Migräne, verdickte Adern und Augenprobleme: Ursachen und Zusammenhänge

Migräne, verdickte Adern und Augenprobleme können auf verschiedene Ursachen zurückzuführen sein, die oft miteinander in Verbindung stehen. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen und Zusammenhänge dieser Symptome und bietet einen umfassenden Überblick für Betroffene und Interessierte.

Neurofibromatose Typ 1 (NF1) als mögliche Ursache

Eine seltene genetische Erkrankung, die mit Migräne, verdickten Adern und Augenproblemen in Verbindung stehen kann, ist die Neurofibromatose Typ 1 (NF1). Diese Erkrankung wird üblicherweise im frühen Kindesalter diagnostiziert und tritt bei etwa einem von 3.000 Menschen auf. NF1 wurde erstmals 1882 von dem Pathologen Friedrich Daniel von Recklinghausen beschrieben und wird deshalb auch als von-Recklinghausen-Krankheit oder Morbus Recklinghausen bezeichnet.

Was versteht man unter Neurofibromatose Typ 1?

NF1 kann sich durch verschiedene Symptome äußern, darunter:

  • Café-au-lait-Flecken: Dies sind typische Symptome bei älteren Kindern und Erwachsenen, die bei der NF1-Diagnostik wegweisend sind.
  • Freckling: Auch dieses Symptom ist bei älteren Kindern und Erwachsenen bei der NF1-Diagnostik wegweisend.
  • Lisch-Knötchen: Diese sind ebenfalls bei älteren Kindern und Erwachsenen bei der NF1-Diagnostik wegweisend.
  • Plexiforme Neurofibrome (PN): Dies sind gutartige, oft netzartig-wachsende Tumoren, die überall im Körper entlang der peripheren Nerven entstehen können. Sie können an peripheren Nerven wachsen und, je nachdem, wo sie wachsen, unterschiedliche Körperteile betreffen. Bei Kindern mit NF1 sind sie nicht immer leicht zu erkennen, da sie manchmal tief im Körper lokalisiert sind und man sie weder sehen noch fühlen kann.
  • Kutane Neurofibrome: Dies sind gutartige Geschwülste der Nervenscheiden peripherer Nerven.
  • Atemprobleme: Bei NF Typ 1 können Atemprobleme auftreten, wenn plexiforme Neurofibrome innerhalb des Brustkorbes oder um die Luftröhre wachsen und dadurch die Lungenbeweglichkeit und Funktion beeinträchtigt wird.
  • Plexiformes Neurofibrom: Ein plexiformes Neurofibrom kann sich bei NF1 an jedem Nerv entwickeln. Im Mittelfellraum zwischen den Lungenflügeln verlaufen zahlreiche Nerven.

Vererbung und Testmöglichkeiten

Wenn ein Elternteil auf Grund eines veränderten NF1-Gens an Neurofibromatose Typ 1 erkrankt ist oder ohne erkennbare Erkrankung Träger dieses mutierten Gens ist, dann wird dieses veränderte NF1-Gen (Neurofibromin 1 Gen) mit einer Wahrscheinlichkeit von ca. 50% an das Kind vererbt. Die Erkrankung kann sich jedoch auch aufgrund einer Spontanmutation des NF1-Gens entwickeln.

Behandlung und Unterstützung

Derzeit können NF1-Patient:innen mit inoperablen plexiformen Neurofibromen, die Symptome hervorrufen, nicht geheilt werden, jedoch gibt es Behandlungsmöglichkeiten. Eine operative Entfernung von plexiformen Neurofibromen ist nicht erforderlich, wenn die Größe des PNs sich nicht ändert oder nur sehr langsam wächst sowie keine Symptome hervorruft. Ein plexiformes Neurofibrom (PN) zu entfernen kann unter Umständen erschwert sein, da PN invasiv wachsen und in benachbartes Gewebe eindringen können.

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Physiotherapeutische Ansätze sind integraler Bestandteil der Behandlungskonzepte bei Neurofibromatose Typ 1. Die Physiotherapie wird auf die individuellen Beschwerden abgestimmt wie auftretende Schmerzen, eine Minderung der Kraft in Armen und Beinen oder Bewegungseinschränkungen.

