Meningokokken-Meningitis: Ursachen, Symptome und Behandlung

Meningokokken können eine Meningitis, d.h. eine Entzündung der Hirn- und Rückenmarkshäute (Meningen), oder eine Blutvergiftung (Sepsis) auslösen. Beide Krankheitsformen können auch gleichzeitig auftreten; die Erkrankung verläuft dann besonders schwer. Meningokokken-Meningitis ist eine schwere bakterielle Infektion der Hirnhäute, verursacht durch Neisseria meningitidis. Diese Erkrankung kann schnell fortschreiten und lebensbedrohlich sein. Weltweit stellt sie ein bedeutendes Gesundheitsproblem dar, insbesondere in Regionen wie dem afrikanischen “Meningitis-Gürtel”. Eine rasche und präzise Behandlung ist entscheidend, um die Mortalität und Morbidität zu reduzieren.

Was ist Meningokokken-Meningitis?

Meningokokken-Meningitis ist eine überaus gefährliche Entzündung der Hirnhäute. Auslöser dieser schweren Hirnhautentzündung sind Bakterien der Gattung Neisseria meningitidis, kurz Meningokokken. Etwa 10 Prozent der Bevölkerung tragen diese Erreger, ohne dass sie Symptome verursachen. Die Bakterien siedeln vorzugsweise im Nasen-Rachen-Raum. Daher können Keimträger die Meningokokken per Tröpfcheninfektion, beispielsweise durch Husten oder Niesen, übertragen und andere Menschen anstecken.

Ursachen der Meningokokken-Meningitis

Ursache der Meningokokken-Meningitis ist eine Infektion mit Bakterien der Gattung Neisseria meningitidis, kurz Meningokokken. Etwa 10 Prozent der Bevölkerung tragen diese Erreger, ohne dass sie Symptome verursachen. Die Bakterien siedeln vorzugsweise im Nasen-Rachen-Raum. Daher können Keimträger die Meningokokken per Tröpfcheninfektion, beispielsweise durch Husten oder Niesen, übertragen und andere Menschen anstecken.

Meningokokken gibt es weltweit. Sie zählen zu den gramnegativen Bakterien und können unterschiedliche Infektionen auslösen. Bei etwa der Hälfte aller Meningokokken-Infektionen entwickelt sich die gefährliche Meningokokken-Meningitis.

Heute kennt man 13 unterschiedliche Untergruppierungen. Die Subtypen (A, B, C, D, H, I, K, L, X, Y, Z, 29E und W135) sind weltweit nicht gleich verteilt. Vielmehr gibt es deutliche regionale Unterschiede. Große Epidemien im Meningitisgürtel der Subsaharazone (Senegal bis Äthiopien) und in Asien gingen in den vergangenen Jahrzehnten insbesondere auf die Subtypen A, W135 und X zurück. Infektionen mit Meningokokken der Untergruppe B und C wurden in jüngster Zeit vorzugsweise in den europäischen Ländern Irland, Island, die Niederlande, Norwegen und Spanien, den USA und Neuseeland beobachtet.

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Ätiologie

  • Erreger: Neisseria meningitidis, ein gramnegatives Diplokokken-Bakterium. Insgesamt werden 12 Serogruppen unterschieden.
  • Übertragung: Tröpfcheninfektion, enges Zusammenleben fördert die Ausbreitung.
  • Pathophysiologie: Eintritt des Erregers durch den Nasen-Rachen-Raum, anschließend hämatogene Ausbreitung zur Blut-Hirn-Schranke und Entzündung der Hirn- und Rückenmarkshäute.

Vorkommen

  • Verbreitung: Weltweite Verbreitung mit unterschiedlichen regionalen Schwerpunkten der verschiedenen Serotypen. Hohe Inzidenz vor allem in der “Meningitis-Gürtel”-Region Afrikas und in Asien.
  • Serogruppen: Invasive Meningokokken-Erkrankungen werden in den allermeisten Fällen durch Erreger der Serogruppen A, B, C, W, X und Y verursacht.
  • Situation in Deutschland: Im Jahr wurden Fälle invasiver Meningokokken-Infektionen gemeldet, hauptsächlich verursacht durch Erreger der Serogruppen B und Y.

Wie kann man sich mit Meningokokken anstecken?

