Migräne und Selenmangel: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Viele Menschen kennen das Gefühl eines hämmernden Kopfes, eines brummenden Schädels. Fast 8 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Migräne, und die meisten greifen zu Schmerztabletten. Migräne ist die dritthäufigste Krankheit der Welt und belastet die Lebensqualität der Betroffenen sehr stark.

Was ist Migräne?

Typischerweise äußert sich eine Migräne durch periodisch wiederkehrende, pulsierende und meist halbseitige Kopfschmerzen, die von Symptomen wie Konzentrationsstörungen, Müdigkeit, Erbrechen, Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet sein können. Bei körperlicher Anstrengung verstärkt sich der Schmerz. In der Regel dauert eine Migräneattacke zwischen 4 und 72 Stunden.

Teilweise kann ein Migräneanfall auch mit einer Aura einhergehen (etwa 20 % der Migränepatienten). Diese äußert sich vor allem durch optische, sensible sowie sprachliche Störungen und dauert in der Regel bis zu 60 Minuten an.

Während sich das Migräneleiden - wie bereits erwähnt - durch pochend-pulsierende, meist einseitige Schmerzen äußert, haben Personen mit Kopfschmerzen ein dumpfes und drückendes Gefühl im Kopf. Außerdem machen sich Kopfschmerzen meist über den gesamten Kopf bemerkbar. Kopfschmerzen hat jeder von uns schon verspürt. Eine der häufigsten und schmerzhaftesten Ursachen für chronischen Kopfschmerz ist die Migräne. Mehr Frauen als Männer sind betroffen.

Ursachen von Migräne

Es ist noch nicht vollständig geklärt, was die Ursachen einer Migräne mit oder ohne Aura sind. Wahrscheinlich treten mehrere Faktoren gleichzeitig auf. Die Medizin geht davon aus, dass es durch bestimmte Auslöser, wie Stress, Krankheit etc. zu einem Energiemangel im Hirnstamm kommt. Auslöser können unter anderem Stress, Schlafmangel, Hormonveränderungen z. B. während des Zyklus oder durch Einnahme von Hormonpräparaten (bspw. Pille), Wetterveränderungen sowie Vitaminmangel sein. Auch ein Vitaminmangel kann zu den Triggern gehören bzw. dafür sorgen, dass die persönlichen Trigger (Wetter, Licht, Stress u. a.) auch tatsächlich zu einem Migräneanfall führen.

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Der Zusammenhang mit Botenstoffen und Energiestoffwechsel

Diverse Studien zeigen, dass Migräne-Patienten oft ein Defizit an wichtigen Botenstoffen haben, die für einen funktionierenden Energiestoffwechsel von Bedeutung sind. So haben Migränepatienten häufig erniedrigte Spiegel im Blut an Magnesium, Vitamin B2 (Riboflavin), Vitamin D und Coenzym Q10. Vitamin B2, B6, B12, Niacin, Coenzym Q10 und Magnesium haben eine wichtige Funktion bei der Energiebereitstellung und unterstützen so z. B. den Energiestoffwechsel im Gehirn. Da bei Migräne wahrscheinlich der Energiestoffwechsel der Mitochondrien verändert ist, führt eine ausreichende Versorgung der Mikronährstoffe zu einem verbesserten Wohlbefinden.

