Nackenschmerzen und Migräne treten häufig gemeinsam auf, und das ist kein Zufall. Viele Menschen, die unter Migräne leiden, kennen auch das Problem verspannter Nackenmuskulatur. Doch woher kommt dieser Zusammenhang, und was kann man dagegen tun?
Die Verbindung zwischen Migräne und Nackenschmerzen
Die Verbindung zwischen Migräne und Nackenschmerzen ist komplex und vielschichtig. Ein zentraler Faktor ist der Trigeminozervikale Komplex, eine Nervenschaltstelle, in der sich Signale aus dem Kopf- und Nackenbereich überlagern. Das bedeutet, dass Verspannungen im Nacken Kopfschmerzen auslösen oder verstärken können, selbst wenn das eigentliche Problem im Muskelbereich liegt.
Weitere begünstigende Faktoren sind:
- Langes Sitzen und schlechte Haltung: Insbesondere bei Menschen, die viel Zeit am Computer verbringen, kann eine ungünstige Haltung zu Verspannungen im Nackenbereich führen und somit Migräneattacken begünstigen.
- Stress: Chronischer Stress führt oft zu Muskelverspannungen, insbesondere im Nacken- und Schulterbereich, was wiederum Migräne triggern kann.
- Nervenreizungen: Die Nerven, die die Kopfhaut versorgen, verlaufen zum Teil durch den oberen Bereich der Halswirbelsäule. Reizungen dieser Nerven können sowohl Nacken- als auch Kopfschmerzen verursachen.
Ursachen von Nackenschmerzen
Nackenschmerzen sind meist das Ergebnis verspannter Muskulatur im Halsbereich. Auf langes Verharren in einer Fehlhaltung, kalte Zugluft oder falsches Liegen reagiert der Nacken mit schmerzhafter Verkrampfung. Auch in psychisch belastenden Situationen spannt sich unser Körper an. So kann beispielsweise Liebeskummer Nackenschmerzen auslösen.
Im Alltag nehmen wir oftmals eine nach vorne gebeugte Haltung ein, welche die Brustmuskulatur auf Dauer verkürzt und die Schultermuskulatur überstrapaziert. Die dadurch entstehenden Verspannungen können wiederum eine Migräne-Attacke begünstigen. Viele Menschen neigen zum Beispiel beim Telefonieren und Radfahren dazu, das Kinn nach vorne zu drücken. Diese unnatürliche Haltung des Kopfes ist oftmals Grund für Verspannungen im Nacken und begünstigt eine Migräne-Attacke. Schon wieder ist der Nacken am Morgen verspannt? Kopfschmerz-Patienten schieben häufig exzessiv ihr Kinn nach vorne. Das wiederum hat zur Folge, dass Strukturen im Nacken eingeengt und verspannt werden. Nicht nur Menschen, die häufig unter anderen Kopfschmerzformen leiden, sondern auch Migräne-Patienten haben oft sogenannte Triggerpunkte in der Nackenmuskulatur.
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Hier eine Auswahl an Ursachen, die besonders häufig zu Nackenverspannungen bzw. Kopfschmerzen führen:
- Bewegungsmangel: In Deutschland, aber auch in allen anderen westlichen Industrienationen, bewegen sich die meisten Menschen insgesamt viel zu wenig. Durchschnittlich 9 Stunden der wachen Zeit verbringen die meisten von uns täglich im Sitzen. Der menschliche Körper aber ist nicht zum Dauersitzen gemacht.
- Falsche Arbeitsplatzgestaltung: Ein schlecht eingerichteter Arbeitsplatz mit einem zu hoch oder zu niedrig eingestellten Bildschirm, einem fürs Home-Office zweckentfremdeten Küchenstuhl oder anderweitig unpassenden Bürostuhl, zu wenig Auflagefläche für die Arm zur Bedienung der Maus und ungenügender Ausleuchtung. Auf Dauer entstehen dadurch - neben Rückenschmerzen - auch ausgeprägte Hals-, Nacken- und Schulterverspannungen bzw. Kopfschmerzen.
- Dauerbenutzung von Smartphones und Tablets: Beim Blick auf Handy oder Tablet wird der Kopf leicht nach vorne und unten gerichtet - und zwar oft über lange Zeit. Für die empfindliche Hals- und Nackenmuskulatur aber bedeutet diese Stellung Schwerstarbeit.
