Meningitis-Punktion bei Kindern: Spätfolgen, Diagnose und Behandlung

Die bakterielle Meningitis (Hirnhautentzündung) ist eine lebensbedrohliche Entzündung der Hirn- und Rückenmarkshäute, die vor allem bei Kindern unter 5 Jahren auftritt. Häufigste Erreger bei Erwachsenen sind Pneumokokken und Meningokokken. Typische Anzeichen sind starke Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit und hohes Fieber. Es können auch Bewusstseinsstörungen hinzukommen. Eine bakterielle Meningitis ist ein medizinischer Notfall und muss sofort behandelt werden.

Was ist eine bakterielle Meningitis?

Unser Gehirn und das Rückenmark bilden das zentrale Nervensystem (ZNS). Sie sind von schützenden Häuten umgeben, den Meningen. Dringen Krankheitserreger wie Bakterien oder Viren in diese Barriere ein, kann es zu einer Entzündung kommen. Bei einer bakteriellen Meningitis verursachen Bakterien die Hirnhautentzündung. Entzündet sich außerdem auch das Gehirn, nennt man das Meningoenzephalitis. Eine Meningitis, sowohl die bakterielle als auch die virale Meningitis, ist immer ein medizinischer Notfall.

Wie gefährlich ist eine bakterielle Meningitis?

Eine bakterielle Meningitis ist ein medizinischer Notfall. Dank moderner Medizin überleben heute die meisten Patienten. Dennoch bleibt die Krankheit gefährlich. An einer Pneumokokken-Meningitis sterben trotz Therapie etwa 15 bis 20 % der Betroffenen. Die Sterblichkeit variiert je nach Erreger und Alter der Betroffenen. Langfristig können beispielsweise Hörschäden, Gedächtnisprobleme, Konzentrationsstörungen oder Lähmungen zurückbleiben. Auch epileptische Anfälle sind als Folge möglich. Alle Patientinnen und Patienten sollten deshalb vor der Entlassung oder kurz danach auf Folgeschäden - insbesondere beim Hörvermögen - untersucht werden. So können frühzeitig Reha-Maßnahmen eingeleitet werden.

Symptome einer bakteriellen Meningitis

Es ist wichtig, die Anzeichen frühzeitig zu deuten. Die vier Hauptsymptome, die auf eine bakterielle Meningitis hindeuten, sind:

  • Kopfschmerzen: Die Schmerzen sind meist sehr stark und beginnen plötzlich.
  • Nackensteifigkeit (Meningismus): Der Nacken ist schmerzhaft verspannt, das Kinn kann oft nicht mehr auf die Brust gesenkt werden.
  • Fieber: Oft haben betroffene Personen hohes Fieber.
  • Bewusstseinsstörungen (Vigilanzstörung): Dies reicht von extremer Schläfrigkeit und Benommenheit bis zu Verwirrtheit oder Koma.

Nicht immer treten alle Symptome gleichzeitig auf. Weitere mögliche Warnzeichen sind:

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  • Empfindlichkeit gegenüber hellem Licht
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Krampfanfälle
  • Hörstörungen
  • Hautausschlag. Bei einer Infektion mit Meningokokken können kleine, punktförmige Einblutungen in die Haut auftreten (Petechien), die sich nicht wegdrücken lassen. Ursache ist eine durch die Infektion gestörte Blutgerinnung.

Bei kleinen Kindern können die Symptome unspezifisch sein. Hatten Sie engen Kontakt zu einer Person mit Meningokokken-Meningitis, weil sie zum Beispiel im gleichen Haushalt leben? Dann sollten Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin sprechen. Der Arzt oder die Ärztin kann Ihnen vorbeugend Antibiotika geben, um das Risiko für eine Ansteckung zu verringern. Gängige Mittel sind Rifampicin, Ciprofloxacin oder Ceftriaxon und Azithromycin. Dies sollte so schnell wie möglich geschehen, maximal bis zehn Tage nach dem Kontakt mit dem Betroffenen.

Personen mit Meningokokken-Meningitis sind ansteckend und dürfen deshalb Gemeinschaftseinrichtungen nicht besuchen.

