Migräne bei Kindern und Jugendlichen ist ein häufiges und oft unterschätztes Gesundheitsproblem. Eine frühzeitige Erkennung der Migräne sowie gezielte Vorbeugungs- und Behandlungsmaßnahmen sind entscheidend, um die Lebensqualität der Familien zu verbessern. Vor der Pubertät haben etwa 4 bis 5 von 100 Kindern Migräne. Mädchen und Jungen sind dabei gleich häufig betroffen. Insgesamt haben in Deutschland etwa 10 von 100 Jugendlichen Migräne. Bei manchen verschwinden die Anfälle nach der Pubertät, andere haben sie auch noch als Erwachsene. Migräne zählt zu den neurologischen Erkrankungen, insgesamt sind weltweit an die 15 Prozent der Menschen betroffen.
Was ist Migräne?
Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch starke und wiederkehrende Kopfschmerzen gekennzeichnet ist und von einer Vielzahl weiterer Symptome begleitet sein kann. Migränepatienten zeigen keine strukturellen Auffälligkeiten des Gehirns; der anatomische Aufbau bleibt unauffällig. Jedoch ist das Nervensystem durch eine erhöhte Empfindlichkeit in der Reizverarbeitung charakterisiert, die vermutlich genetisch bedingt ist.
Unterschiede zwischen Migräne bei Kindern und Erwachsenen
Bei Kindern unterscheidet sich die Migräne in mehreren Aspekten von der Migräne bei Erwachsenen. Bei Erwachsenen sind die Kopfschmerzen meist einseitig, pulsierend oder pochend, während sie bei Kindern oft beidseitig oder mittig an der Stirn auftreten und eher als drückend beschrieben werden. Zudem kann die Dauer der Attacken bei Kindern kürzer sein.
Symptome von Migräne bei Kindern
Bestimmte Migräne-Symptome einer Migräne bei Kindern sind ähnlich zu denen Erwachsener. Dennoch ergeben sich einige Besonderheiten. So wirken Kinder während einer Migräneattacke oft abwesend, sie erscheinen blass oder weisen Hautrötungen auf. Vermehrter Harndrang, Durst, eine erhöhte Temperatur oder Müdigkeit kommen ebenfalls vor. Nicht selten schlafen die betroffenen Kinder ein und erwachen nach einigen Stunden wieder beschwerdefrei.
Weitere typische Symptome einer Migräne bei Kindern sind:
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- Der Schmerz betrifft meistens beide Kopfseiten und die Stirn.
- Eine Kindermigräne dauert häufig ein bis zwei Stunden.
- Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen sind Begleiterscheinungen, die auch ohne Kopfschmerzen auftreten können.
- Schwindelattacken sind möglich.
- Außerdem ist bei Kindern mit Migräne eine Aura in Form von neurologischen Ausfällen bekannt.
Die vier Phasen einer Migräneattacke
Für Migräneanfälle kann ein typischer Verlauf von vier Phasen festgestellt werden:
- Vorphase: Meist wird der Anfall durch eine Vorphase angekündigt, die durch eine depressive Verstimmung, aber auch durch Überaktivität und Euphorie gekennzeichnet ist. Dazu kommen Konzentrationsstörungen, Müdigkeit, Heißhunger oder Appetitlosigkeit, Durst, Einlagerung von Wasser im Gewebe (Ödeme), Durchfall oder Verstopfung. Es wird vermutet, dass mit den Symptomen in dieser Vorphase eine starke körperliche Belastung verbunden ist, auf die der Körper mit dem eigentlichen Migräneanfall reagiert, um eine Erholung zu erzwingen.
- Aura: In 10 bis 15 % der Fälle tritt eine halbe Stunde vor dem Anfall eine "Aura" als zweite Phase auf (Sehstörung mit Flimmern und farbigen Schlieren vor den Augen, Sprach- und Sprechstörungen). Es wird angenommen, dass es in diesen beiden ersten Phasen zu einer immer schlechteren Durchblutung einzelner Hirnabschnitte kommt, die mit einer Gefäßverengung einhergeht.