- Psychischer Stress: Denn in druck- und angstbelasteten Situationen werden ausgleichende und gesundheitsfördernde Verhaltensweisen wie Sport- und Bewegungsprogramme oft vernachlässigt. Außerdem ziehen wir in solchen Situationen meist unbewusst die Schultern hoch und den Kopf ein.
- Schiefhals: Eine besonders starke und schmerzhafte Verspannung der Nackenmuskulatur ist auch der sogenannte Schiefhals. Der Schiefhals oder auch steife Hals entsteht vermeintlich aus dem Nichts und tritt häufig direkt nach dem Aufwachen auf.
- Verschleißbedingte Erkrankungen: Dasselbe gilt auch für andere degenerative, also verschleißbedingte Erkrankungen und Abnutzungserscheinungen der Halswirbel, wie Arthrose bzw. Bandscheibenvorfälle im Bereich der Hals- bzw. oberen Brustwirbelsäule. Dabei kommt es meist zu starken Schmerzen im Hals- und Nackenbereich, die in die Arme sowie in den Kopf ausstrahlen können.
- Verletzungen: Verletzungen im Hals-, Nacken-, Schulterbereich durch Stürze im Alltag, Unfälle, ruckartige Bewegungen sowie ein Schleudertrauma, z.B.
Symptome von Nackenschmerzen
Nackenschmerzen beschränken sich selten auf den Nackenbereich allein. Oft greift die Nackenverspannung auf die Schulter und den Kopf über. Nackenschmerzen können sich auch bis in den Arm hineinziehen und sogar Taubheitsgefühle in den Fingern verursachen, zum Beispiel, wenn sie entlang von Nerven ausstrahlen und diese reizen. Mitunter sind auch Kopfschmerzen auf Nackenverspannungen zurückzuführen.
Ein steifer Hals entsteht, wenn durch die Nackenverspannung die Beweglichkeit des Kopfes stark eingeschränkt und die Drehung nach rechts, links, oben oder unten nur mit starken Schmerzen möglich ist.
Migräne und ihre vielfältigen Symptome
Eine Migräne verursacht nicht nur Kopfschmerzen, sondern kann eine Reihe anderer Schmerzen und unterschiedliche Symptome auslösen. Neben den typischen pochenden Kopfschmerzen können bei der Migräne auch Schmerzen im Gesicht, am Nacken, in den Augen oder den Zähnen auftreten. Menschen, die wiederholt unter derartigen Beschwerden leiden, sollten sie unbedingt von einem Nervenarzt oder Neurologen abklären lassen. Grundsätzlich besteht sonst die Gefahr, dass Kopfschmerzen auch durch Medikamenten-Übergebrauch chronisch werden und eine Behandlung dann nur noch eingeschränkt möglich ist.
Erklären lässt sich der Zusammenhang zwischen Kopf-, Gesichts- und Nackenschmerzen durch eine Verbindung zwischen dem Trigeminusnerv, der für die Wahrnehmung von Schmerzen im Gesicht, dem vorderen Kopf und den Hirnhäuten zuständig ist, und dem großen Hinterhauptsnerv, der am Hinterkopf und Nacken verläuft. Ausläufer beider Nerven treffen im Gehirn zusammen. Kommt es Migräne-bedingt zu einer verstärkten Aktivität des Trigeminusnervs, können über die Verbindung auch Schmerzen im Nacken und Hinterkopf auftreten.
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Ob bei der Diagnose der Migräne, der Behandlung der akuten Schmerzattacke oder der Prophylaxe - die Medizin hat in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte gemacht, so dass Patienten in fachärztlicher Behandlung wirksam geholfen werden kann. Die Therapie setzt sich aus verschiedenen Bausteinen zusammen. Für die Akuttherapie existieren wirkungsvolle Medikamente. Eine Migräneattacke mit leichten bis mittelgradigen Schmerzen kann mit rezeptfreien Wirkstoffen behandelt werden, wie Ibuprofen, ASS oder Paracetamol. Bei schweren Migräne-Attacken können so genannte Triptane angewandt werden. Schmerzmittel können nach Absprache mit dem Facharzt mit Arzneien gegen Übelkeit kombiniert werden, um solche häufigen Begleiterscheinungen der Migräne zu lindern.
