Migräne, Kopfschmerzen und die Rolle der Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Koffein in Kombination

Kopfschmerzen und Migräne sind weit verbreitete Beschwerden, die den Alltag vieler Menschen erheblich beeinträchtigen können. Glücklicherweise gibt es verschiedene rezeptfreie Medikamente, die zur Linderung dieser Beschwerden eingesetzt werden können. Eine häufig verwendete und gut untersuchte Option ist die Kombination aus Acetylsalicylsäure (ASS), Paracetamol und Koffein. Dieser Artikel beleuchtet die Wirksamkeit, Anwendung und Sicherheit dieser Kombination bei der Behandlung von Kopfschmerzen und Migräne.

Kopfschmerzen und ihre Vielfalt

Es gibt über 200 Arten von Kopfschmerzen, deren Ursachen vielfältig sind. Die schnelle und effektive Schmerzlinderung ist ein wichtiges Thema in der Selbstmedikation, denn mehr als 70 % der Bevölkerung in Deutschland leidet gelegentlich unter Kopfschmerzen, davon 20 bis 30 % an Spannungskopfschmerzen und 10 bis 15 % an Migräne. Frauen sind davon häufiger betroffen als Männer.

Die Wirkstoffe im Überblick

Acetylsalicylsäure (ASS)

ASS ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR). Er blockiert die Bildung bestimmter Botenstoffe im Körper, sogenannte Prostaglandine, indem er das Enzym Cyclooxygenase (COX) hemmt. Diese Prostaglandine sind an der Entstehung von Schmerzen, Fieber und Entzündungen wesentlich beteiligt. ASS wirkt somit schmerzstillend, fiebersenkend und entzündungshemmend zugleich. Bereits seit 1977 steht ASS auf der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Paracetamol

Paracetamol wirkt ebenfalls schmerzstillend und fiebersenkend, weist jedoch geringe entzündungshemmende Eigenschaften auf. Es wird nicht zu den klassischen NSAR gezählt. Auch Paracetamol blockiert die Bildung von Prostaglandinen, allerdings auf eine andere Weise als ASS.

Koffein

Koffein wirkt vorwiegend auf die Großhirnrinde. Durch seine anregende Wirkung hebt es bei Ermüdeten die Müdigkeitserscheinungen vorübergehend auf und steigert die Leistung. Darüber hinaus bewirkt es eine Verengung der Hirngefäße, was sich bei Kopfschmerzen und Migräne günstig auswirkt. Es beschleunigt die Wirkung von ASS.

Lesen Sie auch: Vergleichende Analyse: Migräne vs. Epilepsie

Die Kombination von ASS, Paracetamol und Koffein: Ein Wirkstoff-Trio

Die Kombination aus Acetylsalicylsäure (ASS), Paracetamol und Coffein wird vor allem zur Linderung von akuter Migräne eingesetzt. Diese Kombination gehört zu den in der S1-Leitlinie „Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne“ empfohlenen Mitteln mit der besten Evidenz. Die Vorteile der Wirkstoffe Paracetamol mit Koffein in Kombination sind schmerzstillend, schnellwirkend und gut verträglich.

Wirkweise der Kombination

Da ASS und Paracetamol auf verschiedene Weise schmerzlindernd wirken, verstärkt sich in Kombination ihre Wirkung. Zusammen sind sie wirksamer im Vergleich zur Einzelsubstanz. Werden Analgetika zusätzlich mit dem Stimulanz Coffein kombiniert, kann der schmerzlindernde Effekt weiter verstärkt werden. So kann Coffein die schmerzstillende Wirkung von NSAR um ca. 40 % verstärken und beschleunigen. Die schmerzlindernde Wirkung von ASS und Paracetamol in Kombination könne durch das Koanalgetikum nochmals um 30 bis 70 % gesteigert werden. Die Kombination aus den Wirkstoffen Acetylsalicylsäure (ASS), Paracetamol und Coffein wird vor allem zur Linderung von akuter Migräne eingesetzt.

