Migräne nach dem Duschen: Ursachen und Lösungsansätze

Kopfschmerzen nach dem Duschen können verschiedene Ursachen haben. Während ein warmes Bad oder eine Dusche oft als entspannend empfunden wird, kann es bei manchen Menschen paradoxerweise Kopfschmerzen auslösen. Es ist wichtig, die verschiedenen Arten von Kopfschmerzen zu verstehen, um die richtige Behandlung zu finden.

Seltene Kopfschmerzformen: Ein Überblick

Neben den häufigeren Kopfschmerzarten wie Migräne und Spannungskopfschmerzen gibt es auch seltenere Formen, die oft ungewöhnliche Bezeichnungen tragen. Dazu gehören der "Hot-Bath-Kopfschmerz", der "Turtle-Kopfschmerz" und das "Exploding Head Syndrome". Diese Kopfschmerzformen sind zwar seltener, aber dennoch real und können die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen.

Hot-Bath-Kopfschmerz: Wenn die Entspannung zum Problem wird

Ein warmes Bad wirkt entspannend und kann bei Erkältungen und Muskelkater helfen. Allerdings können manche Menschen nach einem Bad oder einer Dusche den sogenannten Hot-Bath-Kopfschmerz bekommen. "Kurz nach der Applikation mit warmem Wasser entsteht ein dumpf-drückender, ziehender Kopfschmerz", erläutert Ingo W. Husstedt von der Abteilung für Neurologie des Universitätsklinikums Münster. Husstedt schreibt in einer Publikation im "MedReport": "Es ist davon auszugehen, dass der Hot-Bath-Kopfschmerz einen eigenständigen, seltenen idiopathischen Kopfschmerz darstellt." Idiopathisch bedeutet, dass die Ursachen für die Beschwerden in neurologischen Untersuchungen nicht erkennbar sind. Eine Kernspintomographie zeigt keine Veränderungen im Gehirn. Die Diagnose eines idiopathischen Kopfschmerzes ergibt sich aus dem Gespräch mit dem Arzt.

Das Gegenteil zum Hot-Bath-Kopfschmerz ist der Kältekopfschmerz. Er entsteht durch kalte Luft oder kaltes Wasser, besonders wenn der Kopf nicht geschützt ist. In einer schwedischen Studie mussten rund 700 weibliche Testpersonen eiskaltes Wasser durch einen Strohhalm trinken. Jede 13. Frau bekam davon Kopfschmerzen. Kalte Getränke wirken sich auf die Blutgefäße im Mundraum aus, die dann verkrampfen, erklärt Jan-Peter Jansen von der Stiftung Kopfschmerz in Berlin. Das führe zu Schmerzen in Stirnbereich oder an den Schläfen. Husstedt vermutet, dass Hot-Bath- und Kältekopfschmerz mit den Temperaturrezeptoren der Gesichts- und Kopfhaut zusammenhängen.

Turtle-Kopfschmerz und andere seltene Formen

Auch der Turtle-Kopfschmerz ist eine seltene Erkrankung. "Es gibt nur einige Fallberichte", betont Husstedt. Der dumpfe Schmerz tritt auf, wenn Langschläfer nach dem Aufwachen wieder einschlafen und sich dabei die Bettdecke über den Kopf ziehen, um das Tageslicht auszusperren. Für einen Außenstehenden sieht der Schläfer dann aus wie eine Schildkröte. Nach wenigen Stunden lässt der Kopfschmerz von alleine nach.

Lesen Sie auch: Vergleichende Analyse: Migräne vs. Epilepsie

Besser erforscht ist der Sexualkopfschmerz. Nach dänischen Studien leiden ein Prozent der Menschen an den Kopfschmerzattacken. "Die Dunkelziffer ist aber sehr hoch", meint Ulrike Bingel von der Kopfschmerzambulanz des UKE. "Vielen ist es peinlich, darüber zu sprechen." Der heftige Schmerz kann vor, während oder nach dem Orgasmus auftreten. "70 Prozent der Patienten erleben einen explosiven Schmerz, der während des Orgasmus auftritt", erklärt Husstedts Kollege Stefan Evers. Andere Patienten klagten über dumpfe Schmerzen in Kopf und Nacken, die mit zunehmender sexueller Erregung anstiegen.

