Migräne-Nasensprays: Eine Übersicht über Medikamente und Anwendung

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist, oft begleitet von Übelkeit, Erbrechen sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Migräne-Nasensprays bieten eine schnelle und effektive Möglichkeit, Migräneattacken zu behandeln, da sie den Wirkstoff direkt über die Nasenschleimhaut in den Blutkreislauf bringen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Migräne-Nasensprays, ihre Wirkungsweise, Anwendung, Nebenwirkungen und andere wichtige Informationen.

Was sind Migräne-Nasensprays?

Migräne-Nasensprays sind Medikamente in flüssiger Form, die in die Nase gesprüht werden, um Migränekopfschmerzen zu lindern. Sie enthalten in der Regel Triptane, eine Klasse von Medikamenten, die speziell zur Behandlung von Migräne entwickelt wurden. Einige Nasensprays enthalten auch andere Wirkstoffe, die die Aufnahme des Triptans beschleunigen oder zusätzliche Symptome lindern sollen.

Wie wirken Migräne-Nasensprays?

Die meisten Migräne-Nasensprays enthalten Triptane wie Sumatriptan oder Zolmitriptan. Triptane wirken, indem sie an Serotonin-Rezeptoren im Gehirn binden. Dies führt zu einer Verengung der Blutgefäße im Kopf, die während einer Migräneattacke erweitert sind. Darüber hinaus können Triptane auch Entzündungen reduzieren und die Schmerzübertragung im Gehirn beeinflussen.

Einige Nasensprays enthalten zusätzlich einen Aufnahmebeschleuniger wie DDM (oder auch andere Inhaltsstoffe), der die Aufnahme des Triptans durch die Nasenschleimhaut verbessert. Dies kann zu einer schnelleren und effektiveren Schmerzlinderung führen, besonders wenn Symptome wie Übelkeit und Erbrechen die orale Einnahme von Medikamenten erschweren.

Vorteile von Nasensprays gegenüber Tabletten

Nasensprays bieten gegenüber Tabletten einige Vorteile bei der Behandlung von Migräne:

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  • Schnellere Wirkung: Der Wirkstoff gelangt direkt über die Nasenschleimhaut in den Blutkreislauf, was zu einer schnelleren Schmerzlinderung führt. Studien zeigen, dass die schmerzlindernde Wirkung einiger Nasensprays innerhalb von 15 Minuten einsetzen kann.
  • Umgehung des Magen-Darm-Trakts: Dies ist besonders vorteilhaft für Patienten, die unter Übelkeit und Erbrechen leiden, da der Wirkstoff nicht durch den Magen-Darm-Trakt gelangen muss, um seine Wirkung zu entfalten.
  • Einfache Anwendung: Nasensprays sind einfach anzuwenden und können diskret eingenommen werden, was sie zu einer praktischen Option für unterwegs macht.

Bekannte Migräne-Nasensprays

Einige der gängigen Migräne-Nasensprays auf dem deutschen Markt sind:

  • Imigran® Nasal: Enthält den Wirkstoff Sumatriptan und ist in den Dosierungen 10 mg und 20 mg erhältlich. Es wird zur Behandlung von Migräne mit oder ohne Aura eingesetzt.
  • AscoTop® Nasal: Enthält den Wirkstoff Zolmitriptan und ist in einer Dosierung von 5 mg erhältlich. Es wird zur Behandlung von Migräne und Cluster-Kopfschmerzen eingesetzt.

Anwendung von Migräne-Nasensprays

Die Anwendung von Migräne-Nasensprays ist relativ einfach, sollte aber gemäß den Anweisungen des Arztes und der Packungsbeilage erfolgen. Hier sind die allgemeinen Schritte zur Anwendung eines Nasensprays:

  1. Vorbereitung: Reinigen Sie Ihre Nase vorsichtig, um sicherzustellen, dass die Nasenlöcher frei sind.
  2. Dosierung: Entfernen Sie die Schutzkappe des Nasensprays.
  3. Anwendung: Halten Sie ein Nasenloch zu und führen Sie die Spitze des Sprays in das andere Nasenloch ein, so weit es angenehm ist.
  4. Sprühen: Legen Sie den Kopf leicht in den Nacken, schließen Sie den Mund und atmen Sie durch das freie Nasenloch ein, während Sie gleichzeitig den Sprühmechanismus betätigen.
  5. Nachbereitung: Halten Sie den Kopf noch einen Moment nach hinten geneigt und ziehen Sie die Nase hoch. Atmen Sie dann etwa zehn Sekunden lang gleichmäßig durch den Mund.

