Migräne und Blutdruck: Ein komplexer Zusammenhang

Die Frage, ob Migräne und Blutdruck zusammenhängen, beschäftigt Wissenschaftler und Betroffene gleichermaßen. Obwohl lange Zeit angenommen wurde, dass kein direkter Zusammenhang besteht, deuten neuere Forschungsergebnisse auf eine komplexere Beziehung hin. Dieser Artikel beleuchtet die aktuellen Erkenntnisse, mögliche Mechanismen und Implikationen für die Behandlung.

Einführung

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, oft einseitige Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Bluthochdruck (Hypertonie) ist eine Erkrankung, bei der der Blutdruck in den Arterien dauerhaft erhöht ist. Beide Zustände sind weit verbreitet und können die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Das Verständnis des möglichen Zusammenhangs zwischen Migräne und Blutdruck ist daher von großer Bedeutung.

Studienlage und Forschungsergebnisse

Beobachtungen und Zusammenhänge

Einige wissenschaftliche Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Migräne und Blutdruck in Verbindung stehen könnten. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass die Forschungslage nicht eindeutig ist und weitere Studien erforderlich sind, um die Zusammenhänge vollständig zu verstehen.

  • Risikofaktor für Hypertonie: Frühere Studien haben Migräne als Risikofaktor für Hypertonie identifiziert.
  • Menopause: Bei Frauen in oder nach der Menopause scheint das Migränerisiko anzusteigen, was die Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Migräne und Hypertonie in dieser Bevölkerungsgruppe relevant macht.
  • Langzeitstudien: Eine Langzeitstudie, die ab 1993 in Frankreich durchgeführt wurde, untersuchte das Auftreten von Migräne und Hypertonie über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten.

Ergebnisse einer französischen Langzeitstudie

Die französische Studie, die über 4 Jahrzehnte lief, lieferte interessante Einblicke in den Zusammenhang zwischen Migräne und Hypertonie. In der Studie wurde das Auftreten von Migräne mit „vorhanden“ oder „nicht vorhanden“ bewertet. Ab 2011 wurde zusätzlich untersucht, ob Migräne mit, ohne Aura oder anderer Art vorlag. Die wichtigsten Ergebnisse waren:

  • In 826.419 aufsummierten Lebensjahren traten 12.501 Fälle von Hypertonie auf.
  • 3.100 Fälle von Hypertonie wurden bei Frauen mit Migräne verzeichnet, während 9.401 Fälle bei Frauen ohne Migräne auftraten.
  • Statistische Analyse ergab einen Zusammenhang zwischen Migräne und Bluthochdruck mit einem 1,29-fach höheren Risiko für Hypertonie.

Die Autoren der Studie kamen zu dem Schluss, dass über einen Zeitraum von über 4 Jahrzehnten ein statistischer Zusammenhang zwischen Migräne und dem Risiko für Hypertonie besteht.

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Finnische Studie

Forscher aus Finnland werteten Gesundheitsdaten von über 8.000 Menschen aus den Jahren 1998, 2003 und 2012 aus. Ein Teil der Studienteilnehmer gab an, an Migräne zu leiden, während ihre Blutdruckwerte zu Beginn im Normbereich lagen. Nach 15 Jahren hatten einige von ihnen erhöhten Blutdruck entwickelt. Interessanterweise war der Anteil der Personen mit erhöhtem Blutdruck bei den Migränikern um 37 Prozent höher als bei den Nicht-Migränikern.

Norwegische Studie

Eine norwegische Studie mit über 50.000 Freiwilligen ergab, dass ein hoher Blutdruck mit einem verringerten Risiko für Migräne und chronische Kopfschmerzen einhergeht. Entscheidend scheint dabei vor allem der Druckunterschied zu sein, der entsteht, wenn sich das Herz nach einem Pumpzyklus wieder entspannt. Je höher dieser Druckunterschied ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, an einer Migräne zu leiden.

