Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die durch starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist, oft begleitet von Übelkeit, Erbrechen sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Viele Frauen erleben Migräneattacken im Zusammenhang mit ihrem Menstruationszyklus, was als menstruelle Migräne oder hormonelle Migräne bezeichnet wird. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Behandlungsmöglichkeiten und präventiven Maßnahmen bei Migräne im Zusammenhang mit dem prämenstruellen Syndrom (PMS) und anderen hormonellen Schwankungen.
Hormonelle Ursachen der Migräne
Die medizinische Forschung hat gezeigt, dass hormonelle Schwankungen zu den häufigsten Auslösern von Migräne gehören. Hormone sind Botenstoffe, die für die Kommunikation zwischen Organsystemen zuständig sind. Sie werden unter anderem im Gehirn und in den Eierstöcken gebildet. Der Einfluss von Hormonen auf Migräne zeigt sich auch darin, dass Jungen und Mädchen vor der Pubertät ähnlich häufig betroffen sind. Mit Beginn der hormonellen Umstellung verändert sich dieses Verhältnis zugunsten einer höheren Migränehäufigkeit bei Frauen.
Östrogen und Migräne
Verantwortlich für die Kopfschmerzattacken während der Monatsblutung ist wahrscheinlich das Hormon Östrogen. Die Produktion dieses Botenstoffs schwankt im Verlauf des monatlichen Zyklus, der bei den meisten Frauen durchschnittlich 28 Tage dauert. Bis etwa zur Hälfte des Menstruationszyklus steigt der Östrogenspiegel kontinuierlich an. Anschließend nimmt er leicht ab, um dann ein paar Tage vor der Periode wieder anzusteigen. Mediziner vermuten, dass das plötzliche Absinken des Östrogenspiegels auch den Serotoninspiegel beeinflusst. Das Hormon Östrogen erhöht die Konzentration des Botenstoffs Serotonin im Gehirn. Wird weniger Östrogen produziert, nimmt in der Folge also auch die Menge des „Glückshormons“ Serotonin ab. Zudem schüttet der Körper während der Periode vermehrt Prostaglandin aus, einen Botenstoff, der für das Schmerzentstehen eine wichtige Rolle spielt.
Menstruelle Migräne
Gemäß internationaler Kopfschmerz-Klassifikation wird die menstruelle Migräne folgendermaßen definiert: Bei mindestens zwei von drei aufeinanderfolgenden Zyklen tritt bei der Frau eine Migräneattacke auf und zwar innerhalb von zwei Tagen vor Einsetzen der Regelblutung bis drei Tage danach. Mit dieser strikten zeitlichen Fixierung trifft das aber nur auf einige Patientinnen mit Migräne zu. Ereignen sich die Kopfschmerzanfälle zusätzlich auch noch zu anderen Zeitpunkten im Zyklusverlauf, lautet der medizinisch korrekte Begriff „menstruell assoziierte Migräne“. Betroffene Frauen leiden unter einem anfallsartigen, meist einseitigen, pulsierenden Kopfschmerz. Der Kopfschmerz kann sich mitunter auch beidseitig manifestieren. Außerdem berichten die betroffenen Frauen zusätzlich von Symptomen wie Übelkeit und Erbrechen sowie Licht- oder Geräuschempfindlichkeit. Meistens macht sich die menstruelle Migräne bereits im zweiten Lebensjahrzehnt bemerkbar und erreicht um das 40. Lebensjahr herum ihr Maximum.
Die menstruelle Migräne ist häufig stärker ausgeprägt, hat mehr Begleitsymptome im Schlepptau und ist schwieriger zu behandeln als andere Migräneformen. Bei der Entstehung der menstruellen Migräneattacken scheint der - vor der Periode einsetzende - Abfall zuvor hoher Hormonkonzentrationen (Östrogen, Gelbkörperhormone) im Blut eine auslösende Rolle zu spielen. Es gibt außerdem Hinweise auf Störungen in der Schmerzregulierung und im Prostaglandin- und Serotoninstoffwechsel. Inwiefern diese Störungen und die hormonellen Veränderungen aber im Detail für die Schmerzen verantwortlich sind, ist noch unklar. Die Genetik dürfte auch ein Wörtchen mitzureden haben. Ebenso die Epigenetik, also die Umstände, die das Ablesen der Erbinformation beeinflussen. Hier sind unter anderem psychosomatische Aspekte relevant, bei denen es um die Beziehung zwischen Körper und Seele geht - etwa beim Stressverhalten, das individuell sehr unterschiedlich gelebt wird.