Diagnose von Nackenschmerzen und Migräne
Um Spannungskopfschmerzen durch Nackenverspannungen effektiv behandeln zu können, ist es wichtig, die Gründe für die Nackenverspannungen bzw. die Migräne zu identifizieren. Ob es sich bei Ihren Kopfschmerzen um Spannungskopfschmerzen oder um eine Migräne handelt, können Sie relativ leicht an der Art der Symptome erkennen. Spannungskopfschmerzen werden als dumpf, drückend, ziehend und über den ganzen Schädel verlaufend empfunden. Migräne-Kopfschmerzen treten dagegen meist pochend, pulsierend, klopfend und überwiegend einseitig auf. Körperliche Aktivität verschlimmert die Migräneschmerzen noch. Migräne tritt oft zusammen mit unangenehmen Begleiterscheinungen wie Übelkeit und Erbrechen, erhöhter Lärm- und Lichtempfindlichkeit, Müdigkeit und Konzentrationsstörungen auf.
Nach einer ärztlichen Anamnese und Untersuchung kann in unspezifische und spezifische Nackenschmerzen unterschieden werden. Unspezifische Nackenschmerzen haben in der Regel keine eindeutige Ursache und sind meist nicht besorgniserregend, sondern nur unangenehm. Sie entstehen häufig durch schlechte Körperhaltung, Fehlbelastung, verspannte Muskeln oder eine schwache Halsmuskulatur. Sie sind in den meisten Fällen somit gut behandelbar. Spezifische Nackenschmerzen sind hingegen oft auf eine klare Ursache zurückzuführen, wie z.B. Traumata. In solchen Fällen ist es wichtig, eine weitergehende Diagnostik wie Bildgebung oder Blutuntersuchungen durchführen zu lassen, um die genaue Ursache zu ermitteln und gezielt behandeln zu können.
Was tun gegen Nackenschmerzen und Migräne?
Die gute Nachricht ist, dass es viele Möglichkeiten gibt, Nackenschmerzen und Migräne zu behandeln und vorzubeugen. Hier sind einige Tipps:
Akute Behandlung von Nackenschmerzen
- Wärmeanwendungen: Legen Sie sich dazu ein gewärmtes Kirschkernkissen oder eine Wärmflasche für einige Minuten auf den Nacken. Die Wärme wirkt durchblutungsfördernd und spannungslösend auf die verkrampfte Muskulatur, so dass auch die Kopfschmerzen meist schon nach kurzer Zeit nachlassen.
- Massage: Auch eine sanfte Massage kann helfen, die verspannte Muskulatur im Nackenbereich zu lockern. Schließen Sie dazu, wenn möglich, die Augen und legen den Kopf auf einer Auflage ab, um die verkrampfte Hals-, Nacken- und Schultermuskulatur zu entlasten.
- Dehnübungen: Kreisen Sie dazu z. B. die Schultern abwechselnd nach vorne und nach hinten. Neigen Sie anschließend den Kopf sanft zur Seite Richtung Schulter. Wenn Sie möchten, können Sie diese Bewegung sanft mit der Hand unterstützen. Halten Sie die Dehnung für ca. 10 - 30 Sekunden, wie es Ihnen angenehm ist und kehren dann wieder in die Ausgangsposition zurück. Wiederhohlen Sie die Bewegung auch auf der anderen Seite. Um die Nackenrückseite zu dehnen, senken Sie den Kopf langsam Richtung Brust. Auch hier können Sie die Bewegung durch Auflegen beider Hände rechts und links am Nacken sanft unterstützen. Achten Sie auf fließende und ruckfreie Bewegungen und halten Sie die Dehnung für ca. 30 Sekunden bzw. solange es sich für Sie noch angenehm anfühlt. Kehren Sie anschließend wieder in die Ausgangsposition zurück.
- Schmerzmittel: Hier stehen mehrere Wirkstoffe zur Verfügung. Zu den beliebtesten Schmerzmitteln gehören Ibuprofen, Paracetamol, Acetylsalicylsäure (ASS), Diclofenac und Naproxen. Für die akute Behandlung von Spannungskopfschmerzen in Verbindung mit Hals-, Schulter- und Nackenbeschwerden hat sich Ibuprofen besonders gut bewährt. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. (DMKG) empfiehlt unter anderem eine Einzeldosis von 400 mg als Mittel der 1. Wahl. In Kombination mit medizinischem Coffein kann die bereits gute Wirksamkeit von Ibuprofen noch weiter gesteigert werden, wie eine klinischen Studie1 aus dem Jahr 2018 erwies. In der placebokontrollierten Doppelblindstudie mit 562 Patienten zeigte die Kombination aus 400 mg Ibuprofen und 100mg Coffein eine 40 Prozent stärkere schmerzlindernde Wirkung gegenüber dem Wirkstoff Ibuprofen alleine. In derselben Studie1 zeigte sich darüber hinaus, dass die Kombination aus Ibuprofen und Coffein auch bei der Wirkschnelligkeit Ibuprofen 400mg alleine überlegen ist. So konnte durch die Zugabe von Coffein eine Steigerung der Wirkschnelligkeit um 36 Prozent gegenüber seinem Einzelwirkstoff Ibuprofen alleine gemessen werden.
