Migräne bei Frauen zwischen 35 und 45: Ursachen, Symptome und Behandlung

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, anfallsartige Kopfschmerzen von grösster Schmerzintensität gekennzeichnet ist. Besonders Frauen im Alter zwischen 35 und 45 Jahren sind häufig betroffen. Dieser Artikel beleuchtet die spezifischen Aspekte der Migräne bei Frauen in dieser Altersgruppe, einschliesslich Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze.

Einleitung

Migräne ist ein weit verbreitetes Gesundheitsproblem, das die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen kann. Sie tritt zwei- bis dreimal häufiger bei Frauen als bei Männern auf und ist die häufigste Ursache für Behinderungen bei Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren. Die Auswirkungen auf die berufliche Laufbahn von Frauen sind oft deutlicher als bei Männern. Keine andere Krankheit ist bei Frauen während der aktiven beruflichen Jahre für mehr verlorene gesunde Lebensjahre verantwortlich. Migräne ist bei Frauen nicht nur häufiger, sondern auch die Anfälle sind schwerer, dauern länger an, die Begleitsymptome sind stärker, und sie sprechen weniger gut auf die Therapie an.

Was ist Migräne?

Migräne zählt zu den neurologischen Erkrankungen. Dahinter verbergen sich äusserst starke, anfallsartig auftretende und wiederkehrende Kopfschmerzen, die in der Regel nur einseitig auftreten. Einem Migräneanfall geht häufig eine Migräneaura voraus, im Rahmen derer Betroffene unter optischen Wahrnehmungsstörungen leiden. Häufig werden beispielsweise Blitze oder gezackte Linien im Sichtfeld wahrgenommen.

Abgrenzung von Migräne und Kopfschmerzen

Der Unterschied zwischen Spannungskopfschmerzen (Kopfschmerzen ohne spezielle zugrunde liegende Ursache) und Migräne liegt in erster Linie in der Intensität der Schmerzen. Zwar sind Kopfschmerzen allgemein störend und unangenehm, Migräne jedoch schränkt die Betroffenen im Alltag gänzlich ein. Während Spannungskopfschmerzen meist am gesamten Kopf auftreten, beschränkt sich der Schmerz bei Migräne nicht selten auf eine Kopfhälfte.

Sie geht im Gegensatz zu Kopfschmerzen meist mit einer starken Licht- und Lärmempfindlichkeit einher, die Betroffene oft zur Ruhe in abgedunkelten, stillen Räumen zwingt. Auch schlagen allgemeine Maßnahmen wie frische Luft und Bewegung bei Migräne kaum an. Darüber hinaus zeigt sich der enorm starke Migräneschmerz meist nur in einer Schädelhälfte und er wird von Übelkeit und Erbrechen begleitet.

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Migräne Dauer und Migräneanfall

Ein Migräneanfall kann unterschiedlich lang dauern, meist zwischen vier und 72 Stunden. Dennoch sind mehrtägige Anfälle eher die Seltenheit. In der Regel ist die Migräneattacke nach einem Tag durchgestanden.

Eine Besonderheit ist jedoch die Ankündigungsphase der Migräne, die häufig schon zwei Tage vor dem eigentlichen Anfall beginnt und mit diffusen Beschwerden wie Gereiztheit und Müdigkeit einhergeht.

Der Migräneanfall kündigt sich bei einem Drittel aller Betroffenen durch:

  • Aufgedrehtheit
  • Gereiztheit
  • Müdigkeit

an. Rund zehn Prozent aller Betroffenen entwickeln zudem vor dem eigentlichen Schmerzanfall neurologische Störungen, die sogenannte Aura.

Es kommt zu:

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  • Sehstörungen wie flackernden Punkten und Blitzen im Gesichtsfeld.

Die Aura dauert üblicherweise nicht länger als eine Stunde und wird schließlich von stark pulsierenden, einseitigen Kopfschmerzen abgelöst, die von vielen Betroffenen als durchaus vernichtend beschrieben werden.

