Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist, oft begleitet von Übelkeit, Erbrechen und extremer Empfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen und Gerüchen. Die Lebensqualität der Betroffenen kann erheblich beeinträchtigt sein. In Bad Kreuznach und Umgebung gibt es verschiedene Anlaufstellen für Migränepatienten, von Hausärzten über Neurologen bis hin zu spezialisierten Schmerzzentren. Dieser Artikel soll einen Überblick über die Versorgungssituation, Therapieoptionen und Herausforderungen bei der Migränebehandlung in der Region geben.
Die Situation der Migränepatienten
Viele Migränepatienten erleben einen langen Leidensweg, bis sie die richtige Diagnose und Behandlung erhalten. Laut Veronika Bäcker, Präsidentin der MigräneLiga e.V. Deutschland, dauert es im Durchschnitt bis zu acht Jahre, bis Betroffene den passenden Arzt und die wirksame Therapie finden. Eine Studie der europäischen Patientenorganisation für Kopfschmerzerkrankungen bestätigt diese Erfahrung.
Dominika Schuhriemen aus Sommerloch im Kreis Bad Kreuznach ist eine von vielen Betroffenen. Sie leidet mehrmals im Monat unter starken Migräneanfällen, die sie extrem licht-, geräusch- und geruchsempfindlich machen. In solchen Phasen ist sie darauf angewiesen, schnell das richtige Schmerzmittel zu bekommen.
Herausforderungen in der Versorgung
Ein Problem ist, dass viele Hausärzte nicht ausreichend über Migräne und ihre Behandlungsmöglichkeiten informiert sind. Kopfschmerzen werden in der Ausbildung von Ärzten oft nur am Rande behandelt, kritisiert Veronika Bäcker. Dies führt dazu, dass Patienten nicht immer die notwendige Akutversorgung mit Triptanen erhalten, die bei Migräne oft wirksamer sind als herkömmliche Schmerzmittel.
Ein weiteres Problem sind die langen Wartezeiten für einen Termin beim Neurologen. Dr. Ulrike von der Osten-Sacken, Neurologin und Chefärztin im Gesundheitszentrum Glantal, berichtet, dass Migränepatienten im Schnitt sechs Monate auf eine Behandlung warten müssen. Dies ist besonders problematisch, da eine frühzeitige und adäquate Behandlung entscheidend ist, um die Chronifizierung der Migräne zu verhindern.
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Ärzte und Einrichtungen in Bad Kreuznach und Umgebung
In Bad Kreuznach und Umgebung gibt es verschiedene Ärzte und Einrichtungen, die sich auf die Behandlung von Kopfschmerzen und Migräne spezialisiert haben.
KREUZNACH-PRAXIS.TEAM: Hier finden Sie Informationen über die HNO-Praxis von DR. REINHARD ANTHES, das Schwindeldiagnose-Zentrum Bad Kreuznach und die Neurologische Praxis von DR. Wilhelmstr.
Gesundheitszentrum Glantal in Meisenheim: Unter der Leitung von Dr. Ulrike von der Osten-Sacken werden hier auch neue Therapieformen wie die Antikörperbehandlung angeboten.
Praxis für Schmerztherapie in Bingen am Rhein: Diese Praxis bietet verschiedene schmerztherapeutische Verfahren an, darunter auch die Behandlung von Kopfschmerzen und Migräne. Die Praxis ist in der Boehringerstr. zu finden.
Weitere Ärzte und Therapeuten: Es gibt eine Vielzahl von weiteren Ärzten, Therapeuten und Heilpraktikern in der Region, die sich auf die Behandlung von Kopfschmerzen und Migräne spezialisiert haben. Eine Recherche im Internet oder eine Nachfrage bei der Krankenkasse kann helfen, den passenden Ansprechpartner zu finden.
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Therapieoptionen bei Migräne
Die Therapie von Migräne umfasst sowohl die Akutbehandlung von Anfällen als auch die vorbeugende Behandlung, um die Häufigkeit und Intensität der Anfälle zu reduzieren.