Meningokokken sind Bakterien, die sich im Nasen-Rachen-Raum des Menschen ansiedeln. Mit Nasensekreten oder Speichel können sie übertragen werden - zum Beispiel beim Küssen. „Meningokokken sind sehr empfindlich und überleben außerhalb des Körpers meist nur kurze Zeit“, erklärt Dr. Franziska Roth, Funktionsoberärztin am Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene am Universitätsklinikum des Saarlands. Fürs Anstecken ist daher üblicherweise direkter Kontakt nötig.

Bei bis zu zehn Prozent der Menschen in Deutschland sind diese Bakterien im Nasen-Rachen-Raum nachweisbar, ohne dass sie Beschwerden verursachen. Eine Erkrankung ist dagegen eine Seltenheit. Wie lässt sich das erklären? „In seltenen Situationen, die wir nicht immer verstehen, durchbricht dieser Keim die Schleimhautbarriere und dringt ins Blut und sogar ins zentrale Nervensystem ein“, beschreibt Dr. Roland Elling, Oberarzt für Pädiatrische Infektiologie an der Klinik für Allgemeine Kinder- und Jugendmedizin an der Uniklinik Freiburg.

Besonders gefährdet sind Säuglinge und Kleinkinder, Teenager und junge Erwachsene sowie Menschen mit bestimmten Immundefekten oder Schädigungen der Schleimhautbarriere - zum Beispiel nach einem vorangegangenen Virusinfekt.

Wie gefährlich sind die unterschiedlichen Meningokokken-Typen?

Meningokokken werden in zwölf sogenannte Serogruppen aufgeteilt: A, B, C, E, H, I, K, L, W, X, Y und Z. Die Reihenfolge erklärt sich daraus, dass zwischenzeitig andere Funde aufgetreten sind - diese hatten aber keine Bedeutung für das Krankheitsgeschehen. Das ist bei den benannten anders. „Aber nicht jeder Stamm hat das gleiche Potenzial, Erkrankungen auszulösen“, erklärt Mikrobiologin Roth. Bei den invasiven Meningokokken-Erkrankungen, also den schadhaften Eindringlingen im Körper, weisen die Labore vor allem die Typen A, B, C, W, X und Y nach.

In Deutschland gilt: Die meisten Meningokokken-Erkrankungen lassen sich nach Angaben des Robert Koch-Instituts auf Meningokokken Typ B, C, W und Y zurückführen - rund 60 Prozent auf die Serogruppe B, weniger als 20 Prozent auf die Serogruppe C und gut 10 Prozent auf die Serogruppe W. Die übrigen zehn Prozent verteilen sich auf seltene oder unklassifizierte Fälle.

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Symptome der Meningokokken-Meningitis

Nach einer Inkubationszeit (Zeit der Ansteckung bis zum Auftreten erster Symptome) von zwei bis zehn Tagen (in der Regel drei bis vier Tage) kommt es zunächst zu grippeähnlichen Symptomen und allgemeinen Krankheitsbeschwerden wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, körperliche Schwäche. Kaum zu lindernde Kopfschmerzen, hohes Fieber, Schüttelfrost sowie Übelkeit und Erbrechen sind die nächsten rasch folgenden Symptome. Die Erkrankten fühlen sich sehr schwer krank.

Überempfindlichkeit auf Geräusche, Berührung und Licht ist besonderes charakteristisch für Meningokokken-Meningitis und andere Hirnhautentzündungen, noch mehr aber gilt das für die sogenannte Nackensteifigkeit. Bei Nackensteifigkeit liegen Erkrankte auf dem Rücken und überstrecken den Kopf stark nach hinten. Mediziner sprechen auch von Kissenbohren, weil der Kopf so stark in das Kissen gedrückt wird. Nackensteifigkeit und Kissenbohren sind Symptome einer schon weit fortgeschrittenen Hirnhautentzündung. Ohne professionelle Behandlung auf einer Intensivstation und die rasche Gabe von Antibiotika besteht akute Lebensgefahr.

Weitere Symptome der Meningokokken-Meningitis sind erhöhte Reizbarkeit, Krampfanfälle, Hirnnervenlähmungen, erhöhte Schläfrigkeit und Bewusstseinstrübungen.