- Kopfschmerzphase: Erst dann tritt die eigentliche Kopfschmerzphase auf, in der die Gefäße sich wieder erweitern und die Durchblutung steigt. Die Arterien pumpen das Blut stärker durch die Gefäße, wodurch die heftigen, hämmernden Schmerzen zu erklären sind.
- Schlafphase: An die Kopfschmerzphase schließt sich oft noch eine Schlafphase an.
Nicht alle vier Phasen treten bei jedem Patienten und bei jedem Anfall auf. Im Kindesalter tritt die Migräne bei 4 bis 5% der Kinder auf und klingt bei jedem zweiten Kind in der Pubertät aus. Auch nimmt eine Migräneattacke (ein „böser Kopf“) einen etwas anderen Verlauf als bei Erwachsenen. Oft ist eine Attacke schon nach 2 Stunden vorüber, aber auch bei Kindern kann sie gelegentlich 48 Stunden anhalten.
Das Alice-im-Wunderland-Syndrom
Das Alice-im-Wunderland-Syndrom (AIWS) ist eine seltene neurologische Störung, die oft mit Migräne, insbesondere bei Kindern, in Verbindung gebracht wird. Sie ist durch verzerrte Wahrnehmungen von Zeit, Raum und Körpergröße gekennzeichnet. Betroffene können das Gefühl haben, dass ihr Körper oder Teile davon ungewöhnlich groß oder klein erscheinen (Makrosomie oder Mikrosomie) oder dass Objekte in ihrer Umgebung verändert wirken. Bei Kindern tritt das AIWS häufig als Begleiterscheinung oder Vorbote (Aura) von Migräne auf. Typischerweise berichten die Kinder von visuellen Veränderungen, wie dem Gefühl, dass Räume schrumpfen oder sich ausdehnen, oder von einer veränderten Wahrnehmung der Bewegung.
Bauchmigräne (abdominelle Migräne)
Einige Kinder haben auch nur eine „Bauchmigräne“ (abdominelle Migräne), begleitet von Blässe, Appetitlosigkeit, Übelkeit und/oder Erbrechen und Bauchschmerzen. Als Bauchmigräne, auch abdominelle Migräne genannt, bezeichnen Ärzte Bauchschmerzen, die in regelmäßigen Abständen und anfallsartig auftreten. Eine solche Migräne-Attacke kann sich von einer Stunde bis zu drei Tagen erstrecken. Zwischen den Attacken herrscht eine völlige Beschwerdefreiheit. Etwa ein bis vier Prozent der Kinder und Jugendlichen sind von einer Bauchmigräne betroffen - wobei sie meist im Grundschulalter sind. Häufig klingt die Bauchmigräne mit der Pubertät ab und geht in eine Kopfmigräne über.
Typische Symptome einer Bauchmigräne sind:
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- Plötzlich auftretende Bauchschmerzen
- Übelkeit
- Erbrechen
- Appetitlosigkeit
- Blässe (manchmal auch Gesichtsröte)
- Dunkle Augenringe
- Lichtscheue
Kinder lokalisieren die Magenschmerzen meist im Bereich des Bauchnabels sowie entlang der Mittellinie des Bauches.
Ursachen und Auslöser von Migräne bei Kindern
Wie eine Migräne genau entsteht, ist noch nicht vollständig erforscht. Indes sind sich die Wissenschaftler einig, dass eine Migräneneigung vererbt werden kann: Leiden also Mutter oder Vater unter der Kopfschmerzkrankheit, besteht auch für Kinder ein erhöhtes Risiko für Migräne.
Für das Auftreten von Schmerzattacken gibt es verschiedene Migräne-Auslöser, die sogenannten Trigger. Diese sind von Kind zu Kind unterschiedlich und müssen individuell herausgefunden werden.
