Parkinson und Multiple Sklerose: Risikofaktoren und Zusammenhänge

Die neurologische Forschung hat in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte erzielt, die unser Verständnis von komplexen Erkrankungen wie Morbus Parkinson und Multipler Sklerose (MS) erweitert haben. Beide Krankheiten stellen erhebliche Herausforderungen für die Betroffenen und das Gesundheitssystem dar. Dieser Artikel beleuchtet die Risikofaktoren, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten beider Erkrankungen und gibt einen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung.

Einführung in Morbus Parkinson

Morbus Parkinson, oft auch als Schüttellähmung bekannt, ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die vor allem das motorische System betrifft. Die Erkrankung manifestiert sich typischerweise durch Symptome wie Zittern, verlangsamte Bewegungen, Muskelsteifheit und Gleichgewichtsstörungen.

Symptome von Morbus Parkinson

Die Parkinson-Erkrankung entwickelt sich langsam und schleichend, wobei die Symptome zu Beginn meist nur auf einer Körperseite auftreten. Zu den Hauptsymptomen gehören:

  • Muskelstarre (Rigor): Anspannung der Muskeln auch im Ruhezustand, oft verbunden mit einem Gefühl des Widerstands bei Bewegungen.
  • Bradykinese: Verlangsamung der Bewegungen, Schwierigkeiten beim Starten von Bewegungen, reduzierte Mimik und Gestik.
  • Parkinson-Tremor: Zittern, das in Ruhe auftritt, meist beginnend in den Armen und Händen.
  • Instabile Körperhaltung: Schwierigkeiten, sich stabil aufrecht zu halten, erhöhte Sturzneigung.

Neben den motorischen Symptomen treten auch nicht-motorische Symptome auf, die in vier Gruppen zusammengefasst werden können:

  • Neuropsychiatrische Störungen: Antriebsarmut, Depressionen, Störungen der Impulskontrolle.
  • Schlafstörungen: Häufiges Erwachen, erhöhte Müdigkeit während des Tages.
  • Autonome Funktionsstörungen: Schwankender Blutdruck, Blasen- und Darmfunktionsstörungen.
  • Sinnesstörungen: Verminderte Fähigkeit zu riechen und Farben wahrzunehmen, Schmerzen.

Ursachen und Risikofaktoren von Morbus Parkinson

Auslöser einer Parkinson-Erkrankung ist eine Schädigung von Nervenzellen im Gehirn, die den Botenstoff Dopamin ausschütten. Dadurch kommt es zu einem Dopamin-Mangel. Bei den meisten Parkinson-Erkrankten ist die Ursache für die Zellschädigung im Gehirn unbekannt. Zu den Risikofaktoren gehören:

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  • Lebensalter: Das Risiko steigt mit dem Alter.
  • Genetische Vorbelastung: Bei bis zu 30 Prozent der Parkinsonkranken spielt eine genetische Rolle.

Diagnose von Morbus Parkinson

Um die Diagnose Parkinson zu stellen, betrachtet derdie Ärztin im Wesentlichen die klassischen erkennbaren Symptome. Verschiedene Untersuchungen können bereits in der frühen Phase der Erkrankung dazu beitragen, die Diagnose zu sichern. Dazu zählt insbesondere das bildgebende Verfahren DAT-Scan. Damit lassen sich Störungen im Dopamin-Stoffwechsel zeigen. Weiterführende Untersuchungen sind:

  • Geruchstest
  • ergänzende neuropsychologische Untersuchungen wie Hirnleistungstests
  • Schlafdiagnostik
  • elektrophysiologische Messungen der Nervenfunktion
  • Laboruntersuchungen
  • zusätzliche bildgebende Verfahren
  • L-Dopa-Test: Dabei erhält der Patient oder die Patientin versuchsweise das Medikament L-Dopa, das den Botenstoff Dopamin ersetzt.

Therapie von Morbus Parkinson

Bislang ist die Parkinson-Krankheit nicht grundsätzlich heilbar. Verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, können aber den Krankheitsverlauf beeinflussen. Bei der Therapie unterscheidet man zwischen den motorischen Symptomen, also der Anzeichen, welche die Bewegung betreffen und den nicht-motorischen Symptomen.

  • Medikamentöse Behandlung: Ausgleich des Dopaminmangels im Gehirn durch Levodopa, COMT-Hemmer, MAO-Hemmer, NMDA-Antagonisten und Dopamin-Agonisten.
  • Tiefe Hirnstimulation: Ein operatives Therapieverfahren, bei dem ausgewählte Hirnregionen über Elektroden angeregt werden.
  • Weitere Behandlungselemente: Krankengymnastik, Ergotherapie, Schmerztherapie.

Einführung in Multiple Sklerose

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der das körpereigene Immunsystem Teile von Gehirn und Rückenmark angreift. Die autoimmunen Prozesse bei einer Multiplen Sklerose bewirken, dass unter anderem Nervenfasern und Nervenzellen geschädigt werden und so Informationen fehlerhaft oder gar nicht weitergeleitet werden. Dadurch können vielfältige neurologische Funktionen gestört sein, wie z. B. das Sehen oder Bewegungsabläufe.