  • Vitamin B2: Eine Studie von Boehnke et al. (2004) zeigt zudem, dass sich eine Vitamin B2-Supplementation positiv auf Kopfschmerzen auswirken kann und es somit eine gute Migräneprophylaxe darstellen könnte. Schon seit Anfang der 1990er Jahre weiß man, dass bei Migräne ein Vitamin-B2-Mangel vorliegen kann. Da Vitamin B2 die Mitochondrienaktivität steigern kann, verordneten die Wissenschaftler in ihrer Studie 49 Migränepatienten täglich 400 mg Vitamin B2 über einen Zeitraum von mindestens 3 Monaten. Vitamin B2 arbeitet auch an der Energiegewinnung mit. Es ist für den Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel daher unentbehrlich. Auch für die Augen ist das Vitamin B2 wichtig und für die Haut.
  • Magnesium: Magnesium trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei und fördert zudem die Serotoninausschüttung. Serotonin, das sogenannte Glückshormon, leitet u. a. Nervensignale weiter, steuert die Ausdehnung sowie Verengung der Blutgefäße und löst Schmerzsignale aus. Serotonin wird daher auch häufig mit Migräne in Zusammenhang gebracht. Darüber hinaus wird Magnesium für viele Aktionen im Körper benötigt, die allesamt - wenn es in deren Ablauf zu Fehlern kommt - eine Migräneattacke auslösen oder verschlimmern können. Zu diesen Aktionen gehören beispielsweise die Entspannung der Gefässwande, die Hemmung der Blutgerinnung, die Serotoninausschüttung und die Beruhigung der Nervenerregbarkeit.
  • Vitamin D: Inzwischen gibt es für diese Zwecke ein Präparat, das die bei Migräne erforderlichen Vitalstoffe und Dosen enthält (Migravent®). Es besteht in der Hauptsache aus Magnesium (600 mg), Vitamin B2 (400 mg) und Coenzym Q10 (150 mg) plus einer Vielzahl weiterer Vitalstoffe, u. a. auch Vitamin D. Vitamin D gilt u. a. Im Jahr 2014 zeigte beispielsweise eine Studie, dass die Gabe von Vitamin D - zusätzlich zur üblichen Migränemedikation - sehr hilfreich sein kann. Es stellte sich heraus, dass die Probanden mit Migräne deutlich niedrigere Vitamin D-Spiegel im Blut hatten als die Kontrollgruppe ohne Migräneattacken. So hatte jeder zweite Proband mit Migräne zu geringe Vitamin D-Spiegel. In der Kontrollgruppe war es lediglich jede 4. Vitamin D ist das Sonnenvitamin, mit dem die meisten Menschen in Mittel- und Nordeuropa unterversorgt sind. Es wird hauptsächlich in der Haut mit Hilfe der UV-Strahlung der Sonne gebildet und kann nur in geringen Mengen über die Nahrung aufgenommen werden.
  • Coenzym Q10: Dr. Hagler und Team stellten fest, dass besonders Mädchen und junge Frauen an einem Coenzym-Q10-Mangel leiden. Coenzym Q10 wird vom Körper normalerweise aus den Aminosäuren Phenylalanin und Tyrosin hergestellt und ist massgeblich an wichtigen Energieherstellungsprozessen im Organismus beteiligt. Folglich kann der Stoff bei vielen Krankheiten Heilprozesse anstossen.

Homocystein-Werte und B-Vitamine

Wissenschaftler*innen fanden heraus, dass hohe Homocystein-Werte im Körper eine Migräne begünstigen können. Dazu untersuchte eine australische Studie den Effekt der Homocystein-senkenden Therapie auf die Migränehäufigkeit. Um die Homocystein-Konzentrationen im Körper zu senken, wurden den Probanden Vitamin B6, Vitamin B12 und Folsäure über sechs Monate verabreicht.

Weitere Faktoren

Die Energiebildung im Organismus ist somit sehr stark von Coenzym Q10 abhängig. Es zeigten sich nachweislich Störungen der Coenzym-Q10- und NADH-Spiegel sowie des Redox-Status.

Selen und seine Rolle bei Migräne

Selen ist ein essentielles Spurenelement, das eine wichtige Funktion für unseren Organismus und das Immunsystem hat. Es ist ein wichtiger Bestandteil von Enzymsystemen, die dem zellschädigenden oxidativen Stress entgegenwirken. Insbesondere übernimmt Selen eine Schlüsselrolle in der Abwehr Freier Radikale.

Selenmangel und seine Auswirkungen

Ein Selenmangel kann sich auf unterschiedliche Weise äußern. Mögliche Anzeichen für Selenmangel sind etwa weiße Flecken auf den Nägeln und Haarausfall. Ein stärker ausgeprägter Selenmangel beeinträchtigt etwa die Schilddrüse und die Immunabwehr, aber auch andere Körperbereiche und -funktionen. Entsprechend vielfältig sind die Symptome bei Selenmangel. Dazu zählen beispielsweise:

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  • Gestörte Schilddrüsenfunktion
  • Fruchtbarkeitsprobleme beim Mann durch Störung der Spermienproduktion
  • Infektanfälligkeit
  • Ungewollter Gewichtsverlust
  • Darmträgheit mit Verstopfung
  • Kopfschmerzen
  • Gedächtnisstörungen
  • Schlafstörungen
  • Gelenkschmerzen
  • Muskelerkrankungen (Myopathien)

Im Klimakterium kommt es vielfach zu Schilddrüsenfehlfunktionen. Das liegt daran, dass das Organ aufgrund von oxidativen Schäden in der Funktionalität beeinträchtigt wird. Infolgedessen kann die Schilddrüse nicht mehr ausreichend Hormone produzieren. Selen schützt die Schilddrüse vor oxidativen Schäden und erhält somit die Funktion.

