Migräne nach PDA: Ursachen, Risiken und Behandlung

Die Periduralanästhesie (PDA), ein in der Geburtsmedizin gängiges Verfahren zur Schmerzlinderung, kann in seltenen Fällen zu Migräne oder anderen Kopfschmerzen führen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Risiken und Behandlungsmöglichkeiten von Migräne nach PDA, um Betroffenen ein umfassendes Verständnis zu ermöglichen.

Was ist eine PDA?

Die Periduralanästhesie, auch Epiduralanästhesie oder Periduralblockade genannt, ist eine Methode zur Schmerztherapie, bei der ein Anästhesiemittel in den unteren Rücken (Rückenmark) injiziert wird. Dadurch werden lokal einzelne Abschnitte der Nerven in ihrer Funktion gehemmt, wodurch das Schmerzempfinden der werdenden Mutter in bestimmten Regionen gezielt ausgeschaltet wird. Ein dünner Katheter wird durch eine kleine Punktion in der Haut im unteren Rücken eingeführt, über den das Anästhesiemittel verabreicht wird.

Ursachen von Kopfschmerzen nach PDA

Kopfschmerzen nach einer PDA können verschiedene Ursachen haben. Die häufigste Ursache ist der sogenannte postpunktionelle Kopfschmerz (PKK), auch bekannt als "postdural puncture headache" (PDPH). Dieser entsteht, wenn bei der Punktion versehentlich die harte Hirnhaut (Dura mater), die das Rückenmark umschließt, durchstochen wird. Durch das entstandene Leck tritt Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) aus, was zu einem Unterdruck im Schädelinneren führt. Dieser Unterdruck zieht an den Hirnhäuten, Nerven und Gefäßen, was die typischen Kopfschmerzen verursacht.

Weitere mögliche Ursachen für Kopfschmerzen nach PDA sind:

  • Spannungskopfschmerzen: Diese können durch Stress, Verspannungen oder Flüssigkeitsmangel ausgelöst werden.
  • Migräne: Frauen, die bereits vor der Schwangerschaft unter Migräne litten, können nach der Geburt erneut Migräneattacken erleben. Hormonelle Veränderungen im Wochenbett können ebenfalls Migräne auslösen.
  • Nebenwirkungen der Medikamente: In seltenen Fällen können die bei der PDA eingesetzten Medikamente Kopfschmerzen als Nebenwirkung verursachen.
  • Andere Ursachen: In seltenen Fällen können auch andere Ursachen wie eine Spätform der Präeklampsie, Subduralhämatome (SDH), Meningitiden oder eine zerebrale Sinusvenenthrombose für Kopfschmerzen nach PDA verantwortlich sein.

Symptome des postpunktionellen Kopfschmerzes (PKK)

Der postpunktionelle Kopfschmerz tritt typischerweise innerhalb von fünf Tagen nach der Punktion auf. Die Kopfschmerzen sind oft stark und werden durch Aufstehen oder Aufsitzen verstärkt, während sie sich im Liegen bessern. Begleitende Symptome können sein:

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  • Nackensteifigkeit oder Nackenschmerzen
  • Ohrgeräusche (Tinnitus)
  • Veränderung des Hörens
  • Lichtscheu
  • Übelkeit

Seltene, aber schwerwiegende Komplikationen

In sehr seltenen Fällen können nach einer PDA schwerwiegende Komplikationen auftreten, die mit Kopfschmerzen einhergehen können:

  • Subduralhämatom (SDH): Eine sehr seltene, aber schwerwiegende Komplikation, die durch eine venöse Sickerblutung aus Brückenvenen zwischen der Dura und der Arachnoidea entsteht.
  • Pneumatozephalus: Das Eindringen von Luft in den Schädel, was zu Kopfschmerzen und anderen neurologischen Symptomen führen kann.
  • Infektionen: Infektionen an der Einstichstelle oder im Bereich des Rückenmarks können ebenfalls Kopfschmerzen verursachen.
  • Bleibende Lähmungen: In sehr seltenen Fällen kann eine PDA als Spätfolge bleibende Lähmungen nach sich ziehen, beispielsweise durch Infektionen oder Blutergüsse im Spinal- oder Periduralraum.

Diagnose von Kopfschmerzen nach PDA

Bei Kopfschmerzen nach PDA ist es wichtig, die Ursache abzuklären, um die geeignete Behandlung einzuleiten. Die Diagnose umfasst in der Regel:

  • Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte, einschließlich der Umstände der PDA-Anlage und der Art der Kopfschmerzen.
  • Körperliche Untersuchung: Untersuchung auf neurologische Defizite oder andere Auffälligkeiten.
  • Bildgebende Verfahren: In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie eine kraniale Computertomographie (cCT) oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) erforderlich sein, um andere Ursachen für die Kopfschmerzen auszuschließen.

