Menstruelle Migräne: Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze

Menstruelle Migräne, eine spezielle Form der Migräne, die viele Frauen betrifft, steht in engem Zusammenhang mit der Monatsblutung. Die Kopfschmerzen treten meist ein bis zwei Tage vor Eintritt der Periode bis drei Tage danach auf. Diese Form der Migräne kann den Alltag spürbar einschränken, besonders dann, wenn Frauen ohnehin schon durch ihre Periode körperlich gefordert sind.

Was ist Menstruelle Migräne?

Wenn starke, anhaltende Kopfschmerzen kurz vor oder an den ersten zwei Tagen der Periode auftreten, könnte es sich um menstruelle Migräne handeln. Menstruelle Migräne zeigt sich im Prinzip mit denselben Symptomen wie allgemeine Migräne auch. Zu den oft spontan auftretenden, pulsierenden und einseitigen Schmerzen im Kopf kommen nicht selten Begleitsymptome wie Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit.

Um festzustellen, ob es sich um menstruelle Migräne oder eine andere Kopfschmerzart handelt, ist es ratsam, ein ausführliches Kopfschmerztagebuch zu führen. In diesem werden Beobachtungen notiert, was den Schmerz ausgelöst haben könnte, also mögliche Triggerpunkte. Das Schmerztagebuch sollte mit einem Arzt oder einer Ärztin zusammen angeschaut werden, um die Ursache der Migräne zu erkennen. Gemäß internationaler Kopfschmerz-Klassifikation wird die menstruelle Migräne folgendermaßen definiert: Bei mindestens zwei von drei aufeinanderfolgenden Zyklen tritt bei der Frau eine Migräneattacke auf, und zwar innerhalb von zwei Tagen vor Einsetzen der Regelblutung bis drei Tage danach. Ereignen sich die Kopfschmerzanfälle zusätzlich auch noch zu anderen Zeitpunkten im Zyklusverlauf, lautet der medizinisch korrekte Begriff „menstruell assoziierte Migräne“.

Ursachen der Menstruellen Migräne

Die medizinische Forschung zeigt, dass hormonelle Schwankungen zu den häufigsten Triggern von Migräne zählen. Hormone spielen eine Rolle bei Migräne, was sich auch daran zeigt, dass Jungen und Mädchen vor der Pubertät ähnlich häufig betroffen sind. Mit Beginn der hormonellen Umstellung verändert sich dieses Verhältnis zugunsten einer höheren Migränehäufigkeit bei Frauen.

Rund um die Monatsblutung verändert sich im Körper einiges: Insbesondere fällt der Östrogenspiegel kurz vor der Periode rapide ab. Dieser Hormonabfall kann das Gehirn empfindlicher für Reize machen und einen Migräneanfall auslösen. Dabei scheint auch der Entzündungsbotenstoff CGRP im Gehirn eine wichtige Rolle zu spielen, da er Schmerzprozesse verstärken kann. Er wird aktuell intensiv in Studien untersucht.

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An den Tagen vor und unmittelbar beim Start der Periode ist das Östrogenlevel im Körper recht niedrig und fällt dann noch einmal ab. Dieser hormonelle Impuls löst die Periode aus - und es könnte sein, dass der Körper darauf empfindlich reagiert. Der Östrogenspiegel beeinflusst eine ganze Menge, unter anderem auch die Serotoninmenge im Gehirn. Serotonin ist ein Botenstoff des Gehirns, der für das Schmerzempfinden und damit auch bei der Entstehung von menstrueller Migräne eine besondere Rolle spielt.

Besonders zum Ende eines Monatszyklus sind Frauen oft von heftigen Kopfschmerzen betroffen. Bei ihnen tritt die Migräne dann während der Periode auf - zwischen zwei Tage vor bis zwei Tage nach der Regelblutung. Es gibt Hinweise darauf, dass außer dem abfallenden Hormonspiegel zum Ende des Monatszyklus auch das Neuropeptid CGRP eine Rolle spielt. CGRP ist ein körpereigener Entzündungsbotenstoff, der die Blutgefäße im Gehirn stark erweitert und dadurch Kopfschmerzen verursachen kann.

