Hirnmetastasen-Behandlung: Aktuelle Ansätze und Perspektiven

Hirnmetastasen, auch bekannt als zerebrale Metastasen, sind Absiedlungen von Krebszellen in das Gehirn, die von einem Primärtumor in einem anderen Organ ausgehen. Sie sind die häufigsten Neubildungen im zentralen Nervensystem und treten bei 20 bis 30 % aller Krebspatienten mit systemischer Metastasierung auf. Die Behandlung von Hirnmetastasen ist komplex und hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie dem Ursprungstumor, dem Krankheitsstadium und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten.

Was sind Hirnmetastasen?

Hirnmetastasen sind Tochtergeschwülste eines bereits bestehenden Krebstumors im Körper, dem sogenannten Primärtumor. Im Gegensatz zu primären Hirntumoren, die aus dem Hirngewebe selbst entstehen, stammen Hirnmetastasen von Krebszellen, die sich von einem Tumor außerhalb des Gehirns gelöst haben und über die Blutbahn oder Lymphbahnen ins Gehirn gelangt sind.

Wer ist betroffen?

Das Risiko für Hirnmetastasen ist bei Patienten mit bestimmten Krebsarten höher. Rein statistisch ist das Risiko am größten für Patienten mit:

  • Lungenkrebs (Bronchialkarzinom)
  • Brustkrebs (Mammakarzinom)
  • Nierenzellkarzinom (Nierenkrebs)
  • Schwarzem Hautkrebs (malignes Melanom)

Grundsätzlich kann aber fast jeder Tumor ins Gehirn streuen. Da Lungenkrebs sehr häufig vorkommt, ist er für etwa die Hälfte aller diagnostizierten Hirnmetastasen verantwortlich.

Wie entstehen Hirnmetastasen?

Von dem Primärtumor im Körper lösen sich einzelne Zellen oder Zellgruppen ab und gelangen über die Blutgefäße oder Lymphbahnen in eine andere Körperregion. Im ungünstigsten Fall setzen sie sich auch im Gehirn fest und wachsen dort - es entstehen Hirnmetastasen. Knochenkrebs und Tumoren im Hals-Nasen-Ohren-Bereich breiten sich meist schnell und direkt (ohne den Umweg über die Blut- und Lymphbahnen) in das Gehirn aus.

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Symptome von Hirnmetastasen

Die Symptome von Hirnmetastasen sind vielfältig und hängen von der Anzahl, Größe und Lokalisation der Metastasen im Gehirn ab. Nicht alle Betroffenen bemerken überhaupt erste Warnzeichen, manchmal werden Metastasen im Gehirn bei Nachsorgeuntersuchungen gefunden. Mögliche Symptome sind:

  • Anhaltende Kopfschmerzen
  • Lähmungen
  • Sprachstörungen
  • Persönlichkeitsveränderungen
  • Veränderungen beim Sehen, Riechen, Hören oder beim Tasten
  • Krampfanfälle ähnlich wie bei einer Epilepsie
  • Müdigkeit bis hin zu Bewusstseinsstörungen
  • Übelkeit, Erbrechen

In manchen Fällen kann die Metastase ein Blutgefäß abdrücken oder eine Blutung im Gehirn verursachen. Die Symptome ähneln dann denen eines Schlaganfalls oder einer Hirnblutung aus anderer Ursache.

Diagnose von Hirnmetastasen

Bei Verdacht auf Hirnmetastasen stehen verschiedene Diagnoseverfahren zur Verfügung:

  • Neurologische Untersuchung: Der Arzt prüft die neurologischen Funktionen, wie Reflexe, Bewegungen und Denkvermögen.
  • Bildgebung: Mithilfe der Computertomografie (CT) und der Magnetresonanztomografie (MRT) lassen sich Tumoren im Gehirn meist gut ausfindig machen.
  • Biopsie: Für die genauere Beurteilung des Tumors entnimmt der Arzt mitunter Gewebeproben (Biopsie). Im Mikroskop lassen sich Veränderungen der Zellen genau betrachten und so der Schweregrad des Tumors bereits eingrenzen.
  • Liquoruntersuchung: Zusätzliche Blut- und Hirnwasseruntersuchungen geben Aufschluss über bestimmte Substanzen, die Tumorzellen absondern (Tumormarker).
  • Molekularpathologische Untersuchungen: Über diese lassen sich detaillierte Aussagen darüber treffen lassen, was genau im Inneren der Zellen gestört ist.

