Migräne mit Aura: Erfahrungen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Migräne mit Aura ist eine neurologische Erkrankung, die von visuellen, sensorischen, motorischen und sprachlichen Störungen begleitet sein kann. Diese Aura-Symptome treten in der Regel vor den eigentlichen Kopfschmerzen auf und können für Betroffene sehr beängstigend sein.

Was ist Migräne mit Aura?

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch anfallsartige, meist einseitige Kopfschmerzen äußert. Die Migräne mit Aura ist eine besondere Form der Migräne, bei der neurologische Symptome, die sogenannte Aura, den Kopfschmerzen vorausgehen. Etwa jeder dritte Migränepatient erlebt eine solche Aura-Phase.

Definition der Aura

Der Begriff "Aura" leitet sich von der römischen Göttin der Morgenröte, Aurora, ab. Ähnlich wie die Morgenröte den Tag ankündigt, kündigen die Wahrnehmungsstörungen bei einer Migräne mit Aura die anschließende Kopfschmerzphase an.

Häufigkeit

Zwischen 15 und 20 Prozent der Migränepatienten erleben ihre Migräne mit einer Aura.

Symptome einer Migräne mit Aura

Die Aura äußert sich durch neurologische Störungen, die zwischen 5 und 60 Minuten andauern können. Die Symptome können vielfältig sein und variieren von Person zu Person.

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Visuelle Störungen

Visuelle Störungen sind die häufigsten Aura-Symptome. Dazu gehören:

  • Flimmerskotome: Zickzack-Linien, die langsam durch das Gesichtsfeld wandern, flackern und sich verdrehen. Manche Betroffene beschreiben sie als "Girlanden".
  • Lichtblitze: Plötzliche, helle Blitze im Gesichtsfeld.
  • Gesichtsfeldausfälle: Blinde Flecken oder eingeschränkte Sicht in Teilen des Gesichtsfeldes.
  • Schlieren und Schleier vor dem Auge: Aus dem Nichts erscheinen plötzlich Schlieren und Schleier vor dem Auge.
  • Verzerrte Wahrnehmung: Dinge erscheinen verzerrt ("Metamorphopsie"), kleiner ("Mikropsie") oder größer ("Makropsie"), als sie tatsächlich sind.

Sensorische Störungen

Neben visuellen Störungen können auch sensorische Störungen auftreten:

  • Taubheitsgefühle: Kribbeln oder Taubheitsgefühle in den Gliedmaßen, oft beginnend in den Fingern und sich auf den Arm ausbreitend.
  • Kribbeln: Ein prickelndes Gefühl auf der Haut.

Sprachliche Störungen

  • Wortfindungsstörungen: Schwierigkeiten, die richtigen Worte zu finden.
  • Sprachverständnisprobleme: Schwierigkeiten, gesprochene Sprache zu verstehen.

Motorische Störungen

In seltenen Fällen kann eine Migräne mit Aura auch motorische Störungen verursachen:

  • Muskelschwäche: Ein Gefühl der Schwäche in einem Arm oder Bein.
  • Halbseitige Lähmung: In sehr seltenen Fällen kann es zu einer vorübergehenden Lähmung einer Körperseite kommen.

Andere Symptome

  • Schwindel: Ein Gefühl von Drehschwindel oder Benommenheit.
  • Tinnitus: Ein Klingeln oder Rauschen in den Ohren.
  • Akustische Halluzinationen: Hören von Piepen, Rauschen, Zirpen oder Klingeln.
  • Übelkeit und Erbrechen: Ein Gefühl von Übelkeit, das zum Erbrechen führen kann.
  • Licht- und Geräuschempfindlichkeit: Überempfindlichkeit gegenüber hellem Licht und lauten Geräuschen.
  • Alice-im-Wunderland-Syndrom: Wahrnehmungsstörungen des Gehirns, bei denen der eigene Körper ganz klein oder riesengroß im Raum wahrgenommen werden kann. Zusätzlich können Halluzinationen und ein Orientierungsverlust auftreten.

