Migräne: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, anfallsartige Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Die Schmerzen sind oft pulsierend, pochend oder stechend und treten meist einseitig auf. Migräne kann von verschiedenen Symptomen begleitet sein, darunter Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit. In einigen Fällen kündigt sich ein Migräneanfall durch eine Aura an, die mit neurologischen Symptomen wie Sehstörungen, Kribbeln oder Taubheitsgefühlen einhergehen kann.

Was ist Migräne?

Migräne ist eine chronische Erkrankung, die nicht heilbar ist. Sie ist aber gut behandelbar, so dass die Lebensqualität der Betroffenen weniger eingeschränkt wird. Etwa 12 bis 14 Prozent aller Frauen und 6 bis 8 Prozent aller Männer in Deutschland leiden unter Migräne. Bei Klein- und Schulkindern bis zur Pubertät sind 4 bis 5 Prozent betroffen. Die Migräne erreicht bezüglich Häufigkeit und Schwere der Attacken ihren Höhepunkt zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr und klingt ab dem 55. Lebensjahr ab.

Ursachen von Migräne

Obwohl Migräne als Krankheitsbild längst anerkannt ist, sind ihre Ursachen bislang nicht abschließend erforscht. Eine genetische Vorbelastung scheint ebenso eine Rolle zu spielen wie der körpereigene Serotoninspiegel. Ein unausgeglichener Serotoninspiegel verändert die Reizbarkeit der Nerven, macht die Blutgefäßwände durchlässiger und wirkt sich nicht zuletzt auch auf den Magen-Darm-Trakt aus, sodass Übelkeit und Erbrechen ebenfalls damit in Zusammenhang gebracht werden können.

Auslöser von Migräne

Unabhängig von den Ursachen der Migräne stehen die Auslöser im Mittelpunkt. Als sogenannte Trigger kommen vor allem Stress und ein gestörter Schlafrhythmus infrage. Aber auch Hormonschwankungen, etwa während der Regel oder in der Schwangerschaft, können Migräne begünstigen.

Häufig treten Migräneanfälle auch bei bestimmten Wetterlagen auf, genauer im Rahmen bestimmter Luftdruckverhältnisse. Obwohl wissenschaftlich nicht belegt, reagieren viele Migräniker auf sich zu schnell verändernde Wetter- und Temperaturverhältnisse, genauso wie auf starken Fön.

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Ein weiteres häufiges Phänomen ist die Wochenend-Migräne. Sie entsteht, wenn der Körper aus der Stress-Phase in die Entspannungs-Phase übergeht.

Symptome von Migräne

Migräne-Symptome sind vielgestaltig und teilweise unspezifisch, da innerhalb der Migräneerkrankung mehrere Migräneformen bekannt sind. Migräne geht mit unterschiedlichen Beschwerden einher, je nach Form der Migräne können folgende Symptome auftreten:

  • Massive, einseitige Kopfschmerzen von pulsierendem Charakter
  • Aura (Sehstörungen, Kribbeln, Taubheitsgefühle)
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Licht- und Lärmempfindlichkeit
  • Appetitlosigkeit

Phasen eines Migräneanfalls

Migräneschübe treten üblicherweise in vier Phasen auf, im Falle einer Migräne ohne Aura sind es hingegen nur drei Phasen. Ein Migräneanfall läuft daher wie folgt ab:

  1. Vorbotenphase: In dieser Phase, die von vielen Migränikern nicht wahrgenommen wird, kündigt sich die Migräne an. Typische Vorboten für einen nahenden Migräneanfall sind beispielsweise gesteigerte Müdigkeit und häufiges Gähnen, aber auch Heißhungerattacken, Darmbeschwerden, Verstopfungen und eine bereits erhöhte Licht- und Lärmempfindlichkeit.
  2. Auraphase: Bei einer Migräne mit Aura folgt die Auraphase der Vorbotenphase. Die Aura entsteht unmittelbar vor Beginn der starken Kopfschmerzen. Sie ist geprägt von fehlerhaften Sinneswahrnehmungen im Bereich des Sehens. Betroffene verlieren zum Beispiel die Fähigkeit zum räumlichen Sehen, es entstehen Zick-Zack-Linien im Bild, die Konturen werden unscharf und verschleiert.
  3. Kopfschmerzphase: Sehr selten tritt eine Migräneaura ohne anschließende Kopfschmerzen auf. In über 90 Prozent der Fälle folgt der Auraphase jedoch die Kopfschmerzphase, die mit einseitigen, starken Kopfschmerzen im Bereich der Stirn und Schläfe einhergeht. Oftmals ist zudem ein Auge betroffen, sodass die Schmerzen in das Augenlid ausstrahlen.
  4. Rückbildungsphase: In der Rückbildungsphase, wenn der Schmerzanfall bereits überstanden ist, befindet sich der Körper noch in der Erholung. Betroffene fühlen sich müde und abgespannt, die Appetitlosigkeit und die Übelkeit können in dieser Phase noch bis zu 24 Stunden bestehen bleiben, bevor die vollständige Erholung von der Migräneattacke einsetzt.

