Meningitis und Schwangerschaft: Risiken, Symptome und Prävention

Eine Meningitis, auch Hirnhautentzündung genannt, ist eine Entzündung der Schutzhäute, die Gehirn und Rückenmark umgeben (Meningen). Sie kann durch verschiedene Erreger wie Viren, Bakterien, Pilze oder Parasiten verursacht werden. Während eine Meningitis generell eine ernstzunehmende Erkrankung darstellt, birgt sie während der Schwangerschaft besondere Risiken für Mutter und Kind.

Was ist Meningitis?

Meningitis ist eine Entzündung der Hirnhäute und/oder Rückenmarkshäute. In manchen Fällen weitet sich die Entzündung direkt auf das Gehirn aus, was als Meningoenzephalitis bezeichnet wird. Die Erkrankung kann durch verschiedene Erreger ausgelöst werden, wobei Viren die häufigste Ursache sind. Bakterielle Meningitis ist seltener, aber weitaus gefährlicher.

Ursachen und Auslöser von Meningitis

Die Ursachen für eine Meningitis sind vielfältig:

  • Viren: Viele verschiedene Viren können eine Meningitis auslösen, darunter Arboviren (z.B. Frühsommer-Meningoenzephalitis FSME, Übertragung durch Zecken), Varizella-Zoster-Virus (Windpocken), Coxsackie-Viren (Hand-Fuß-Mund-Krankheit), SARS-CoV-2 (COVID-19), Epstein-Barr-Virus (Pfeiffersches Drüsenfieber), Herpes-Simplex-Virus, Mumps- und Masernviren. Die Übertragung erfolgt meist über Tröpfcheninfektion.
  • Bakterien: Bakterielle Meningitiden werden oft als eitrige Meningitiden bezeichnet. Häufige Erreger sind Pneumokokken, Hämophilus influenzae und Meningokokken. Meningokokken können auch eine Blutstrominfektion (Sepsis) verursachen. Borrelien, übertragen durch Zecken, können ebenfalls eine Meningitis verursachen (Neuroborreliose). Listerien können besonders für Schwangere und Neugeborene gefährlich sein.
  • Pilze und Parasiten: Diese sind seltenere Auslöser, treten aber häufiger bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem auf.
  • Nicht-infektiöse Ursachen: Autoimmunerkrankungen (z.B. rheumatoide Arthritis, Lupus) oder bestimmte Medikamente können ebenfalls eine Meningitis auslösen.

Risiken einer Meningitis während der Schwangerschaft

Eine Meningitis während der Schwangerschaft kann schwerwiegende Folgen für Mutter und Kind haben:

  • Für die Mutter:
    • Schwere Erkrankung mit potenziell lebensbedrohlichen Komplikationen
    • Erhöhtes Risiko für neurologische Schäden wie Hörverlust, Krampfanfälle oder kognitive Beeinträchtigungen
    • Sepsis (Blutvergiftung)
  • Für das Kind:
    • Erhöhtes Risiko für Frühgeburt
    • Infektion des Fötus, die zu schweren Schäden oder zum Tod des Kindes führen kann
    • Listeriose kann beim Neugeborenen zu Sepsis, Atemnot, Magen-Darm-Beschwerden, Hautausschlag oder Meningitis führen

Besonders gefährlich ist eine Listeriose während der Schwangerschaft, da sie oft nur unspezifische Symptome wie Fieber, Magen-Darm-Beschwerden und Abgeschlagenheit verursacht. Schwangere können ihr Kind anstecken, ohne selbst schwer zu erkranken.

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Symptome einer Meningitis

Die Symptome einer Meningitis können je nach Erreger und individuellem Gesundheitszustand variieren. Typische Anzeichen sind:

  • Allgemeine Symptome:
    • Hohes Fieber (bei Kleinkindern kann auch eine zu niedrige Körpertemperatur auftreten)
    • Starke Kopfschmerzen
    • Abgeschlagenheit und Müdigkeit
    • Übelkeit und Erbrechen
    • Lichtempfindlichkeit
  • Spezifische Symptome:
    • Nackensteifigkeit (Meningismus): Das Beugen des Kopfes zur Brust ist aufgrund von Schmerzen kaum möglich. Bei Neugeborenen fehlt die Nackensteifigkeit oft.
    • Verwirrtheit, Benommenheit oder Bewusstseinsstörungen
    • Krampfanfälle
    • Bei Meningokokken-Infektion: Punktförmige Einblutungen in die Haut (Petechien)
    • Verhaltensänderungen, Veränderungen des Ess- und Trinkverhaltens (besonders bei Kleinkindern)
    • Bei älteren Personen: Verwirrung und Bewusstseinsausfälle

Bei Verdacht auf Meningitis ist schnelles Handeln entscheidend. Eine Meningokokken-Erkrankung kann innerhalb weniger Stunden lebensbedrohlich werden und ist immer ein Notfall.