Der Kopfschmerz tritt in fast allen Fällen zunächst einseitig auf, im Verlauf des Migräneanfalls wandert er jedoch in andere Schädelbereiche. Die Schmerzqualität ist pochend und drückend und weitaus stärker als die normaler Spannungskopfschmerzen.

Migräneaura

Wie bereits angerissen, tritt die Migräneaura meist unmittelbar vor dem eigentlichen Migräneanfall auf. Meist bleibt es bei optischen Störungen, in einigen Fällen erreicht die Aura jedoch auch größere Ausmaße in Form von:

  • Taubheitsgefühlen im Bereich der Finger, des Gesichts und der Zunge.
  • Auch Sprachstörungen und Schwindel können auftreten.

Die Migräneaura dauert in der Regel nicht länger als eine Stunde an. Nur sehr selten halten die neurologischen Symptome noch während des Schmerzanfalls an. Allerdings kann eine Migräneaura auch ohne nachfolgende Schmerzattacke auftreten und somit das einzige Symptom einer Migräne sein.

Formen der Migräne

Die Migräne kann in unterschiedlichen Formen auftreten, mit und ohne Aura, als hormonelle Migräne und als chronische Migräne. Diese Formen unterscheiden sich nicht nur in ihrer Symptomatik, sondern auch im Verlauf:

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  • Migräne mit und ohne Aura: Die Migräneformen mit und ohne Aura sind die klassischen Formen. Bei der Migräne ohne Aura steht der einseitige, pulsierende Kopfschmerz im Mittelpunkt. Bei einer Migräne mit Aura kommt es kurz vor dem Schmerz zu Sichteinschränkungen in Form von Lichtblitzen, Flackerlinien und Schleiern. Sehr selten treten außerdem Schwindel, Hautkribbeln und Taubheitsgefühle in einer Gesichtshälfte auf.
  • Chronische Migräne: Eine Migräne wird dann als chronisch bezeichnet, wenn sie mindestens drei Monate in Folge an mehr als 15 Tagen im Monat auftritt. Betroffene leiden quasi unter dauernden Migräneanfällen. Häufig ist der chronische Verlauf die Folge einer zuvor über viele Jahre bestehenden Kopfschmerzerkrankung. Die chronische Migräne ist ein Sonderfall und keineswegs der übliche Verlauf.
  • Retinale Migräne: Im Rahmen der retinalen Migräne kommt es während des Migräneanfalls zu einseitigen Sehstörungen, die nicht den neurologischen Störungen einer Aura entsprechen. Bei einer retinalen Migräne kann es vorübergehend sogar zur Blindheit auf einem Auge kommen. Die Symptome verschwinden jedoch mit dem Eintreten der Kopfschmerzen oder spätestens während der Kopfschmerzphase wieder.
  • Hormonelle Migräne: Sie tritt, wie der Name schon sagt, kurz vor dem Einsetzen oder während der Periode auf. Ursächlich sind die hormonellen Veränderungen im Verlauf des Zyklus. Die hormonelle Migräne ist schlechter zu behandeln, sie verschwindet erst mit der Normalisierung des Hormonhaushaltes nach Ende der Periode und kehrt zyklisch einmal im Monat wieder.
  • Triptane Migräne: Durch die häufige Einnahme der Triptane kann es jedoch zu einem Gewöhnungseffekt kommen, der wiederum neuerliche Kopfschmerzen und Migräneattacken auslösen kann.
  • Hemiplegische Migräne: Diese Form geht mit zusätzlichen motorischen Störungen und Störungen des Gleichgewichts einhergeht. Auch Bewusstseinsstörungen wie Ohnmacht oder sogar Koma treten in Einzelfällen auf. Die hemiplegische Migräne kann sporadisch oder familiär gehäuft auftreten. Bei familiärer Häufung lassen sich häufig Gendefekte im Bereich einzelner Chromosomen nachweisen.
  • Basilarismigräne: Klassische Symptome sind neben den Kopfschmerzen auch Tinnitus, Doppelbildsehen, Bewusstseinsstörungen, Schwindelgefühle und Sprachstörungen. Anders als beim klassischen Migränetypus leiden Betroffene im Falle einer Basilarismigräne meist unter beidseitigen Kopf- und Augenschmerzen.