Häufige Trigger für Migräne bei Kindern und Jugendlichen sind:
- Stress: Schon die Kleinsten sind dem engen Takt des Lebens unterworfen: Leistungsdruck in der Schule, lange Betreuungszeiten in der KITA, Kurse und Programme am Nachmittag - Kinder mit Neigung zu Migräne verkraften solche Tage oftmals schlecht. Auch Fernsehen und Computerspiele gönnen dem Kopf keine Pause, sondern reizen die Nerven übermäßig. Auch psychische Belastungen, etwa durch eine Trennung der Eltern, Probleme in der Schule oder einen Umzug und damit verbundene Veränderungen können Migräne begünstigen.
- Unregelmäßiger Tagesablauf: Bei abweichenden Essenszeiten und zu wenig Schlaf reagieren viele Kinder mit Kopfschmerzen. Grund sind ein schwankender Blutzuckerspiegel und Übermüdung. Die Veränderung von Routinen und Gewohnheiten kann ebenfalls eine Rolle spielen - zum Beispiel durch Reisen und klimatische Veränderungen, Änderungen im Tagesablauf sowie durch unregelmäßige Mahlzeiten. Einige Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass auch Schlafmangel und bestimmte Schlafgewohnheiten Migräne begünstigen können - und dass "bessere" Schlafgewohnheiten möglicherweise vorbeugen helfen. Dazu gehört zum Beispiel, gegen Abend keine koffeinhaltigen Limonaden mehr zu trinken und vor dem Schlafengehen keine laute Musik zu hören.
- Bestimmte Lebensmittel und Getränke: Dazu gehört in erste Linie Koffein, das beispielsweise in Cola enthalten ist. Aber auch fermentierte Kuhmilchprodukte (zum Beispiel Käse, Butter oder Sahne), Schokolade oder Glutamat können als Auslöser infrage kommen.
- Wetter: Wie auch bei Erwachsenen besteht bei einigen Kindern eine Wetterfühligkeit. Besonders auf Umschwünge und schwül-heißes Klima können die Kleinen reagieren.
- Physikalische und chemische Reize: Laute Geräusche, etwa von einer Baustelle, oder helles Licht können ebenso Trigger für Migräne sein wie starke Gerüche von Zigaretten, Klebstoffen oder Benzin. Als mögliche Auslöser gelten unter anderem Lärm und grelles Licht.
Wie kommt man Migräneauslösern auf die Spur?
Kinder und Jugendliche probieren am besten selbst oder zusammen mit ihren Eltern aus, worauf sie empfindlich reagieren. Dabei kann es helfen, für einige Zeit ein Migräne-Tagebuch zu führen und darin zum Beispiel festzuhalten, was in der Zeit vor einem Migräneanfall passiert ist, wann die Migräne anfing und wann sie wieder vorbei war, wie stark die Schmerzen waren, ob Medikamente genommen wurden und wenn ja, welche und wie viele. Wer auf einen möglichen Auslöser verzichtet, um zu testen, ob er die Migräne beeinflusst, kann dies ebenfalls im Tagebuch notieren. Es ist wichtig, das Kopfschmerz-Tagebuch über mehrere Wochen oder Monate sehr sorgfältig zu führen.
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Diagnose von Migräne bei Kindern
Ärzten fällt es oft schwer, eine Migräne bei Kindern zu erkennen. Hauptsächlich liegt das an den Symptomen, die sich - abhängig vom Alter - deutlich unterscheiden können. So beschreiben Jugendliche während oder nach der Pubertät beispielsweise eine Kopfschmerzverstärkung bei Anstrengung, bei Kindern bleibt dieses Phänomen meistens aus. Auch der Geschlechtsunterschied macht sich vor der Pubertät nicht bemerkbar: Die Kindermigräne tritt bei Jungen und Mädchen gleichermaßen häufig auf. Erst während der Pubertät leiden Mädchen aufgrund der Hormonumstellung vermehrt an Migräne.
Zur Migräne-Diagnose benötigt der Arzt viele Informationen: Wie lange, wie oft und wann tauchen die Beschwerden auf? Gibt es neben den Kopfschmerzen weitere Symptome? Eine Untersuchung der geistigen und motorischen Entwicklung steht ebenso auf dem Plan wie der Ausschluss von körperlichen Erkrankungen. Dabei hilft beispielsweise eine Hirnstrommessung (EEG) oder eine Magnetresonanz-Tomographie (MRT).