Symptome bei Säuglingen und Kleinkindern

Bei Säuglingen und Kleinkindern sind die Symptome häufig weniger stark ausgeprägt. Die Nackensteifigkeit kann sogar ganz fehlen. Charakteristisch ist bei Kindern hingegen eine stark vorgewölbte und gespannte Fontanelle. Weitere charakteristische Symptome bei Säuglingen und Kleinkindern sind Bauchschmerzen, Verweigerung jedweder Nahrung, anhaltendes hohes und schrilles Schreien sowie eine ausgeprägte Teilnahmslosigkeit.

Symptome im Überblick

Die Mehrzahl der invasiven Meningokokken-Erkrankungen verlaufen als Meningitis und/oder Sepsis. Deutlich seltener kommen andere Manifestationen, wie beispielsweise Pneumonie, Entzündungen des Herzens oder Osteomyelitis vor. Innerhalb weniger Stunden kann sich ein lebensbedrohliches Krankheitsbild entwickeln.

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  • Initiale Symptome: Kurzes Prodromalstadium mit Erkältungssymptomen und plötzliches Auftreten von Kopfschmerzen, Fieber, Schüttelfrost und Schwindel.
  • Charakteristika: Petechiale Exantheme oder großflächige Hauteinblutungen, makulopapulöses Exanthem.
  • Meningitis-Symptome: Erbrechen, Nackensteifigkeit, Reizbarkeit, Schläfrigkeit, Stupor, Koma, Krampfanfälle und Hirnnervenlähmungen.
  • Bei Kindern: Die Nackensteifigkeit kann fehlen, Auftreten einer vorgewölbten und gespannten Fontanelle, Fieber, Erbrechen, Krämpfe, starkes Schreien.

Kennzeichen einer Blutvergiftung

Kennzeichen einer Blutvergiftung sind ein purpurfarbener Ausschlag (der durch zunehmende Durchlässigkeit der Blutgefäße und daraus resultierende Einblutungen in die Haut entsteht - sog. Petechien), Gliederschmerzen, kalte Hände und Füße, Fieber und Abgeschlagenheit. Wie für die Nackensteife gilt auch für den charakteristischen Ausschlag, dass er nicht zu Beginn, sondern erst im Verlauf der Erkrankung auftritt. Septische Hauteinblutungen können überall am Körper beginnen und sich rasch zu frisch aussehenden Hämatomen (blauen Flecken) ausweiten.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, an Meningokokken zu erkranken?

In Deutschland sind sogenannte invasive Meningokokken-Erkrankungen selten. Bei diesen dringen die Bakterien durch die Schutzbarriere in den Körper ein. Die Inzidenz liegt bei weniger als 0,4 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner - das bedeutet, dass von einer Million Menschen gerade einmal vier erkranken.

„Als Kinderarzt denkt man viel öfter über Meningokokken nach, als man sie tatsächlich findet“, sagt Roland Elling.

Komplikationen der Meningokokken-Meningitis

Komplikation Sepsis

Bei jeder dritten Meningokokken-Meningitis überschwemmen die Bakterien die Blutbahn und kommt es zur Blutvergiftung (Sepsis). Bei 10 bis 15 Prozent verläuft diese als schwerer septischer Schock, dem sogenannten Waterhouse-Friderichsen-Syndrom. Innerhalb kürzester Zeit entstehen kleine und großflächige Einblutungen in Haut und Schleimhäute. Der Blutdruck fällt rapide ab, der Puls schnellt in die Höhe und der Patient gerät in einen Schockzustand. Dabei wird auch die Blutgerinnung gestört und das Blut bildet Gerinnsel. Diese Thromben verstopfen die Blutgefäße. Dadurch werden die Organe nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt. Die Funktion von Herz, Leber, Nieren oder Gehirn werden in Mitleidenschaft gezogen und versagen schließlich ganz (Multiorganversagen).

Weitere Komplikationen

  • Septischer Verlauf: Blutdruckabfall, disseminierte intravasale Koagulopathie und Organversagen, Nekrosen der Gliedmaßen mit häufig folgender Notwendigkeit der Amputation. Die Letalität liegt bei etwa 13%.
  • Waterhouse-Friderichsen-Syndrom: Charakteristische Einblutungen in die Nebennieren mit septischem Schock und Organversagen. Die Letalität beträgt circa 33%.
  • Nach Meningitis: Hirnnervenlähmungen, Hemiplegie, Krampfanfälle, Hydrozephalus, intellektuelle Einschränkungen, Lernschwierigkeiten, Taubheit.