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Migräne in der Schwangerschaft
Bei einer Schwangerschaft ist der Körper weit mehr hormonellen Veränderungen ausgesetzt als sonst. Das kann dazu führen, dass Migränepatientinnen während der Schwangerschaft vorübergehend weniger an Migränekopfschmerzen leiden. Der Grund dafür liegt im Wechsel des Hormonhaushalts, da der Östrogenspiegel während der Schwangerschaft konstant hoch ist. ABER: Bei Patientinnen, die an Migräne mit Aura leiden, können die Attacken während der Schwangerschaft auch zunehmen. Die Einnahme von Medikamenten ist während der Schwangerschaft eng mit dem behandelnden Arzt abzustimmen. Da Migräneattacken an sich sehr wahrscheinlich keinen Einfluss auf den Embryo haben, für die meisten Arzneimittel jedoch noch keine ausreichenden Studien vorliegen, ist über eine verminderte Migräne-Therapie nachzudenken.
Migräne in den Wechseljahren
Die Zeit vor und während der Menopause ist geprägt von hormonellen Schwankungen. Bei einem starken Abfall des Östrogenspiegels während den Wechseljahren kann es, neben bekannten Leiden wie Hitzewallungen, auch zu einer hormonellen Migräne kommen. Daher geht die Zeit der Menopause häufig mit vermehrt auftretenden Migränekopfschmerzen einher. Ist diese Phase jedoch überstanden, bessert sich das Aufkommen von Migräne häufig. Frauen, denen die Wechseljahre bevorstehen, sollten bereits über eine nicht-medikamentöse Migräneprophylaxe nachdenken.
Hormonelle Ursachen bei Männern
Unabhängig von Alter und Hormonstatus gibt es zahlreiche Möglichkeiten der Migräneprophylaxe. Wie oben bereits genannt, leiden statistisch gesehen Männer seltener an Migräne. Allerdings kann es auch hier zu Kopfschmerzen aufgrund von hormonellen Schwankungen kommen. Eine Möglichkeit ist ein niedriger Testosteronspiegel, eine andere eine überdurchschnittliche Menge Östrogen im Blut. Die Ursache der Hormonschwankungen ist noch nicht geklärt.
Diagnose und Abgrenzung
Die Abgrenzung zwischen einer Migräne ohne Aura und Spannungskopfschmerz kann schwierig sein. Deshalb soll die Diagnose „menstruelle Migräne“ laut der ärztlichen Leitlinien frühestens nach fünf erlittenen Attacken erfolgen. Zumal betroffene Frauen auch oft einen Zusammenhang zwischen Menstruation und Migräne sehen, den es gar nicht gibt. Das zeigen wissenschaftliche Studien, in denen die Teilnehmerinnen ein Kopfschmerztagebuch führten.
Behandlungsmöglichkeiten
Viele therapeutische Verfahren, die früher noch deutlich häufiger Anwendung fanden, gelten heute als überholt. Bei Migräne in der Menopause empfehlen Ärzt*innen heutzutage Östrogen-Gele, um einem entsprechend niedrigen Hormonspiegel entgegenzuwirken. Ansonsten gelten bei hormoneller Migräne ähnliche Behandlungsmethoden wie bei regulären Migränekopfschmerzen.
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Akutbehandlung
Grundsätzlich gilt: Akute menstruell bedingte Migräneattacken werden genauso behandelt wie andere Migräneattacken. Dabei liegt der Fokus auf einer möglichst effektiven und individuellen Schmerzlinderung. Auch haben viele Frauen bei leichten Beschwerden positive Erfahrungen mit nicht-medikamentösen Methoden gesammelt. Bei starken Beschwerden helfen Medikamente, um den Anfall zu unterbrechen und durchzustehen. Dazu zählen Schmerzmittel wie ASS, Ibuprofen oder die Kombination aus ASS, Paracetamol und Koffein, die möglichst am Anfang der Attacke eingenommen werden sollten. Darüber hinaus gibt es auch spezielle Migränemittel wie Triptane. Helfen diese Medikamente nicht, werden sie nicht vertragen oder können sie aus anderen Gründen nicht eingenommen werden, können auch sogenannte CGRP-Inhibitoren in Betracht gezogen werden. Opioide sollten nicht verwendet werden. Zu beachten ist, dass ein übermäßiger Gebrauch von Schmerzmitteln dazu führen kann, dass Kopfschmerzen chronisch werden. Deshalb sollte die Einnahme von Medikamenten immer mit den behandelnden Expertinnen und Experten abgeklärt werden.
Östrogen-Gele, die auf die Haut aufgetragen werden und Frauen an ihren „kritischen Tagen“ schützen sollen, haben sich hingegen in einigen Fällen bewährt. Daneben erfolgt die Behandlung von Kopfschmerzen während der Periode wie die einer „normalen“ Migräne: mit Schmerzmitteln oder speziellen Migränemitteln, sogenannten Triptanen. Da du weißt, wann die Migräneattacke vermutlich auftreten wird, kannst du dich darauf vorbereiten. Du musst Migräne-Schmerzen nicht einfach aushalten.