Studienlage zur Wirksamkeit

Studien zu Patienten mit Spannungskopfschmerz, Migräne und Kopfschmerztypen unterschiedlicher Genese zeigten, dass eine Kombination aus ASS, Paracetamol und Coffein Monopräparaten bzw. Teilkombinationen überlegen ist. Daher empfehlen Gesellschaften wie die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft und die Deutsche Gesellschaft für Neurologie diese Dreierkombination als Mittel der ersten Wahl bei Migräne und Spannungskopfschmerz in der Selbstmedikation. Auch in der S1-Leitlinie „Kopfschmerz, episodische und chronische vom Spannungstyp und andere chronische tägliche Kopfschmerzen“ wird die fixe Wirkstoffkombination 250 mg Acetylsalicylsäure, 250 mg Paracetamol und 65 mg Koffein empfohlen. Durch den Zusatz von Coffein, so das Ergebnis verschiedener Studien, kann der Bedarf an analgetischem Wirkstoff um ca. 40 % reduziert werden. Dadurch muss der Körper mit weniger schmerzstillendem Wirkstoff belastet werden. Im Vergleich zu den Einzelwirkstoffen zeigt die Dreierkombination eine bessere Verträglichkeit als die Einzelwirkstoffe. Auch im Vergleich zum Migränetherapeutikum Sumatriptan schneidet die Dreierkombination vorteilhaft ab: So ist die Wirksamkeit vergleichbar bei deutlich weniger Nebenwirkungen.

Eine Meta-Analyse von Kopfschmerzexperten ergab, dass die Wirkstoffkombination aus Aspirin, Paracetamol und Koffein effektiver als ein Placebo zur Linderung akuter Migräne wirkt. Die Schmerzfreiheit 2 Stunden nach der Behandlung erreichten mehr Patienten mit Wirkstoffkombination (19,6 %) als mit dem Placebo (9,0 %). Eine Schmerzlinderung nach 2 Stunden berichteten ebenfalls mehr Patienten mit APC (54,3 %) als mit dem Placebo (31,2 %).

Thomapyrin® INTENSIV

Das Arzneimittel Thomapyrin® INTENSIV enthält die Wirkstoffe Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Coffein. Es ist für Erwachsene und Jugendliche zur Behandlung von akuten Kopfschmerzen (z. B. Spannungskopfschmerzen) und Migräneanfällen (mit und ohne Aura) indiziert. Es wirkt nach 15 Minuten dank medizinischem Coffein.

Lesen Sie auch: Neurologische Expertise bei Migräne

Anwendung und Dosierung

Zur Akuttherapie bei Migräne kann die fixe Kombination aus ASS (250 oder 265 mg) + Paracetamol (200 oder 265 mg) + Coffein (50 oder 65 mg) eingesetzt werden. Jugendliche ab zwölf Jahren und Erwachsene nehmen als Einzeldosis ein bis zwei Tabletten. Täglich dürfen bis zu sechs Tabletten angewendet werden, wobei die jeweiligen maximalen Tagesdosen (1500 mg ASS, 1200 mg Paracetamol und 300 mg Coffein) nicht überschritten werden dürfen. Das Dosierungsintervall sollte vier Stunden nicht unterschreiten.

Art der Anwendung

Nehmen Sie das Arzneimittel unzerkaut mit Flüssigkeit (z. B. 1 Glas Wasser) ein. Oder: Trinken Sie das Arzneimittel nach Auflösen bzw. nach Zerfallenlassen in Wasser (z. B. ein Glas).

Dauer der Anwendung

Ohne ärztlichen Rat sollten Sie das Arzneimittel nicht länger als 3-4 Tage anwenden. Bei länger anhaltenden oder regelmäßig wiederkehrenden Beschwerden sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen.