Was sind die Folgen einer Meningokokken-Erkrankung?

„Leider verläuft die Krankheit manchmal so aggressiv, dass man sie trotz maximaler Intensivtherapie nicht einfangen kann“, sagt Experte Elling. „Gerade die Meningokokken-Sepsis hat typischerweise einen sehr aggressiven Verlauf, bei dem die Patienten schnell ins Kreislauf- oder Organversagen rutschen.“

In Deutschland liegt die Sterblichkeitsrate bei einer Meningokokken-Meningitis bei einem Prozent, bei einer Sepsis bei etwa 13 Prozent und bei dem gefürchteten septischen Schock sogar bei etwa 33 Prozent. Gefährdet sind grundsätzlich alle Altersgruppen, also auch Erwachsene. Am höchsten ist das Risiko aber bei Säuglingen und Kleinkindern, gefolgt von Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Ältere Erwachsene sind vor allem dann gefährdet, wenn sie bestimmte Vorerkrankungen haben - zum Beispiel eine fehlende Milz.

Bei zehn bis zwanzig Prozent der Betroffenen können Komplikationen und manchmal auch Langzeitfolgen auftreten - bei der Meningitis sind das Hirnnervenlähmungen, Krampfanfälle, Einschränkungen des Intellekts, Lernschwierigkeiten oder Taubheit, bei der Sepsis Gewebeschädigungen bis hin zum Absterben einzelner Gliedmaßen. „Gerade in den vergangenen Monaten hatten wir ein paar sehr dramatische Fälle - es ist natürlich schockierend, das mitzuerleben“, sagt der Infektiologe.

Diagnose der Meningokokken-Meningitis

Den Verdacht auf Meningokokken-Meningitis ergeben Anamnese und Beschwerdebild. Die Diagnose wird durch eine laborchemische Untersuchung des Nervenwassers (Liquor) gesichert. In der Rückenmarksflüssigkeit finden sich massive entzündliche Veränderungen. Durch spezielle Färbemaßnahmen sind auch die Meningokokken selbst nachzuweisen. Ein Erregernachweis ist außerdem in speziellen Blutkulturen möglich.

Diagnostische Maßnahmen

  • Klinische Untersuchung: Beurteilung von Nackensteifigkeit, Brudzinski- und Kernig-Zeichen.
  • Erregernachweis: Mittels Erregeranzucht aus Blutkulturen und/oder Liquor oder durch PCR.
  • Spezialdiagnostik: Einsendung von Blut bzw. Liquor an das Nationale Referenzzentrum für Meningokokken und H. influenzae zur Feintypisierung des Erregers zur frühzeitigen Erkennung von Ausbrüchen und Datenanalyse der zirkulierenden Serotypen.

Wie werden Meningokokken diagnostiziert?

„Bei uns im Labor gibt es die Möglichkeit, einen PCR-Test aus dem Liquor, also dem Nervenwasser, zu machen. Da haben wir das Ergebnis innerhalb von zwei bis drei Stunden“, erklärt Roth. Etwas länger dauert es, die Meningokokken durchs Anzüchten der Bakterien aus einer Blutprobe oder dem Nervenwasser nachzuweisen. Allerdings lässt sich so auch der Erregertyp genau bestimmen. „Das ist zum Beispiel wichtig für die Impfempfehlungen“. erklärt die Mikrobiologin, also für den Ratschlag fürs Impfen basierend auf diesen persönlichen Befunden. „Außerdem führen wir eine Resistenztestung durch, das heißt, wir überprüfen, wie empfindlich die Bakterien auf verschiedene Antibiotika reagieren.“

Bislang hat man bei den Meningokokken glücklicherweise keine klinisch relevanten Probleme mit der Resistenzbildung, also der Widerstandsfähigkeit gegen Antibiotika.

Behandlung der Meningokokken-Meningitis

Schon der geringste Verdacht auf Meningokokken-Meningitis oder eine andere Form der Hirnhautentzündung rechtfertigt die stationäre Aufnahme im Krankenhaus. Nur hier lassen sich Komplikationen auf einer Intensivstation vermeiden. Optimalerweise wird dort bei der Meningokokken-Meningitis sofort mit der Antibiotikatherapie begonnen. Geeignete Wirkstoffe sind Penicilline (insbesondere Penicillin G) und Cephalosporine der 3. Generation (zum Beispiel Cefotaxim oder Ceftriaxon).