Vorbeugende Maßnahmen
Neben anderen Triggern kann Migräne auch durch hormonelle Schwankungen ausgelöst werden, wie sie beispielsweise während der Menstruation oder den Wechseljahren verstärkt auftreten. Um die hormonellen Schwankungen auszubremsen, kann es nützlich sein, prophylaktische Maßnahmen zu ergreifen wie autogenes Training oder progressive Muskelentspannung. Außerdem können Bewegungsübungen helfen, die oftmals mit den Kopfschmerzen einhergehenden Verspannungen zu lösen. Regelmäßige Bewegung tut dem Körper gut - das ist kein Geheimnis. So kann die körperliche Aktivität sogar bei der Schmerzlinderung helfen und dafür sorgen, dass du dich auch vor und während der Periode wohler fühlst. Durch regelmäßige Bewegung werden körpereigene Glückshormone, sogenannte Endorphine, ausgeschüttet und Stresshormone wie Cortisol verringert. Endorphine wirken als natürliches Schmerzmittel des Körpers, indem sie die Schmerzempfindlichkeit reduzieren. In einigen Fällen kann eine Hormontherapie, z. B. Sorge außerdem für regelmäßige Pausen in deinem Alltag und nimm dich und deine Bedürfnisse ernst - ganz besonders in der Zeit vor und während deiner Periode. Du siehst also, es gibt viele Ansatzpunkte, um Kopfschmerzen vor der Periode zu verringern oder ihnen vorzubeugen.
Es ist bekannt, dass bestimmte Auslöser eine Migräne begünstigen können. Folgende Tipps können helfen, Migräneattacken vorzubeugen oder sie abzuschwächen:
- Kurz vor und während der Periode auf Alkohol verzichten.
- Auf einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus achten. Also möglichst zur selben Zeit ins Bett gehen und aufstehen. Auch ausreichend Schlaf ist wichtig.
- Stress vermeiden. Entspannungstechniken wie progressive Muskelrelaxation nach Jacobson oder Yoga können dabei helfen, mit Stress besser umzugehen.
- Ausdauersportarten wie Radfahren, Joggen oder Schwimmen haben sich als wirksam bei der Vorbeugung von Migräne erwiesen.
- Das Führen eines Kopfschmerzkalenders kann helfen, auslösende Faktoren zu erkennen und den Erfolg der eingesetzten Medikamente zu bewerten.
Alternative Ansätze
Auch mit einem veränderten Lebensstil kannst du oft viel dafür tun, dass deine Migräne-Anfälle weniger und schwächer werden. Wichtige Ansatzpunkte sind insbesondere:
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- Stressreduktion: Mit Entspannungsverfahren wie der Progressiven Muskelrelaxation (PMR), Meditation oder Yoga sorgst du für Ausgeglichenheit und beugst Migräne vor.
- Andere Methoden und Therapien: Ein möglicher Ansatzpunkt ist auch eine kognitive Verhaltenstherapie, in der du deine eigenen Schmerzstrategien entwickeln kannst. Auch die Biofeedbackmethode wird für Migräne-Patienten empfohlen. Hier lernst du mithilfe von Sensoren zum Beispiel, aktiv deine linke oder rechte Schläfenarterie zu verengen.
- Gut hydrieren: Wenn du immer genug Wasser trinkst, sorgst du für eine gute Durchblutung und reduzierst du dein Migränerisiko.
- Ernährungsumstellung: Wenn du bemerkst, dass bestimmte Lebensmittel dir nicht guttun und deine Migräne begünstigen, solltest du sie von deinem Speiseplan streichen. Viele Betroffene berichten, dass ihnen das Weglassen von Schokolade, Fertiggerichten und Käse geholfen hat. Insgesamt ist es gut, deine Gesundheit mit einer regelmäßigen und ausgewogenen Ernährung zu stärken - auch auf die regelmäßige Einnahme von Omega-3-Fettsäuren solltest du achten.
- Schlafqualität verbessern: Gehe möglichst jeden Tag zur selben Zeit schlafen und finde heraus, mit welcher Schlafmenge du dich optimal erholt fühlst. Schlafmangel und ein unregelmäßiger Schlafrhythmus können Migräne-Attacken auslösen und so die menstruelle Migräne verstärken.
Was du selbst tun kannst
- Ruhe, Dunkelheit, Schlaf: Dass diese Kombination bei einer Migräne-Attacke guttut, weißt du bestimmt schon selbst. Besonders wenn du schlafen kannst, kann das die Symptome oft gut lindern.
- Kälte oder Wärme: Ein Kältepack auf der Stirn oder im Nacken kann deine Schmerzen reduzieren. Vielleicht magst du aber lieber eine warme Dusche oder einer Wärmflasche testen? Vor der Periode ist der Körper oft sehr angespannt, auch das kann deine Migräneattacken verstärken.
- Aromatherapie: Einige Tropfen Pfefferminzöl auf die schmerzende Stirn oder die Schläfen wirken angenehm kühl und entspannend.
- Ingwertee: Hilft gut gegen Übelkeit
- Kaffee: Hier sind die Erfahrungen sehr gespalten. Etwas Koffein kann guttun oder sogar Kopfschmerzen auslösen.