Migräne und Muskelverspannungen im Oberarm: Ein Zusammenhang?

Migräne, eine neurologische Erkrankung, die sich durch anfallsartige, oft einseitige Kopfschmerzen auszeichnet, betrifft einen erheblichen Teil der Bevölkerung. Die Ursachen für Migräne sind vielfältig und noch nicht vollständig geklärt. Neben genetischen Faktoren, hormonellen Schwankungen und Umwelteinflüssen spielen auch muskuläre Verspannungen eine Rolle. Insbesondere Triggerpunkte in der Muskulatur des Oberarms, Nackens und der Schultern können Migräneanfälle auslösen oder verstärken.

Was sind Triggerpunkte?

Triggerpunkte sind winzige, lokal begrenzte Verhärtungen in einem Muskel, die sich wie kleine Knoten anfühlen. Sie entstehen durch eine anhaltende Anspannung oder Überlastung des Muskels. Bei Druck auf einen Triggerpunkt kann ein lokaler Schmerz entstehen, der aber auch in andere Körperregionen ausstrahlen kann. Diese Schmerzausstrahlung wird als "referred pain" bezeichnet.

Entstehung von Triggerpunkten

Die Entstehung von Triggerpunkten ist ein komplexer Prozess, der von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird:

  • Muskelüberlastung und -verletzung: Wiederholte oder intensive Bewegungen können zu Mikroverletzungen in den Muskeln führen. Diese Verletzungen können Entzündungen auslösen und die Bildung von Triggerpunkten begünstigen.
  • Stress und emotionale Faktoren: Chronischer Stress, Angstzustände oder emotionale Konflikte können zu anhaltenden Muskelverspannungen führen. Der Körper neigt dazu, Stress „in den Muskeln zu speichern”, was wiederum eine ideale Umgebung für die Entstehung dieser empfindlichen Punkte schafft.
  • Andere mögliche Ursachen: Ernährungsmängel, insbesondere ein Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen, können die Muskelgesundheit beeinträchtigen. Fehlhaltungen, die möglicherweise durch eine schlechte Körperhaltung oder unpassendes Schuhwerk verursacht werden, sind ebenfalls eine häufige Quelle von Muskelverspannungen und folglich von Triggerpunkten.

Der Zusammenhang zwischen Triggerpunkten, Muskelverspannungen und Migräne

Viele Menschen sind sich der tiefgreifenden Verbindung zwischen muskulären Verspannungen und dem Auftreten von Migräne nicht bewusst. Diese scheinbar unterschiedlichen Zustände sind durch eine komplexe Kette von physiologischen Reaktionen miteinander verbunden.

  • Veränderungen im Nervensystem: Verspannungen, insbesondere im Bereich des Nackens und des oberen Rückens, können zu Veränderungen im Nervensystem führen. Diese anhaltenden Verspannungen irritieren die Nerven, die den betroffenen Muskelbereich versorgen. Dies kann wiederum eine übermäßige Nervenaktivität oder eine gestörte Nervenfunktion hervorrufen.
  • Durchblutungsstörungen und ihre Rolle bei Migräne: Ein wichtiger Aspekt, der oft übersehen wird, ist die Rolle der Durchblutung im Zusammenhang mit Migräne. Verspannte Muskeln können die Blutzirkulation in den betroffenen Bereichen beeinträchtigen. Eine verminderte Blutversorgung bedeutet, dass weniger Sauerstoff und Nährstoffe die Zellen erreichen, was zu einer Ansammlung von Stoffwechselabfallprodukten führt. Diese Abfallprodukte können die umliegenden Blutgefäße reizen und dazu führen, dass sie sich verengen oder erweitern.