Ursachen und Auslöser

Obwohl Migräne als Krankheitsbild längst anerkannt ist, sind ihre Ursachen bislang nicht abschließend erforscht. Eine genetische Vorbelastung scheint ebenso eine Rolle zu spielen wie der körpereigene Serotoninspiegel. Ein unausgeglichener Serotoninspiegel verändert die Reizbarkeit der Nerven, macht die Blutgefäßwände durchlässiger und wirkt sich nicht zuletzt auch auf den Magen-Darm-Trakt aus, sodass Übelkeit und Erbrechen ebenfalls damit in Zusammenhang gebracht werden können.

Unabhängig von den Ursachen der Migräne stehen die Auslöser im Mittelpunkt. Als sogenannte Trigger kommen vor allem Stress und ein gestörter Schlafrhythmus infrage. Aber auch Hormonschwankungen, etwa während der Regel oder in der Schwangerschaft, können Migräne begünstigen.

Häufig treten Migräneanfalle auch bei bestimmten Wetterlagen auf. Genauer im Rahmen bestimmter Luftdruckverhältnisse. Obwohl wissenschaftlich nicht belegt, reagieren viele Migräniker auf sich zu schnell verändernde Wetter- und Temperaturverhältnisse, genauso wie auf starken Fön.

Häufig tritt die Migräne bei Frauen jungen und mittleren Alters auf, die mithilfe der Anti-Babypille verhüten. Speziell in der Pillen-Pause, also kurz vor, während und kurz nach der Menstruation, wenn der Körper stärkeren hormonellen Schwankungen ausgesetzt ist, aber auch während einer Schwangerschaft, sind Migräneanfälle häufig zu beobachten.

Viele jüngere Frauen leiden hingegen während der Pilleneinnahme unter Migräne, weil das Gleichgewicht des Körpers unter Zufuhr hormonhaltiger Präparate aus den Fugen geraten kann. Ein weiteres häufiges Phänomen ist außerdem die Wochenend-Migräne. Sie entsteht, wenn der Körper aus der Stress-Phase in die Entspannungs-Phase übergeht.

Die Rolle von Hormonen

Besonders im Alter zwischen 35 und 45 Jahren spielen hormonelle Veränderungen eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Migräne. Der Begriff der menstruellen Migräne findet sich in vielen Veröffentlichungen zum Thema Kopfschmerz. Aus klinischen und experimentellen Studien ist bekannt, dass im Zusammenhang mit der Menstruation die Migräne durch einen Abfall des Östrogen- und des Progesteronspiegels ausgelöst wird. Entsprechend kann vermutlich der Abfall des Plasmaöstradiolspiegels für die Auslösung der Migräneattacke verantwortlich gemacht werden. Die absoluten Hormonspiegel scheinen dagegen nicht von Bedeutung zu sein.

Symptome der Migräne

Migräne-Symptome sind vielgestaltig und teilweise unspezifisch, da innerhalb der Migräneerkrankung mehrere Migräneformen bekannt sind. Migräne geht mit unterschiedlichen Beschwerden einher, je nach Form der Migräne können folgende Symptome auftreten:

  • Bei der klassischen Migräne stehen die massiven, einseitigen Kopfschmerzen von pulsierendem Charakter im Mittelpunkt.
  • In vielen Fällen tritt im Vorfeld die Aura auf.
  • Die Kopfschmerzen nehmen im Verlauf des Migräneanfalls zu und werden meist von Übelkeit und Lichtempfindlichkeit begleitet.

Darüber hinaus gibt es weitere Verlaufsformen.

