Schutzimpfungen sind ein unverzichtbarer Bestandteil der individuellen und gesellschaftlichen Gesundheit und gehören zu den größten Erfolgsgeschichten der modernen Medizin. Sie verhindern schwere Erkrankungen und Folgeschäden und tragen wesentlich zu einer Verlängerung einer gesunden Lebenserwartung bei. Allerdings können auch Nebenwirkungen auftreten. Durch die Corona-Pandemie ist eine hohe absolute Zahl an Impfungen erfolgt, wodurch auch das Auftreten von Nebenwirkungen stärker in den Fokus gerückt ist.
Röteln und die Bedeutung der Impfung
Die Röteln sind eine hochansteckende Infektionskrankheit, die durch das Rötelnvirus verursacht wird. Die häufigsten Symptome sind Hautausschlag, Fieber und geschwollene Lymphknoten. Eine Infektion während der Schwangerschaft kann das ungeborene Kind erheblich gefährden und zu schweren Schädigungen führen. Daher ist eine Röteln-Impfung, insbesondere für Mädchen und Frauen im gebärfähigen Alter, von großer Bedeutung.
Die Röteln-Impfung bietet den einzigen zuverlässigen Schutz vor einer Infektion mit Rubella-Viren. Sie besteht aus zwei Impfdosen, die möglichst in den ersten zwei Lebensjahren verabreicht werden sollten. Wird das verpasst, ist es jedoch möglich und empfehlenswert, eine Röteln-Impfung später nachzuholen - etwa vor einer Schwangerschaft.
Wie wirkt die Impfung gegen Röteln?
Der Röteln-Impfstoff enthält abgeschwächte, vermehrungsfähige Viren, die keine Erkrankung mehr auslösen. Er wird in einen Muskel gespritzt (intramuskulär), meist direkt in den Oberarm, Oberschenkel oder Po. Als Reaktion darauf beginnt der Körper, spezifische Abwehrstoffe (Antikörper) gegen die Viren zu bilden.
Die Röteln-Impfung ist damit eine aktive Impfung: Der Körper wird durch den Impfstoff angeregt, eigene Antikörper gegen den Erreger zu produzieren. Einige dieser Antikörper verbleiben langfristig im Körper. Kommt es später zu einer echten Röteln-Infektion, schlagen sie sofort Alarm. Das Immunsystem fängt dann umgehend mit der Produktion weiterer Röteln-Antikörper an. So wird der Eindringling schnell und wirksam bekämpft, bevor er eine Erkrankung auslöst.
Lesen Sie auch: Vergleichende Analyse: Migräne vs. Epilepsie
Eine vollständige Röteln-Impfung schützt in der Regel lebenslang vor einer Infektion. Es ist allerdings jederzeit möglich, den Impfschutz auffrischen zu lassen.
Empfehlungen der STIKO zur Röteln-Impfung
Die Röteln-Impfung wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) für alle Kinder empfohlen. Für Mädchen ist sie wichtig, um bei einer späteren Schwangerschaft ausreichend vor einer Infektion mit dem Röteln-Virus geschützt zu sein. Denn eine Röteln-Infektion in der Schwangerschaft verursacht möglicherweise schwere Schäden beim Kind.
Sowohl für Mädchen als auch für Jungen hat die Röteln-Impfung aber noch eine weitere Bedeutung: Wer nicht an Röteln erkrankt, steckt auch keine Schwangere im Umfeld an.
Generell sind für die Röteln-Impfung zwei Impfdosen vorgesehen: Die erste wird für Kinder im Alter zwischen elf und 14 Monaten empfohlen. Die zweite Impfdosis sollte im Alter zwischen 15 bis 23 Monaten verabreicht werden. Zwischen den beiden Teilimpfungen müssen mindestens vier Wochen vergehen.
Wer beide empfohlenen Impfdosen erhalten hat, ist in aller Regel ausreichend gegen den Röteln-Erreger geschützt - und zwar ein Leben lang. Nur ganz selten passiert es, dass sich jemand trotz einer (lange zurückliegenden) Impfung erneut mit Röteln infiziert. Diese sogenannte Reinfektion verläuft meist ohne oder mit sehr milden Symptomen wie Schnupfen.
Lesen Sie auch: Neurologische Expertise bei Migräne
Manche Kinder und Jugendliche haben in den ersten beiden Lebensjahren nur eine oder gar keine Röteln-Impfung erhalten. Ärzte empfehlen dann, die Röteln-Impfung so bald wie möglich nachzuholen beziehungsweise zu vervollständigen.
Mögliche Nebenwirkungen der Röteln-Impfung
Wie bei jeder Impfung sind auch nach der Impfung gegen Röteln Nebenwirkungen möglich. In der Regel handelt es sich dabei um übliche Impfreaktionen infolge der Auseinandersetzung des Körpers mit dem Impfstoff. Nach der MMR-Impfung entwickeln sich bei 1 von 10 geimpften Personen etwa 6 bis 12 Tage nach der Impfung vorübergehende, milde Impfreaktionen. Dazu zählen Rötungen und Schwellungen an der Impfstelle sowie Kopfschmerzen und Fieber für 1 bis 2 Tage. Es kann auch zu einer sogenannten Impfkrankheit kommen, die einer leichten Masern-, Mumps- oder Rötelninfektion ähnelt, aber nicht ansteckend ist.