Akutbehandlung
- Triptane: Diese Medikamente sind speziell für die Behandlung von Migräne entwickelt worden und wirken, indem sie die Blutgefäße im Gehirn verengen und die Freisetzung von Entzündungsstoffen reduzieren.
- Schmerzmittel: Bei leichten bis mittelschweren Migräneanfällen können auch herkömmliche Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol helfen.
- Antiemetika: Gegen Übelkeit und Erbrechen können Antiemetika eingesetzt werden.
Vorbeugende Behandlung
- Medikamente: Es gibt verschiedene Medikamente, die zur Vorbeugung von Migräne eingesetzt werden können, darunter Betablocker, Antidepressiva und Antiepileptika.
- Antikörperbehandlung: Diese relativ neue Therapieform zielt darauf ab, das migräneauslösende Protein CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide) zu blockieren. Dominika Schuhriemen erhält im Gesundheitszentrum Glantal diese Antikörper-Spritze, nachdem selbst Triptane nicht mehr geholfen hatten.
- Nicht-medikamentöse Therapien: Dazu gehören Entspannungstechniken, Akupunktur, Physiotherapie und eine Anpassung des Lebensstils (z.B. regelmäßiger Schlaf, Vermeidung von Stress und bestimmten Nahrungsmitteln).
- Neuraltherapie: Die Neuraltherapie gehört zu den naturheilkundlichen Verfahren. Durch gezielte Injektionen kleiner Mengen eines Lokalanästhetikums sollen krankhafte Prozesse im Gewebe und in den Organen positiv beeinflusst und selbstheilende Prozesse angestoßen werden.
Ganzheitliche Ansätze in der Behandlung
Ein ganzheitlicher Blick auf den Menschen ist wichtig, da Körper und Seele oft untrennliche Bestandteile von Erkrankungen sind. Monika Rieger bietet beispielsweise Gleichgewichts- und Koordinationstraining auf dem Trampolin an und ist in psychosomatischer Grundversorgung, Stressmedizin und Achtsamkeit in Gesprächen fortgebildet. Ihr Ziel ist es, jedem Patienten individuell die bestmögliche Therapie zu geben und die Selbstwirksamkeit der Patienten zu fördern, um die Lebensqualität von Schmerzpatienten zu steigern.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit
Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Fachrichtungen ist entscheidend für eine optimale Versorgung von Migränepatienten. Das KREUZNACH-PRAXIS.TEAM und die Praxis für Schmerztherapie in Bingen am Rhein legen beispielsweise Wert auf den Austausch und die Zusammenarbeit von Ärzten, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Ernährungsberatern. Durch diese Vernetzung können die komplexen Gesundheitsbedürfnisse der Patienten besser berücksichtigt und individuelle Behandlungspläne erstellt werden.
Vorsorge und Früherkennung
Neben der Behandlung akuter und chronischer Kopfschmerzen ist die Vorsorge ein wichtiger Aspekt. Die KREUZNACH-PRAXIS.TEAM bietet spezielle Vorsorge-Untersuchungen zur Früherkennung bestimmter Erkrankungen an, darunter auch die Untersuchung der hirnzuführenden Gefäße zur Schlaganfallprävention. Auch die Sauerstofftherapie nach Prof. Ardenne kann zur allgemeinen Vorsorge eingesetzt werden.
Schmerztherapie: Ein umfassender Ansatz
Schmerzen sind ein Alarmsignal des Körpers, und eine erfolgreiche Schmerztherapie kann helfen, Schmerzen nachhaltig zu lindern oder ganz zu beseitigen. Die Liebscher und Bracht Therapie (LnB) ist eine einzigartige und revolutionäre Schmerztherapie, die ohne Medikamente, Spritzen oder Operationen auskommt. Sie kombiniert eine passive Behandlung (Osteopressur) mit aktiven Übungen.
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Kopfschmerzen und Nackenschmerzen
Kopfschmerzen treten oft in Verbindung mit Nackenschmerzen auf. Auslöser können Stress, Flüssigkeitsmangel oder Bildschirmarbeit sein. Um eine Chronifizierung zu verhindern, ist es ratsam, möglichst zeitnah im Schmerzensfall einen Arzt aufzusuchen.