Ein Forschungsteam der Charité - Universitätsmedizin Berlin hat jetzt eine mögliche Erklärung dafür gefunden. Der im Fachmagazin Neurology* veröffentlichten Studie zufolge bilden betroffene Frauen während der Menstruation besonders große Mengen an CGRP. In einer Untersuchung mit 180 Frauen zeigte sich: Migräne-Patientinnen schütten größere Mengen des Entzündungsbotenstoffs CGRP im Gehirn aus, wenn der Östrogenspiegel zu Beginn der Periode sinkt, als die migränefreien Probandinnen. CGRP steht hierbei für Calcitonin Gene-Related Peptide, eine körpereigene Substanz, die auch bei Migräne vermehrt ausgeschüttet wird und die Blutgefäße im Gehirn erweitert.

Neben den Hormonen gibt es aber auch noch weitere Faktoren, die die Migräne beeinflussen können: Stress, ein gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus, zu wenig oder unregelmäßige Mahlzeiten - all das kann die Regelmäßigkeit und Stärke der Anfälle zusätzlich beeinflussen.

Hormonelle Veränderungen in verschiedenen Lebensphasen

  • Pubertät: Der Einfluss der Hormone zeigt sich auch daran, dass Mädchen und Jungen vor der Pubertät relativ gleich häufig von Migräne betroffen sind. Mit Beginn der hormonellen Umstellung verändert sich dieses Verhältnis zugunsten einer höheren Migränehäufigkeit bei Frauen.
  • Schwangerschaft: Bei einer Schwangerschaft ist der Körper weit mehr hormonellen Veränderungen ausgesetzt als sonst. Das kann dazu führen, dass Migränepatientinnen während der Schwangerschaft vorübergehend weniger an Migränekopfschmerzen leiden. Der Grund dafür liegt im Wechsel des Hormonhaushalts, da der Östrogenspiegel während der Schwangerschaft konstant hoch ist. Bei Patientinnen, die an Migräne mit Aura leiden, können die Attacken während der Schwangerschaft auch zunehmen.
  • Wechseljahre: Die Zeit vor und während der Menopause ist geprägt von hormonellen Schwankungen. Bei einem starken Abfall des Östrogenspiegels während den Wechseljahren kann es, neben bekannten Leiden wie Hitzewallungen, auch zu einer hormonellen Migräne kommen. Daher geht die Zeit der Menopause häufig mit vermehrt auftretenden Migränekopfschmerzen einher. Ist diese Phase jedoch überstanden, bessert sich das Aufkommen von Migräne häufig.

Symptome der Menstruellen Migräne

Hormonell bedingte Migräne tritt bei den meisten Frauen kurz vor, während oder nach der Periode auf. Zu den Symptomen zählen:

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  • Kopfschmerzattacken, die mehrere Tage anhalten können
  • oft einseitiger, pulsierender oder pochender Schmerz
  • mittlere bis starke Schmerzen, die bei Aktivität zunehmen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Licht, Gerüchen und Geräuschen

Manche Frauen erleben die menstruelle Migräne auch mit einer Aura. So werden neurologische Ausfallerscheinungen und Störungen bezeichnet, die kurz vor der Migräneattacke auftreten. Dazu zählen Sehstörungen wie Lichtblitze, Sprachstörungen, Missempfindungen, Lähmungen oder Schwindel.

Behandlungsmöglichkeiten der Menstruellen Migräne

Wenn du unter menstrueller Migräne leidest, musst du damit auf keinen Fall einfach leben. Derzeit wird zu den Behandlungsmöglichkeiten noch viel geforscht und diskutiert, doch gemeinsam mit dem Arzt können unterschiedliche Behandlungsansätze geprüft werden. Oft lässt sich Migräne am besten mit einer Kombination von Medikamenten und einer Lebensstiländerung behandeln. Zu unterscheiden sind die Akuttherapie und die Prophylaxe, also alles, was du unternehmen kannst, damit die Anfälle weniger oft und stark auftreten.

Akuttherapie

Als Medikament während einer Migräneattacke haben sich Triptane besonders bewährt. Triptane gibt es als Tabletten, Nasenspray und Injektionen. Sie lindern Schmerzen und andere Migränesymptome, indem sie die Blutgefäße im Gehirn verengen und die Überempfindlichkeit von Schmerzrezeptoren verringern. Sie sind verschreibungspflichtig und können auch Nebenwirkungen auslösen.