Betroffene fühlen sich durch NF1 unter Umständen sozial isoliert. NF1 Patient:innen können beispielsweise soziale Kontakte schwerfallen, da sie wegen ihrer sichtbaren Krankheitszeichen unsicher sind oder durch die Schmerzen im Kontakt mit anderen eingeschränkt werden. Es gibt jedoch Unterstützung für NF1 Patient:innen. Es gibt einiges, was Sie bei der Betreuung eines Kindes mit NF1 tun können, um die Krankheit besser zu behandeln.

Die meisten Symptome und Komplikationen bei NF1 sind nicht lebensbedrohlich und gut behandelbar. Menschen mit Neurofibromatose Typ 1 können im Allgemeinen ein weitgehend normales Leben führen. Allerdings ist bei Erwachsenen mit NF1 ist das Krebsrisiko - z.B. für Brustkrebs oder einen malignen Nervenscheidentumor, der sich aus plexiformen Neurofibromen entwickeln kann - im Vergleich zur gesunden Bevölkerung deutlich erhöht.

Augenprobleme im Zusammenhang mit Kopfschmerzen und Migräne

Augenschmerzen können im Zusammenhang mit Kopfschmerzen und Migräne auftreten. Migräne wird oft als einseitiger, pulsierender Schmerz beschrieben, der sich meist auf die Schläfen konzentriert. Das sind oft einseitige Kopfschmerzattacken.

Wir vertreten die Auffassung, dass hinter den meisten Kopfschmerz-Arten ein und dieselbe Ursache steckt: eine überhöhte Spannung in der Muskulatur des Nackens, oberen Rückens, von Hals, Kopf und Gesicht. Bewegungsarmut und immer gleiche Haltungen im Alltag engen unsere natürlichen Bewegungswinkel ein und erzeugen mit der Zeit so hohe Muskelspannungen, dass sie sich auch in migränetypischen Symptomen entladen.

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Arteriitis temporalis als Ursache für Kopfschmerzen und Sehstörungen

Eine weitere mögliche Ursache für Kopfschmerzen, verdickte Adern und Augenprobleme ist die Arteriitis temporalis. Bei einer Arteriitis temporalis entzündet sich die Schlagader (Arteria temporalis superficialis) in der Schläfenregion. Sie ist das häufigste Erscheinungsbild einer Riesenzellarteriitis. Dabei handelt es sich um eine rheumatische Autoimmunerkrankung, bei der sich Gefäße entzünden (Vaskulitis). Die Erkrankung wird auch Morbus Horton, Arteriitis temporalis Horton oder Arteriitis cranialis genannt. Diese Begriffe gelten jedoch als veraltet.

Symptome der Arteriitis temporalis

Die Symptome der Arteriitis temporalis können vielfältig sein, darunter:

  • Starke, oft schläfenbetonte Kopfschmerzen
  • Kauschmerzen
  • Sehstörungen wie Flimmern, Doppelbilder oder Gesichtsfeldausfälle
  • Allgemeine Beschwerden wie Fieber, Müdigkeit und Gewichtsverlust
  • Druckschmerzempfindliche und verdickte Schläfenarterie

Besonders gefürchtet ist bei der RZA die Entzündung von Augenarterien. Diese macht sich durch Sehstörungen wie z. B. Flimmern, Doppelbilder oder Gesichtsfeldausfälle bemerkbar. Im schlimmsten Fall kommt es zum kompletten Sehverlust des betroffenen Auges. Manchmal breitet sich die Entzündung auch auf Äste der großen Hauptschlagader des Kopfes (Arteria carotis) aus. Bis zu 60 % der Patient*innen entwickeln zudem Beschwerden einer Polymyalgia rheumatica mit Muskel- und Gelenkschmerzen und Morgensteifigkeit.

Diagnose und Behandlung

Die Diagnose basiert auf der Schilderung der Beschwerden durch den Betroffenen sowie auf dem Eindruck ausgeprägter Schwäche. Bei etwa 80 % der Patient*innen lässt sich eine verdickte, verhärtete und druckschmerzhafte Schläfenarterie tasten. Im Blutlabor ist typischerweise die Blutsenkungsgeschwindigkeit stark beschleunigt, was man auch Sturzsenkung nennt.

