceps brachii.

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