Diagnose von Meningitis

Bei Verdacht auf Meningitis sind verschiedene diagnostische Maßnahmen erforderlich:

  • Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte, Impfstatus, Risikofaktoren und möglicher Expositionen.
  • Körperliche Untersuchung: Allgemeine Untersuchung und neurologische Untersuchung zur Erkennung schwerer Verläufe.
  • Blutuntersuchung: Bestimmung von Entzündungswerten (Leukozyten, CRP, Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit), Blutbild und Erregernachweis.
  • Lumbalpunktion (Liquorpunktion): Entnahme von Nervenwasser (Liquor) aus dem Wirbelkanal zur Untersuchung auf Entzündungszeichen und Krankheitserreger. Bei Bewusstseinsstörungen muss vorher ein erhöhter Hirndruck ausgeschlossen werden.
  • Bildgebende Verfahren: Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns, insbesondere bei Bewusstseinsstörungen oder zum Ausschluss anderer Ursachen.
  • Weitere Untersuchungen: Je nach Verdacht und Klinik können weitere Untersuchungen wie Rachenabstrich oder Elektroenzephalografie (EEG) durchgeführt werden.

Behandlung von Meningitis während der Schwangerschaft

Die Behandlung einer Meningitis während der Schwangerschaft hängt von der Ursache ab und muss schnellstmöglich erfolgen:

  • Bakterielle Meningitis:
    • Antibiotika: Hochdosierte intravenöse Antibiotika sind entscheidend. Die Therapie wird so schnell wie möglich begonnen, oft noch vor dem endgültigen Erregernachweis.
    • Kortikosteroide: Können bei bestimmten Erregern (z.B. Pneumokokken) und bei Beteiligung des Hörnervs sinnvoll sein, um Komplikationen vorzubeugen.
    • Intensivmedizinische Betreuung: Überwachung und Unterstützung lebenswichtiger Funktionen auf einer Intensivstation.
  • Virale Meningitis:
    • Symptomatische Behandlung: Sicherstellung einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr, Schmerzmittel, fiebersenkende Medikamente und Arzneimittel gegen Übelkeit.
    • Antivirale Medikamente: Bei Verdacht auf Herpesviren kann Aciclovir eingesetzt werden.
  • Listeriose:
    • Antibiotika: Eine frühzeitige Antibiotikabehandlung ist entscheidend für die Prognose. Die Therapie dauert in der Regel mehrere Wochen.

Prävention von Meningitis

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Risiko einer Meningitis zu reduzieren:

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  • Impfungen:

    • Standardimpfungen für Kinder: Gegen Meningokokken C, Pneumokokken und Haemophilus influenzae Typ b (Hib) sind Impfungen im Rahmen der Grundimmunisierung empfohlen.
    • Meningokokken B-Impfung: Für Kinder ab 2 Monaten empfohlen.
    • Meningokokken-ACWY-Impfung: Für Jugendliche und Erwachsene mit erhöhtem Risiko empfohlen.
    • Masern-Mumps-Röteln (MMR)-Impfung: Schützt auch vor Mumps-bedingter Meningitis.
    • FSME-Impfung: Für Personen, die in FSME-Risikogebieten wohnen oder dorthin reisen.
  • Hygienemaßnahmen: Regelmäßiges Händewaschen, insbesondere vor der Zubereitung von Speisen und nach dem Kontakt mit potenziell kontaminierten Oberflächen.

  • Vermeidung von Risikolebensmitteln während der Schwangerschaft:

    • Verzicht auf Rohmilchprodukte, Weichkäse und Schimmelkäse
    • Verzicht auf rohen oder geräucherten Fisch
    • Verzicht auf rohes Fleisch und Rohwurst
    • Gründliches Waschen von Obst und Gemüse
    • Sorgfältiges Erhitzen von Speisen auf über 70°C für mindestens 2 Minuten.
  • Vermeidung von Zeckenstichen: In Risikogebieten sollten zeckenabweisende Mittel verwendet und der Körper nach Aufenthalten im Freien gründlich auf Zecken abgesucht werden.

  • Prophylaktische Antibiotikagabe: Enge Kontaktpersonen von Patienten mit Meningokokken-Meningitis sollten sich umgehend an einen Arzt wenden, um eine vorbeugende Antibiotikabehandlung zu besprechen.

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Listeriose und Schwangerschaft: Besondere Vorsicht geboten

Listeriose ist eine bakterielle Infektion, die durch Listerien verursacht wird. Diese Bakterien kommen in der Umwelt und in verschiedenen Lebensmitteln vor, insbesondere in rohen oder nicht ausreichend erhitzten Produkten. Schwangere Frauen haben ein erhöhtes Risiko, an Listeriose zu erkranken, und die Infektion kann schwerwiegende Folgen für das ungeborene Kind haben.

Wie kann man sich vor Listeriose schützen?

  • Sorgfältige Lebensmittelauswahl: Vermeiden Sie während der Schwangerschaft den Verzehr von Rohmilchprodukten, Weichkäse, rohem Fleisch, rohem Fisch und ungewaschenem Gemüse.
  • Gründliche Hygiene: Waschen Sie sich vor der Zubereitung von Speisen gründlich die Hände und reinigen Sie Küchenutensilien sorgfältig.
  • Sichere Zubereitung: Erhitzen Sie Fleisch und Fisch gründlich, um Listerien abzutöten. Achten Sie auf die richtige Kühlschranktemperatur (unter 4°C), um das Wachstum von Listerien zu verlangsamen.
  • Getrennte Lagerung: Lagern Sie rohe und gekochte Lebensmittel getrennt, um eine Kreuzkontamination zu vermeiden.

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