Behandlung von Migräne bei Kindern
Eine komplette Heilung ist nicht möglich. Doch was hilft gegen Migräne bei Kindern? Die Attacken können reduziert werden. Gerade bei Kindern sind die Auslöser der Migräne meist alltägliche Dinge wie ein unregelmäßiger Tagesablauf oder Bewegungsmangel. Um den Trigger der Kindermigräne herauszufinden, hat sich das Ausfüllen eines Migränetagebuchs als sinnvoll erwiesen.
Nicht-medikamentöse Behandlung
Eine nicht-medikamentöse Therapie ist bei Kindern mit Migräne von zentraler Bedeutung. Sie stellt oft den ersten Behandlungsschritt dar und umfasst Maßnahmen wie Entspannungstechniken, Stressmanagement, ausreichend Schlaf, regelmäßige Bewegung und eine ausgewogene Ernährung. Wenn Migräneanfälle immer wieder auftreten, suchen Kinder und ihre Eltern nach Möglichkeiten, ihnen vorzubeugen. Häufige Migräneanfälle können sehr belastend sein. Manchmal kann dann eine Vorbeugung mit Medikamenten helfen - vor allem in Kombination mit nicht medikamentösen Methoden.
- Entspannungstechniken: Einfache Entspannungsverfahren wie die Muskelrelaxation nach Jacobson haben sich bei Kindern zur Behandlung und Vorsorge bewährt. Die Patienten lernen hier gezielt - z.B. in Form von Fantasiereisen durch den Körper -, einzelne Muskelbereiche anzuspannen und wieder zu entspannen. Es gibt unterschiedliche Entspannungsverfahren. Am weitesten verbreitet sind die sogenannte progressive Muskelentspannung (Muskelrelaxation) und das autogene Training. Beide Methoden müssen erlernt und geübt werden - entweder in einem Gruppenkurs oder mit einem Programm zum Selbstlernen. Bei der progressiven Muskelentspannung geht es darum, die einzelnen Muskelpartien des Körpers bewusst und wiederholt anzuspannen und wieder zu lösen. Auf diese Weise sollen sich Körper und Geist entspannen und beruhigen. Das autogene Training ist eine Technik, bei dem eine Art Selbst-Hypnose erreicht werden soll. In verschiedenen Übungen im Sitzen oder Liegen konzentriert man sich darauf, einzelne Körperteile zu spüren und sich intensiv in bestimmte Zustände wie Ruhe, Schwere, Wärme oder Kühle hineinzudenken. Dadurch sollen ein tiefer Entspannungszustand erreicht und negative Gefühle abgebaut werden.
- Biofeedback: Die Biofeedback-Therapie soll helfen, bestimmte Vorgänge im eigenen Körper bewusst wahrzunehmen und zu beeinflussen. Während einer Sitzung werden Sensoren auf die Haut geklebt, die zum Beispiel die Hirnaktivität oder die Hauttemperatur messen. Die Messung wird auf einem Bildschirm sichtbar gemacht. Durch bewusste Konzentration ist es mit einiger Übung meist möglich, zum Beispiel die Hauttemperatur willentlich zu verändern. Die Messwerte zeigen, ob dies gelingt. Wer lernt, eigene Körperfunktionen zu steuern, soll auf diese Weise auch beginnende Kopfschmerzen besser kontrollieren können. Die Methode muss allerdings trainiert werden, und die Krankenkassen übernehmen die Kosten in der Regel nicht.