Behandlung von Kopfschmerzen nach PDA

Die Behandlung von Kopfschmerzen nach PDA richtet sich nach der Ursache und Schwere der Beschwerden.

Konservative Maßnahmen

Bei leichten bis mittelschweren postpunktionellen Kopfschmerzen können konservative Maßnahmen ausreichend sein:

  • Bettruhe: Flachliegen oder Kopftieflagerung kann die Schmerzen lindern.
  • Flüssigkeitszufuhr: Ausreichende Flüssigkeitszufuhr kann helfen, den Liquorverlust auszugleichen.
  • Schmerzmittel: Paracetamol oder Ibuprofen können zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.
  • Koffein: Koffein kann helfen, die Blutgefäße zu verengen und den Unterdruck im Schädelinneren zu reduzieren.

Medikamentöse Therapie

Bei stärkeren Beschwerden oder wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichend helfen, können Medikamente eingesetzt werden:

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  • Koffein: In höherer Dosierung kann Koffein oral oder intravenös verabreicht werden.
  • Theophyllin: Ein ähnliches Medikament wie Koffein, das ebenfalls gefäßverengend wirkt.
  • Gabapentin oder Hydrocortison: In einigen Fällen können diese Medikamente zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.

Epiduraler Blutpatch (EBP)

Der epidurale Blutpatch ist eine effektive Methode zur Behandlung des postpunktionellen Kopfschmerzes. Dabei wird Eigenblut der Patientin in den Epiduralraum injiziert, um das Dura-Leck abzudichten und den Liquorverlust zu stoppen. Der EBP hat eine hohe Erfolgsrate und führt in den meisten Fällen zu einer raschen Besserung der Beschwerden.

Weitere Behandlungsoptionen

In seltenen Fällen können weitere Behandlungsoptionen in Betracht gezogen werden, wie z.B.:

  • Lidocain per MAD: Die Gabe von Lidocain per MAD (Mucosal Atomization Device) kann eine schnelle und persistierende Wirkung auf die Symptome haben.
  • Acetazolamid: Bei einem Überdruck nach Therapie kann Acetazolamid vorübergehend medikamentös eingesetzt werden.
  • Symptomatische Schmerztherapie: Sämtliche Methoden der symptomatischen Schmerztherapien können angewandt werden - medikamentös und nicht-medikamentös.
  • Psychosoziale Unterstützung: Die lange Krankheitsdauer, die Vielzahl an frustrierenden Arztkontakten, die Fehldiagnosen und unzureichenden Therapien bedeuten auch eine psychische Belastung.

Vorbeugung von Kopfschmerzen nach PDA

Obwohl ein versehentliches Durchstechen der Dura mater nicht immer vermieden werden kann, gibt es Maßnahmen, die das Risiko für einen postpunktionellen Kopfschmerz reduzieren können:

  • Erfahrene Anästhesisten: Die PDA sollte von einem erfahrenen Anästhesisten durchgeführt werden.
  • Geeignete Nadeln: Die Verwendung von atraumatischen Nadeln kann das Risiko für ein Dura-Leck verringern.
  • Sorgfältige Technik: Eine sorgfältige Punktionstechnik ist entscheidend, um die Dura mater nicht zu verletzen.

Migräne in der Schwangerschaft und nach der Geburt

Frauen, die bereits vor der Schwangerschaft unter Migräne litten, können während der Schwangerschaft eine Veränderung ihrer Beschwerden feststellen. Bei vielen Frauen bessert sich die Migräne während der Schwangerschaft, insbesondere im zweiten und dritten Trimester. Dies wird auf den konstant hohen Spiegel der weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron sowie auf eine gesündere Lebensweise zurückgeführt.

Nach der Geburt kann es jedoch erneut zu Migräneattacken kommen, da der Östrogenspiegel kurz nach der Entbindung schnell absinkt. Auch Frauen, die vor der Geburt nie von Migräne geplagt waren, können im Wochenbett erstmals darunter leiden.

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Umgang mit Migräne nach der Geburt

Für stillende Mütter ist es besonders wichtig, bei der Behandlung von Migräne auf Medikamente zu achten, die für den Säugling unbedenklich sind. Einige Schmerzmittel und Triptane gelangen in die Muttermilch und können negative Auswirkungen auf das Kind haben oder die Milchproduktion beeinträchtigen.

Es ist ratsam, die medikamentöse Behandlung immer mit einem Arzt abzusprechen, um eine passende Therapie für die individuelle Situation zu finden. Auch nicht-medikamentöse Maßnahmen wie Ruhe, Entspannungstechniken und das Vermeiden von Migräne-Auslösern können hilfreich sein.

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