Nurses' Health Study II

Laut einer aktuellen Auswertung der Nurses' Health Study II haben junge Frauen, die an Migräne leiden, längerfristig ein um 50 Prozent höheres Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse als Frauen ohne Migräne (BMJ 2016; online 31). Der Anstieg des kardiovaskulären Risikos bei Migräne war unabhängig von Alter (unter/über 50 Jahre), Hormongebrauch, Raucherstatus und Blutdruck (Hypertonie ja/nein). In einer großen Kohortenstudie war ein erhöhtes Gefäßrisiko allerdings nur bei Migräne mit Aura festgestellt worden.

Mögliche Mechanismen

Die genauen Mechanismen, die den Zusammenhang zwischen Migräne und Blutdruck erklären könnten, sind noch nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch verschiedene Theorien und potenzielle Erklärungen:

  • Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS): Einige Forscher vermuten, dass das RAAS, ein Regelkreis mit Hormonen und Enzymen, eine Rolle spielen könnte. Dieses System reguliert unter anderem den Blutdruck. Die Tatsache, dass bestimmte Medikamente, die gegen Bluthochdruck wirken, auch vorbeugend gegen Migräne eingesetzt werden, unterstützt diese Theorie.
  • Hormonelle Einflüsse: Insbesondere bei Frauen spielen hormonelle Veränderungen eine wichtige Rolle. Während mit dem Alter die Migräne-Attacken nachlassen, steigt generell das Risiko, Bluthochdruck zu entwickeln - bei Menschen mit Migräne stärker als bei anderen.
  • Gefäßveränderungen: Ein Zusammenhang zwischen höherem Blutdruck und starreren, festeren Blutgefäßwänden wurde gezeigt. Diese Gewebeveränderung hat Auswirkungen auf den sogenannten Baroreflex, ein System, das für die Steuerung des Blutdrucks zuständig ist und dafür unter anderem Signale aus den Blutgefäßen im Nacken benötigt.

Migräne und Blutdruck: Ursache und Wirkung

Erhöht Migräne das Risiko für Bluthochdruck?

Die Forschung deutet darauf hin, dass Migräne das Risiko für die Entwicklung von Bluthochdruck erhöhen kann, insbesondere bei Frauen nach den Wechseljahren.

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Bekommt man Migräne durch Bluthochdruck?

Studien, die den Zusammenhang von Blutdruck und Migräne untersuchen, kommen nicht zu dem Ergebnis, dass Bluthochdruck Migräne verursacht.

Steigt der Blutdruck bei Migräne?

Eine Studie aus der Türkei mit 60 Migräne-Patienten zeigte keine Veränderung des Blutdrucks kurz vor, während oder kurz nach einer Migräne-Attacke. Die Forscher fanden keinen Hinweis auf Bluthochdruck bei Migräne.

Risikofaktoren und Begleiterkrankungen

Es ist wichtig zu beachten, dass sowohl Migräne als auch Bluthochdruck von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst werden können. Einige dieser Faktoren sind:

  • Übergewicht: Übergewicht ist ein bekannter Risikofaktor für Bluthochdruck und kann auch Migräne beeinflussen.
  • Diabetes mellitus: Diabetes mellitus geht häufig mit Bluthochdruck einher. Wenn Übergewicht, Diabetes mellitus und Bluthochdruck zusammen auftreten, spricht man vom metabolischen Syndrom, das mit einem sehr hohen Risiko für Herz- und Gefäßerkrankungen einhergeht.
  • Weitere Erkrankungen: Neuere Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass das Auftreten von Bluthochdruck zusammen mit Schlafstörungen, Depression, Migräne, erektiler Dysfunktion oder chronischen Infektionen das kardiovaskuläre Risiko erhöhen kann.

Symptome und Diagnose

Kopfschmerzen und Bluthochdruck

Viele Menschen verbinden Kopfschmerzen mit Stress oder Verspannung. Ein erhöhter, unbemerkter Bluthochdruck kann jedoch das Gefäßsystem im Kopf belasten und einen dumpfen, drückenden Schmerz verursachen. Auch Menschen mit Migräne sollten aufmerksam sein, da Studien zeigen, dass sie ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck und Gefäßerkrankungen aufweisen.