Behandlung von Hirnmetastasen

Die Behandlung von Hirnmetastasen zielt darauf ab, die Symptome zu lindern, das Wachstum der Metastasen zu kontrollieren und die Lebensqualität des Patienten zu verbessern. Die Therapieoptionen umfassen:

Medikamentöse Therapie

  • Kortikosteroide: Wichtige Medikamente gegen Hirnödeme sind Kortikosteroide ("Kortison", meist Dexamethason). Normalerweise kann man sie als Tablette einnehmen, unter Umständen auch als Injektion oder Infusion.
  • Schmerzmedikamente: Je nach Beschwerden können Schmerzmedikamente eingesetzt werden.
  • Antiepileptika: Medikamente gegen Krampfanfälle können bei Bedarf eingesetzt werden.
  • Antidepressiva: Mittel zur Beruhigung, gegen Depressionen oder andere Folgen der Hirnmetasten auf die Psyche und das Verhalten
  • Antihormontherapie: Manche Tumorarten wachsen unter dem Einfluss von Hormonen, vor allem Prostatakrebs und Brustkrebs. Daher gehört die Hormonentzugstherapie oder auch Antihormontherapie bei diesen Krebsarten zu den wichtigen Behandlungsverfahren.
  • Chemotherapie: Eine Behandlung mit sogenannten Zytostatika kann bei manchen Betroffenen zu einem Stopp oder einer Verzögerung des Tumorwachstums führen. Allerdings sprechen nicht alle Krebsarten gleich gut auf eine Chemotherapie an. Da das Gehirn sehr gut vor äußeren Einflüssen geschützt ist, gelangen nur einige Chemotherapie-Medikamente in ausreichender Dosierung bis zu den Metastasen.
  • Zielgerichtete Medikamente und Immuntherapie: Diese modernen Arzneimittel spielen eine wachsende Rolle in der Krebsmedizin. Sie greifen Tumorzellen sozusagen an ihren Schwachpunkten an, in denen sie sich von gesunden Zellen unterscheiden. Einige dieser Substanzen blockieren Stoffwechselwege, die für das Krebswachstum wichtig sind. Andere heben die Immunblockade auf, die manche Tumoren vor den körpereigenen Abwehrkräften schützt.

Operation

Eine (neuro-)chirurgische Entfernung der Metastasen kommt nicht für alle Betroffenen infrage: Würde zu viel Gehirn geschädigt, wäre die Lebensqualität so beeinträchtigt, dass der Nutzen in keinem Verhältnis zum Schaden stünde. Auch Patientinnen und Patientinnen, deren Krebserkrankung insgesamt sehr fortgeschritten ist, profitieren eher selten von einer Operation. Eine Ausnahme davon: wenn die Operation der Gehirnmetastasen zwar die Krankheit nicht aufhält, aber belastende Symptome und Beschwerden deutlich gelindert werden können. Bei zumindest einigen Menschen kann mit einer Operation aber sogar eine lange krankheitsfreie Zeit und vielleicht auch eine Heilung erreicht werden. Doch dafür gibt es wichtige Voraussetzungen. Eine Operation kann möglich sein:

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  • wenn man nur sehr wenige, eher größere Metastasen hat,
  • die sich gut operativ entfernen lassen, und
  • wenn die Krebserkrankung an sich gut unter Kontrolle ist oder es keine weiteren Anzeichen für ein Fortschreiten des Tumorwachstums gibt.

Kleine, aber gut erreichbare Metastasen werden eher punktgenau bestrahlt als operiert. Eine zusätzliche Bestrahlung kann bei manchen Betroffenen den Erfolg der Operation verbessern.