Auch rezeptfreie entzündungshemmende Mittel wie Ibuprofen, Naproxen oder Diclofenac können helfen. Allerdings sollte unbedingt auf die eingenommene Menge der Schmerzmittel geachtet werden. Denn zu viele Schmerzmittel haben nicht nur Nebenwirkungen, sie können auch selbst Kopfschmerzen auslösen.

Triptane können bereits ab 10 Tagen pro Monat zu medikamenten-induzierten Kopfschmerzen führen, so genannte Nichtopioid-Analgetika wie Paracetamol etwa ab 15 Tagen. Insgesamt sollte man also versuchen, Schmerzmittel an möglichst wenig Tagen im Monat einzunehmen.

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Prophylaxe

Damit die Migräne erst gar nicht so stark wird und man nicht so viel Schmerzmittel braucht, können der Arzt oder die Ärztin und man selbst bereits im Vorfeld mit verschiedenen Medikamenten experimentieren. Zum Einsatz können hier zum Beispiel Blutdrucksenker, Hormonpräparate, Antidepressiva oder neurologische Medikamente kommen.

Helfen kann auch eine Kurzzeitprophylaxe mit Schmerzmitteln, besonders wenn Akutmaßnahmen allein nicht helfen. Diese Prophylaxe beginnt man ein paar Tage vor Beginn der erwarteten Kopfschmerzen und führt sie etwa 6 bis 7 Tage fort. Einzelheiten erfährt man von dem behandelnden Arzt oder der Ärztin.

Um die hormonellen Schwankungen auszubremsen, kann es nützlich sein, prophylaktische Maßnahmen zu ergreifen wie autogenes Training oder progressive Muskelentspannung. Außerdem können Bewegungsübungen helfen, die oftmals mit den Kopfschmerzen einhergehenden Verspannungen zu lösen.

Viele sprechen auch gut auf spezielle Schmerzmittel, vorbeugende Maßnahmen oder alternative Behandlungsformen an.

Alternative Ansätze für die Prophylaxe

Auch mit einem veränderten Lebensstil kann man oft viel dafür tun, dass die Migräne-Anfälle weniger und schwächer werden. Wichtige Ansatzpunkte sind insbesondere:

  • Stressreduktion: Mit Entspannungsverfahren wie der Progressiven Muskelrelaxation (PMR), Meditation oder Yoga sorgt man für Ausgeglichenheit und beugt Migräne vor.
  • Andere Methoden und Therapien: Ein möglicher Ansatzpunkt ist auch eine kognitive Verhaltenstherapie, in der man eigene Schmerzstrategien entwickeln kann. Auch die Biofeedbackmethode wird für Migräne-Patienten empfohlen. Hier lernt man mithilfe von Sensoren zum Beispiel, aktiv die linke oder rechte Schläfenarterie zu verengen.
  • Gut hydrieren: Wenn man immer genug Wasser trinkt, sorgt man für eine gute Durchblutung und reduziert man das Migränerisiko.
  • Ernährungsumstellung: Wenn man bemerkt, dass bestimmte Lebensmittel einem nicht guttun und die Migräne begünstigen, sollte man sie von dem Speiseplan streichen. Viele Betroffene berichten, dass ihnen das Weglassen von Schokolade, Fertiggerichten und Käse geholfen hat. Insgesamt ist es gut, die Gesundheit mit einer regelmäßigen und ausgewogenen Ernährung zu stärken - auch auf die regelmäßige Einnahme von Omega-3-Fettsäuren sollte man achten.
  • Schlafqualität verbessern: Gehe möglichst jeden Tag zur selben Zeit schlafen und finde heraus, mit welcher Schlafmenge man sich optimal erholt fühlt. Schlafmangel und ein unregelmäßiger Schlafrhythmus können Migräne-Attacken auslösen und so die menstruelle Migräne verstärken.