Wichtige Hinweise zur Einnahme

  • Kopfschmerztabletten mit Koffein sollten genau nach Packungsbeilage eingenommen werden.
  • Zwischen der Einnahme der Tabletten sollte ein Abstand von 6 - 8 Stunden liegen.
  • Achten Sie darauf, die Tageshöchstdosis nicht zu überschreiten.
  • Kopfschmerztabletten mit Koffein werden unzerkaut mit ausreichend Wasser eingenommen.
  • Es wird empfohlen, die Kopfschmerztabletten mit Koffein nicht auf nüchternen Magen einzunehmen.
  • Kopfschmerztabletten mit Koffein sollten nicht dauerhaft eingenommen werden, denn bei längerer Einnahme können weitere Kopfschmerzen und Nierenschädigung entstehen.

Gegenanzeigen und Vorsichtsmaßnahmen

Wann sollte man die Kombination nicht einnehmen?

Die Kombination ist nicht für Kindern und Jugendlichen unter zwölf Jahren geeignet. Bei Jugendlichen mit fieberhaften oder viralen Infekten wie Windpocken oder grippeähnlichen Erkrankungen ist die Einnahme kontraindiziert, um das gefährliche Reye-Syndrom zu vermeiden.

Immer:

Lesen Sie auch: Migräne als Risikofaktor für Demenz?

  • Überempfindlichkeit gegen die Inhaltsstoffe
  • Geschwür im Magen-Darm-Trakt
  • Erhöhte Blutungsneigung
  • Jugendliche ab 12 Jahren mit Windpocken oder grippeähnlichen Erkrankungen
  • Versagen der Leber
  • Nierenversagen
  • Schwere Herzschwäche

Unter Umständen - sprechen Sie hierzu mit Ihrem Arzt oder Apotheker:

  • Glucose-6-phosphat-dehydrogenase-Mangel (spezielle vererbte Stoffwechselstörung)
  • Magen- oder Zwölffingerdarmbeschwerden, die chronisch und wiederkehrend sind
  • Geschwür im Magen-Darm-Trakt, in der Vorgeschichte
  • Blutungen im Magen-Darm-Bereich
  • Magen- oder Darmdurchbruch, auch in der Vorgeschichte
  • Eingeschränkte Nierenfunktion
  • Eingeschränkte Leberfunktion
  • Gilbert-Syndrom (Meulengracht-Krankheit)
  • Schilddrüsenüberfunktion
  • Bevorstehende Operation
  • Glutathion-Mangel
  • Angstzustände
  • Herzrhythmusstörungen
  • Sehr starke Vermehrung von Mastzellen im Körper (systemische Mastozytose)
  • Mangelernährung
  • Alkoholmissbrauch
  • Neigung zu Gichtanfällen

Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangere in den letzten drei Monaten dürfen das Kombinationspräparat nicht nehmen. Im ersten und zweiten Schwangerschaftsdrittel sollte es nur nach Rücksprache mit dem Arzt und nur in der geringsten wirksamen Dosis und für die kürzeste mögliche Zeit eingenommen werden. Es gibt nach Herstellerangaben Hinweise auf ein erhöhtes Risiko von Fehlgeburten und Missbildungen.

Die Wirkstoffe gehen in die Muttermilch über. Wird das Präparat nur kurzfristig genommen, ist eine Unterbrechung des Stillens in der Regel nicht erforderlich. Bei längerer Anwendung bzw. Einnahme höherer Dosen sollte abgestillt werden.

Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln

Es kann Arzneimittel geben, mit denen Wechselwirkungen auftreten. Sie sollten deswegen generell vor der Behandlung mit einem neuen Arzneimittel jedes andere, das Sie bereits anwenden, dem Arzt oder Apotheker angeben. Das gilt auch für Arzneimittel, die Sie selbst kaufen, nur gelegentlich anwenden oder deren Anwendung schon einige Zeit zurückliegt.

Mögliche Nebenwirkungen

  • Magen-Darm-Beschwerden, wie:
    • Übelkeit
    • Erbrechen
    • Durchfälle
    • Sodbrennen
    • Bauchschmerzen
    • Magenschleimhautentzündung
  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Nervosität
  • Verwirrtheit
  • Schlaflosigkeit
  • Schläfrigkeit
  • Zittern
  • Hörstörungen
  • Tinnitus (Ohrgeräusche)
  • Sehstörungen
  • Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut
  • Pulsbeschleunigung
  • Herzklopfen
  • Blutgerinnungsstörung
  • Blutungen, wie:
    • Nasenbluten
    • Zahnfleischbluten
    • Hautblutungen aufgrund gestörter Blutgerinnung

Bemerken Sie eine Befindlichkeitsstörung oder Veränderung während der Behandlung, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.