Migräneformen

Die Migräne kann in unterschiedlichen Formen auftreten, mit und ohne Aura, als hormonelle Migräne und als chronische Migräne. Diese Formen unterscheiden sich nicht nur in ihrer Symptomatik, sondern auch im Verlauf:

  • Migräne mit und ohne Aura: Bei der Migräne ohne Aura steht der einseitige, pulsierende Kopfschmerz im Mittelpunkt. Bei einer Migräne mit Aura kommt es kurz vor dem Schmerz zu Sichteinschränkungen in Form von Lichtblitzen, Flackerlinien und Schleiern.
  • Chronische Migräne: Eine Migräne wird dann als chronisch bezeichnet, wenn sie mindestens drei Monate in Folge an mehr als 15 Tagen im Monat auftritt. Betroffene leiden quasi unter dauernden Migräneanfällen.
  • Retinale Migräne: Im Rahmen der retinalen Migräne kommt es während des Migräneanfalls zu einseitigen Sehstörungen, die nicht den neurologischen Störungen einer Aura entsprechen. Bei einer retinalen Migräne kann es vorübergehend sogar zur Blindheit auf einem Auge kommen.
  • Hormonelle Migräne: Die hormonelle oder auch menstruationsbedingte Migräne betrifft ausschließlich Frauen. Sie tritt, wie der Name schon sagt, kurz vor dem Einsetzen oder während der Periode auf. Ursächlich sind die hormonellen Veränderungen im Verlauf des Zyklus.
  • Triptan-induzierte Migräne: Durch die häufige Einnahme von Triptanen kann es zu einem Gewöhnungseffekt kommen, der wiederum neuerliche Kopfschmerzen und Migräneattacken auslösen kann.
  • Hemiplegische Migräne: Diese Form geht mit zusätzlichen motorischen Störungen und Störungen des Gleichgewichts einher. Auch Bewusstseinsstörungen wie Ohnmacht oder sogar Koma treten in Einzelfällen auf.
  • Basilarismigräne: Klassische Symptome sind neben den Kopfschmerzen auch Tinnitus, Doppelbildsehen, Bewusstseinsstörungen, Schwindelgefühle und Sprachstörungen.

Migräne und Taubheit auf der linken Seite

Die Kombination von Migräne und Taubheit auf der linken Seite kann auf eine Migräne mit Aura hindeuten. Die Aura ist eine Phase neurologischer Symptome, die vor dem eigentlichen Kopfschmerz auftreten kann. Diese Symptome können Sehstörungen (z. B. Flimmern, Lichtblitze, Gesichtsfeldausfälle), sensorische Störungen (z. B. Kribbeln, Taubheit) oder motorische Störungen (z. B. Schwäche) umfassen.

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Ursachen für Taubheit bei Migräne

Die genauen Ursachen für die Aura-Symptome sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass eine vorübergehende Veränderung der elektrischen Aktivität im Gehirn eine Rolle spielt. Diese Veränderung kann sich auf verschiedene Bereiche des Gehirns auswirken und zu den unterschiedlichen Aura-Symptomen führen.

Differentialdiagnose

Es ist wichtig zu beachten, dass Taubheit auf der linken Seite auch andere Ursachen haben kann, darunter:

  • Schlaganfall
  • Transitorische ischämische Attacke (TIA)
  • Multiple Sklerose (MS)
  • Nervenkompression

Daher ist es wichtig, einen Arzt aufzusuchen, um die Ursache der Taubheit abklären zu lassen.