Die Ultraschalluntersuchung (Duplexsonografie) von Schläfen- und Achselarterien ist heute die erste Wahl bei der Diagnose der RZA. Darin lässt sich die durch die Entzündung verdickte Gefäßwand meist gut erkennen, oft sieht man auch einen sanduhrförmigen Verlauf der Arterie. Als Alternative zum Ultraschall gilt die hochauflösende Magnetresonanztomografie. Vermutet die Ärzt*in die Beteiligung von Gefäßen außerhalb des Schädels, wird häufig eine Angiografie, eine Computertomografie (CT) oder eine PET-CT herangezogen.

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Mittel der Wahl ist bei der RZA die sofortige Kortisongabe in Form von Prednisolon oder einem gleich starken Glukokortikoid. Liegen keine Sehstörungen vor, beginnt man meist mit 40-60 mg Prednisolontabletten pro Tag. Bei akuten Sehstörungen muss das Kortison deutlich höher dosiert werden, z. B. drei bis fünf Tage lang 500 bis 1000 mg/Prednisolon intravenös. Sobald die Entzündung abgeklungen ist, senkt die Ärzt*in die Dosis schrittweise. Das ist wichtig, weil eine langfristige Kortisontherapie etliche Nebenwirkungen und Risiken birgt. Ziel ist, die Dosis im Verlauf der nächsten Monate so weit wie möglich zu reduzieren.

Vorbeugung und Prognose

Da genetische Faktoren ein wahrscheinlicher Auslöser sind und weitere Faktoren noch unbekannt sind, gibt es aktuell keine vorbeugenden Maßnahmen gegen Arteriitis temporalis und Riesenzellenarteriitis.

Bei sofortiger Behandlung mit hoch dosiertem Kortison ist die Prognose gut. Regelmäßige Tabletteneinnahme. Bei der RZA ist es wichtig, sich ganz genau an die Verordnung der Medikamente zu halten. Nur so kann die Entzündung langfristig eingedämmt werden. Die Kortisontabletten sollten morgens eingenommen werden, das passt am besten zum körpereigenen zirkadianen Kortisonrhythmus.

Erneute Beschwerden dürfen keinesfalls ausgesessen werden. Um die anti-entzündliche Therapie wieder anzupassen, ist möglichst rasch die behandelnde Ärzt*in aufzusuchen. Sehstörungen gelten als Notfall, es droht die Erblindung.

Weitere mögliche Ursachen für Augenprobleme

Neben den bereits genannten Ursachen gibt es weitere Erkrankungen und Faktoren, die Augenprobleme verursachen können:

Fehlsichtigkeiten

Rund 40 Millionen Bundesbürger sollen unter eingeschränkten Sehfähigkeiten leiden. Am verbreitetsten sind die Kurz-, Weit- und Alterssichtigkeit, jedoch auch Hornhautverkrümmung und Nachtblindheit.

Bei Fehlsichtigkeit können die Hornhaut und Linse das Licht nicht mehr so krümmen, dass das Bild auf der Netzhaut erzeugt wird. Bei Kurzsichtigkeit ist der Augapfel zu lang für die Brechkraft von Hornhaut und Linse. Das Licht bündelt sich vor (statt auf) der Netzhaut. Anders als bei der Kurzsichtigkeit ist der Augapfel in diesem Fall zu kurz und die Lichtstrahlen bündeln sich erst hinter (statt auf) der Netzhaut.

Schielen

Schielen kann angeboren sein oder sich - insbesondere im Kindesalter - entwickeln. Gründe für Letzteres sind in der Regel Weitsichtigkeit und ein ungleichmäßiger Zug der Augenmuskeln. Lockerungen der Augenmuskeln, damit sich der Zug an ihnen normalisiert, versprechen unter anderem Operationen. Ausprobieren kannst du aber auch ein Augentraining sein, mit dem du die Augenmuskulatur wieder entspannst.

Hornhautentzündung (Keratitis)

Gerade bei Kontaktlinsen besteht ein Entzündungsrisiko - die sogenannte Kontaktlinsenkeratitis (Keratitis = Hornhautentzündung). Kontaktlinsen sind letztlich Fremdkörper, die auf der Hornhaut aufliegen und dort Irritationen hervorrufen können. Bakterien sind der häufigste Auslöser für Hornhautentzündungen. Durch Abschürfungen der Hornhaut oder Fremdkörper können Bakterien, Viren und Pilze das Auge infizieren. Im Krankheitsverlauf bilden sich auch Geschwüre.

