Prolaktin, ein Hormon, das vor allem für seine Rolle bei der Milchproduktion bei Frauen bekannt ist, scheint auch in anderen Bereichen des Körpers eine wichtige Rolle zu spielen. Es wird vermutet, dass es die menschliche Bindung fördert und neuroprotektive, Anti-Stress- und angstlösende Wirkungen hat. Allerdings können erhöhte Prolaktinwerte (Hyperprolaktinämie) zu verschiedenen Problemen führen, darunter Kopfschmerzen, Libidoverlust und Erektionsstörungen bei Männern. Dieser Artikel beleuchtet die komplexen Zusammenhänge zwischen Prolaktin, Migräne und anderen Faktoren.
Die Rolle von Prolaktin im Körper
Prolaktin ist ein Hormon, das eine Schlüsselrolle bei der Milchproduktion in den Brustdrüsen von Frauen spielt. Es wird jedoch auch vermutet, dass Prolaktin, ähnlich wie Oxytocin, die menschliche Bindung fördert und somit als "Partnerschaftshormon" bezeichnet wird. Männer haben im Allgemeinen niedrigere Serum-Blutkonzentrationen von Prolaktin als Frauen. Es wird angenommen, dass das Hormon einen neuroprotektiven Effekt im zentralen Nervensystem (ZNS) hat und die Entwicklung neuer Neuronen (Neurogenese) unterstützt. Darüber hinaus hat es Anti-Stress- und Angst-reduzierende (anxiolytische) Effekte. Diese positiven Auswirkungen treten jedoch nur bei normalen Prolaktinwerten im Blut auf. Es gibt auch Hinweise darauf, dass Prolaktin Männer auf ihre Elternrolle vorbereitet.
Hyperprolaktinämie: Wenn der Prolaktinwert zu hoch ist
Ein erhöhter Prolaktinwert (Hyperprolaktinämie) kann verschiedene negative Auswirkungen haben. Bei Männern kann dies zu Kopfschmerzen, verminderter Libido, Erektionsstörungen und im schlimmsten Fall zu Impotenz führen. Langfristig kann dies sogar zu einer Abnahme der Knochendichte führen, da der Testosteronspiegel gesenkt und die Testosteronproduktion in den Hoden reduziert wird. Zu hohe Prolaktinwerte können auch Depressionen oder Laktation (Austritt von Milch aus der männlichen Brust) verursachen. In einigen Fällen kann das Prolaktinmolekül aufgrund einer Fehlfunktion vergrößert sein.
Ursachen der Hyperprolaktinämie
Eine Hyperprolaktinämie kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden:
- Hypothyreoidismus (Schilddrüsenunterfunktion): Eine Schilddrüsenunterfunktion kann zu erhöhten Prolaktinwerten führen.
- Hypophysen-Tumore (Adenome): Gutartige Vergrößerungen der Hypophyse, sogenannte Adenome, können zu einer erhöhten Prolaktinproduktion führen. Häufige Symptome sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Sehstörungen. Auch Tumore, die vermehrt Wachstumshormone ausschütten, können zu einer erhöhten Prolaktinsekretion führen.
- Autoimmune Störungen: Autoimmune Störungen können ebenfalls zu erhöhten Prolaktinwerten führen.
- Orgasmus: Ein Orgasmus kann sowohl bei Männern als auch bei Frauen zu einem signifikanten Anstieg des Prolaktinwerts im Blut führen.
- Medikamente: Bestimmte Medikamente, insbesondere Dopaminantagonisten wie Metoclopramid (bei Übelkeit und Erbrechen) oder manche Wirkstoffe zur Behandlung psychischer Erkrankungen (wie Antidepressiva, Neuroleptika), können zu erhöhten Prolaktinwerten führen.
- Östradiol: Östradiol, ein weibliches Hormon, kann den Prolaktinwert im Blut erhöhen.
- Brustwarzenstimulation: Die Prolaktinsynthese kann durch Brustwarzenstimulation lokal erhöht werden.
- Emotionale Faktoren: Emotionale Faktoren wie das Hören von Musik oder das Ansehen von Filmen, die auf die Stimmung drücken, können den Prolaktinwert erhöhen.
- Erkrankungen: Erkrankungen wie chronische Niereninsuffizienz oder Leberzirrhose können ebenfalls ursächlich sein.
- Funktionelle Enthemmung: Eine funktionelle Enthemmung durch einen verminderten Dopaminspiegel in der Hypophyse.
- Funktionelle Stimulation: Eine funktionelle Stimulation der Prolaktinproduktion, etwa bei einem Thyreotropinom, einem TSH produzierenden Hypophysentumor.
- Unfälle: In seltenen Fällen infolge eines Unfalls oder Sturzes, wenn dabei der Hypophysenstiel beschädigt oder abgerissen wird.