Strahlentherapie

Das Gewebe des Gehirns - auch das gesunde - reagiert sehr empfindlich auf eine Bestrahlung. Eine Strahlentherapie kommt daher nur infrage, wenn der Nutzen die Nebenwirkungen überwiegt. Die Bandbreite reicht von der Linderung von Beschwerden über einen kürzeren oder längeren Krankheitsaufschub bis hin zu einer langen krankheitsfreien Zeit. Einige, wenn auch wenige Betroffene können unter Umständen sogar mit einer Heilung rechnen. Welche Möglichkeiten stehen zur Verfügung?

  • die Ganzhirn-Bestrahlung,
  • die Bestrahlung nur des betroffenen Gehirnbereichs,
  • die sehr gezielte Bestrahlung nur der Metastase(n), auch als "stereotaktische Radiochirurgie" bezeichnet,
  • oder eine Kombination aus allgemeiner und gezielter Gehirnbestrahlung.

Bei der Radiochirurgie nutzen die Ärzte die Strahlung fast wie ein Messer: so gezielt und gleichzeitig hoch dosiert, dass nur wenige Male oder sogar nur einmal behandelt werden muss. Andere Bezeichnungen lauten daher auch "Stereotaktische hypofraktionierte oder Einzeitbestrahlung" oder "Stereotaktische Konvergenzbestrahlung".

Interdisziplinäre Therapiestrategie

Die Behandlung von Hirnmetastasen erfordert eine enge Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen, wie Neurochirurgie, Radioonkologie, Neurologie und Onkologie. Ein interdisziplinäres Team kann die bestmögliche Therapiestrategie für jeden Patienten entwickeln.

Prognose

Die Prognose bei Hirnmetastasen ist von verschiedenen Faktoren abhängig, wie dem Ursprungstumor, der Anzahl und Größe der Metastasen, dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten und der Wirksamkeit der Behandlung. In der Regel ist die Prognose bei multiplen Hirnmetastasen schlechter als bei einer einzelnen Tochtergeschwulst. Insgesamt beträgt die Lebenserwartung bei Patienten mit Hirnmetastasen nur drei bis sechs Monate. Etwa zehn Prozent der Betroffenen überleben die ersten zwölf Monate nach der Diagnose, nur einzelne Patienten leben noch mehrere Jahre mit ihrer Erkrankung.

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Leben mit Hirnmetastasen

Die Diagnose Hirnmetastasen ist psychisch belastend. Betroffene und ihre Angehörigen müssen zudem damit rechnen, dass sich die Krankheitssituation und damit auch der gesundheitliche Zustand rasch ändern können. Es ist wichtig, sich frühzeitig über Unterstützungsmöglichkeiten zu informieren und diese in Anspruch zu nehmen. Dazu gehören:

  • Psychologische Beratung: Eine psychologische Beratung kann helfen, mit der Diagnose und den damit verbundenen Ängsten und Sorgen umzugehen.
  • Selbsthilfegruppen: In Selbsthilfegruppen können sich Betroffene mit anderen austauschen und gegenseitig unterstützen.
  • Sozialrechtliche Beratung: Eine sozialrechtliche Beratung kann helfen, Fragen zu finanziellen und rechtlichen Ansprüchen zu klären.
  • Palliativversorgung: Wenn eine Heilung nicht mehr möglich ist, kann die Palliativversorgung helfen, die Lebensqualität zu verbessern und die Symptome zu lindern.

Aktuelle Forschung

Die Forschung im Bereich der Hirnmetastasen konzentriert sich auf die Entwicklung neuer Therapien, die das Wachstum der Metastasen effektiver kontrollieren und die Lebensqualität der Patienten verbessern können. Dazu gehören:

  • Neue Medikamente: Es werden neue zielgerichtete Medikamente und Immuntherapien entwickelt, die speziell auf die Eigenschaften von Hirnmetastasen zugeschnitten sind.
  • Verbesserte Strahlentherapie: Es werden neue Strahlentherapietechniken entwickelt, die das gesunde Hirngewebe besser schonen und die Wirksamkeit der Behandlung erhöhen.
  • Präventive Strategien: Es werden Strategien entwickelt, um die Entstehung von Hirnmetastasen von vornherein zu verhindern.

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