Ursachen und Risikofaktoren einer bakteriellen Meningitis

Die Erreger variieren je nach Alter und Risikogruppe. Ursachen einer bakteriellen Meningitis sind verschiedene Bakterien. Häufigste Erreger bei Erwachsenen sind Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae) und Meningokokken (Neisseria meningitidis). Meningokokken leben oft unbemerkt im Nasen-Rachen-Raum und werden durch engen Kontakt, etwa beim Küssen oder Husten (Tröpfcheninfektion), übertragen. Pneumokokken wandern manchmal von einer benachbarten Entzündung, wie einer Mittelohr- oder Nasennebenhöhlenentzündung, zu den Hirnhäuten. Dort können die Bakterien dann eine Meningitis verursachen. Vor allem bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem können auch Listerien (Listeria monocytogenes) eine Hirnhautentzündung verursachen.

Auch bei Kindern gehören Pneumokokken und Meningokokken zu den wichtigsten Erregern. Bei Neugeborenen und Säuglingen zählen auch Escherichia coli-Bakterien und Streptokokken der Gruppe B zu möglichen Ursachen. Zusätzlich spielt im Kindes- und auch Erwachsenenalter das Bakterium Haemophilus influenzae eine wichtige Rolle für Meningitis-Erkrankungen. Gegen einzelne Erreger gibt es Impfungen.

Bestimmte Menschen haben ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf. Zu den Risikogruppen gehören:

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  • Säuglinge und Kleinkinder
  • Ältere Menschen
  • Menschen mit geschwächtem Immunsystem, zum Beispiel durch bestimmte Medikamente, Diabetes mellitus oder eine fehlende Milz

Diagnose einer bakteriellen Meningitis

Bei Verdacht auf eine bakterielle Meningitis müssen betroffene Personen sofort ins Krankenhaus. Die Ärztinnen und Ärzte müssen schnell herausfinden, ob Bakterien oder Viren die Entzündung verursacht haben. Die wichtigsten Untersuchungen dafür sind:

  • Blutentnahme: Den betroffenen Personen wird Blut abgenommen, um Entzündungswerte festzustellen und den Erreger nachzuweisen. Das Blut wird im Labor untersucht.
  • Liquorpunktion (Lumbalpunktion): Dabei wird mit einer sehr dünnen Nadel am unteren Rücken Nervenwasser (Liquor) entnommen. Bei einer bakteriellen Meningitis ist diese Flüssigkeit oft trüb und enthält viele weiße Blutkörperchen.
  • Bildgebung (CT/MRT): Liegen Bewusstseinsstörungen oder Krampfanfälle vor, wird vor der Punktion ein CT des Kopfes gemacht. So können die behandelnden Ärztinnen und Ärzte einen erhöhten Hirndruck ausschließen.

Für die Labordiagnostik ist in erster Linie die Untersuchung von Liquor und Blut von Bedeutung. Bei einer stationären Aufnahme wegen des Verdachtes einer invasiven Meningokokken-Infektion sollte daher umgehend eine Liquorpunktion durchgeführt und Blutkulturen angelegt werden. Zudem sollten bei antherapierten Patienten Rachenabstriche entnommen werden. Das Rachenisolat kann ggf. bei negativer Blut- oder Liquorkultur sowie bei begonnener Antibiotika-Therapie wichtige Hinweise auf den krankheitsauslösenden Stamm liefern. Zusätzlich kann ein Antigennachweis im Nativliquor, z.B. durch Latexagglutination, durchgeführt werden. Diese Methode hat jedoch eine nur wenig über die der Mikroskopie hinausgehende Sensitivität. Gelegentlich wird fälschlicherweise die Serogruppe A von solchen Untersuchungen abgeleitet. Hierbei ist zu beachten, dass polyvalente Seren zum Einsatz kommen. Weiterhin kann bei negativem Ergebnis der Anzucht eine PCR zum Nachweis der Meningokokken-DNA im Liquor und im Blut (vorzugsweise EDTA-Blut) veranlasst werden. Sie besitzt eine hohe Sensitivität und Spezifität. Es ist daher dringend empfohlen, vor allem unmittelbar nach Aufnahme eines vorbehandelten Patienten EDTA-Blut und ggf. Liquor zur molekularen Untersuchung und Feintypisierung zu asservieren. Diese Untersuchung wird in Deutschland kostenlos vom NRZ für Meningokokken und H. influenzae angeboten. Laboratorien, die primäre Diagnostik durchführen, sind aufgefordert, jedes Isolat oder - falls eine Anzüchtung nicht angestrebt wird oder erfolglos bleibt - Nativmaterial an das NRZ zu schicken, damit eine eventuell ausstehende Serogruppenbestimmung sowie eine weitere Feintypisierung des Erregers vorgenommen werden kann. Hinweise zum Probentransport finden sich auf der Internetseite des NRZ für Meningokokken und H. influenzae. Die genannte Spezialdiagnostik ist zur frühzeitigen Erkennung von Ausbrüchen und für den europäischen und internationalen Datenaustausch wichtig. Die Feintypisierung liefert zudem wertvolle Daten für die Evaluation der seit 2006 geltenden Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO). Das NRZ untersucht ca. 80% der an das RKI gemeldeten Fälle; allerdings liegen hier deutliche regionale Unterschiede vor. Nur durch eine möglichst vollständige Untersuchung der Stämme von auftretenden Meningokokken-Fällen aus allen Teilen Deutschlands am NRZ kann eine repräsentative Laborsurveillance gewährleistet werden.