Regelmäßige Blutdruckkontrolle

Angesichts der potenziellen Zusammenhänge zwischen Migräne und Blutdruck ist es ratsam, den Blutdruck regelmäßig zu kontrollieren. Die meisten Menschen bemerken leicht erhöhten Blutdruck gar nicht. Wenn zu einem sehr hohen Blutdruck Kopfschmerzen dazukommen, sollte man dringend einen Arzt aufsuchen, da dies meistens ein Zeichen für eine ernste zugrundeliegende Erkrankung ist.

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Behandlung und Prävention

Gemeinsame Therapieansätze

Bei Menschen mit Migräne und Bluthochdruck sollten die blutdrucksenkende Therapie und die Migränebehandlung gemeinsam betrachtet werden. Wenn mit Blutdrucksenkern normale Blutdruckwerte erreicht werden, verringert sich häufig auch die Anzahl der Migräneanfälle. Andererseits können gerade zu Beginn einer blutdrucksenkenden Therapie Kopfschmerzen auftreten, da die in den Blutdrucksenkern enthaltenen gefäßerweiternden Wirkstoffe dafür verantwortlich sind.

Lebensstiländerungen

Ein gesunder Lebensstil kann sowohl bei Migräne als auch bei Bluthochdruck eine wichtige Rolle spielen. Dazu gehören:

  • Regelmäßige Bewegung: Körperliche Aktivität kann helfen, den Blutdruck zu senken und Migräne vorzubeugen.
  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten kann den Blutdruck positiv beeinflussen und Migräne-Attacken reduzieren.
  • Stressmanagement: Stress ist ein bekannter Auslöser für Migräne. Entspannungstechniken wie Yoga oder Meditation können helfen, Stress abzubauen.
  • Regelmäßiger Schlaf: Ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus kann Migräne-Attacken vorbeugen.
  • Vermeidung von Triggern: Individuelle Trigger für Migräne-Attacken sollten identifiziert und vermieden werden.

Medikamentöse Therapie

Es gibt verschiedene Medikamente, die sowohl zur Behandlung von Bluthochdruck als auch zur Vorbeugung von Migräne eingesetzt werden können. Dazu gehören beispielsweise Betablocker und Kalziumkanalblocker. Die Wahl des geeigneten Medikaments sollte in Absprache mit einem Arzt erfolgen.

Migräne: Ursachen und Formen im Detail

Ursachen der Migräne

Die genauen Ursachen der Migräne und die zugrunde liegenden Krankheitsmechanismen sind noch nicht vollständig aufgeklärt. Man vermutet bei den Betroffenen eine genetische Veranlagung (Prädisposition) - nicht selten tritt Migräne familiär gehäuft auf. Auf Basis dieser genetischen Neigung scheint es im Zusammenspiel mit verschiedenen inneren oder äußeren Faktoren (Triggern) zu den Migräne-Attacken zu kommen.

Genetische Veranlagung

Migräne ist vererbbar - diese Art des Kopfschmerzes kann innerhalb einer Familie weitergegeben werden. Oft handelt es sich um ähnliche Formen der Migräne, aber nicht immer. Es kann also sein, dass die Migräne bei Kindern mit Übelkeit, Sehstörungen und Lichtempfindlichkeit einhergeht, die ebenfalls betroffenen Eltern oder Großeltern aber keine dieser zusätzlichen Symptome aufweisen.

Nach Expertenmeinung liegt Migräne eine polygenetische Veranlagung zugrunde: Veränderungen (Mutationen) in mehreren Genen erhöhen das Migränerisiko. Manche dieser Gene sind an der Regulierung der neurologischen Schaltungen im Gehirn beteiligt.

Andere Genveränderungen werden mit oxidativem Stress in Verbindung gebracht. Dabei handelt es sich um eine erhöhte Konzentration von aggressiven, zellschädigenden Sauerstoffverbindungen. Über welche biologischen Mechanismen diese Genmutationen genau eine Migräne begünstigen, ist bislang aber noch nicht geklärt.