In seltenen Fällen ist die Aura das einzige Symptom einer Migräneerkrankung, die nachfolgenden Kopfschmerzen bleiben hingegen aus. Die Aura dauert in diesen Fällen nur zehn bis 30 Minuten und geht mit folgenden Symptomen einher:

  • Sehstörungen wie Lichtblitze, Flackerlinien und Schatten
  • Kribbeln auf der Haut oder in den Gliedmaßen
  • Schwindel
  • Sprachstörungen
  • Lähmungserscheinungen

Das führende Symptom der Augen-Migräne ist das sogenannte Flimmerskotom, welches beidseitig auftritt. Es ist durch folgende Beschwerden gekennzeichnet:

  • kranzartiges Flimmern
  • Funken
  • Flackern
  • Einschränkung des Gesichtsfelds vom Rand zur Mitte

Die Augen-Symptome bilden sich nach etwa 20 bis 40 Minuten zurück. Häufig setzt bei der Augen-Migräne kein anschließender Kopfschmerz ein, sodass das Flimmerskotom das einzige Symptom bleibt.

In den meisten Fällen geht eine Migräneattacke mit Übelkeit einher, die bis zum Erbrechen führen kann. Unabhängig davon, ob die Migräne von einer Aura begleitet ist oder nicht. Eine Ausnahme stellt die Migräne ohne Kopfschmerzen dar. Die Übelkeit tritt in der Regel nicht vor der Schmerzphase auf, sondern währenddessen.

Migräneschübe treten üblicherweise in vier Phasen auf, im Falle einer Migräne ohne Aura sind es hingegen nur drei Phasen. Ein Migräneanfall läuft daher wie folgt ab:

  1. Vorbotenphase: In dieser Phase, die von vielen Migränikern nicht wahrgenommen wird, kündigt sich die Migräne an. Typische Vorboten für einen nahenden Migräneanfall sind beispielsweise gesteigerte Müdigkeit und häufiges Gähnen, aber auch Heißhungerattacken, Darmbeschwerden, Verstopfungen und eine bereits erhöhte Licht- und Lärmempfindlichkeit. Die Vorbotenphase kann sich in Einzelfällen über bis zu zwei Tagen erstrecken, dauert in der Regel aber nur wenige Stunden.
  2. Auraphase: Bei einer Migräne mit Aura folgt die Auraphase der Vorbotenphase. Die Aura entsteht unmittelbar vor Beginn der starken Kopfschmerzen. Sie ist geprägt von fehlerhaften Sinneswahrnehmungen im Bereich des Sehens. Betroffene verlieren zum Beispiel die Fähigkeit zum räumlichen Sehen, es entstehen Zick-Zack-Linien im Bild, die Konturen werden unscharf und verschleiert. Außerdem können zusätzliche Strukturen im Bild entstehen, oder aber fehlen. Rund 20 Prozent aller Patienten sehen zudem nur noch halbe Bilder, weil das Gesichtsfeld während der Auraphase stark eingeschränkt sein kann. Die Aura ist typischerweise ein dynamischer Prozess, die Sinnesausfälle wandeln sich also innerhalb einer Auraphase mehrmals. Die Aura dauert in der Regel nicht länger als eine Stunde an, sämtliche Symptome verschwinden anschließend wieder gänzlich.
  3. Kopfschmerzphase: Sehr selten tritt eine Migräneaura ohne anschließende Kopfschmerzen auf. In über 90 Prozent der Fälle folgt der Auraphase jedoch die Kopfschmerzphase, die mit einseitigen, starken Kopfschmerzen im Bereich der Stirn und Schläfe einhergeht. Oftmals ist zudem ein Auge betroffen, sodass die Schmerzen in das Augenlid ausstrahlen. Die Migränekopfschmerzen werden von Betroffenen als pochend oder pulsierend, aber auch als stechend und vor allem quälend wahrgenommen. Bei körperlicher Aktivität nehmen die Schmerzen zu, wohingegen sie bei Ruhe und Schonung eher nachlassen. Die Kopfschmerzen werden in der Regel von weiteren Symptomen wie Übelkeit, Brechreiz, Licht- und Geruchsempfindlichkeit sowie Appetitlosigkeit begleitet.
  4. Rückbildungsphase: In der Rückbildungsphase, wenn der Schmerzanfall bereits überstanden ist, befindet sich der Körper noch in der Erholung. Betroffene fühlen sich müde und abgespannt, die Appetitlosigkeit und die Übelkeit können in dieser Phase noch bis zu 24 Stunden bestehen bleiben, bevor die vollständige Erholung von der Migräneattacke einsetzt.