Diagnose von Migräne

Die Diagnose von Migräne basiert in der Regel auf der Anamnese des Patienten und einer neurologischen Untersuchung. Der Arzt wird nach den typischen Symptomen der Migräne fragen, wie z. B.:

  • Art und Lokalisation der Kopfschmerzen
  • Begleitsymptome (Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit)
  • Vorliegen einer Aura
  • Häufigkeit und Dauer der Anfälle
  • Auslöser der Anfälle

In einigen Fällen können weitere Untersuchungen erforderlich sein, um andere Ursachen für die Kopfschmerzen auszuschließen. Dazu gehören:

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  • Blutuntersuchungen
  • Bildgebende Verfahren (z. B. MRT oder CT des Gehirns)

Behandlung von Migräne

Die Behandlung von Migräne zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern und die Häufigkeit der Anfälle zu reduzieren. Es gibt verschiedene Behandlungsansätze, darunter:

  • Akuttherapie: Bei akuten Migräneanfällen können Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure, Paracetamol oder Ibuprofen eingenommen werden. Bei stärkeren Anfällen können Triptane eingesetzt werden, die speziell gegen Migräne wirken.
  • Prophylaxe: Wenn Migräneanfälle häufig auftreten, kann eine vorbeugende Behandlung in Erwägung gezogen werden. Dazu gehören Medikamente wie Betablocker, Antidepressiva oder Antiepileptika. Auch Entspannungstechniken, Akupunktur und eine Änderung des Lebensstils können helfen, die Häufigkeit der Anfälle zu reduzieren.

Medikamentöse Behandlung

  • Schmerzmittel: Bei leichten bis mittelgradigen Migräneattacken können rezeptfreie Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS), Paracetamol oder Ibuprofen helfen.
  • Triptane: Bei schweren Attacken können so genannte Triptane angewandt werden. Sie sollten nach der Aura, zu Beginn der Kopfschmerzphase eingenommen werden. Triptane sind in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich (Tabletten, Zäpfchen, Nasenspray).
  • Vorbeugende Medikamente: Wenn die Migräne stärker ausgeprägt ist oder mehr als 3 Attacken pro Monat auftreten, können bestimmte Medikamente vorbeugend verschrieben werden. Dazu zählen Betablocker, krampflösende Wirkstoffe, bestimmte Antidepressiva, Botox (bei schwerer chronischer Migräne) oder monoklonale Antikörper.

Nicht-medikamentöse Behandlung

  • Entspannungstechniken: Entspannungsmethoden wie autogenes Training oder Yoga können die Schmerzen deutlich reduzieren.
  • Akupunktur: Manche Betroffene haben mit Akupunktur gute Erfahrungen gemacht.
  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung kann einen positiven Einfluss auf die Migräne haben.
  • Regelmäßiger Lebensstil: Regelmäßigkeit im Alltag, zum Beispiel bei den Essens- und Schlafenszeiten, kann helfen, Migräneanfälle zu vermeiden.

Hausmittel

Hausmittel können in erster Linie Begleitsymptome eines leichteren Migräneanfalls lindern. Tee aus Ingwer oder Kamillenblüten wirkt gegen Übelkeit. Auch ein Tee mit Gewürznelken oder Weidenrinde kann zur Schmerzlinderung beitragen. Gleiches gilt für Coolpacks oder Pfefferminzöl, das auf Stirn, Schläfen und Nacken aufgetragen wird.

Leben mit Migräne

Migräne kann das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen. Es ist wichtig, die eigenen Auslöser zu kennen und zu vermeiden. Ein Kopfschmerztagebuch kann dabei helfen, die Auslöser zu identifizieren. Auch Stressmanagement und Entspannungstechniken können helfen, die Häufigkeit der Anfälle zu reduzieren.

Tipps für den Alltag

  • Führen Sie ein Kopfschmerztagebuch, um Ihre Auslöser zu identifizieren.
  • Vermeiden Sie Stress und sorgen Sie für ausreichend Entspannung.
  • Achten Sie auf einen regelmäßigen Schlafrhythmus.
  • Ernähren Sie sich ausgewogen und vermeiden Sietriggernde Lebensmittel.
  • Treiben Sie regelmäßig Sport.
  • Nehmen Sie Ihre Medikamente regelmäßig ein.
  • Suchen Sie bei Bedarf professionelle Hilfe.

Migräne verstehen - bevor sie laut wird

Die Kampagne „Migräne verstehen - bevor sie laut wird“ wurde gemeinsam mit Ärztinnen, Ärzten und Betroffenen entwickelt. Sie vermittelt Wissen, teilt persönliche Erfahrungen und bietet eine unterstützende Community.

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