Auslöser (Trigger)

Verschiedene Trigger können bei entsprechender genetischer Veranlagung eine Migräne-Attacke auslösen. Welche Faktoren im Einzelfall einen Anfall „triggern“, ist individuell verschieden. Einige Beispiele:

  • Stress: Ein häufiger Auslöser ist Stress im privaten oder beruflichen Umfeld.
  • Veränderungen im Schlaf-Wach-Rhythmus: Betroffen sind oft Menschen, die im Schichtdienst arbeiten.
  • Reizüberflutung: Wenn das Gehirn zu viele Eindrücke gleichzeitig verarbeiten muss, entsteht ebenfalls Stress.
  • Wetter/Wetterwechsel: Viele Betroffene reagieren empfindlich auf schwülwarme Gewitterluft, starken Sturm, Föhnwetter oder sehr helles Licht an einem wolkenlosen Tag. Bei manchen wiederum löst Kälte Migräne-Attacken aus.
  • Ernährung: Bei einigen Produkten wie Bananen oder bestimmten Käsesorten hat man Tyramin im Verdacht. Das ist ein Abbauprodukt von Eiweißbausteinen (Aminosäuren), das unter anderem die Ausschüttung des Botenstoffes Noradrenalin anregt. Dieser wirkt stark gefäßverengend - auch lokal im Gehirn. Dies könnte der Grund für eine Migräne-Attacke nach dem Genuss von tyraminhaltigen Lebensmitteln sein. Achten Sie darauf, regelmäßig zu essen. Häufig setzen Migräne-Anfälle ein, wenn man zu wenig gegessen hat (Unterzuckerung).
  • Hormonelle Veränderungen: Geschlechtshormone haben einen starken Einfluss auf Migräne. So sind im Kindesalter Mädchen und Jungen noch etwa gleich häufig betroffen. Mit der Pubertät verschiebt sich das Verhältnis: Frauen leiden deutlich häufiger an Migräne als Männer. Vielfach steht die Migräne in Zusammenhang mit der Menstruation. So löst der Abfall des Östrogenspiegels vor der Regelblutung bei manchen Frauen eine Migräne-Attacke aus. Darüber hinaus können hormonelle Verhütungsmittel („Pille“) ebenfalls Migräne verursachen. Deshalb heißt diese Form auch „hormonelle Migräne“.

Formen der Migräne

Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft (International Headache Society, IHS) unterscheidet verschiedene Arten von Migräne. Dazu gehören:

  1. Migräne ohne Aura, mit drei Unterformen:

    • Rein menstruelle Migräne ohne Aura
    • Menstruationsassoziierte Migräne ohne Aura
    • Nicht-menstruelle Migräne ohne Aura
  2. Migräne mit Aura, mit verschiedenen Unterformen:

    • Migräne mit typischer Aura (Unterformen: Typische Aura mit Kopfschmerzen, typische Aura ohne Kopfschmerzen)
    • Migräne mit Hirnstammaura (früher: basiläre Migräne)
    • Hemiplegische Migräne
    • Retinale Migräne
    • Rein menstruelle Migräne mit Aura
    • Menstruationsassoziierte Migräne mit Aura
    • Nicht-menstruelle Migräne mit Aura
  3. Chronische Migräne

  4. Migränekomplikationen, zum Beispiel:

    • Status migraenosus
    • Migränöser Infarkt
    • Epileptischer Anfall, durch Aura getriggert
  5. Wahrscheinliche Migräne mit oder ohne Aura

  6. Episodische Syndrome, die mit einer Migräne einhergehen können, zum Beispiel:

    • Wiederkehrende Magen-Darm-Störungen (z. B. abdominelle Migräne)
    • Vestibuläre Migräne
  7. Stille Migräne

Die Hauptformen sind Migräne ohne Aura und Migräne mit Aura. Betroffene müssen nicht immer an der gleichen Form von Migräne leiden. Haben sie beispielsweise häufig Migräne-Attacken mit Aura, kann trotzdem einmal Migräne ohne die typischen Symptome einer Aura entstehen.