Weitere Therapieansätze bestehen darin, etwaige epileptische Anfälle medikamentös zu beenden und weiteren Anfällen vorzubeugen sowie erhöhten Hirndruck zu senken. Bei septischen Verläufen verbessern die Stabilisierung von Atmung- und Kreislauf sowie die Therapie von Gerinnungsstörungen die Überlebenschancen.

Therapie im Überblick

  • Antibiotische Behandlung: Cephalosporine der Gruppe 3 (z.B. Ceftriaxon oder Cefotaxim).
  • Supportive Maßnahmen: Intensivmedizinische Überwachung bei schwerem Verlauf, Volumen- und Elektrolytersatz, Therapie von Gerinnungsstörungen, antikonvulsive Therapie, Hirndrucksenkung.

Wie wird eine Meningokokken-Erkrankung behandelt?

Meningokokken-Erkrankungen sind immer medizinische Notfälle, die sofort behandelt werden müssen. Sobald der Verdacht besteht, beginnt die Ärztin oder der Arzt mit einer intravenösen Antibiotikatherapie - in der Regel noch bevor die Laborergebnisse vorliegen.

„Die Meningokokken gehören zu den zimperlichsten Erregern, was die Antibiotika-Anfälligkeit angeht“, so Elling. Daher dauert eine Behandlung nach Expertenangaben meist nur fünf bis sieben Tage. Ansteckend ist man in den meisten Fällen schon 24 Stunden nach dem Beginn der Antibiotikatherapie nicht mehr. Manchmal ließen sich schon 30 Minuten nach der ersten Antibiotikagabe die Erreger zwar noch im Nervenwasser nachweisen, in den Kulturröhrchen der Mikrobiologen seien sie dann aber schon nicht mehr anzüchtbar, sagt der Infektiologe.

Dass einige Betroffene trotzdem schwere Verläufe entwickeln, hat verschiedene Ursachen.

Vorbeugung gegen Meningokokken-Meningitis

Den besten Schutz bietet die Meningokokken-Schutzimpfung, die Kleinkinder in Deutschland bundesweit seit 2006 ab dem Alter von zwölf Monaten bzw. ab Beginn des 2. Lebensjahres erhalten. Die Impfkommission des Bundeslands Sachsen empfiehlt die Meningokokken-Impfung bereits 2003 allen Säuglingen ab dem 3. Lebensmonat. In Deutschland geht die Zahl der Meningokokken-Infektionen seit 2003 erfreulicherweise stetig zurück. Das liegt vor allem an den verfügbaren Schutzimpfungen. 2011 meldete das Robert-Koch-Institut (RKI) eine Impfquote bei den zweijährigen Kindern von mehr als 80 Prozent.

Impfempfehlungen

Da Meningokokken in unterschiedlichen Subgruppen (z. B. A, B, C, W, Y) vorkommen, gibt es verschiedene zugelassene Impfstoffe, die auf unterschiedliche Subgruppen abzielen.

  • Kann die Meningokokken-Impfung mit anderen Impfungen kombiniert werden? Ja. Die Meningokokken-Impfung kann problemlos mit anderen Schutzimpfungen kombiniert werden. Es müssen keine zeitlichen Abstände zu anderen Impfungen eingehalten werden. In Deutschland sind derzeit Konjugatimpfstoffe gegen die Gruppen C sowie ACWY und ein Adsorbatimpfstoff gegen Gruppe B erhältlich. Polysaccharid-Impfstoffe spielen heute keine Rolle mehr in der regulären Anwendung.

Welche Impfstoffe werden empfohlen?

Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut (STIKO) hat die Empfehlungen für die Meningokokken-Schutzimpfung aktualisiert. Seit November 2025 sollen Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 14 Jahren demnach mit dem quadrivalenten Konjugatimpfstoff gegen Meningokokken der Serogruppen A, C, W und Y (MenACWY) geimpft werden. Nachholimpfungen sollen bis zum 25. Geburtstag erfolgen. Gleichzeitig hat die STIKO die Empfehlung gestrichen, Kinder im zweiten Lebensjahr einmalig mit einem Meningokokken-C-Konjugatimpfstoff zu impfen.