Diagnose der Hyperprolaktinämie
Um eine Hyperprolaktinämie festzustellen, wird in der Regel eine Blutuntersuchung durchgeführt, um den Prolaktinspiegel zu messen. Der Bluttest sollte frühestens ein bis zwei Stunden nach dem Aufwachen erfolgen, da der Prolaktinspiegel während des Schlafs höher ist als im Wachzustand. Soweit in zumindest zwei voneinander unabhängig entnommenen Blutproben erhöhte Prolaktinspiegel außerhalb von Schwangerschaft und Stillzeit nicht medikamentös bedingt sind, sollten Werte über 5300 mIU/l (ca. mit Hilfe hoch auflösender radiologischer Verfahren (Kernspintomographie) sein. angeraten. Unter Makroprolaktin versteht man Verbindungen, die zwar nur eine geringe oder keine biologische Aktivität entwickeln, allerdings aufgrund der Mokelülgröße kumulieren und über die Niere schlechter ausgeschieden werden. Dadurch kommt es zu hohen Prolaktinkonzentrationen. Durch Fällung des Blutserums mit PEG (Polyethylenglycol) wird ausschließlich monomeres (kleines) und damit biologisch aktives Prolaktin im Überstand gemessen.
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Beim MRT-Nachweis eines Prolaktinoms wird differenziert zwischen:
- Mikroprolaktinomen unter 10 mm
- Makroprolaktinomen ab 10 mm
- Riesenprolaktinomen, die einen Durchmesser von 4 cm überschreiten oder sich mehr als 2 cm oberhalb der Sella turcica, einem Knochen in der mittleren Schädelgrube, ausbreiten
Behandlung der Hyperprolaktinämie
Die Behandlung der Hyperprolaktinämie hängt von der Ursache ab.
- Medikamentöse Behandlung: Prolaktinome können meist durch bestimmte Medikamente, sogenannte Dopaminagonisten (z. B. Bromocriptin, Cabergolin oder Quinagolid), behandelt werden. Diese Medikamente senken den Prolaktinspiegel und können das Prolaktinom schrumpfen oder sogar ganz verschwinden lassen.
- Chirurgische Behandlung: Eine Operation ist nur notwendig bei Therapieresistenz, Unverträglichkeit der Therapie, nicht rasch genug medikamentös beeinflussbaren Prolaktinomen mit Gesichtsfeldeinschränkungen, Kinderwunsch und beim Auftreten akuter Hirndruckzeichen wie starken Kopfschmerzen oder Bewusstlosigkeit durch eine Tumoreinblutung nach Beginn einer Behandlung eines Prolaktinoms mit Dopaminagonisten. Bei der Operation entfernt der Arzt das Prolaktinom über die Nase. Der Chirurg verwendet dabei ein Endoskop, also ein langes, dünnes Instrument, welches mit einer Lichtquelle und einer Kamera ausgestattet ist.
- Strahlentherapie: Bei Inoperabilität kann in diesen Fällen auch eine Bestrahlung durchgeführt werden. Die Bestrahlung bewirkt oft, das sich das Prolaktinom verkleinert und der Blutprolaktinspiegel sinkt.
Prolaktin und Migräne: Ein möglicher Zusammenhang
Ein Forschungsteam der Universität Miguel Hernández untersuchte den Zusammenhang zwischen Sexualhormonen und Migräne. Die These war, dass Veränderungen des trigeminovaskulären Systems (Bereich des Gehirns, in dem Migräneschmerz erzeugt wird) durch Sexualhormone eine wichtige Rolle spielen. Die Ergebnisse der Untersuchung sind im Fachmagazin 'Molecular Biosciences' erschienen. Dabei fanden sie heraus, dass einige Hormone (z.B. Testosteron) vor Migräne zu schützen scheinen, während andere (z.B. Prolaktin) Migräne verschlimmern.
Die Hormone beeinflussen Migräneattacken nach Einschätzung der Forscher dadurch, dass sie die Ionenkanäle der Zellen, die die Reaktionen der Zellen auf äußere Reize steuern, mehr oder weniger anfällig machen.
Menstruelle Migräne und CGRP
Ein Forschungsteam der Charité - Universitätsmedizin Berlin hat eine mögliche Erklärung dafür gefunden, warum Frauen häufig kurz vor oder während der Monatsblutung von Migräneattacken heimgesucht werden. Der im Fachmagazin Neurology veröffentlichten Studie zufolge bilden betroffene Frauen während der Menstruation besonders große Mengen an CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide). CGRP ist eine körpereigene Substanz, die bei Migräne vermehrt ausgeschüttet wird und die Blutgefäße im Gehirn stark erweitert.
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Weitere hormonelle Einflüsse auf Migräne
Neben Prolaktin und Östrogen spielen auch andere Hormone eine Rolle bei Migräne. Brasilianische Forscher haben bei Migräne-Patienten deutlich abweichende Hormonwerte gemessen. Sie beobachteten eine deutliche Abnahme des die Milchproduktion steuernden Hormons Prolactin. Die Konzentration des Stresshormons Cortisol war bei den Migräne-Patienten indes erhöht, während die nächtliche Produktion des Schlafhormons Melatonin verzögert war.