Behandlung einer bakteriellen Meningitis

Bei der Behandlung einer bakteriellen Meningitis zählt jede Minute. Je später Patientinnen und Patienten Medikamente bekommen, desto schlechter ist die Prognose. Die Behandlung umfasst:

  • Antibiotika: Patientinnen und Patienten erhalten hochdosierte Antibiotika über die Vene. Die Therapie beginnt oft schon beim Verdacht, bevor alle Testergebnisse vorliegen. Standard ist eine Kombination aus Ampicillin und einem Cephalosporin (wie Ceftriaxon). Sobald der genaue Erreger feststeht, wird die Therapie angepasst.
  • Kortison: Zusätzlich erhalten sie Dexamethason (ein Kortison-Präparat).
  • Intensivmedizinische Betreuung: Aufgrund möglicher Komplikationen wie einer Hirnschwellung oder Blutvergiftung werden Patientinnen und Patienten meist auf der Intensivstation überwacht.

Da sich innerhalb weniger Stunden ein schweres, lebensbedrohliches Krankheitsbild entwickeln kann, sollte bei begründetem klinischem Verdacht auf eine invasive Meningokokken-Erkrankung umgehend mit einer empirischen Antibiotikatherapie mit Cephalosporinen der Gruppe 3 (außer bei anamnestisch bekannter Penicillinallergie mit systemischer Reaktion) begonnen werden (z.B. Cefotaxim oder Ceftriaxon). Aufgrund der zur Verfügung stehenden sensitiven molekularen diagnostischen Methoden ist es unter Umständen gerechtfertigt, vor der Materialentnahme die Antibiose einzuleiten (s.o.). Beim Auftreten von Komplikationen sind weitere therapeutische Maßnahmen unter intensivmedizinischen Bedingungen erforderlich, wie z.B.

Spätfolgen einer Meningitis

In 10 bis 15 Prozent der Fälle von bakterieller Meningitis bleiben Spätfolgen. Das können allgemeine Entwicklungsverzögerungen sein, eine Einschränkung des Hörvermögens bis hin zu Taubheit, epileptische Anfälle oder Lernschwierigkeiten. Zudem führt die Erkrankung bei ca. 10 bis 20% aller Betroffenen zu Komplikationen. Dabei kann es nach einer Meningitis zu Hirnnervenlähmungen, Hemiplegie, Krampfanfällen, Hydrozephalus, Einschränkungen des Intellekts, Lernschwierigkeiten sowie Schädigungen des Innenohrs mit resultierender Taubheit kommen.

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Alle Patientinnen und Patienten sollten deshalb vor der Entlassung oder kurz danach auf Folgeschäden - insbesondere beim Hörvermögen - untersucht werden. So können frühzeitig Reha-Maßnahmen eingeleitet werden.

Vorbeugung

Gegen einige Erreger gibt es eine Impfung:

  • Meningokokken: Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfungen für Kinder sowie für bestimmte Risikogruppen.
  • Pneumokokken.
  • Haemophilus influenzae Typ B (Hib): Die Hib-Impfung wird ebenfalls für alle Kinder empfohlen. Sie wird in drei Impfdosen verabreicht - jeweils eine Dosis im Alter von zwei, vier und elf Lebensmonaten.