Diagnose

Obwohl eine sichere Migräne-Diagnose nur von einem Arzt gestellt werden kann, können Sie sich mithilfe einiger Fragen selbst beantworten, ob Sie unter Spannungskopfschmerzen oder Migräne leiden. Die nachstehenden Fragen können bereits erste Hinweise auf eine mögliche Diagnose geben. Falls Sie die folgenden Fragen überwiegend mit ja beantworten müssen, ist eine Migräne wahrscheinlich:

  • Ist der Kopfschmerz einseitig?
  • Sind die Kopfschmerzen pulsierend?
  • Sind die Kopfschmerzen sehr stark?
  • Verstärken sich die Kopfschmerzen durch Anstrengung?
  • Leiden Sie unter Übelkeit?
  • Leiden Sie unter Licht- und Lärmempfindlichkeit?
  • Halten die Kopfschmerzen über mehrere Stunden oder Tage an?

Es ist immer hilfreich, wenn Sie bei immer wiederkehrenden Kopfschmerzen einen Arzt aufsuchen. Denn es können auch andere Ursachen hinter den Schmerzen stecken. Nur ein Arzt kann eine Migräne diagnostizieren. So erfolgt beim Arzt vor allem als erstes die Anamnese. Hierbei werden Sie als Patient gründlich befragt. So gehören hierzu die Angabe der Häufigkeit des Auftretens, die Dauer, die Stärke und die Art der Kopfschmerzen sowie begleitende Symptome. Damit Sie alle Fragen beantworten können hilft es, ein Schmerztagebuch zu führen. Als nächstes werden Sie neurologisch und körperlich untersucht, damit andere Ursachen als die Migräne ausgeschlossen werden können.

Behandlung

Wurde eindeutig eine Migräne diagnostiziert, wird der Arzt mit Ihnen gemeinsam eine Therapie zur Prophylaxe sowie eine Akuttherapie anstreben. Die Behandlung umfasst zwei Therapien. Zum Einen geht es um die vorbeugenden Maßnahmen, die sogenannte Prophylaxe. Zum Anderen gibt es die Therapie zur Behandlung der akuten Kopfschmerzen. Vor allem, wenn bekannt ist, welche Trigger die Migräneanfälle auslösen, kann hiergegen ganz gut mit der Prophylaxe gegengesteuert werden.

Bei einem akuten Migräneanfall können einige Medikamente eingesetzt werden. So hilft die frühzeitige Einnahme von Schmerzmitteln direkt zu Beginn. Die Dosierung sollten Sie immer mit Ihrem behandelnden Arzt absprechen. Hier werden vor allem die gängigen Schmerzmittel verschrieben. Geht mit dem Migräneanfall auch Erbrechen einher, dann helfen zusätzlich Mittel gegen Übelkeit, die die Magenbewegung anregen, die ansonsten durch den Anfall gebremst wird. Sind die Symptome hingegen schwer, dann gibt es auch spezielle migränespezifische Medikamente. Diese Medikamente lindern nicht nur die Schmerzen sondern gleichzeitig auch alle anderen auftretenden Symptome. Diese Triptane wirken vor allem dann, wenn sie früh genug eingenommen werden. Dennoch können sie jederzeit verabreicht werden. Da diese Medikamente bei bestimmten Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck oder Gefäßkrankheiten nicht eingenommen werden dürfen, sollten Sie sich vorab immer von einem Arzt untersuchen und beraten lassen.

Neben dieser akuten Therapie sollten Sie sich in einen dunklen und ruhigen Raum zurückziehen, in dem Sie sich hinlegen und eventuell auch schlafen können. Denn Schlaf kann bei den Schmerzen gemeinsam mit den Schmerzmitteln erleichternd wirken. Auch kühle Tücher oder Pfefferminzöl auf die Schläfen gelegt, kann die Schmerzen lindern.