Migräne ohne Aura

Die Migräne ohne Aura ist die häufigste Form von Migräne. Typisch sind anfallsartig auftretende, einseitige, pulsierende Kopfschmerzen von mittlerer bis starker Intensität. Sie verstärken sich durch körperliche Routineaktivitäten (z. B. Gehen, Treppensteigen) und halten vier (bei Kindern und Jugendlichen zwei) bis 72 Stunden an. Begleitet werden sie von Übelkeit und/oder Licht- und Lärmempfindlichkeit.

Migräne ohne Aura bei menstruierenden Frauen

Bei manchen Frauen treten Migräne-Attacken im Zusammenhang mit der Menstruation auf. Das erlaubt die Unterscheidung von Unterformen der Erkrankung. Bei allen Formen sind die oben genannten Kriterien der „Migräne ohne Aura“ erfüllt, aber zusätzlich gilt:

  • Rein menstruelle Migräne ohne Aura: Die Migräne-Attacken treten ausschließlich zwei Tage vor bis drei Tage nach dem Einsetzen der Regelblutung auf, und zwar in mindestens zwei von drei Menstruationszyklen. Der restliche Zyklus ist stets migränefrei.
  • Menstruationsassoziierte Migräne ohne Aura: Auch hier treten die Migräne-Attacken in mindestens zwei von drei Zyklen im Zeitfenster zwei Tage vor bis zwei Tage nach Menstruationsbeginn auf - zusätzlich kann die Migräne aber auch zu einem anderen Zeitpunkt im Zyklus auftreten.
  • Migräne-Attacken, die während der Menstruation auftreten, sind im Allgemeinen von längerer Dauer und von stärkerer Übelkeit begleitet als Attacken ohne zeitlichen Bezug zur Regelblutung.

Bei menstruierenden Frauen mit Migräne-Attacken, welche die Kriterien der „Migräne ohne Aura“ erfüllen, aber weder die Kriterien der rein menstruellen noch der menstruationsassoziierten Migräne ohne Aura, spricht man auch von nicht-menstrueller Migräne ohne Aura.

Migräne mit Aura

Die Migräne mit Aura ist seltener als die Migräne ohne Aura. Die Aura bezeichnet neurologische Symptome, die der Kopfschmerzphase vorausgehen oder zusammen mit dieser auftreten können.

Die Symptome der Aura setzen schleichend ein und zeigen sich auf einer Kopfseite. Sie können Lichtblitze, Flimmern, Sehen von gezackten Linien, Gesichtsfeldausfall, Sprachstörungen, Missempfindungen, unvollständige Lähmungen und Schwindel umfassen. Sie sind vorübergehend und verursachen keine bleibenden Schäden.

Ein CT oder MRT kann helfen, eine Migräne mit Aura von einem Schlaganfall zu unterscheiden. Motorische Symptome und Netzhautsymptome fehlen dagegen.

Symptome der Hirnstammaura können sein:

  • Sprechstörung (Dysarthrie)
  • Schwindel (keine Benommenheit!)
  • Ohrgeräusche (Tinnitus)
  • Hörminderung
  • Doppelbilder (kein Verschwommensehen!)
  • Störung der Bewegungskoordination (Ataxie)
  • Bewusstseinsstörung

Die Migräne mit Hirnstammaura wurde früher basiläre Migräne, Basilarismigräne, Migräne vom Basilaristyp oder Basilararterienmigräne genannt. Hintergrund war die Annahme, dass hier die Basilararterie (eine wichtige Hirnarterie) an der Entstehung der Attacken beteiligt ist. Das gilt mittlerweile aber als unwahrscheinlich, weshalb man heute den Begriff „Migräne mit Hirnstammaura“ bevorzugt.