Langfristige Maßnahmen gegen Nackenschmerzen und Migräne
- Bewegung: Versuchen Sie sich insgesamt mehr zu bewegen. Benutzen Sie öfters mal die Treppe statt des Aufzugs oder auch mal das Fahrrad statt des Autos. Gehen Sie kurze Strecken öfters mal zu Fuß und treiben Sie regelmäßig Sport. Günstig sind sämtliche Ausdauersportarten wie Walken, Laufen, Schwimmen oder Fahrradfahren, aber auch Tanzen, Wandern oder Kraftsport sind geeignet, um die Muskulatur nachhaltig zu trainieren und damit Nackenverspannungen vorzubeugen. Wichtig ist die Regelmäßigkeit.
- Ergonomischer Arbeitsplatz: Richten Sie Ihren Arbeitsplatz rückenfreundlich ein. Achten Sie dabei auf geeignete Tisch- und Sitzmöbel, die richtigen Abstände zum Bildschirm und eine gute Beleuchtung. Denken Sie dabei auch an Alternativen, wie etwa einen Steharbeitsplatz und sprechen Sie dazu auch Ihren Arbeitgeber an.
- Stressabbau: Versuchen Sie Stress abzubauen bzw. zu lernen, im Alltag besser mit belastenden Situationen umzugehen. Hier können Entspannungstechniken, wie Yoga, Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training oder auch Thai Chi helfen. Lokale Anbieter, Sportvereine und Volkshochschulen bieten hier oft geeignete und wohnortnahe Kurse an. Daneben werden auch immer mehr Online-Kurse angeboten, die örtlich unabhängig und oft zeitlich besonders flexibel genutzt werden können. In vielen Fällen werden die Kosten oder zumindest ein Teil davon auch von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Fragen Sie einfach mal bei Ihrer Krankenkasse nach.
- Physiotherapie: In der Praxis Revitalis Physio München verfolgen wir einen ganzheitlichen Ansatz. Wir behandeln nicht nur die Symptome, sondern deren Ursachen - also Verspannungen, Fehlhaltungen und überlastete Strukturen im Nacken-, Schulter- und Kieferbereich.
- Manuelle Therapie: Durch gezielte Mobilisationen und sanfte Grifftechniken lösen unsere Therapeut:innen Blockaden in der Halswirbelsäule und verbessern die Beweglichkeit. So wird der Druck auf Nerven und Gefäße reduziert - ein entscheidender Schritt zur Schmerzlinderung.
- Muskelentspannung und Triggerpunktbehandlung: Verspannte Muskeln, besonders im Bereich des oberen Trapezmuskels und der subokzipitalen Muskulatur (am Schädelansatz), sind häufig Schmerzquellen. Mit Triggerpunkttherapie und Faszientechniken lösen wir diese Spannungen nachhaltig.
- Haltungsschulung und Ergonomieberatung: Fehlhaltungen am Arbeitsplatz sind eine Hauptursache für chronische Nackenschmerzen. Wir zeigen dir, wie du Bildschirm, Stuhl und Tastatur optimal anpasst - und wie kleine Änderungen Großes bewirken können.
- Kräftigung und Stabilisierung: Langfristige Besserung erfordert aktive Stabilisierung der Nacken- und Schultermuskulatur. Durch gezielte Übungen lernst du, wie du deine Muskulatur stärkst und Fehlbelastungen vermeidest.
- Entspannungstechniken und Atemtherapie: Stress verstärkt Migräneattacken erheblich.