Formen der Multiplen Sklerose

Man unterscheidet drei Formen der Multiplen Sklerose:

  • Schubförmig remittierende Multiple Sklerose (RRMS): Die Krankheit verschlechtert sich in Schüben, gefolgt von teilweiser oder vollständiger Symptomrückbildung.
  • Sekundär fortschreitende (progrediente) Multiple Sklerose (SPMS): Eine schubförmig remittierende Multiple Sklerose kann sich zu einer fortschreitenden Krankheitsform entwickeln.
  • Primär fortschreitende (progrediente) Multiple Sklerose (PPMS): Die Krankheit verläuft von Beginn an langsam schleichend.

Symptome der Multiplen Sklerose

Die MS kann zu einer großen Vielfalt an Symptomen führen. Zu den typischen MS-Symptomen gehören:

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  • Kraftlosigkeit einzelner oder mehrerer Extremitäten
  • Gefühlsstörungen (z.B. Taubheitsgefühl, Kribbeln)
  • Sehstörungen (z.B. schmerzhafte Einschränkung der Sehkraft auf einem Auge, Doppelbilder)
  • erhöhte Muskelanspannung (Spastik)
  • Gangstörung mit Einschränkung der Gehstrecke
  • verringerte geistige Leistungsfähigkeit z.B. durch Konzentrations-, Aufmerksamkeits- oder Gedächtnisstörungen
  • vermehrte Ermüdbarkeit (Fatigue), sowohl bei körperlicher als auch bei geistiger Betätigung
  • gestörte Entleerung von Harnblase und/oder Darm
  • sexuelle Störungen

Häufiger als in der allgemeinen Bevölkerung treten bei der MS auch Depression, Kopfschmerzen, Schlafstörungen und eine Epilepsie auf.

Risikofaktoren für die Entstehung der Multiplen Sklerose

Die Ursachen für die Multiple Sklerose sind nicht vollständig geklärt. Nach aktuellem Wissensstand handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der Gene und Umweltfaktoren zusammenwirken. Man vermutet, dass folgende Risikofaktoren zur Entwicklung einer Multiplen Sklerose beitragen können:

  • genetische Veranlagung: Es gibt nicht das „eine“ MS-Gen, sondern eine Vielzahl von Genen, die alleine und in Kombination das Risiko, an MS zu erkranken, erhöhen.
  • Viren wie z.B. das Epstein-Barr-Virus (EBV).
  • Rauchen
  • Übergewicht in der Kindheit
  • die individuelle Darmflora

Als mögliche Schutzfaktoren werden Sonneneinstrahlung und Vitamin D diskutiert.

Diagnose der Multiplen Sklerose

Praktisch alle Symptome und Befunde einer Multiplen Sklerose können auch bei anderen Erkrankungen auftreten. Es gibt keinen Test, der die MS-Krankheit eindeutig beweist. Bevor Ärzt*innen eine Multiple Sklerose diagnostizieren können, müssen nicht nur die typischen Befunde erhoben sondern auch anderen Ursachen für die vorliegenden Symptome und Beschwerden ausgeschlossen werden. Für die Diagnose Multiple Sklerose sind immer auch weitere Untersuchungen nötig:

  • Magnetresonanztomographie von Gehirn und Rückenmark
  • Untersuchung des Nervenwassers (Liquor)
  • Blutuntersuchungen
  • neurophysiologische Messungen der Nervenfunktion

Therapie der Multiplen Sklerose

Die Multiple Sklerose ist derzeit nicht heilbar. Es gibt aber Therapien, die die Schübe verhindern, die Zunahme der Behinderung reduzieren und MS-Symptome lindern können. Häufig gelingt es, die Krankheitsaktivität für Jahre zu stoppen.

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Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Obwohl Parkinson und MS unterschiedliche Krankheitsbilder darstellen, gibt es einige Gemeinsamkeiten und Unterschiede, die es wert sind, hervorgehoben zu werden. Beide Erkrankungen sind chronisch und können die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Beide erfordern eine multidisziplinäre Betreuung, die neurologische, physiotherapeutische und psychologische Aspekte umfasst.

Ein wesentlicher Unterschied liegt in den spezifischen Symptomen: Parkinson ist primär durch motorische Störungen gekennzeichnet, während MS ein breiteres Spektrum an neurologischen Symptomen aufweisen kann. Die Ursachen sind ebenfalls unterschiedlich, wobei Parkinson auf einen Dopaminmangel zurückzuführen ist und MS auf eine Autoimmunreaktion gegen das zentrale Nervensystem.

COVID-19 und Parkinson

Eine Studie der Ruhr-Universität Bochum hat gezeigt, dass Patienten mit Morbus Parkinson bei einer Infektion mit SARS-CoV-2 häufiger schwer an COVID-19 erkranken und ein erhöhtes Sterberisiko haben. Dies wird auf die erhöhte Gebrechlichkeit und die häufigen Risikofaktoren der Patienten für einen schweren Verlauf von COVID-19 zurückgeführt. Zu diesen Risikofaktoren gehören Hypertonie, chronische Nierenerkrankungen und ein höheres Alter.

Aktuelle Forschung und Ausblick

Die Forschung zu Parkinson und MS ist weiterhin aktiv und konzentriert sich auf die Entwicklung neuer Therapien, die das Fortschreiten der Krankheiten verlangsamen oder stoppen können. Ein vielversprechender Ansatz ist die Entwicklung von Medikamenten, die die zugrunde liegenden Ursachen der Krankheiten angehen, wie z.B. die Autoimmunreaktion bei MS oder den Dopaminmangel bei Parkinson. Auch die Bedeutung von Lebensstilfaktoren wie Ernährung und Bewegung wird zunehmend erkannt und untersucht.

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