Der MenACWY-Konjugatimpfstoff kann ab dem ersten Lebensjahr verabreicht werden und eignet sich auch für Auffrischimpfungen. Er wird für bestimmte Risikogruppen empfohlen (siehe unten).

STIKO-Impfempfehlungen für Risikogruppen

Die Impfung mit einem quadrivalenten Meningokokken-Konjugatimpfstoff (ACWY) wird empfohlen für:

  • Personen mit angeborenen oder erworbenen Immundefekten, insbesondere bei fehlender oder funktionsloser Milz
  • Laborpersonal mit Kontakt zu Meningokokken
  • Enge Kontaktpersonen eines Erkrankten (z. B. Haushaltsangehörige), zusätzlich zur postexpositionellen Chemoprophylaxe
  • Reisende in Länder mit hoher Krankheitslast oder verpflichtender Impfvorgabe (z. B. bei Pilgerreisen nach Mekka)
  • Schüler und Studierende vor Langzeitaufenthalten in Ländern mit allgemeiner Meningokokken-Impfpflicht
  • Personen im Umfeld von regionalen Ausbrüchen (nach behördlicher Einschätzung)

Die MenB-Impfung wird ebenfalls für bestimmte Risikogruppen empfohlen, z. B. für:

  • Haushaltskontaktpersonen von Erkrankten
  • Menschen mit angeborenen oder erworbenen Immundefekten, insbesondere ohne Milz
  • Laborpersonal mit Exposition gegenüber MenB

Chemoprophylaxe nach Meningokokken-Kontakt

Was können ungeimpfte Menschen tun, die mit gutem Grund glauben, sich mit Meningokokken infiziert zu haben? Das ist beispielsweise der Fall, wenn man Kontakt zu infektiösem Speichel hatte. In diesem Fall kann eine medikamentöse Chemoprophylaxe, die sogenannte postexpositionelle Prophylaxe, das Erkrankungsrisiko deutlich senken.

Die postexpositionelle Prophylaxe muss spätestens 10 Tage nach dem letzten Kontakt zu einem Erkrankten beginnen. Zu einem späteren Zeitpunkt ist die postexpositionelle Prophylaxe sinnlos. Bei Kontaktpersonen im gleichen Haushalt sowie enger Nähe in Gemeinschaften mit haushaltsähnlichem Charakter sollte - sofern es sich um eine Untergruppe handelt, gegen die Impfstoffe zur Verfügung stehen - zusätzlich zur Chemoprophylaxe eine Meningokokken-Impfung erfolgen.

Für Kinder ist Rifampicin das Mittel der Wahl. Für Erwachsene ist außerdem Ciprofloxacin für die Chemoprophylaxe zugelassen. Weiterhin ist eine Prophylaxe mit Ceftriaxon bei Kindern unter 12 Jahren und bei Kontaktpersonen über 12 Jahren möglich. Bei Schwangeren ist Ceftriaxon das Mittel der Wahl.

Bei im Krankenhaus liegenden Patienten mit einer Meningokokken-Infektion, die eine Therapie mit Penicillin G erhalten haben, wird ebenfalls eine Chemoprophylaxe vor der Entlassung aus der Klinik empfohlen. Das ist sinnvoll, weil Penicillin G nicht die Meningokokken erfasst, die im Nasen-Rachen-Raum siedeln.

Reiseimpfungen

Eine Reiseimpfung sollte mit einem Vierfach-Meningokokken-Impfstoff erfolgen. Das gilt insbesondere für Reisen in Länder, in denen Meningokokken-Erkrankungen gehäuft auftreten. Dazu gehören vor allem Länder im afrikanischen Meningitisgürtel, der sich von der Sahelzone bis Tansania und zur ostafrikanischen Seenplatte erstreckt. Von Dezember bis Juni (Trockenzeit) kommt es dort regelmäßig zu großen Meningokokken-Epidemien.

Weiterhin wird eine Vierfachimpfung für Länder Nordafrika, den Nahen Osten und Asien (Nepal, Delhi) empfohlen, wenn enge Kontakte mit der einheimischen (möglicherweise keimtragenden) Bevölkerung zu erwarten sind.

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