"Das Exploding Head Syndrome ist im Prinzip kein Kopfschmerz", sagt Husstedt. Die Betroffenen hören beim Einschlafen einen lauten Knall im Kopf, begleitet von Lichtblitzen und dem Gefühl, benebelt zu sein. Dem Arzt würden sie dieses Phänomen aber häufig als Kopfschmerz beschreiben. Meistens geht das Exploding Head Syndrome nach einigen Wochen oder Monaten wieder vorbei. Schlafentzug, Übermüdung und psychischer Stress können die Kopf-Geräusche auslösen. "Aber es ist umstritten, woher sie genau stammen", ergänzt Husstedt.

Migräne: Eine neurologische Erkrankung

Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Es ist eine neurologische Erkrankung, die nicht durch ein stressiges Leben entsteht. Den meisten Betroffenen sieht man die Krankheit nicht an, außer, man erwischt sie im akuten Anfall. Migräne, insbesondere die chronische Migräne, ist kein simpler Kopfschmerz, sondern eine der schlimmsten Schmerzzustände, die Menschen heimsuchen. Sie zählt zu den schwersten Behinderungen, insbesondere von Frauen. So bestehen nicht nur die typischen meist einseitigen, stechenden, hämmernden, pulsierenden Kopfschmerzen - nein, der gesamte Körper ist in Mitleidenschaft gezogen. Betroffene lieben und brauchen frische Luft und gehen hinaus, so oft es möglich ist. Gemäßigter Ausdauersport kann prophylaktisch wirken und wird auch oft betrieben in schmerzfreien Zeiten. Während einer Attacke ist sportliche Betätigung nicht möglich. Viele sind bettlägerig und fühlen sich schwer krank.

Ursachen und Auslöser von Migräne

Die Forschung zu den Ursachen der Migräne geht nur langsam voran. Eine Theorie besagt, dass entzündliche Vorgänge an den Blutgefäßen im Gehirn eine Rolle spielen. Möglicherweise ist auch von Bedeutung, wie Schmerzsignale im Gehirn verarbeitet werden. Allerdings sind sich Wissenschaftler einig, dass eine Kombination aus vererbten Genen und äußerlichen Einflüssen zu einer Migräneattacke führen kann.

Sogenannte Triggerfaktoren sind nicht allein die Ursache einer Migräneattacke, können diese aber deutlich begünstigen. Auch die Stärke eines möglichen Anfalls kann von inneren oder äußerlichen Reizen beeinflusst werden. Migräniker neigen zu einem Anfall, wenn sie vermehrt Stress ausgesetzt sind, als Begleiterscheinung in der Traumaverarbeitung, bei einem unregelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus, bei Frauen vor und während der Menstruation in Folge von Hormonschwankungen, als Folgeerscheinung eines operativen Eingriffs, beim vermehrten Verzehr von zuckerhaltigen Lebensmitteln oder Genussgetränken sowie bei starkem Konsum von Nikotin, Alkohol oder anderen Drogen.

Lesen Sie auch: Neurologische Expertise bei Migräne

Migräne und Wetter

Ob Wetterveränderungen als Triggerfaktoren für Migräne gelten, konnten bisherige Studien nicht sicher beantworten. Es scheint aber, dass es unter Migränepatienten eine bestimmte Gruppe gibt, die tatsächlich hochempfindlich auf Veränderungen meteorologischer Faktoren reagiert. Insbesondere steigende Temperaturen, hohe Luftfeuchtigkeit und ein fallender Luftdruck scheinen dabei eine Rolle zu spielen. Migränebetroffene können durch ein Migränetagebuch und Wetterkarten beobachten, ob bestimmte Wetterlagen mit ihrer Migräne in Zusammenhang gebracht werden können.

Behandlung und Prävention von Migräne

Migräne ist bisher nicht heilbar, aber mittlerweile kann man durch eine medikamentöse Behandlung und verschiedene Präventionsmöglichkeiten die Attacken verringern und die Symptome mildern. Zu den wichtigsten vorbeugenden Maßnahmen zählen eine gesunde Lebensweise mit regelmäßigen sportlichen Aktivitäten, einer ausgewogenen und vitaminreichen Ernährung sowie einer täglichen Flüssigkeitsversorgung von mindestens zwei Litern. Regelmäßige Entspannungsübungen oder Entspannungstechniken können ebenfalls helfen.

Kopfschmerzen durch Temperaturwechsel

Der Kopf schmerzt, man kann sich nicht mehr richtig konzentrieren und fühlt sich müde sowie schlapp. Gerade in der kühlen Jahreszeit kann der Wechsel von Zimmertemperatur zu einer niedrigen Außentemperatur zu Kopfschmerzen führen. Durch kühlen Wind und Kälte verkrampft sich die Kopfmuskulatur und kann in Verbindung mit weiteren Ursachen, wie zum Beispiel einer Entzündungsreaktion im Gehirn, schlimmstenfalls einen Migräneanfall hervorrufen.

