Augenmigräne: Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze

Die Augenmigräne, auch bekannt als ophthalmologische Migräne oder retinale Migräne, ist eine spezielle Form der Migräne, die sich durch visuelle Symptome und Beschwerden im Zusammenhang mit den Augen auszeichnet. Im Gegensatz zur klassischen Migräne, bei der starke Kopfschmerzen im Vordergrund stehen, dominieren bei der Augenmigräne die visuellen Störungen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Augenmigräne, von den Ursachen und Symptomen bis hin zu den Behandlungs- und Vorbeugungsmöglichkeiten.

Was ist Augenmigräne?

Die Augenmigräne wird medizinisch als ophthalmologische Migräne bezeichnet. Da die Symptome der Augenmigräne das Sehen beeinträchtigen, spricht man auch von einer visuellen Migräne. Es wird angenommen, dass etwa 20 % der Menschen mit Migräne auch Augenmigräne erleben. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer.

Sonderform: Retinale Migräne

Es ist wichtig zu beachten, dass die retinale Migräne (Netzhautmigräne) nicht mit der Augenmigräne gleichzusetzen ist. Es handelt sich um zwei verschiedene Arten der Migräne, auch wenn beide die Augen betreffen. Die Augenmigräne beeinträchtigt in der Regel beide Augen, während die retinale Migräne meist nur einseitig auftritt. Wissenschaftler vermuten als Ursache eine fehlende Durchblutung der Retina oder des Sehnervs, die zeitweise zu visuellen Störungen während einer retinalen Migräne führt.

Symptome der Augenmigräne

Die Augenmigräne geht mit Symptomen einher, die auch von anderen Migräneformen bekannt sind. Eine Aura gehört ebenfalls zur Augenmigräne. Dieses Symptom geht der Migräne voraus und kündigt die Attacke an. In seltenen Fällen treten die Symptome der Aura ohne nachfolgende Kopfschmerzen auf.

Die Symptome der ophthalmologischen Migräne (Augenmigräne) betreffen vor allem die Aura. Während der Migräne-Attacke, die auf die Aura folgt, treten hauptsächlich allgemeine Symptome auf, die sich nicht spezifisch der Augenmigräne zuordnen lassen.

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Typische Symptome der Aura bei Augenmigräne sind:

  • Skotom: Ein teilweiser oder vollständiger Ausfall von Gesichtsfeldern. Betroffene sehen im Bereich des Skotoms schlechter.
  • Flimmerskotom: Gesichtsfeldausfälle, begleitet von Flimmern oder Blitzen in den betroffenen Bereichen.
  • Szintillationen: Flimmererscheinungen, die manchmal auch bei geschlossenen Augen auftreten.
  • Farbige Girlanden: Fadenartige, farbige Girlanden, die sich quer durch das Sichtfeld ziehen.
  • Lichtblitze: Helle, kurz aufflackernde Blitze, die ohne äußeren Grund das Sichtfeld durchzucken.

Weitere mögliche Symptome sind:

  • Kopfschmerzen: Können vor, während oder nach der Aura-Phase auftreten. Die Intensität ist individuell verschieden.
  • Schwindel: Kann in Zusammenhang mit der Aura auftreten, möglicherweise aufgrund der verwirrenden visuellen Signale.
  • Motorische Störungen der Augenmuskeln: In seltenen Fällen können Betroffene ihre Augen nicht mehr willkürlich in alle Richtungen bewegen.

Es ist wichtig zu beachten, dass auch andere Migräneformen zu Sehstörungen führen können. Das Flimmern ist kein spezifisches Symptom der Augenmigräne.

Ursachen der Augenmigräne

Die genauen Ursachen der Augenmigräne sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass ähnliche Mechanismen wie bei der klassischen Migräne eine Rolle spielen, einschließlich Veränderungen in der Durchblutung und neuronalen Aktivität des Gehirns. Es gibt auch bestimmte Auslöser, die bei manchen Menschen Augenmigräne hervorrufen können.

Mögliche Ursachen und Auslöser:

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  • Genetische Faktoren (familiäre Prädisposition): Das Risiko, an Migräne zu erkranken, ist bei Personen mit Familienangehörigen, die ebenfalls an Migräne leiden, deutlich erhöht. Bestimmte Genvarianten wurden mit einem erhöhten Risiko für Migräne mit Aura in Verbindung gebracht.
  • Veränderungen in der Durchblutung: Eine unregelmäßige Durchblutung im Gehirn und den Blutgefäßen der Augen kann zur Entwicklung von Augenmigräne beitragen. Vasokonstriktion (Verengung der Blutgefäße) und Vasodilatation (Erweiterung der Blutgefäße) können eine Rolle spielen.
  • Neurologische Veränderungen: Es wird vermutet, dass eine gestörte neuronale Aktivität im Gehirn, insbesondere im Bereich der Sehbahn, zu den visuellen Symptomen der Augenmigräne führen kann. Eine komplexe Wechselwirkung zwischen neurochemischen Prozessen im Gehirn, der Dysregulation von Neurotransmittern und einer gesteigerten neuronalen Erregbarkeit könnte eine Rolle spielen.
  • Hormonelle Veränderungen: Hormonelle Veränderungen, insbesondere bei Frauen, können Auslöser für Augenmigräne sein. Beispielsweise können hormonelle Schwankungen während des Menstruationszyklus, der Schwangerschaft oder der Menopause Augenmigräneepisoden auslösen.
  • Individuelle Umstände: Stress oder andere Umweltfaktoren.
  • Auslösende Faktoren (Trigger): Stress, Schlafmangel, bestimmte Lebensmittel oder Getränke (z. B. Koffein, Alkohol), grelles Licht, starke Gerüche oder Umweltreize. Experten gehen davon aus, dass besonders Käse, Nüsse und Natriumglutamat in Lebensmitteln eine Augenmigräne begünstigen. Man nimmt außerdem an, dass ein Magnesiummangel Augenmigräne verursachen kann.

Die Symptome entstehen durch eine verminderte Durchblutung der Sehrinde, vermutlich aufgrund einer kurzzeitigen Störung der Blutversorgung in diesem Bereich. Das führt zu einem Sauerstoffmangel an der Sehrinde im Gehirn.

Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Menschen auf dieselben Auslöser reagieren. Jeder Mensch kann unterschiedliche individuelle Auslöser haben. Es kann hilfreich sein, ein Migränetagebuch zu führen, um potenzielle Auslöser zu identifizieren und zu vermeiden. Indem man den eigenen Alltag dokumentiert, kann man herausfinden, ob bestimmte Faktoren in Zusammenhang mit einem Anfall gehäuft vorkommen.

Behandlung der Augenmigräne

Die Behandlung der Augenmigräne unterscheidet sich nicht wesentlich von der Behandlung anderer Migräneformen. Sie zielt darauf ab, die Symptome zu lindern, die Häufigkeit von Episoden zu reduzieren und den individuellen Bedürfnissen des Patienten gerecht zu werden.

Medikamentöse Behandlung

  • Schmerzmittel: Rezeptfreie Schmerzmittel wie Acetaminophen, Ibuprofen oder Aspirin können bei Kopfschmerzen oder Migränesymptomen hilfreich sein.
  • Triptane und Ergotamine: In einigen Fällen können verschreibungspflichtige Medikamente wie Triptane oder Ergotamine zur Behandlung von Augenmigräneepisoden verschrieben werden. Diese Medikamente beeinflussen die Durchblutung oder neuronale Aktivität.
  • Kalzium-Antagonisten: Je nachdem, wie häufig die Anfälle bei einer Augenmigräne auftreten und wie hoch der Leidensdruck der Betroffenen ist, können Kalzium-Antagonisten als Medikamente helfen.

Es ist wichtig, mit einem Augenarzt oder Neurologen über die spezifischen Symptome und Behandlungsmöglichkeiten zu sprechen. Medikamente und Schmerzmittel wie Triptane sollten jedoch nicht regelmäßig eingesetzt werden, da ein Zuviel an diesen Medikamenten langfristig zu einer chronischen Migräne mit täglichen Attacken führen kann.

Selbsthilfemaßnahmen und Lebensstiländerungen

Zusätzlich zur medikamentösen Behandlung können Selbsthilfemaßnahmen und Lebensstiländerungen dazu beitragen, die Häufigkeit und Schwere von Augenmigräne-Episoden zu reduzieren.

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  • Ruhe und Entspannung: Während einer Augenmigräne-Episode ist es wichtig, sich an einen ruhigen Ort zurückzuziehen und sich zu entspannen.
  • Dunkelheit: Das Aufsuchen eines abgedunkelten Raums oder das Tragen einer Sonnenbrille kann helfen, empfindliche Augen vor hellem Licht zu schützen und die visuellen Symptome zu reduzieren.
  • Auslöser vermeiden: Identifizieren Sie mögliche Auslöser für Ihre Augenmigräne und versuchen Sie, diese so konsequent wie möglich zu vermeiden.
  • Stressmanagement: Stressmanagementtechniken wie Entspannungsübungen, Meditation, Yoga oder Atemübungen können helfen, Stress abzubauen und die Häufigkeit von Episoden zu reduzieren. Auch eine kognitive Verhaltenstherapie kann vorbeugend wirksam sein.
  • Regelmäßiger Schlaf: Stellen Sie sicher, dass Sie ausreichend Schlaf bekommen und einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus einhalten.
  • Regelmäßige Mahlzeiten: Überspringen Sie keine Mahlzeiten und halten Sie regelmäßige Essenszeiten ein.
  • Ausreichende Flüssigkeitsmenge: Stellen Sie sicher, dass Sie ausreichend Flüssigkeit trinken, insbesondere Wasser.
  • Augenschutz: Schützen Sie Ihre Augen vor grellem Licht, indem Sie eine Sonnenbrille tragen.
  • Entspannungstechniken für die Augen: Übungen zur Augenentspannung können helfen, die Belastung der Augen zu verringern.
  • Regelmäßige Pausen bei Bildschirmarbeit: Wenn Sie viel Zeit vor Bildschirmen verbringen, nehmen Sie regelmäßige Pausen, um Ihre Augen zu entlasten.