Die monovalente Meningokokken-C-Konjugatimpfung wird in Deutschland von der STIKO seit Juli 2006 für alle Kinder im Alter von 12 Monaten empfohlen (Begründung der STIKO-Empfehlungen zur Impfung gegen Pneumokokken und Meningokokken vom Juli 2006). Versäumte Impfungen sollten spätestens bis zum 18. Geburtstag nachgeholt werden. Des Weiteren empfiehlt die STIKO seit 2024 allen Säuglingen ab dem Alter von 2 Monaten die Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe B mit dem Impfstoff Bexsero. Die Impfung soll bis zum 5. Geburtstag nachgeholt werden. Zudem empfiehlt die STIKO für Personen mit einem erhöhten Risiko für invasive Meningokokken-Erkrankungen eine Impfung mit einem altersgerecht zugelassenen Meningokokken-ACWY-Konjugatimpfstoff sowie mit einem Meningokokken-B-Impfstoff.

Personen mit angeborenen oder erworbenen Immundefekten mit T- und/oder B-zellulärer Restfunktion, insbesondere Komplement-/Properdindefekte, Therapie mit C5-Komplement-Inhibitoren (z.B. Eculizumab oder Ravulizumab), Hypogammaglobulinämie, AsplenieGefährdetes Laborpersonal (bei Exposition gegenüber N. meningitidis-haltigen Aerosolen)Haushaltskontaktpersonen eines Erkrankten mit einer impfpräventablen invasiven Meningokokken-Infektion, so bald wie möglich nach dem Kontakt (zusätzlich zur Chemoprophylaxe), sofern nicht bereits ein Impfschutz gegen die entsprechende Serogruppe besteht (siehe unter "Umgang mit Kontaktpersonen")Reisende in Länder mit epidemischem Vorkommen, besonders bei engem Kontakt zur einheimischen Bevölkerung (z.B.

Umgang mit Kontaktpersonen

Patientinnen und Patienten müssen bis zu 24 Stunden nach Beginn einer spezifischen Therapie isoliert werden und gelten danach nicht mehr als infektiös. In dieser Zeit sind vom betreuenden Pflegepersonal und von den behandelnden Ärzten besondere Barrieremaßnahmen zu beachten. Gemäß KRINKO-Empfehlung "Infektionsprävention im Rahmen der Pflege und Behandlung von Patienten mit übertragbaren Krankheiten" wird hierfür eine Einzelunterbringung im Isolierzimmer, und für das Personal die Verwendung von Schutzhandschuhen, das Tragen eines Schutzkittels, und das Tragen eines medizinischen Mund-Nasen-Schutzes (MNS) oder ggf. eines höherwertigeren Atemschutzes, sowie die strikte Einhaltung der Basishygiene empfohlen.

In Gemeinschaftseinrichtungen gemäß § 33 IfSG (u.a. Gemäß § 34 Abs. 1 Nr. In Gemeinschaftseinrichtungen Betreute, die an einer Meningokokken-Infektion erkrankt oder dessen verdächtig sind, dürfen die dem Betrieb der Gemeinschaftseinrichtung dienenden Räume nicht betreten, Einrichtungen der Gemeinschaftseinrichtung nicht benutzen und an Veranstaltungen der Gemeinschaftseinrichtung nicht teilnehmen. Die Einschränkung der Tätigkeit bzw. des Besuchs der Gemeinschaftseinrichtung dauert fort, bis nach ärztlichem Urteil eine Weiterverbreitung der Krankheit nicht mehr zu befürchten ist. Das ärztliche Urteil kann das Urteil der behandelnden Ärztin/des behandelnden Arztes oder einer Ärztin/eines Arztes des zuständigen Gesundheitsamtes sein. Das ärztliche Urteil kann mündlich erfolgen. Gemäß § 34 Abs. 3 IfSG gelten die oben aufgeführten Regelungen aus Abs. 1 auch für Personen, die mit den an diesen Krankheiten erkrankten Personen bzw. mit Personen, bei denen der Verdacht auf diese Krankheit besteht, in einer Wohngemeinschaft zusammenleben. Dies gilt nur, wenn die Erkrankung bzw. der Krankheitsverdacht von einer Ärztin oder einem Arzt festgestellt worden ist. Eine Wiederzulassung ist 24 Stunden nach Beginn einer Chemoprophylaxe möglich. Ohne Chemoprophylaxe ist eine Wiederzulassung frühestens 10 Tage nach einem Kontakt angezeigt.

