Migräne und Clusterkopfschmerz sind zwei verschiedene Arten von Kopfschmerzen, die jedoch beide sehr belastend sein können. Die Sauerstofftherapie hat sich als eine wirksame und schonende Akutbehandlung insbesondere bei Clusterkopfschmerzen etabliert, findet aber auch bei Migräne Anwendung. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Sauerstofftherapie bei diesen Kopfschmerzarten, von der Wirkungsweise über die Anwendung bis hin zur Rezeptbeschaffung und Kostenübernahme.
Grundlagen der Sauerstofftherapie
Die Sauerstofftherapie zielt darauf ab, den Sauerstoffmangel im Blut auszugleichen, der durch bestimmte Erkrankungen verursacht werden kann. Durch die Zufuhr von Sauerstoff kann der Sauerstoffgehalt im Blut erhöht und somit eine bessere Sauerstoffversorgung des Körpers sichergestellt werden. Dies kann zur Entlastung der Atemmuskulatur und zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit führen.
Es gibt verschiedene Arten von Sauerstofftherapien, darunter die Langzeit-Sauerstofftherapie, die intermittierende Hochfrequenz-Druckkammer-Sauerstofftherapie (IHTT) und die Akutbehandlung mit Sauerstoff. Die Wahl der Therapieform hängt vom Zustand des Patienten und der Schwere seiner Erkrankung ab.
Sauerstofftherapie bei Clusterkopfschmerz
Clusterkopfschmerzen sind durch sehr starke Schmerzen im Bereich eines Auges oder einer Schläfe gekennzeichnet. Die Attacken treten phasenweise auf, wobei Betroffene über Monate schmerzfrei sein können, aber in manchen Phasen mehrere Attacken pro Tag haben.
Im Gegensatz zur Behandlung der Migräne und des Kopfschmerzes vom Spannungstyp sind nichtmedikamentöse Therapiestrategien beim Clusterkopfschmerz von untergeordneter Bedeutung. Bei der überwiegenden Zahl der Patienten sind Opioid- und Nichtopioid-Analgetika in der Attackenbehandlung des Clusterkopfschmerzes ineffektiv.
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Wirksamkeit und Anwendung
Die Inhalation von reinem Sauerstoff über eine Gesichtsmaske ist eine besonders schonende und effektive Methode zur Behandlung von Clusterkopfschmerzattacken. Studien haben gezeigt, dass die Inhalation von 100 %igem Sauerstoff in einer Dosierung von mindestens 7 Litern/Minute über ca. 15-20 Minuten bei ca. 2/3 der Patienten Attacken innerhalb von 15 Minuten lindert oder beendet. Die Wirkung ist am besten, wenn die Behandlung sofort bei Beginn der Attacke erfolgt. Fachleute empfehlen mindestens 8 bis 12 Liter pro Minute.
Es ist wichtig, eine dichtsitzende Sauerstoff-Hochkonzentrationsmaske zu verwenden, durch die nur reiner Sauerstoff und keine Umgebungsluft eingeatmet wird. Für die Anwendung unterwegs können 2l-Sauerstoffflaschen verordnet werden. Für eine gut wirksame Anwendung wird eine Gesichtsmaske ohne Rückatmung (Non-Rebreather-Maske) mit Reservoir empfohlen.
Wirkmechanismus
Der genaue Wirkmechanismus der Sauerstofftherapie bei Clusterkopfschmerz ist noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass eine Überanreicherung des Blutes mit Sauerstoff sich auf die Gefäßweite auswirkt und so den Cluster-Attacken entgegenwirkt. Der Wirkmechanismus scheint eine akute Vasokonstriktion intrazerebraler Gefäße zu sein.
Vorteile und Nachteile
Die Sauerstofftherapie zeichnet sich durch ihre extrem gute Verträglichkeit und das Fehlen von Wechselwirkungen mit Substanzen zur medikamentösen Prophylaxe von Clusterkopfschmerzen aus. Sie kann unbegrenzt wiederholt werden, wenn erneute Attacken während eines Tages auftreten.
Ein Nachteil ist die eingeschränkte Praktikabilität, obwohl tragbare Sauerstoffflaschen verfügbar sind. Zudem kann es in seltenen Fällen zu einem Rebound-Kopfschmerz kommen, bei dem die Schmerzen nach kurzer Zeit wiederkehren.
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Alternative Therapien
Neben der Sauerstofftherapie gibt es weitere Optionen zur Behandlung von Clusterkopfschmerzen. Die subkutane Anwendung von Sumatriptan 6 mg mittels Autoinjektor oder Fertigspritze ist eine effektive Methode, um die Attacke zu beenden. Innerhalb von 15 Minuten sind ca. 75 % der behandelten Attacken beendet, die Wirkung beginnt dabei häufig bereits nach wenigen Minuten.
Die nasale Darreichungsform des Sumatriptans mit 20 mg und Zolmitriptan mit 5 mg zeigten sich in kontrollierten Studien als ebenfalls wirksam. Im Vergleich zu Sumatriptan s.c. ist der Wirkeintritt jedoch deutlich verzögert und die Gesamtwirksamkeit niedriger.
Sauerstofftherapie bei Migräne
Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende Kopfschmerzattacken gekennzeichnet ist. Die Schmerzen sind oft hämmernd, pochend oder stechend und können von Übelkeit, Erbrechen und Lichtempfindlichkeit begleitet sein.