Wenn Sie wie oben bereits beschrieben Ihren Trigger bereits kennen, dann können Sie unter Umständen einem Migräneanfall vorbeugen, indem Sie die Auslöser ausschalten. Hierbei kann ein Schmerztagebuch helfen, in dem über längere Zeit eingetragen wird, wie sich die Migräne angekündigt hat. Doch nicht immer funktioniert eine solche Vorbeugung, denn gegen das Wetter zum Beispiel können Sie nichts tun. Doch gemeinsam mit Ihrem Arzt können Sie auch eine vorbeugende Therapie gegen die Migräneanfälle beginnen, die Sie jedoch über ein Jahr durchgehend anwenden müssen. Denn handelt es sich bei der Prophylaxe um bestimmte Medikamente, dann zeigt sich die Wirkung erst nach sechs bis acht Wochen. Besonders effektiv ist eine Kombination aus Medikamenten und Entspannungsmethoden, wie zum Beispiel die „progressive Muskelrelaxation nach Jacobson“. Auch Ausdauersport, Akupunktur oder ein Training zur Stressbewältigung kann der Zeitraum zwischen den einzelnen Migräneanfällen um einiges verlängern.

Konventionelle Therapieoptionen

  • Akuttherapie: Ziel der Akutbehandlung ist es, eine Migräneattacke möglichst früh zu unterbrechen und die Symptome zu lindern. Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR): Ibuprofen, Naproxen oder Acetylsalicylsäure wirken schmerzlindernd und entzündungshemmend, sollten jedoch bei Magenproblemen oder Nierenfunktionsstörungen vorsichtig eingesetzt werden. Triptane (z. B. Sumatriptan, Zolmitriptan) binden an 5-HT1B/1D-Rezeptoren, verengen dilatierte Hirngefäße und hemmen die Freisetzung von Entzündungsmediatoren. Sie sind kontraindiziert bei kardiovaskulären Erkrankungen und sollten früh im Anfall eingenommen werden. Antiemetika wie Metoclopramid oder Domperidon lindern Übelkeit/Erbrechen und verbessern die Aufnahme anderer Medikamente.
  • Neue Optionen: Ditane (z. B. Lasmiditan) wirken serotoninerg, jedoch ohne Vasokonstriktion, und sind damit für Patient:innen mit kardiovaskulären Risiken geeignet. Gepants (z. B. Ubrogepant, Rimegepant) blockieren den CGRP-Rezeptor und unterbrechen so neurovaskuläre Entzündungsprozesse.
  • Kombination & Einnahmelimitierung: Bei schweren Anfällen kann eine Kombination aus NSAR und Triptan erwogen werden. Zur Vermeidung eines Medication Overuse Headache (MOH) sollte die Einnahme von Akutmedikation auf maximal 10 Tage pro Monat begrenzt werden.
  • Prophylaxe: Eine vorbeugende Therapie ist angezeigt, wenn Migräneattacken häufig (≥ 4 pro Monat), langanhaltend, sehr belastend sind oder die Akuttherapie unzureichend wirkt. Klassische medikamentöse Prophylaktika: Betablocker (z. B. Propranolol, Metoprolol) stabilisieren die Gefäßreaktion. Antikonvulsiva (z. B. Topiramat, Valproinsäure) reduzieren neuronale Übererregbarkeit. Trizyklische Antidepressiva (z. B. Amitriptylin) sind insbesondere bei komorbiden Schlafstörungen oder depressiver Symptomatik wirksam.
  • CGRP-Antikörper: Monoklonale Antikörper (z. B. Erenumab, Fremanezumab, Galcanezumab) blockieren CGRP oder dessen Rezeptor und reduzieren die Aktivierung des trigeminovaskulären Systems. Wirkprinzip: Hemmung des Schmerzmediators CGRP. Wirksamkeit: Reduktion der Migränetage um bis zu 50 % bei einem großen Teil der Patient:innen. Nebenwirkungen: Meist leicht (z. B. Reaktionen an der Injektionsstelle), selten Obstipation oder Überempfindlichkeitsreaktionen.
  • Lebensstilmodifikation & Verhaltenstherapie: Neben Medikamenten ist eine multimodale Prophylaxe wichtig: regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus, moderater Ausdauersport, Stressmanagement (Achtsamkeit, progressive Muskelentspannung), Ernährungstagebuch zur Triggerkontrolle, kognitive Verhaltenstherapie (KVT) zur besseren Krankheitsbewältigung.