- Verhaltenstherapie: Die Verhaltenstherapie ist eine psychotherapeutische Behandlungsmethode. Sie vermittelt Methoden und Strategien, die dabei helfen sollen, Migräneanfällen vorzubeugen. Dahinter steht die Theorie, dass bestimmte Verhaltensweisen und Einstellungen zur Entstehung von Migräneanfällen beitragen. Dies können etwa ungünstige Schlafgewohnheiten oder Probleme beim Umgang mit Stress sein. Im Rahmen der Behandlung lernen Kinder zum Beispiel, wie sie sich von den Schmerzen oder der Angst davor ablenken können. Sie erfahren außerdem, wie ihre Gedanken und Gefühle die Migräne beeinflussen können. Dies kann ihnen helfen, die Symptome als weniger quälend zu erleben und besser damit zurechtzukommen. Im Rahmen einer Verhaltenstherapie werden oft auch andere Techniken wie eine Entspannungsmethode oder ein Biofeedback vermittelt.
Medikamentöse Behandlung
Bei akuten Attacken dürfen auch Kinder auf Schmerzmittel zurückgreifen, um die Kopfschmerzen und Begleiterscheinungen zu verbessern. Allerdings solltest du vorher mit einem Arzt darüber sprechen, denn sowohl die Dosis als auch die Darreichungsform ist entscheidend. Beispielsweise wirken Zäpfchen viel schneller aufgrund der kürzeren Aufnahmezeit der Wirkstoffe im Vergleich zu oralen Mitteln. Für Kinder sind in erster Linie Paracetamol oder Ibuprofen empfehlenswert. Stärkere Wirkstoffe oder Mittel zur Vorbeugung verschreibt der Neurologe bzw. Kinder- und Jugendarzt nur in seltenen Fällen.
Migräneattacken bei Kindern werden am besten mit Ibuprofen 10 mg/kg KG oder Paracetamol 15 mg/kg KG (2. Wahl) behandelt. Zur Behandlung von Migräneattacken mit Triptanen bei Jugendlichen ab dem 12. Lebensjahr sind Sumatriptan 10 mg und Zolmitriptan 5 mg als Nasenspray zugelassen.
Sollten sich akute Migräneattacken bei Kindern und Jugendlichen nicht ausreichend wirksam behandeln lassen, kann auch die Therapie mit subkutan injiziertem Sumatriptan nach entsprechender Aufklärung nach den aktuellen Leitlinien erwogen werden. Sowohl Kinder als auch deren Eltern sollten umfangreich über die Therapiemöglichkeiten der Migräneattacke informiert werden. Sie sollten auch auf die Notwendigkeit einer frühzeitigen Einnahme des Akutmedikaments im Rahmen des Anfalls hingewiesen werden.
Viele Medikamente, die Erwachsenen helfen, können bei Kindern schwere Schäden anrichten. Geben Sie daher Ihrem Kind keine frei verkäuflichen Schmerzmittel oder Ihr persönliches „Anti-Kopfschmerzmittel“.
Medikamente zur Migränevorbeugung
Fachleute halten eine vorbeugende Migränebehandlung mit Medikamenten für sinnvoll, wenn
- mehr als dreimal im Monat Migräneanfälle auftreten,
- die Anfälle besonders schmerzhaft oder lang anhaltend sind,
- Medikamente zur akuten Migränebehandlung nicht ausreichend wirken oder zum Beispiel wegen Nebenwirkungen nicht infrage kommen.
Die Entscheidung für eine vorbeugende Behandlung mit Medikamenten hängt aber auch von persönlichen Faktoren ab: Etwa davon, wie stark sich ein Kind von der Migräne beeinträchtigt fühlt oder ob es sich vorstellen kann, jeden Tag Medikamente einzunehmen. Zur Migränevorbeugung werden Flunarizin und Propranolol eingesetzt. Sie sind für Erwachsene zur Vorbeugung von Migräneattacken zugelassen. Wenn Kinder mit Migräne diese Medikamente einnehmen, handelt es sich um einen sogenannten "Off-Label-Use". Gemeint ist damit der Einsatz einer Arznei bei einer Patientengruppe oder Erkrankung, für die sie keine Zulassung hat.
Alternative Behandlungsmethoden
- Pfefferminzöl: 1-2 Tropfen auf ein Tuch geben und sanft Nacken und Schläfen einreiben. Alternativ 5 Tropfen auf den Fingern verteilen und die Kopfhaut von der Stirn bis zum Nacken mehrmals vorsichtig massieren.
- Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson: Bei dieser Methode werden verschiedene Muskelgruppen bewusst angespannt und anschließend gelockert.
Was können Eltern tun?
Eltern spielen eine zentrale Rolle dabei, Migräneauslöser zu erkennen und ihrem Kind zu helfen, besser damit umzugehen. Besonders wichtig ist es, das Kind ernst zu nehmen und ihm Geborgenheit zu vermitteln. Migräne kann für Kinder sehr belastend sein - besonders, wenn sie von Auren oder intensiven Schmerzen begleitet wird.
- Einfühlsames Zuhören: Es ist wichtig, die Beschwerden des Kindes ernst zu nehmen und Verständnis für das Leiden zu zeigen, auch wenn es schwerfällt, die Schmerzen nachzuvollziehen.
- Vertrauen stärken: Es ist hilfreich, dem Kind altersgerecht zu erklären, was während einer Migräneattacke passiert. Mit einem einfühlsamen und unterstützenden Umgang können Eltern dazu beitragen, dass sich das Kind während eines Migräneanfalls sowohl körperlich als auch emotional besser aufgehoben fühlt.
Eltern spielen eine entscheidende Rolle bei der Identifikation und Minimierung von Auslösern.
- Förderung eines geregelten Tagesablaufs: Konstante Schlafenszeiten und eine strukturierte Tagesplanung reduzieren Schwankungen, die Migräne begünstigen könnten.
- Begrenzung der Medienzeit: Die Zeit, die Kinder und Jugendliche vor dem Fernseher oder Computer verbringen, sollte ihrem Alter angemessen sein.
- Wechselnde Lichtverhältnisse meiden: Der Schreibtisch des Kindes sollte idealerweise an einer Wand platziert werden, um gleichmäßige Lichtverhältnisse sicherzustellen und Blendungen durch wechselndes Licht zu vermeiden.
- Regelmäßige Pausen: Im Alltag - insbesondere während der Schulzeit - sind planmäßige Ruhephasen entscheidend.
- Bewegung: Moderate körperliche Aktivitäten wie Spazierengehen an der frischen Luft fördern die allgemeine Gesundheit und wirken entspannend.
Was ist bei einem Migräneanfall zu tun?
Während eines Migräneanfalls können Betroffene ihre Aktivitäten in der Regel nicht fortsetzen. Kleine Kinder unterbrechen oft ihr Spiel, während Jugendliche sich häufig zurückziehen. In solchen Situationen ist es am besten, wenn die Betroffenen sich in einen ruhigen, abgedunkelten Raum zurückziehen und sich ausruhen, bis die Attacke vorüber ist.
Vorbeugende Maßnahmen
Kinder, als auch Eltern sollten eine Beratung über Lebensstilfaktoren, die die Migräne verstärken können, sowie den Umgang mit Migräneauslösern erhalten. Alles zu Schnelle, alles zu Unregelmäßige, alles zu Plötzliche und alles zu Häufige sollten im Alltag vermieden werden. Gleichtakt und Regelmäßigkeit im Alltag ist das Prinzip. Ein regelmäßiger Tag-Nacht-Rhythmus sollte eingehalten werden. Die Einnahme von Mahlzeiten zu festen Zeiten ist ebenfalls wichtig. Insbesondere sollte auf ein ausreichendes kohlenhydratreiches Frühstück in Ruhe geachtet werden. Ausreichendes Trinken im Tagesablauf ist ebenfalls bedeutsam. Insbesondere sollten Kinder Zeit haben für Entspannung und Ruhe am Tag. Zur Vorbeugung können Kinder die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson durchführen. Das Verfahren kann z.B. mit Hilfe der Migräne-App (kostenlos in den Appstores für IOS und Android) geübt werden. Lokales Kühlen mit einem Coolpack von Stirn und Schläfen, die Möglichkeit zum Rückzug und Schlaf reicht bei einem Teil der Kinder zur Therapie einer akuten Migräneattacke bereits aus. Dies stellt die Basistherapie dar.