Obwohl die Sauerstofftherapie hauptsächlich bei Clusterkopfschmerzen eingesetzt wird, kann sie auch bei Migräne eine Option sein, insbesondere im Akutfall. Die Sauerstoff-Hochdruck-Therapie kann die Schmerzen tatsächlich lindern. Denn anders als die regelmäßige Einnahme starker Schmerztabletten ist die Sauerstofftherapie weitgehend nebenwirkungsfrei.
Sauerstoff dämpft den Schmerz
Migränekranke fallen regelmäßig quälenden Schmerzattacken zum Opfer. Die Sauerstoff-Hochdruck-Therapie kann im Akutfall die Schmerzen tatsächlich lindern.
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Rezeptbeschaffung und Kostenübernahme
Für die Verordnung ambulanten Sauerstoffs benötigt man bei gesetzlich versicherten Patienten ein Hilfsmittelrezept bzw. ein Privatrezept bei privat versicherten Patienten. Immer seltener wird von den Kassen auch ein Attest für die Kostenübernahme gefordert.
Liegt Ihnen ein ärztliches Rezept vor, übernimmt die Barmer in der Regel die Kosten für Sauerstofftherapiesysteme und für das medizinisch notwendige Zubehör - gegebenenfalls abzüglich der gesetzlichen Zuzahlung.
Kosten
Ihre Zuzahlung beträgt 10 Prozent der Kosten - mindestens 5 Euro und maximal 10 Euro je Hilfsmittel, sofern Sie über 18 Jahre alt und nicht von der Zuzahlung befreit sind. Die Zuzahlung ist direkt an den Hilfsmittelanbieter zu zahlen.
Ablauf
- Ärztliche Beratung und Rezept: In der Regel werden Sie im Krankenhaus von einem Arzt oder einer Ärztin ausführlich bezüglich Ihrer Versorgungssituation und den Behandlungsmöglichkeiten beraten. Die Arztpraxis stellt Ihnen im Anschluss ein entsprechendes Rezept aus.
- Anbieterauswahl: Mit Ihrem Rezept können Sie Ihren gewünschten Anbieter unter den Vertragspartnern der Krankenkasse auswählen.
- Einweisung und Lieferung: Die Einweisung in das Hilfsmittel übernimmt fachkundiges Personal des Hilfsmittelanbieters (oder Ihr behandelnder Arzt). Der Anbieter liefert das Sauerstoffsystem und das Zubehör zu Ihnen nach Hause.
Vertragspartner der Krankenkassen
In der Anbietersuche der Krankenkasse können Sie unter dem Begriff „Sauerstoffversorgung“ und der Angabe Ihrer Postleitzahl Vertragspartner in Ihrer Nähe finden. Die Vertragspartner haben alle die notwendige Präqualifizierung, um im Bereich der Sauerstoffversorgung versorgen zu dürfen, und verpflichten sich nach dem geschlossenen Vertrag, die an der Versorgung beteiligten Personen regelmäßig im Bereich Sauerstofftherapiesysteme weiterzubilden.
Serviceleistungen
Die Krankenkasse zahlt dem Vertragspartner bei der Sauerstofftherapie eine sogenannte Versorgungspauschale. In der Pauschale sind alle Serviceleistungen enthalten, wie die umfassende Beratung, Einweisung in den Gebrauch, Lieferung, Montage, Nachlieferung von Zubehör und Ihre Versorgung, wenn Sie im Urlaub sind. Auch notwendige Reparaturen sind für Sie kostenfrei, sofern die Schäden nicht vorsätzlich oder grob fahrlässig herbeigeführt wurden.
Bei technischen Problemen am Gerät bzw. am Zubehör wenden Sie sich bitte direkt an den Vertragspartner. Er wird diese umgehend durch telefonische Anleitung oder - falls nötig - bei Ihnen vor Ort beheben.
Die Neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel
Die Neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel unter der Leitung von Prof. Dr.med. Dipl.Psych. Hartmut Göbel ist spezialisiert auf die Therapie von Migräne mit und ohne Aura, Migräne-Komplikationen, alle Kopfschmerzen, wie z.B. chronische Spannungskopfschmerzen, Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch, Clusterkopfschmerz, Nervenschmerz (neuropathischer Schmerz), Rückenschmerz und andere Formen chronischer Schmerzerkrankungen.
Aufnahmeformalitäten
Zur Planung Ihres Aufnahmetermins sind folgende Schritte erforderlich:
- Ihr behandelnder Arzt stellt eine Verordnung von Krankenhausbehandlung aus.
- Bitten Sie Ihren Arzt, die Aufnahme-Checkliste auszufüllen.
- Füllen Sie den Schmerzkalender und den Schmerzfragebogen aus.
- Senden Sie alle Unterlagen und zusätzlich Kopien aller relevanter Arztbriefe, Röntgenbilder etc. an die auf der Aufnahme-Checkliste angegebene Anschrift.
Integrierte Versorgung
Zahlreiche Krankenkassen haben eine integrierte Versorgung ihrer Versicherten mit dem Behandlungsnetz der Schmerzklinik Kiel vertraglich geregelt. Für Versicherte der AOK Schleswig-Holstein, der Techniker Krankenkasse, der Deutschen Angestelltenkrankenkasse, der Hanseatischen Krankenkasse HEK, der Landwirtschaftlichen Krankenkasse Schleswig-Holstein und Hamburg , der Knappschaft Bahn See, der BKK vor Ort und der E.ON Betriebskrankenkasse erfolgt bei Vorliegen der Aufnahmebedingungen…
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