Hemiplegische Migräne

Ebenfalls eine Form von „Migräne mit Aura“ ist die hemiplegische Migräne (auch „komplizierte Migräne“ genannt). Charakteristisch ist hier eine motorische Schwäche. Zusätzlich treten Symptome im Bereich des Sehens, der Sensibilität und/oder der Sprache bzw. des Sprechens auf.

Die motorische Schwäche bei einer hemiplegischen Migräne-Attacke bildet sich meist vor Ablauf von 72 Stunden vollständig zurück. Manchmal kann sie aber auch wochenlang bestehen bleiben.

Der Begriff „Hemiplegie“ bezeichnet eigentlich die vollständige Lähmung einer Körperhälfte. Bei den meisten Attacken einer hemiplegischen Migräne tritt aber keine solche Lähmung, sondern nur eine motorische Schwäche auf.

Unterformen

Eine sporadische hemiplegische Migräne (SHM) liegt bei Patientinnen und Patienten vor, bei denen kein Verwandter ersten oder zweiten Grades (z. B. Mutter, Kind, Großvater, Bruder) ebenfalls unter dieser Migräneform leidet.

Wenn dagegen mindestens zwei Verwandte ersten oder zweiten Grades Migräne-Auren mit motorischer Schwäche aufweisen, diagnostizieren Ärzte eine familiäre hemiplegische Migräne (FHM). Migräne mit Fieber ist eine seltene Form der FMH-Attacke. Normalerweise tritt Fieber bei Migräne nicht unbedingt auf.

Selten treten während einer FHM-Attacke noch andere Symptome als die bekannten auf: Bewusstseinsstörungen (bis hin zum Koma), Verwirrung und eine erhöhte Zellzahl in der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit (Liquorpleozytose). Zudem kommt es in etwa der Hälfte aller Familien mit FHM unabhängig von den Migräne-Attacken zu einer chronischen progressiven zerebellären Ataxie (chronische fortschreitende Störung der Bewegungskoordination), deren Ursache im Kleinhirn liegt.

Retinale Migräne

Die retinale Migräne (Netzhautmigräne) ist selten. Sie ist gekennzeichnet durch wiederholte Anfälle von einseitigen Sehstörungen wie Flimmern vor den Augen, Gesichtsfeldausfall (Skotom) oder - ganz selten - vorübergehender Blindheit. Zusätzlich ist bei dieser Migräne der Augen mindestens eines der folgenden drei Kriterien erfüllt:

  • Die Symptome entwickeln sich allmählich über fünf oder mehr Minuten hinweg.
  • Sie halten fünf Minuten bis eine Stunde lang an.
  • Begleitend oder innerhalb von 60 Minuten treten auch Migränekopfschmerzen auf.

Die retinale Migräne ist nicht zwangsläufig mit Migränekopfschmerzen verbunden - es können auch nur die beschriebenen Sehstörungen auftreten.

Chronische Migräne

Wer an mindestens 15 Tagen pro Monat, und das über mehr als drei Monate hinweg, an Kopfschmerzen leidet, die an mindestens acht Tagen die Kriterien von Migränekopfschmerzen erfüllen, ist von chronischer Migräne betroffen. Sie kann sich aus einer Migräne ohne Aura und/oder einer Migräne mit Aura entwickeln.

Gemeint sind hier migräneartige und spannungstypartige Kopfschmerzen, aber nicht sekundäre Kopfschmerzen - also nicht solche, die auf eine andere Erkrankung oder äußere Einflüsse zurückzuführen sind (z. B. Kopfverletzung, Infektion wie Grippe, Bluthochdruck, Verspannungen, Alkohol bzw. Alkoholentzug).

Status migraenosus

Der Status migraenosus (Status migränosus) ist eine Migränekomplikation, die sowohl bei einer Migräne mit Aura als auch bei einer Migräne ohne Aura auftreten kann. Die Betroffenen erleiden eine Migräne-Attacke, die länger als 72 Stunden anhält und bei der die Kopfschmerzen und/oder die damit verbundenen Symptome sie stark beeinträchtigen.

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