Invasive Meningokokken-Erkrankungen

Invasive Meningokokken-Erkrankungen werden durch Neisseria meningitidis (Meningokokken) verursacht. Eine invasive Infektion durch Meningokokken- liegt vor, wenn aus Blut, Liquor, hämorrhagischen Hautinfiltraten oder anderen normalerweise sterilen klinischen Materialien direkt oder indirekt Meningokokken nachgewiesen werden oder das spezifische klinische Bild (Purpura fulminans, inkl. Waterhouse-Friderichsen-Syndrom) erfüllt ist (siehe Klinische Symptomatik). Meningokokken sind gramnegative Diplokokken, die sich im Nasen-Rachen-Raum des Menschen ansiedeln und dort bei etwa 10% der Bevölkerung ohne klinische Symptome nachweisbar sind. Bei den meisten Isolaten, die bei Trägern untersucht wurden, handelt es sich um apathogene, nichtinvasive Meningokokken. Aufgrund der Zusammensetzung der Kapselpolysaccharide werden insgesamt 12 Serogruppen unterschieden (A, B, C, E, H, I, K, L, W, X, Y, Z). Invasive Meningokokken-Erkrankungen werden in den allermeisten Fällen durch Erreger der Serogruppen A, B, C, W, X und Y verursacht, in Deutschland derzeit fast ausschließlich durch B,C,W und Y. Neben der Bestimmung der Serogruppe kann durch die molekulare Feintypisierung die Diversität der zirkulierenden Meningokokken genauer abgebildet werden. Die molekulare Typisierungsformel lautet Serogruppe: PorA-Sequenztyp: FetA-Sequenztyp: klonaler Komplex (cc) (z.B. B: P1.7-2,4:F1-5:cc41/44). Die Feintypisierung wird vom Nationalen Referenzzentrum (NRZ) für Meningokokken und Haemophilus influenzae seit 2019 auf Basis der Ganzgenomsequenzierung (whole genome sequencing; WGS) durchgeführt.

Invasive Meningokokken-Erkrankungen treten weltweit auf. Große saisonale Epidemien, bedingt in erster Linie durch Meningokokken der Serogruppe A, aber auch C, W und X, traten in den vergangenen Jahrzehnten überwiegend im Meningitisgürtel der Subsaharazone und in Asien auf. Infolge der breiten Anwendung eines Meningokokken-A-Impfstoffs im Meningitis-Gürtel seit 2010 treten nunmehr vor allem Ausbrüche durch die Serogruppen C, W und X auf. In den letzten Jahren lag die Inzidenz invasiver Meningokokken-Erkrankungen in Europa, auf dem amerikanischen Kontinent sowie in Neuseeland und Australien im Allgemeinen meist ≤ 2 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner; Fälle traten vor allem als Einzelerkrankungen oder selten in Form von kleineren Häufungen auf. In den meisten dieser Länder war lange Zeit die Serogruppe B für die Mehrzahl der Erkrankungen verantwortlich. In den letzten Jahren kam es zu einer Zunahme von Erkrankungen durch die Serogruppen Y (USA, Europa) und insbesondere W (Europa, Lateinamerika, Australien und Neuseeland).

In Deutschland wurde seit 2004 ein Rückgang der Inzidenz beobachtet. Gegenwärtig liegt die bundesweite jährliche Inzidenz bei unter 0,4 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner. Die Mehrzahl der Erkrankungen wird durch Erreger der Serogruppe B (ca. 60%) und seltener der Serogruppen C, W und Y (jeweils ca. 10 bis 15%) verursacht, während andere Serogruppen äußerst selten beobachtet werden. Der Anteil der Erkrankungen durch Erreger der Serogruppe C hat sich vor allem bei Kleinkindern verringert, seitdem im Jahr 2006 für alle Kinder im ersten Lebensjahr eine Impfung mit einem monovalenten Meningokokken-C-Konjugatimpfstoff empfohlen wurde. Bei der Geburtskohorte von 2016 lag die Meningokokken-C-Impfquote im Alter von 2 bzw. 3 Jahren bei 78% bzw. 83%. Bei Schulanfängern im Jahr 2018 lag sie bei 90%.