Cannabis als ergänzende Option bei Migräne

Die wissenschaftliche Datenlage zur Wirksamkeit von Cannabis bei Migräne ist bislang begrenzt. Die meisten Erkenntnisse stammen aus Beobachtungsstudien, Fallserien und Einzelfallberichten. Randomisierte, kontrollierte Studien (RCTs) sind selten und weisen häufig methodische Einschränkungen auf. Erste Daten deuten darauf hin, dass Cannabis bei manchen Patient:innen Anfallshäufigkeit, -dauer und -intensität reduzieren kann, wobei dieser Effekt nicht bei allen Betroffenen nachweisbar ist.

Cannabis enthält zahlreiche pharmakologisch aktive Substanzen, vor allem Δ9-Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD). THC wirkt analgetisch, antiemetisch und muskelentspannend, bei manchen Patient:innen zudem schlafanstoßend. CBD zeigt anxiolytische und entzündungshemmende Effekte und kann die zentrale Schmerzverarbeitung modulieren, ohne die psychoaktive Wirkung von THC.

Einige Patient:innen berichten unter Cannabisgebrauch über: Reduktion der Schmerzintensität während einer Attacke, besseren Schlaf, insbesondere nach Einnahme in der Akutphase, Linderung begleitender Übelkeit und Photophobie. Diese Effekte sind individuell stark unterschiedlich und hängen von den Cannabissorten, Wirkstoffgehalt, Dosierung und Einnahmeform ab.

Cannabis sollte bei Migräne ausschließlich unter ärztlicher Begleitung eingesetzt werden. Es gilt das Prinzip „Start low, go slow“ - Beginn mit niedriger Dosierung und langsame Steigerung, um Nebenwirkungen zu minimieren.

Schwangerschaft und Stillzeit

Generell gilt, dass eine medikamentöse Therapie während der Schwangerschaft, wenn irgendwie möglich, zu vermeiden ist. Ganz besonders gilt dies natürlich für prophylaktische Maßnahmen, bei denen täglich Medikamente eingenommen werden müssen. Die Migräneprophylaktika, die sich als besonders wirksam erwiesen haben, sind während der Schwangerschaft kontraindiziert. Dies gilt für die Beta-Rezeptorenblocker, Flunarizin, Serotoninantagonisten, trizyklische Antidepressiva und besonders für Antiepileptika. Dies ist insbesondere von Bedeutung, wenn eine Schwangerschaft geplant ist oder auch nur vermutet wird.

Bei schweren Migräneverläufen während der Schwangerschaft, insbesondere bei der Migräne mit Aura, kann zunächst die Gabe von Magnesium zur Migräneprophylaxe erwogen werden. Zur Therapie des arteriellen Bluthochdruckes wird während der Schwangerschaft Propranolol Es gibt dabei keinen Hinweis auf eine Fruchtstörung.

Analgetikum der Wahl in der Stillzeit ist Ibuprofen. Triptane gehen in die Muttermilch über.

Migräne und die Neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel

Die Neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel unter der Leitung von Prof. Dr. med. Dipl. Psych. Hartmut Göbel bietet spezielle Therapien für Migräne mit und ohne Aura, Migräne-Komplikationen und andere Kopfschmerzarten an.

Aufnahmeformalitäten

Für die Planung eines Aufnahmetermins sind folgende Schritte erforderlich:

  1. Der behandelnde Arzt stellt eine Verordnung von Krankenhausbehandlung aus.
  2. Der Arzt füllt die Aufnahme-Checkliste aus.
  3. Der Patient füllt den Schmerzkalender und den Schmerzfragebogen aus.
  4. Alle Unterlagen und Kopien relevanter Arztbriefe, Röntgenbilder etc. werden an die auf der Aufnahme-Checkliste angegebene Anschrift gesendet.

Je nach Krankenkasse gelten unterschiedliche Regelungen für die Kostenübernahme. Zahlreiche Krankenkassen haben eine integrierte Versorgung ihrer Versicherten mit dem Behandlungsnetz der Klinik vertraglich geregelt.

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