Glaukom (Grüner Star)

Als Glaukome bezeichnen Mediziner Augenkrankheiten, bei denen vereinfacht ausgedrückt der Sehnerv geschädigt und oftmals ein erhöhter Augeninnendruck vorhanden ist. In zwei Drittel der Fälle besteht diese Verbindung. Eine Flüssigkeitsansammlung in den Augenkammern zwischen der Hornhaut vorne und der Linse hinten lassen den Innendruck des Auges steigen. Es ist eine Augenkrankheit, die zur Erblindung führen kann, wenn sie unbehandelt bleibt. Normalerweise fließt das Kammerwasser durch den Winkel zwischen Hornhaut und Iris ab. Aufgrund von degenerativen Veränderungen oder mikroskopisch feinen Ablagerungen kommt es dort aber zu Behinderungen.

Augenlid Erkrankungen

Das Augenlid ist die Weichteilfalte, die das Auge vor Umwelteinflüssen schützt, beim Blinzeln den Tränenfilm verteilt und den Augapfel anfeuchtet, um Viren, Keime und Bakterien abzuwehren. Es gibt verschiedene Blepharitis-Formen. Neben den Lidern können auch die tiefer gelegenen Talgdrüsen betroffen sein, die sich zum Lidrand hin öffnen.

Hagelkörner (Chalazion) sind verstopfte Talgdrüsen. Hagelkörner - Verstopfte Talgdrüsen machen sich durch etwa erbsengroße Knötchen am Augenlid bemerkbar. Gerstenkörner - Im Gegensatz zum Hagelkorn ist das Gerstenkorn aufgrund der eitrigen Schwellung schmerzempfindlich.

Uveitis

Die Uvea umfasst unter anderem die Regenbogenhaut (Iris), die deinen Augen ihre Farbe verleiht. Betrifft die Entzündung zum Beispiel nur die Iris und den Ziliarmuskel, nennen Ärzte das Krankheitsbild Iritis oder anteriore Uveitis.

Bindehautentzündung (Konjunktivitis)

Häufiger durch Viren als durch Bakterien entzündet sich die Bindehaut. Sie ist die Schleimhaut unter den Augenlidern.

Lederhautentzündung (Skleritis)

Die Lederhaut (Sklera) ist der weiße Teil, den du im Auge siehst. Diese Entzündungsform ist selten, löst aber heftige Beschwerden aus. In bis zu 50 Prozent der Fälle geht die Skleritis auf Autoimmunerkrankungen, unter anderem rheumatoide Arthritis (Gelenkentzündung) und chronisch entzündliche Darmerkrankungen (wie Morbus Crohn), zurück.

Endokrine Orbitopathie

Eine endokrine Orbitopathie ist eine Entzündung der Augenhöhle. Das ist aber keine gewöhnliche Entzündung, sondern eine spezielle Entzündung, die durch eine Fehlregulation im Immunsystem bedingt ist und da handelt es sich um chronische Entzündungen, die langsam kommen, lange bleiben, und langsam wieder weggehen. Die endokrine Orbitopathie ist ein Teil der Basedow-Erkrankung.

Netzhautarterienverschluss (retinaler Arterienverschluss, Zentralarterienverschluss, ZAV)

Durchblutungsstörung in der zentralen Netzhautarterie oder einem ihrer Äste mit schlagartiger kompletter oder teilweiser Erblindung auf einem Auge. Ursachen sind ein aus der Halsarterie oder dem Herzen "abgeschossener" Embolus oder - selten -Entzündungsprozesse in den Kopfarterien, z. B. bei einer Arteriitis temporalis.

Wenn durch einen Verschluss der zentralen Netzhautarterie (Arteria centralis retinae) die Netzhaut nicht mehr mit Sauerstoff versorgt wird, erblindet das betroffene Auge innerhalb von einer Stunde vollständig. Die Prognose ist besser, wenn nur ein Ast der Netzhautarterie betroffen ist. Verursacht wird der Verschluss der Arterie in fast 95 % der Fälle durch ein eingeschwemmtes Blutgerinnsel aus der arteriosklerotisch veränderten Halsarterie oder aus dem Herzvorhof (häufig bei Vorhofflimmern).

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