Eine invasive Meningokokken-Erkrankung kann in jedem Lebensalter auftreten, jedoch findet man im Wesentlichen zwei Morbiditätsgipfel. Die höchsten Inzidenzen werden im 1. und 2. Lebensjahr beobachtet, mit einem zweiten, kleineren Inzidenzgipfel bei 15- bis 19-jährigen Jugendlichen. Da die Erreger gewöhnlich außerhalb des Körpers rasch absterben, ist für eine Infektion ein enger Kontakt mit Übertragung von oropharyngealen Sekreten von einem Keimträger oder einem Erkrankten erforderlich.

Invasive Meningokokken-Erkrankungen verlaufen vor allem als Meningitis und/oder Sepsis. Septische Verläufe werden bei über zwei Drittel der in Deutschland gemeldeten Erkrankungen berichtet. Diese gehen in 10 bis 15% der Fälle mit einer besonders schweren Form des septischen Schocks, als Waterhouse-Friderichsen-Syndrom, einher, gekennzeichnet durch Einblutungen in die Nebennieren und eine sehr hohe Letalität (s.u.). Mischformen können ebenfalls auftreten. Seltener treten im Rahmen von invasiven Erkrankungen auch Pneumonien, Myokarditis, Endokarditis, Perikarditis, Arthritis oder Osteomyelitis auf.

Bei invasiven Meningokokken-Infektionen kommt es häufig nach einem kurzen Prodromalstadium mit Symptomen eines Infekts der oberen Atemwege zu plötzlich auftretenden allgemeinen Krankheitszeichen wie Kopfschmerzen, Fieber, Schüttelfrost und Schwindel mit schwerstem Krankheitsgefühl. Innerhalb weniger Stunden kann sich ein schweres, lebensbedrohliches Krankheitsbild entwickeln. Petechiale Exantheme oder großflächigere Hauteinblutungen sind charakteristisch und vor allem bei septischen Verläufen ausgeprägt. Zusätzlich kann ein makulopapulöses Exanthem auftreten. Bei einer Meningitis kommen Erbrechen und Nackensteifigkeit hinzu, Kernig- und Brudzinski-Zeichen sind positiv. Weiterhin können neurologische Symptome wie Reizbarkeit, Schläfrigkeit, Stupor bis zum Koma sowie Krampfanfälle oder Hirnnervenlähmungen auftreten. Bei Säuglingen und Kleinkindern sind die Symptome oft weniger charakteristisch. Es können Fieber, Erbrechen, Reizbarkeit oder auch Schläfrigkeit, Krämpfe, Aufschreien sowie eine vorgewölbte oder harte Fontanelle auftreten.

Bei einer isolierten Meningokokken-Meningitis liegt die Letalität in Deutschland bei ca. 1%, bei einer Sepsis bei ca. 13% und bei Sepsis mit Waterhouse-Friderichsen-Syndrom bei ca. 33%. Zudem führt die Erkrankung bei ca. 10 bis 20% aller Betroffenen zu Komplikationen. Dabei kann es nach einer Meningitis zu Hirnnervenlähmungen, Hemiplegie, Krampfanfällen, Hydrozephalus, Einschränkungen des Intellekts, Lernschwierigkeiten sowie Schädigungen des Innenohrs mit resultierender Taubheit kommen. Patienten sind bis zu 7 Tage vor Beginn der Symptome und bis 24 Stunden nach Beginn einer erfolgreichen Therapie mit ß-Laktam-Antibiotika ansteckend. Drittgenerations-Cephalosporine (insbesondere Ceftriaxon) führen zu einer Keimeradikation im Nasopharynx des Patienten. Eine Penicillin-Therapie führt vermutlich nur zu einer Suppression, aber nicht zu einer langfristigen Eradikation der nasopharyngealen Meningokokken.

Meningokokken-Impfstoffe in Deutschland

Gegen die Serogruppe B konnte aufgrund des Vorhandenseins identischer Polysaccharidstrukturen auf der B-Kapsel und auf menschlichen Nervenzellen nicht wie für die anderen Serogruppen ein Impfstoff basierend auf den Kapselantigenen entwickelt werden. Daher wurden andere Ansätze gewählt, die auf Oberflächenproteinen als Impfantigene basieren. Seit 2013 bzw. 2017 sind in Deutschland zwei Meningokokken-B-Impfstoffe ab dem Alter von 2 Monaten (Bexsero) bzw.

Ausführliche Informationen hinsichtlich der empfohlenen Impfstoffe und -schemata sind in den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) abrufbar.

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