Der Verlauf einer Migräneattacke mit Aura

Eine Migräneattacke mit Aura kann in bis zu fünf Phasen verlaufen, die nicht alle Patienten bei jeder Attacke durchlaufen müssen:

  1. Prodromalphase: Noch vor der Aura kündigt sich die Migräne bei etwa 30 Prozent der Patienten durch Vorboten an. Hierzu gehören beispielsweise Heißhunger oder Appetitverlust, Übelkeit, Nackenschmerzen oder Stimmungsschwankungen. Dieses Prodrom dauert zwischen 4 Stunden und mehreren Tagen.
  2. Auraphase: 15 bis 20 Prozent der Patienten sind von einer Aura vor den eigentlichen Kopfschmerzen betroffen. Die Auraphase dauert, je nach Auratyp, zwischen 5 Minuten und 72 Stunden an. Die meisten Betroffenen erleben während dieser Zeit visuelle, neurologische oder motorische Störungen, die nach der Auraphase wieder verschwinden, bspw. Störungen im Gesichtsfeld.
  3. Migränephase: In der Migränephase erleiden die Patienten die für eine Migräne typischen einseitigen oder beidseitigen Kopfschmerzen, die mittelstark oder stark pochen und pulsieren. Zusätzlich können Übelkeit und Erbrechen sowie eine Überempfindlichkeit auftreten. Manche Menschen erleben nur eine Auraphase ohne Kopfschmerzen, andere nur leichte Kopfschmerzen. Doch in den meisten Fällen fallen diese derart stark aus, dass diese den Alltag der Betroffenen stark einschränkt oder diese ihrem Alltag gar nicht mehr nachgehen können.
  4. Auflösungsphase: In dieser Phase lassen die Symptome zunehmend nach.
  5. Erholungsphase: Die letzte Phase ähnelt der Prodromalphase. Die Betroffenen fühlen sich angeschlagen und benötigen Zeit, um sich vollständig von ihrer Migräne mit Aura zu erholen.

Ursachen und Auslöser

Die genauen Ursachen der Migräne mit Aura sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass eine Kombination aus genetischen, neurologischen und umweltbedingten Faktoren eine Rolle spielt.

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Genetische Faktoren

Das Risiko, an Migräne mit oder ohne Aura zu erkranken, erhöht sich, wenn Verwandte ebenfalls unter Migräne leiden.

Biochemische und neurologische Faktoren

Eine komplexe Wechselwirkung zwischen neurochemischen Gehirnprozessen, einer gesteigerten neuronalen Erregbarkeit und einer Dysregulation der Neurotransmitter könnte als Ursache für ein erhöhtes Risiko einer Migräne mit oder ohne Aura verantwortlich sein. Auch Östrogen kann zu einer Migräneattacke führen. Mit diesem Hormon lässt sich auch die deutlich höhere Erkrankungsrate bei weiblichen Personen erklären.

Umweltbedingte Faktoren

  • Stress: Stress ist ein häufiger Auslöser für Migräneattacken.
  • Schlafmangel: Unregelmäßiger Schlaf oder Schlafmangel können Migräne begünstigen.
  • Bestimmte Lebensmittel: Einige Lebensmittel, wie z.B. Rotwein, Käse oder Schokolade, können bei manchen Menschen Migräne auslösen.
  • Wetterveränderungen: Veränderungen des Luftdrucks oder der Temperatur können Migräneattacken auslösen.
  • Sinnesüberreizung: Helles oder flackerndes Licht, laute Geräusche oder starke Gerüche können Migräne begünstigen.
  • Hormonelle Veränderungen: Hormonelle Schwankungen, z.B. während des Menstruationszyklus oder in den Wechseljahren, können Migräne auslösen.

Diagnose

Die Diagnose einer Migräne mit Aura sollte von einem Arzt gestellt werden. Dieser wird eine ausführliche Anamnese erheben und eine körperliche und neurologische Untersuchung durchführen. In einigen Fällen können auch bildgebende Verfahren wie CT oder MRT erforderlich sein, um andere Ursachen für die Beschwerden auszuschließen.

Differentialdiagnose

Es ist wichtig, andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen auszuschließen, wie z.B.:

  • Schlaganfall: Bei plötzlichen neurologischen Ausfällen sollte immer ein Schlaganfall ausgeschlossen werden.
  • Epilepsie: Epileptische Anfälle können ebenfalls mit neurologischen Symptomen einhergehen.
  • Augenerkrankungen: Augenerkrankungen können ähnliche Sehstörungen verursachen wie eine Migräne mit Aura.