Schwere unerwünschte Wirkungen treten nach der MMR-Impfung selten auf. Allergische Reaktionen auf Impfstoffbestandteile sind möglich, zu einem allergischen Schock kommt es jedoch nur in Einzelfällen. Ebenfalls in Einzelfällen (bei etwa 3 von 100.000 Geimpften) vermindert sich vorübergehend die Zahl der Blutplättchen, die für die Gerinnung zuständig sind, und es zeigen sich Einblutungen an der Haut. Sehr selten kommt es nach der MMR-Impfung bei Jugendlichen und Erwachsenen zu länger andauernden Gelenkbeschwerden.
Kopfschmerzen und Migräne als mögliche Impfreaktion
Kopfschmerzen und Migräne können als unerwünschte Reaktionen nach einer Impfung auftreten. Die Ursachen hierfür sind vielfältig und nicht immer vollständig geklärt.
- Impfbedingte Entzündungsreaktion: Die Impfung aktiviert das Immunsystem, was zu einer Entzündungsreaktion im Körper führen kann. Diese Entzündung kann sich unter anderem in Kopfschmerzen äußern.
- Kreislaufreaktionen: Herz-Kreislauf-Symptome nach einer Impfung sind eher häufig. Impfungen haben unbestreitbar positive Wirkungen auf Ihre Gesundheit, weil sie wissenschaftlich nachgewiesen schwere Erkrankungen und Folgeschäden verhindern. Allerdings können auch Nebenwirkungen auftreten. Kreislaufstörungen nach Impfungen sind mit circa 4% als eher als häufig einzustufen. Meistens dauern die Symptome und objektive Veränderungen nur 1-2 Tage. Im Fall des akuten Stadiums von Kreislaufreaktionen auf eine Impfung sind die Ursachen klar, denn es handelt sich um eine typische Kreislaufreaktion auf eine akute Entzündung. Hier können Störungen der neuronalen Steuerung, der Muskulatur der Arterien der Mikrozirkulation oder der Blutgefäßinnenhaut (Endothel) vorliegen.
- Individuelle Prädisposition: Manche Menschen neigen aufgrund ihrer genetischen Veranlagung oder Vorerkrankungen eher zu Kopfschmerzen oder Migräne nach einer Impfung.
- Stress und Angst: Die Impfung selbst kann Stress und Angst auslösen, was ebenfalls Kopfschmerzen begünstigen kann.
Differenzierung zwischen Impfreaktion und Impfkomplikation
Es ist wichtig, zwischen einer normalen Impfreaktion und einer Impfkomplikation zu unterscheiden. Impfreaktionen sind in der Regel leicht und vorübergehend, während Impfkomplikationen schwerwiegender sind und länger andauern können.
Lesen Sie auch: Migräne als Risikofaktor für Demenz?
Gehen die Nebenwirkungen einer Impfung über das übliche Ausmaß einer Impfreaktion hinaus, wird das als Impfkomplikation bezeichnet. Beim Paul-Ehrlich-Institut (PEI), dem Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, werden auch nach der Zulassung Nebenwirkungen registriert und regelmäßig ausgewertet, die in Zusammenhang mit der Impfung stehen könnten.
Was tun bei Kopfschmerzen oder Migräne nach der Röteln-Impfung?
Die meisten Kopfschmerzen oder Migräneanfälle nach einer Röteln-Impfung sind mild und klingen nach kurzer Zeit von selbst wieder ab. Folgende Maßnahmen können zur Linderung beitragen:
- Ruhe und Entspannung: Sorgen Sie für ausreichend Ruhe und vermeiden Sie Stress.
- Kühle Umschläge: Kühle Umschläge auf Stirn und Nacken können helfen, die Kopfschmerzen zu lindern.
- Schmerzmittel: Bei Bedarf können rezeptfreie Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen eingenommen werden. Zur Dosierung können Sie sich in der Apotheke beraten lassen. Eine prophylaktische Einnahme von Schmerzmitteln vor der Impfung wird nicht empfohlen, da dies die Wirkung der Impfung beeinträchtigen kann.
- Ausreichend Flüssigkeit: Trinken Sie ausreichend Wasser oder ungesüßten Tee.
Wann sollte ein Arzt aufgesucht werden?
In folgenden Fällen sollte ein Arzt aufgesucht werden:
- Die Kopfschmerzen sind sehr stark oder ungewöhnlich.
- Die Kopfschmerzen dauern länger als 48 Stunden an.
- Es treten Begleitsymptome wie Fieber, Nackensteifigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Sehstörungen oder neurologische Ausfälle auf.
- Es besteht der Verdacht auf eine Impfkomplikation.
Falls es nach der Impfung zu einer extremen Impfreaktion kommt, Sie sehr hohes Fieber entwickeln oder sich der Gesundheitszustand rapide verschlechtert, sollten Sie umgehend die impfende Ärztin bzw. den impfenden Arzt informieren.
Prävention von Kopfschmerzen nach der Impfung
Es gibt keine spezifischen Maßnahmen, um Kopfschmerzen nach der Röteln-Impfung sicher zu verhindern. Folgende allgemeine Empfehlungen können jedoch helfen, das Risiko zu minimieren:
- Ausreichend Schlaf: Sorgen Sie vor und nach der Impfung für ausreichend Schlaf.
- Stress vermeiden: Vermeiden Sie Stress und Entspannungstechniken können helfen.
- Gesunde Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung.
- Ausreichend Flüssigkeit: Trinken Sie ausreichend Wasser.
- Impfung in Ruhe: Lassen Sie sich impfen, wenn Sie sich entspannt und gesund fühlen.
tags: #migrane #durch #rotelimpfungm