Tipps zur Selbstfürsorge bei menstrueller Migräne

Du hast gerade eine Migräne-Attacke? Dann pack den Notfallkoffer aus und versuche das hier:

  • Ruhe, Dunkelheit, Schlaf: Dass diese Kombination bei einer Migräne-Attacke guttut, weiß man bestimmt schon selbst. Besonders wenn man schlafen kann, kann das die Symptome oft gut lindern.
  • Kälte oder Wärme: Ein Kältepack auf der Stirn oder im Nacken kann die Schmerzen reduzieren. Vielleicht mag man aber lieber eine warme Dusche oder einer Wärmflasche testen? Vor der Periode ist der Körper oft sehr angespannt, auch das kann deine Migräneattacken verstärken.
  • Aromatherapie: Einige Tropfen Pfefferminzöl auf die schmerzende Stirn oder die Schläfen wirken angenehm kühl und entspannend.
  • Ingwertee: Hilft gut gegen Übelkeit
  • Kaffee: Hier sind die Erfahrungen sehr gespalten. Etwas Koffein kann guttun oder sogar Kopfschmerzen auslösen.

Weitere Behandlungsmethoden

Neben den genannten Möglichkeiten existieren noch zahlreiche andere Wege, die du probieren kannst, zum Beispiel Akupunktur, Akupressur oder Tee aus Heilkräutern wie Schlüsselblumen. Vieles ist in der Wirkung zwar noch nicht wissenschaftlich erforscht, doch wenn du merkst, dass dir etwas guttut, bist du auf dem richtigen Weg. Wichtig ist, dass du deine Schritte möglichst gut mit deinem Arzt oder deiner Ärztin absprichst, denn im Einzelfall kann es zum Beispiel bei Heilpflanzen zu Wechselwirkungen mit den Medikamenten kommen.

Hormonelle Therapien

Viele therapeutische Verfahren, die früher noch deutlich häufiger Anwendung fanden, gelten heute als überholt. Bei Migräne in der Menopause empfehlen Ärzt*innen heutzutage Östrogen-Gele, um einem entsprechend niedrigen Hormonspiegel entgegenzuwirken. Ansonsten gelten bei hormoneller Migräne ähnliche Behandlungsmethoden wie bei regulären Migränekopfschmerzen. Zu hormonellen Therapieverfahren wie verschreibungspflichtigen Hormonpflastern oder einer oralen Gabe von Östrogen raten Ärzte mittlerweile ab. Denn die Kopfschmerzattacken werden so in der Regel nur um ein paar Tage verschoben, aber nicht verhindert. Östrogen-Gele, die auf die Haut aufgetragen werden und Frauen an ihren „kritischen Tagen“ schützen sollen, haben sich hingegen in einigen Fällen bewährt.

Menstruelle Migräne und die Pille

Einigen Betroffenen von menstrueller Migräne helfen zum Beispiel Hormonpflaster oder das Einnehmen der Anti-Baby-Pille. Anderen hilft allerdings genau das Gegenteil, also das Weglassen der Pille. Hier ist viel Ausprobieren angezeigt, natürlich nur gemeinsam mit dem Arzt oder der Ärztin des Vertrauens. Es gibt Spekulationen, dass die Antibabypille eine Ursache für Migräne darstellt. Da verschiedene Antibabypillen unterschiedlichen Einfluss auf die Hormonschwankungen nehmen, solltest du deine Migräne auch mit deinem Frauenarzt besprechen. Treten die ersten Symptome beispielsweise erstmals nach der Einnahme der Pille auf, ist es ratsam, diese wieder abzusetzen. Darüber müssen sich betroffene Frauen allerdings mit ihrem Frauenarzt abstimmen.

Migräne bei Männern

Unabhängig von Alter und Hormonstatus gibt es zahlreiche Möglichkeiten der Migräneprophylaxe. Wie oben bereits genannt, leiden statistisch gesehen Männer seltener an Migräne. Allerdings kann es auch hier zu Kopfschmerzen aufgrund von hormonellen Schwankungen kommen. Eine Möglichkeit ist ein niedriger Testosteronspiegel, eine andere eine überdurchschnittliche Menge Östrogen im Blut. Auch wenn Männer seltener an Migräne leiden, kann es bei ihnen trotzdem einen Zusammenhang zwischen Hormonen und den unangenehmen Kopfschmerzen geben. So wird bei Betroffenen vermutet, dass ein Mangel am männlichen Sexualhormon Testosteron vorliegt. Gleichzeitig besitzen sie oft eine erhöhte Menge des Hormons Östrogen. Die Ursache der Hormonschwankungen ist noch nicht geklärt.

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