Behandlung

Eine Migräne mit Aura kann zwar nicht geheilt werden, aber es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Symptome zu lindern und die Häufigkeit der Attacken zu reduzieren.

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Akutbehandlung

  • Schmerzmittel: Bei leichten bis mittelschweren Kopfschmerzen können rezeptfreie Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol helfen.
  • Triptane: Triptane sind spezielle Migränemittel, die bei mittelschweren bis schweren Attacken eingesetzt werden können. Sie wirken gefäßverengend und sollten nicht während der Aura-Phase eingenommen werden.
  • Antiemetika: Bei Übelkeit und Erbrechen können Antiemetika helfen.

Prophylaxe

  • Medikamentöse Prophylaxe: Verschiedene Medikamente können zur Vorbeugung von Migräneattacken eingesetzt werden, z.B. Betablocker, Antidepressiva oder Antiepileptika.
  • Nicht-medikamentöse Prophylaxe: Es gibt verschiedene nicht-medikamentöse Maßnahmen, die helfen können, Migräneattacken vorzubeugen:
    • Stressmanagement: Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder autogenes Training können helfen, Stress abzubauen.
    • Regelmäßiger Schlaf: Ein regelmäßiger Schlafrhythmus ist wichtig, um Migräne vorzubeugen.
    • Ausgewogene Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit regelmäßigen Mahlzeiten kann helfen, den Blutzuckerspiegel stabil zu halten.
    • Vermeidung von Auslösern: Es ist wichtig, die individuellen Auslöser für Migräneattacken zu identifizieren und zu vermeiden.
    • Sport: Gemäßigter Ausdauersport kann prophylaktisch wirken.
    • Magnesium: Die Einnahme von Magnesium kann bei manchen Menschen die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren.
    • sinCephalea App: Eine digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) zur personalisierten Migräneprophylaxe, die den Einfluss von Ernährung und Blutzucker auf die Migräne berücksichtigt.

Alternative Behandlungen

Einige Betroffene berichten von positiven Erfahrungen mit alternativen Behandlungen wie Akupunktur, Homöopathie oder Osteopathie. Die Wirksamkeit dieser Behandlungen ist jedoch wissenschaftlich nicht ausreichend belegt.

Leben mit Migräne mit Aura

Migräne mit Aura kann den Alltag der Betroffenen stark beeinträchtigen. Es ist wichtig, sich mit der Erkrankung auseinanderzusetzen und Strategien zu entwickeln, um mit den Symptomen umzugehen.

Tipps für den Alltag

  • Führen Sie ein Kopfschmerztagebuch: Notieren Sie die Häufigkeit, Dauer und Intensität der Attacken sowie mögliche Auslöser.
  • Sorgen Sie für ausreichend Schlaf: Achten Sie auf einen regelmäßigen Schlafrhythmus und ausreichend Schlaf.
  • Essen Sie regelmäßig: Vermeiden Sie lange Pausen zwischen den Mahlzeiten, um den Blutzuckerspiegel stabil zu halten.
  • Trinken Sie ausreichend: Dehydration kann Migräne begünstigen.
  • Vermeiden Sie Stress: Suchen Sie nach Möglichkeiten, Stress abzubauen, z.B. durch Entspannungstechniken oder Sport.
  • Schaffen Sie eine angenehme Umgebung: Bei einer Attacke kann es helfen, sich in einen dunklen, ruhigen Raum zurückzuziehen.
  • Informieren Sie Ihr Umfeld: Sprechen Sie mit Familie, Freunden und Kollegen über Ihre Erkrankung, damit diese Sie im Notfall unterstützen können.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

  • Wenn Sie zum ersten Mal Symptome einer Migräne mit Aura haben.
  • Wenn sich die Symptome Ihrer Migräne verändern oder verschlimmern.
  • Wenn Sie unter sehr starken Kopfschmerzen leiden.
  • Wenn Sie neurologische Ausfälle haben, wie z.B. Lähmungen oder Sprachstörungen.

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