Was hilft bei Kopfschmerzen durch Kälte?

Wärme und eine vorsichtige Massage können helfen, die verkrampften Muskeln wieder zu lockern. Wurde durch die Kälte allerdings ein Migräneanfall ausgelöst, halten die Schmerzen meistens über Stunden an. Leichte und mittelschwere Migräneattacken können dann mit herkömmlichen Kopfschmerzmitteln behandelt werden, in schweren Fällen helfen spezielle Migräne-Präparate. Bei empfindlichen Migräne-Patienten ist es deshalb vorbeugend ratsam, bei winterlichen Minusgraden eine wärmende Kopfbedeckung zu tragen.

Darüber hinaus ist es von Vorteil, die eigene Anpassungsfähigkeit an das Wetter zu verbessern, indem Sie so oft wie möglich wetterunabhängig im Freien spazieren gehen. Sportarten wie Bergwandern, Walken, Radfahren oder Langlaufen sind optimal. Saunagänge in Kombination mit Wechselduschen trainieren die Gefäße, damit diese wieder rasch auf unterschiedliche Temperaturreize reagieren.

Lesen Sie auch: Migräne als Risikofaktor für Demenz?

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Grundsätzlich ist es bei regelmäßigen Kopfschmerzen wichtig, dass sie mit einem Arzt abgeklärt werden, um eine gezielte Behandlung oder auch Prophylaxe vorzunehmen. Auch ein ganz neuer heftiger Kopfschmerz sollte ärztlich untersucht werden, denn es kann auch etwas Ernstes dahinterstecken. Hausärzte sind kompetente erste Ansprechpartner. Diese kennen die typischen Symptome, wissen, wie diese häufigen Kopfschmerzerkrankungen behandelt werden und können bei unkomplizierten Verläufen in aller Regel helfen. Bei Problemen sollten Neurologen hinzugezogen werden.

Der Arzt oder die Ärztin wird der betroffenen Person einige Fragen stellen. Besonders hilfreich ist es, die Kopfschmerzen dafür über eine längere Zeitspanne aktiv zu beobachten und zu dokumentieren („Kopfschmerztagebuch“). Im Anschluss an das Gespräch folgt eine körperliche Untersuchung. Sie soll den allgemeinen gesundheitlichen Zustand abklären. Ist der körperliche Befund unauffällig, handelt es sich bei den Kopfschmerzen um eine primäre Form, das heißt, dass es keine erkennbare Ursache gibt. Findet sich hingegen eine körperliche Auffälligkeit, ist es möglich, dass die Kopfschmerzen Begleiterscheinung einer anderen Erkrankung sind.

Kopfschmerzen vorbeugen: Tipps für den Alltag

Auch Stress, Schlafmangel oder Nahrungsmittelunverträglichkeit können Migräne auslösen. Um Kopfschmerzattacken vorzubeugen, können Sie sich ein Kopfschmerztagebuch anlegen, um Ihre persönlichen Auslöser kennenzulernen. Darin wird festgehalten, wann und unter welchen Umständen Migräneattacken auftreten und welche Schmerzmittel Sie in welcher Dosis einnehmen.

Um herauszufinden, was der Auslöser für die Kopfschmerzen sein kann, ist es hilfreich, seine eigene Lebensführung zu beobachten. Gab es Veränderungen im Alltag, kann dies eine Ursache für einen wiederkehrenden Kopfschmerz sein. Oftmals spielt auch die Haltung am Arbeitsplatz eine große Rolle, da Kopfschmerzen nicht selten von Verspannungen der Nacken- und Halswirbelsäulenmuskulatur herrühren. Gesunde Bewegung und Entspannung gehören immer zu einer ausgeglichenen Lebensführung und können dabei helfen, Stress zu kompensieren und Verspannungen durch eine gestärkte Muskulatur zu vermeiden.

Auch verschiedene Nahrungsmittel können in Zusammenhang mit Kopfschmerzen stehen. Beispielsweise können Reaktionen nach dem Verzehr des Geschmacksverstärkers Glutamat auftreten und auch bestimmte Käsesorten oder Weine können die Beschwerden auslösen. Wichtig ist, auf sein eigenes Wohlbefinden zu achten. „Fällt ein Zusammenhang zwischen dem Kopfschmerz und bestimmten Nahrungsmitteln auf, sollte man auf diese verzichten“, rät Dr. Cegla, Chefarzt der Schmerzklink im Helios Universitätsklinikum Wuppertal.

tags: #migrane #nach #duschen