- Migräneprophylaxe: Für Menschen, die unter Migräne leiden, gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, den Kopfschmerzen auch ohne die Einnahme von Medikamenten vorzubeugen. Dabei spielt es eine große Rolle, die individuellen Auslöser (Trigger) der Kopfschmerz-Attacken zu kennen uns sie im Alltag soweit möglich zu meiden. Auch bestimmte verhaltenstherapeutische Ansätze können das Auftreten und die Stärke von Migräne-Anfällen reduzieren. Diese Verfahren verbinden Entspannungstechniken mit Stress- und Reizverarbeitungstrainings und können Migräne abwenden, die durch Stress und Anspannung hervorgerufen wird. Auch regelmäßiges körperliches Training und Stressabbau können eine Migräne sehr positiv beeinflussen. Falls mehr als drei Attacken im Monat auftreten oder die Attacken jeweils sehr lange dauern kann eine medikamentöse Prophylaxe sinnvoll sein. Etabliert für die medikamentöse Migräneprophylaxe sind u.a. Betablocker und das Epilepsiemedikament Topiramat. In Zukunft wird möglicherweise eine neue Generation von Substanzen, so genannte monoklonale Antikörper, für die Migränetherapie zur Verfügung stehen.
HWS-Syndrom als Ursache von Kopfschmerzen und Schwindel
Schwindel, Benommenheit, Sehstörungen oder sogar Übelkeit und ein allgemein komisches Gefühl im Kopf können von der Halswirbelsäule (HWS) her verursacht werden, falls dort Funktionsbeeinträchtigungen entstehen. Von der Halswirbelsäule ausgehende Beschwerden werden als HWS-Syndrom bzw. Zervikalsyndrom bezeichnet. Klassische Symptome sind Kopf-, Nacken- und Schulterschmerzen. Weiterhin treten häufig Schwindel, Benommenheit, Kribbeln und Taubheitsgefühle sowie Übelkeit, Tinnitus und sogar Atemproblemen auf.
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Typisch für HWS Beschwerden ist ein vom Hinterkopf über den Schädel sich ausbreitender Kopfschmerz bis in die Stirn hinein. Es kann außerdem zu migräneartigen Symptomen kommen, die ebenfalls vom Nacken ausgehen. Ursache ist in der Regel eine Verspannung der Nerven im Nackenbereich sowie eine übermäßige Sensibilität der schmerzleitenden Nerven. Dies kann zu den beschriebenen Kopfschmerzen und darüber hinaus zu Sehstörungen, Übelkeit und vielen weiteren Beschwerden führen.
Behandlung des HWS-Syndroms
Zur Behandlung und Linderung der Symptome stehen eine Reihe von Therapien zur Verfügung:
- Wärme & Entspannung: Wärme kann verspannte Muskeln und Sehnen lösen. Daher sollten Sie zunächst versuchen, den Halswirbelbereich zu wärmen. Legen Sie dazu eine Wärmflasche oder ein Körnerkissen in den Nacken. Auch Dehnübungen oder sanfte Massagen können zur Linderung der Beschwerden beitragen.
- Stoßwellentherapie: Die Behandlung mit Stoßwellen hat sich bei HWS Beschwerden als sehr erfolgversprechend erwiesen. Mit einer Stoßwellentherapie können Triggerpunkte für Schmerzempfindungen gezielt aufgelöst sowie Verspannungen und eventuelle Entzündungen reduziert werden. Dies führt zu einer raschen Linderung der Beschwerden.
- Übungen: Gezielte Übungen, die am besten durch einen erfahrenen Physiotherapeuten erläutert werden, können helfen, HWS Beschwerden zu lindern.
- Physiotherapie & Osteopathie: Eine manuelle Therapie als Teil einer physiotherapeutischen Behandlung besteht in erster Linie aus Massagen, die Blockaden mithilfe von Druck und Dehnung auflösen sollen. Verspannte Muskeln und Sehnen können so gedehnt und entspannt werden. Falls tiefergehende Zusammenhänge zwischen Organsystem und Bewegungsapparat behandelt werden sollen, kann dies auf Wunsch auch mithilfe der Osteopathie oder Akupunktur geschehen.
- Injektionen: Bei besonders starken Schmerzen können Injektionen mit schmerzstillenden Mitteln angezeigt sein. Diese werden entweder direkt in die Wirbelgelenke oder an die aus dem Spinalkanal herausragenden Nerven gesetzt. Die Injektion erfolgt dabei aus Sicherheitsgründen unter Röntgen- oder CT-Kontrolle.
- Operation: Eine Operation ist bei HWS Beschwerden nur selten notwendig. Falls sich jedoch mittel- bis hochgradige Lähmungserscheinungen zeigen, könnte es sich um einen zervikalen Bandscheibenvorfall handeln, der in manchen Fällen operativ behandelt werden muss.
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