Manchmal ist eine Östrogendominanz das Problem, also ein im Verhältnis zum Progesteron viel zu hoher Östrogenspiegel. Ob dies tatsächlich der Fall ist, lässt sich z.B. mit einem Speicheltest abklären. Anschließend kann das Hormongleichgewicht mit natürlichen Hormonen wieder sanft hergestellt werden.
Neben Nährstoffmängeln und Schadstoffbelastungen sollten Cortisol, Progesteron und Estradiol, Prolaktin, FSH und Schilddrüsenhormone überprüft werden.
Therapieansätze bei hormonell bedingter Migräne
Es gibt verschiedene Therapieansätze bei hormonell bedingter Migräne:
- Hormonelle Therapie: Bei Frauen mit menstrueller Migräne kann eine hormonelle Therapie in Erwägung gezogen werden. Allerdings zeigten Studien, dass weder Hormonpflaster noch Östrogene in Tablettenform die Attacken verhindern konnten. Auch der Einsatz von Östrogen in Form eines auf die Haut auftragbaren Gels führt nicht zu zuverlässigen Behandlungsergebnissen.
- CGRP-Inhibitoren: Aufgrund der zentralen Funktion von CGRP in der Migräneentstehung sind in den letzten Jahren neue Medikamente entwickelt worden, die sich gegen den Botenstoff richten - sogenannte CGRP-Inhibitoren.
- Natürliche Mittel und Maßnahmen: Natürliche Mittel und Maßnahmen können oft besser helfen - ohne Nebenwirkungen. Kopfschmerzen sind oft ein Zeichen für eine zu hohe Belastung des Körpers. Gelindert haben hier schon alte Heilmittel, wie z.B. Vanille im alten Ägypten. Diese enthält Euganol, ein ätherisches Öl, dass schmerzlindernde Eigenschaften besitzt. Ebenso kann es helfen beim ersten Anflug von Kopfschmerzen zwei große Gläser Wasser zu trinken. Einfache Mittel wie eine Mineralerde-Packung, Pfefferminzöl, Ingwer, Wechselduschen, Verspannungen lösen, Schlafmangel beheben oder eine gestörte Darmflora wieder ins Gleichgewicht bringen, können ebenfalls zur Beseitigung beitragen.
- Magnesium: Eine sehr häufige Ursache für Migräne kann ein chronischer Magnesiummangel sein. Auch dieser sollte durch eine Fachkraft überprüft werden.
- Serotonin: Bei einer Migräne kann es sich zum Teil auch um eine Funktionsstörung der Gefäße handeln. Verschiedene Botenstoffe (so genannte Neurotransmitter) - wie beispielsweise das Serotonin - sind an dieser Funktionsstörung beteiligt, da das Serotonin auf die Blutgefässe im Gehirn eine erweiternde Wirkung hat.
Prolaktinom: Ein gutartiger Tumor der Hypophyse
Das Prolaktinom ist ein meist gutartiger Tumor der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse), welcher in hohem Maße das Hormon Prolaktin produziert. Am häufigsten entwickelt sich ein Prolaktinom bei Frauen, die jünger als 50 Jahre sind. Je nach Größe des Tumors spricht man von einem Mikroprolaktinom (Durchmesser kleiner als zehn Millimeter) oder Makroprolaktinom (Durchmesser größer als zehn Millimeter). Die meisten Prolaktinome fallen in die erste Kategorie, sind also kleiner als zehn Millimeter. Außerdem sind sie meist gutartig; bösartige Prolaktinome sind sehr selten.
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Symptome eines Prolaktinoms
Ein Prolaktinom kann verschiedene Symptome verursachen, darunter:
- Kopfschmerzen
- Sehstörungen
- Zyklusstörungen bei Frauen
- Milchausfluss aus der Brust (Galaktorrhoe)
- Libidoverlust
- Erektionsstörungen bei Männern
Behandlung eines Prolaktinoms
Nicht jedes Prolaktinom ist behandlungsbedürftig. Ist es sehr groß oder verursacht Symptome, ist eine Behandlung ratsam. Bei kleinen Prolaktinomen, die keine Symptome zeigen, wird oft auf eine Behandlung verzichtet.
- Medikamentöse Behandlung: Ist eine Behandlung nötig, spricht das Prolaktinom meist sehr gut auf die Gabe von sogenannten Dopaminagonisten an. Das sind Arzneistoffe, die im Körper eine ähnliche Wirkung wie der körpereigene Botenstoff Dopamin auslösen. Dopaminagonisten senken so in den meisten Fällen den Prolaktinspiegel und lassen das Prolaktinom schrumpfen oder sogar ganz verschwinden.
- Chirurgische Behandlung: Spricht der Patient nicht auf Dopaminagonisten an, wird das Prolaktinom eventuell operativ entfernt. Bei Frauen mit sehr großem Makroprolaktinom ist eine Operation die Therapie der Wahl.
- Strahlentherapie: Eine Strahlentherapie wird nur selten angewendet, und zwar, wenn medikamentöse und operative Therapiemaßnahmen nicht ausreichend Erfolg gezeigt haben.