Es ist wichtig, das Nasenspray nicht zu benutzen, bevor die Spitze in ein Nasenloch eingeführt wurde, da sonst die Dosis verloren gehen kann. Nach der Anwendung kann ein Gefühl von Flüssigkeit in der Nase auftreten, was normal ist und schnell vorübergehen sollte.

Dosierung

Die Dosierung von Migräne-Nasensprays variiert je nach Wirkstoff, Stärke und individuellem Bedarf. Im Allgemeinen gelten folgende Empfehlungen:

  • Erwachsene: Die übliche Dosis für Erwachsene beträgt ein Sprühstoß (entweder 10 mg oder 20 mg Sumatriptan oder 5 mg Zolmitriptan) in ein Nasenloch. Bei Bedarf kann nach zwei Stunden eine zweite Dosis verabreicht werden, jedoch sollte die maximale Tagesdosis von 10 mg Zolmitriptan nicht überschritten werden.
  • Jugendliche: Für Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren beträgt die übliche Dosis ein Sprühstoß eines niedriger dosierten Präparates mit 10 mg Sumatriptan in ein Nasenloch.
  • Kinder: Migräne-Nasensprays werden in der Regel nicht für Kinder unter 12 Jahren empfohlen.
  • Ältere Menschen: Für ältere Menschen über 65 Jahren wird die Anwendung von Migräne-Nasensprays ebenfalls nicht empfohlen, da es an ausreichenden Studien mangelt.

Gegenanzeigen und Vorsichtsmaßnahmen

Migräne-Nasensprays sind nicht für jeden geeignet. Es gibt bestimmte Erkrankungen und Umstände, bei denen die Anwendung kontraindiziert ist oder besondere Vorsicht geboten ist:

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  • Allergie: Bei bekannter Allergie gegen den Wirkstoff (z.B. Sumatriptan oder Zolmitriptan) oder einen der sonstigen Bestandteile des Arzneimittels darf das Nasenspray nicht angewendet werden.
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Patienten mit Herzproblemen, wie z. B. Verengung der Herzkranzgefäße (ischämische Herzkrankheit), Angina pectoris oder Herzinfarkt in der Vorgeschichte, sollten Migräne-Nasensprays nicht anwenden.
  • Durchblutungsstörungen: Bei Durchblutungsstörungen in den Beinen (periphere Gefäßerkrankung) oder im Gehirn (Schlaganfall, transitorische ischämische Attacke) ist die Anwendung von Migräne-Nasensprays kontraindiziert.
  • Bluthochdruck: Patienten mit unkontrolliertem Bluthochdruck sollten Migräne-Nasensprays nicht anwenden.
  • Lebererkrankungen: Bei schweren Lebererkrankungen ist die Anwendung von Migräne-Nasensprays kontraindiziert.
  • Gleichzeitige Einnahme anderer Migränemittel: Die gleichzeitige Anwendung von Migräne-Nasensprays mit anderen Triptanen oder Ergotamin-haltigen Medikamenten ist kontraindiziert.
  • MAO-Hemmer: Patienten, die MAO-Hemmer (Monoaminooxidase-Hemmer) einnehmen oder bis vor zwei Wochen eingenommen haben, dürfen Migräne-Nasensprays nicht anwenden.

Vor der Anwendung von Migräne-Nasensprays sollten Patienten ihren Arzt informieren, wenn sie bestimmte Risikofaktoren haben, wie z. B. Rauchen, Bluthochdruck, erhöhten Cholesterinspiegel, Zuckerkrankheit oder eine familiäre Vorbelastung für Herzerkrankungen. Auch bei Leber- oder Nierenerkrankungen, Allergien gegen Sulfonamid-Antibiotika oder der Einnahme von Medikamenten gegen Depressionen (SSRIs oder SNRIs) ist Vorsicht geboten.

Mögliche Nebenwirkungen

Wie alle Medikamente können auch Migräne-Nasensprays Nebenwirkungen verursachen, die aber nicht bei jedem auftreten müssen. Einige der häufigsten Nebenwirkungen sind:

  • Geschmacksstörungen: Ein unangenehmer Geschmack im Mund ist eine sehr häufige Nebenwirkung von Migräne-Nasensprays.
  • Reizungen oder Brennen in der Nase oder im Hals: Diese Symptome sind häufig und in der Regel mild.
  • Nasenbluten: Nasenbluten kann gelegentlich auftreten.
  • Übelkeit oder Erbrechen: Diese Symptome können jedoch auch durch die Migräneattacke selbst ausgelöst werden.
  • Müdigkeit oder Benommenheit: Diese Symptome sind häufig und können die Fähigkeit zum Autofahren oder Bedienen von Maschinen beeinträchtigen.
  • Schwindel, Schwächegefühl, Hitzewallungen/Gesichtsrötung: Diese Symptome sind ebenfalls häufig.
  • Vorübergehender Blutdruckanstieg: Der Blutdruck kann vorübergehend ansteigen.
  • Schmerzen, Schweregefühl, Druckgefühl, Enge oder Schmerzen in der Brust, im Hals oder in anderen Körperteilen: Diese Symptome können intensiv sein, gehen aber im Allgemeinen schnell vorüber. Bei anhaltenden oder sich verschlimmernden Brustschmerzen sollte jedoch umgehend ein Arzt aufgesucht werden.

In seltenen Fällen können schwerwiegendere Nebenwirkungen auftreten, wie z. B. allergische Reaktionen, Krampfanfälle, Sehstörungen, Herzbeschwerden oder Veränderungen der Leberfunktion. Bei Auftreten von Anzeichen einer Allergie (Hautausschlag, Nesselsucht, pfeifende Atemgeräusche, geschwollene Augenlider, Gesicht oder Lippen, Kreislaufzusammenbruch) sollte die Anwendung des Nasensprays sofort abgebrochen und ein Arzt aufgesucht werden.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Migräne-Nasensprays können Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten eingehen. Patienten sollten ihren Arzt oder Apotheker informieren, wenn sie andere Arzneimittel einnehmen/anwenden, kürzlich andere Arzneimittel eingenommen/angewendet haben oder beabsichtigen andere Arzneimittel einzunehmen/anzuwenden. Dies schließt auch pflanzliche oder nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel mit ein.

Besondere Vorsicht ist geboten bei der gleichzeitigen Anwendung von:

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  • Ergotamin-haltigen Medikamenten: Die gleichzeitige Anwendung von Migräne-Nasensprays mit Ergotamin oder ähnlichen Arzneimitteln (z. B. Methysergid) ist kontraindiziert.
  • Anderen Triptanen: Die gleichzeitige Anwendung von Migräne-Nasensprays mit anderen Triptanen (z. B. Naratriptan, Rizatriptan, Zolmitriptan) ist ebenfalls kontraindiziert.
  • SSRIs oder SNRIs: Die gleichzeitige Anwendung von Migräne-Nasensprays mit SSRIs (selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer) oder SNRIs (Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer) zur Behandlung von Depressionen kann ein so genanntes Serotonin-Syndrom verursachen.
  • MAO-Hemmern: Die Anwendung von Migräne-Nasensprays ist kontraindiziert, wenn innerhalb der letzten zwei Wochen MAO-Hemmer eingenommen wurden.
  • Johanniskraut: Die gleichzeitige Anwendung von Johanniskraut kann die Nebenwirkungen von Migräne-Nasensprays verstärken.

Migräne in besonderen Lebenssituationen

Schwangerschaft und Stillzeit

Die Sicherheit von Migräne-Nasensprays während der Schwangerschaft ist nicht ausreichend belegt. Schwangere Frauen sollten vor der Anwendung von Migräne-Nasensprays ihren Arzt um Rat fragen.

Während der Stillzeit sollte bis 12 Stunden nach der Anwendung von Migräne-Nasensprays nicht gestillt werden. Wenn während dieser Zeit Milch abgepumpt wird, sollte diese verworfen und nicht dem Säugling gegeben werden.

Kinder und Jugendliche

Migräne-Nasensprays werden in der Regel nicht für Kinder unter 12 Jahren empfohlen. Für Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren kann die Anwendung eines niedriger dosierten Präparates (z. B. 10 mg Sumatriptan) in Erwägung gezogen werden.

Ältere Menschen

Für ältere Menschen über 65 Jahren wird die Anwendung von Migräne-Nasensprays ebenfalls nicht empfohlen, da es an ausreichenden Studien mangelt.

Zusammenfassung

Migräne-Nasensprays sind eine wirksame und schnell wirkende Option zur Behandlung von Migräneattacken. Sie bieten gegenüber Tabletten den Vorteil einer schnelleren Wirkung und der Umgehung des Magen-Darm-Trakts, was besonders für Patienten mit Übelkeit und Erbrechen von Vorteil ist. Die Anwendung sollte jedoch immer in Absprache mit einem Arzt erfolgen, um mögliche Risiken und Wechselwirkungen zu berücksichtigen.

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