Warnhinweise

  • Vorsicht: Vermeiden Sie die Einnahme von Alkohol.
  • Bei Schmerzen oder Fieber ohne ärztlichen Rat nicht länger anwenden als in der Packungsbeilage vorgegeben!
  • Bei dauerhafter Anwendung von Schmerzmitteln können Kopfschmerzen auftreten, die durch das Schmerzmittel erzeugt werden. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, um zu verhindern, dass Ihre Kopfschmerzen chronisch werden.
  • Die gewohnheitsmäßige Anwendung von Schmerzmitteln kann zu einer dauerhaften Nierenschädigung führen. Werden mehrere Schmerzmittel kombiniert, oder sind in einem Schmerzmittel mehrere Wirkstoffe enthalten, erhöht sich das Risiko dafür.
  • Bei Kindern und Jugendlichen mit fieberhaften Erkrankungen darf das Arzneimittel nur auf ärztliche Anweisung gegeben werden. Es kann zu einem so genannten Reye-Syndrom kommen, eine seltene, aber lebensbedrohliche Erkrankung, bei der es zu lang anhaltendem Erbrechen kommt.
  • Vorsicht: Patienten mit Nasenpolypen, chronischen Atemwegsinfektionen, Asthma oder mit Neigung zu allergischen Reaktionen wie z.B. Heuschnupfen: Bei Ihnen kann das Arzneimittel einen Asthmaanfall oder eine starke allergische Hautreaktion auslösen. Fragen Sie daher vor der Anwendung Ihren Arzt.
  • Achtung: Bei regelmäßigem bzw. hohem Alkoholgenuss kann es durch eine evtl. schon bestehende Leberschädigung zu lebensbedrohlichen Zuständen kommen, wenn das Arzneimittel noch zusätzlich angewendet wird.
  • Vorsicht bei Allergie gegen bestimmte Schmerzmittel (Nichtsteroidale Antirheumatika)!
  • Vorsicht bei Allergie gegen Schmerzmittel!
  • Vorsicht bei einer Unverträglichkeit gegenüber Lactose. Wenn Sie eine Diabetes-Diät einhalten müssen, sollten Sie den Zuckergehalt berücksichtigen.

Überdosierung

Es kann zu einer Vielzahl von Überdosierungserscheinungen kommen, unter anderem zu Erbrechen, Hör-/ Sehstörungen und Verwirrtheitszuständen. Am 2. Tag kann es zu einer fortschreitenden Leberschädigung und am 3. Tag zum Leberkoma kommen. Setzen Sie sich bei dem Verdacht auf eine Überdosierung umgehend mit einem Arzt in Verbindung.

Generell gilt: Achten Sie vor allem bei Säuglingen, Kleinkindern und älteren Menschen auf eine gewissenhafte Dosierung. Im Zweifelsfalle fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker nach etwaigen Auswirkungen oder Vorsichtsmaßnahmen.

Alternativen zur Kombination ASS, Paracetamol und Koffein

Neben der Kombination aus ASS, Paracetamol und Koffein gibt es auch andere Schmerzmittel, die bei Kopfschmerzen und Migräne eingesetzt werden können. Dazu gehören:

  • Ibuprofen: Ein weiteres NSAR, das schmerzlindernd, fiebersenkend und entzündungshemmend wirkt.
  • Triptane: Spezifische Migränemittel, die die Blutgefäße im Gehirn verengen und so die Migränekopfschmerzen lindern. Diese sind jedoch verschreibungspflichtig.
  • Andere Kombinationspräparate: Es gibt auch Kombinationspräparate mit anderen Wirkstoffen, wie z.B. Ibuprofen und Koffein.

tags: #migrane #acetylsalicylsaure #paracetamol #und #coffein