Ursachen für Selenmangel

In Europa sind die Böden und damit die Pflanzen, die darauf wachsen, vergleichsweise arm an Selen. Regional produziertes Gemüse und Getreide liefert deshalb nur recht geringe Mengen des Spurenelements. Ein Selenmangel ist bei einer ausgewogenen Mischkost, die auch tierische Nahrungsmittel beinhaltet, unwahrscheinlich. Vegetarisch und vegan lebende Menschen müssen jedoch verstärkt darauf achten, genügend Selen aufzunehmen.

Probleme gibt es allerdings, wenn das Selen vom Körper nicht ausreichend aufgenommen oder verwertet werden kann oder zu viel Selen ausgeschieden wird. Das kann bei bestimmten Erkrankungen der Fall sein, zum Beispiel bei:

  • Chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa)
  • Genetisch bedingten Selenstoffwechselstörungen
  • Mukoviszidose
  • Nierenschwäche (Niereninsuffizienz)
  • Langfristige Dialyse aufgrund einer Nierenerkrankung

Selenüberdosierung

Selen wird auch in Deutschland häufig in Dosierungen von 200 Mikrogramm pro Tablette frei verkäuflich angeboten. Die Ärzte um Rae rieten zum sofortigen Selenentzug, worauf die Symptome mit sinkenden Selenspiegeln zurückgingen. Eindeutig beweisen können die Ärzte natürlich nicht, dass die Symptome primär oder ausschließlich durch Selen verursacht worden sind. Zudem zeigte die Frau nicht alle typischen Zeichen einer Selenvergiftung, wie Haarausfall oder Nagelwachstumsstörungen.

Immer wieder wird vor der Toxizität von Selen gewarnt. Bei Nahrungsergänzungsmitteln vorkommen, ist der Verbraucher nicht gefährdet. Dosierungen bis 400 µg Selen pro Tag eingesetzt. diese hohen Dosierungen keinen besonderen Nutzen aufweisen.

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Selenmangel beheben

Ein leichter Selenmangel lässt sich oft durch den gezielten Verzehr selenreicher Lebensmittel wie Paranüsse oder Weißkohl ausgleichen. Eine zusätzliche Zufuhr über Nahrungsergänzungsmittel ist bei einer ausgewogenen Ernährung normalerweise nicht nötig.

Ideal wären 100- 200 µg Selen täglich. 200-400 µg organisches Selen am Tag empfohlen. Organische Supplemente (z.B. SelenoPrecise, Fa. besser aufgenommen und können im Körper gespeichert werden. Anorganische Verbindungen, z.B. Selenit und Selenat, werden schneller verwertet. Selen eignet sich zur Infusionstherapie, wenn eine schnelle Wirkung erforderlich ist (z.B.

Weitere Therapieansätze bei Migräne

Vitalstoffe sind bei ständigen Kopfschmerzen hochwirksam und sollten immer eine Therapieoption darstellen. Die Wichtigkeit einer ausreichenden Flüssigkeitsversorgung hinweisen. Eine ausgewogene Ernährung ist für jeden Menschen ratsam.

Vegane Ernährung bei Migräne

Ob vegane Ernährung bei Migräne die Häufigkeit von Attacken verringert oder die Symptome lindert, wurde wissenschaftlich bislang nur wenig untersucht. Eine US-Studie aus dem Jahr 2014 gibt Hinweise darauf:

Die Ergebnisse zeigten Hinweise, dass sich Migräne durch vegane Ernährung positiv beeinflussen lässt - da sich Häufigkeit und Intensität der Schmerzen der Migräne-Attacken bei den Patienten verringerten, die sich vegan ernährten.

Eine grundsätzliche Empfehlung zu Migräne und veganer Ernährung lässt sich aus diesem Studienergebnis nicht ableiten. Dazu sind individuelle Triggerfaktoren bei Betroffenen zu unterschiedlich. Doch eine bewusste Ernährung kann dir unter Umständen gegen deine Migräne helfen, insbesondere, wenn du Lebensmittel identifizieren konntest, die bei dir Trigger für Attacken sind. Ob sich eine vegane Ernährung positiv auf deine Migräne auswirkt, findest du letztlich nur durch Ausprobieren heraus.

Medikamente und Nahrungsergänzungen

Diese Leitlinien wurden im Jahr 2015 veröffentlicht - und zwar gemeinsam von der American Academy of Neurology (AAN) und der Canadian Headache Society (CHS). Die Leitlinien sind für Ärzte gedacht, damit diese wissen, welche Medikamente und Nahrungsergänzungen nachweislich bei der Migräneprävention hilfreich sind und somit im Praxisalltag eingesetzt werden können.

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