Was tun im akuten Fall?

Betroffene sollten bei einem Anfall nach Möglichkeit einen ruhigen, dunklen Raum aufsuchen. Abschirmung und Reizminderung, also weniger Geräusche und Gerüche, können bereits einen sofortigen positiven Effekt haben. Kühle Tücher auf Stirn und Augen können ebenfalls hilfreich sein. Auch Entspannungstechniken können helfen, die Symptome zu lindern.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Es ist ratsam, einen Arzt aufzusuchen, wenn Sie unter Augenmigräne leiden. Hier sind einige Situationen, in denen es besonders wichtig ist, ärztlichen Rat einzuholen:

  • Erstmalige Symptome: Wenn Sie zum ersten Mal Augenmigräne-Symptome erleben, sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um eine genaue Diagnose zu erhalten und andere mögliche Ursachen für Ihre Symptome auszuschließen.
  • Veränderungen der Symptome: Wenn sich Ihre Augenmigräne-Symptome plötzlich verändern, intensivieren oder länger andauern als zuvor, ist es wichtig, einen Arzt aufzusuchen.
  • Beeinträchtigung der Lebensqualität: Wenn die Augenmigräne-Symptome Ihre täglichen Aktivitäten und Ihre Lebensqualität erheblich beeinträchtigen, sollten Sie ärztlichen Rat einholen.
  • Begleitende Symptome: Wenn Sie neben den visuellen Symptomen von Augenmigräne zusätzliche Symptome wie starke Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder neurologische Symptome (z. B. Taubheitsgefühl, Sprachstörungen) haben, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.
  • Häufige oder schwere Episoden: Wenn Sie häufige oder schwere Episoden von Augenmigräne haben, die sich nicht ausreichend durch Selbsthilfemaßnahmen oder verschreibungspflichtige Medikamente kontrollieren lassen, sollten Sie ärztlichen Rat einholen.

Differenzialdiagnose

Entscheidend ist bei der Diagnostik zudem andere Erkrankungen auszuschließen, die ähnliche Symptome verursachen können. Hier sind einige Erkrankungen, die in Betracht gezogen werden sollten:

  • Retinale Probleme: Retinale Probleme wie Netzhautablösung, Netzhautriss oder Makuladegeneration können ähnliche visuelle Symptome wie Augenmigräne verursachen.
  • Glaukom: Glaukom, auch bekannt als grüner Star, ist eine Augenerkrankung, die den Sehnerv schädigt und zu einem progressiven Sehverlust führen kann.
  • Augenmuskelerkrankungen: Bestimmte Erkrankungen der Augenmuskeln, wie Okuläre Myasthenie oder Strabismus, können zu Sehstörungen und Augenbeschwerden führen.
  • Augeninfektionen: Augeninfektionen wie Konjunktivitis (Bindehautentzündung) können ebenfalls visuelle Symptome wie Rötung, Schwellung oder Tränenfluss verursachen.
  • Neurologische Erkrankungen: Bestimmte neurologische Erkrankungen wie Schlaganfall, Sehnerventzündung oder Migräne mit Aura können ähnliche visuelle Symptome wie Augenmigräne verursachen.

Vorbeugung der Augenmigräne

Die beste Vorbeugung ist das Meiden von Auslösern. Das kann zum Beispiel bedeuten, grelles Licht oder zumindest schnelle Lichtwechsel zu vermeiden. Manchmal hilft es auch, bestimmte Lebensmittel, die eine Augenmigräne auslösen, nicht mehr zu essen. Da diese Trigger so verschieden sein können, ist es ideal, wenn Betroffene ein Migräne-Tagebuch führen.

Auch Stress zu vermeiden und den eigenen Perfektionismus zu unterdrücken, sind hilfreiche Maßnahmen, um die Häufigkeit und Stärke von Migräne-Attacken zu reduzieren. Je nachdem, wie stark diese Faktoren ausgeprägt sind, kann beispielsweise auch eine kognitive Verhaltenstherapie vorbeugend wirksam sein.

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