Triggerpunkte im Oberarm als Migräneauslöser

Triggerpunkte im Oberarm können über verschiedene Mechanismen zu Migräne beitragen:

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  • Schmerzausstrahlung: Triggerpunkte im Oberarm können Schmerzen in den Nacken, die Schulter oder den Kopf ausstrahlen. Diese Schmerzen können die Entstehung einer Migräne begünstigen.
  • Nervenirritation: Triggerpunkte können Nerven in der Umgebung reizen. Diese Nerven können Signale an das Gehirn senden, die eine Migräne auslösen.
  • Muskelverspannungen: Triggerpunkte können zu Muskelverspannungen im Nacken- und Schulterbereich führen. Diese Verspannungen können die Durchblutung des Gehirns beeinträchtigen und eine Migräne auslösen.

Diagnose von Triggerpunkten

Triggerpunkte sind oft durch einen stechenden oder brennenden Schmerz gekennzeichnet, der sich durch Druck auf einen bestimmten Punkt im Muskel verschlimmert. Die Diagnose von Triggerpunkten erfolgt in der Regel durch eine körperliche Untersuchung. Der Arzt tastet die Muskulatur ab und sucht nach Verhärtungen und Druckempfindlichkeiten.

Behandlung von Triggerpunkten

Die Behandlung von Triggerpunkten kann verschiedene Methoden umfassen:

  • Manuelle Therapie: Eine der gängigsten Techniken ist die manuelle Drucktherapie. Hierbei wird Druck auf den Triggerpunkt ausgeübt, um den Muskel zu entspannen und die Durchblutung zu fördern. Darüber hinaus gibt es spezielle Massagetechniken, die darauf abzielen, Triggerpunkte zu lockern und zu entspannen. Diese Techniken können allein oder in Kombination mit anderen Therapieformen, wie z.B.
  • Injektionstherapie: Für hartnäckige Triggerpunkte, die auf manuelle Techniken nicht ansprechen, kann eine Injektionstherapie in Betracht gezogen werden.
  • Dehnübungen: Wenn Kopfschmerzen durch Muskelverspannungen bedingt sind, helfen Dehnübungen, die Muskelverkürzungen und -verhärtungen zu beheben. Gezieltes Krafttraining wirkt stabilisierend.

Es ist wichtig zu betonen, dass die Behandlung von Triggerpunkten individuell angepasst werden sollte und am besten in Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Therapeuten durchgeführt wird.

Prävention von Triggerpunkten

Die Prävention von Triggerpunkten ist ebenso wichtig wie ihre Behandlung. Ein proaktiver Ansatz kann nicht nur dazu beitragen, das Auftreten dieser schmerzhaften Punkte zu minimieren, sondern auch das allgemeine Wohlbefinden und die Lebensqualität verbessern.

  • Regelmäßige Bewegung: Ein aktiver Lebensstil fördert die Durchblutung und hält die Muskulatur geschmeidig.
  • Ergonomischer Arbeitsplatz: Für Menschen, die viel Zeit am Schreibtisch verbringen, ist es entscheidend, auf eine ergonomische Arbeitsumgebung zu achten.
  • Stressmanagement: Chronischer Stress kann zu Muskelverspannungen führen, die wiederum die Entstehung von Triggerpunkten begünstigen.
  • Ausgewogene Ernährung: Eine Ernährung, die reich an entzündungshemmenden Lebensmitteln ist, kann das Risiko von Muskelverspannungen und Entzündungen reduzieren.
  • Regelmäßige Pausen: Alle 50-60 Minuten für wenige Minuten die Bildschirmarbeit unterbrechen, dehnen und rekeln, Schultern kreisen lassen.

Um Triggerpunkte zu vermeiden, erfordert es Achtsamkeit und die Bereitschaft, den eigenen Lebensstil anzupassen.

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Weitere Ursachen von Migräne

Während Verspannungen und die damit verbundenen physiologischen Reaktionen einen direkten Mechanismus zur Entstehung von Migräne darstellen, gibt es auch andere Faktoren, die eine Rolle spielen können. Hormonelle Schwankungen, insbesondere bei Frauen, können die Empfindlichkeit gegenüber Migräneauslösern erhöhen. Ebenso können Umweltfaktoren wie Licht, Lärm oder bestimmte Nahrungsmittel die Migräneempfindlichkeit beeinflussen.

Formen von Migräne

Die Migräne kann in unterschiedlichen Formen auftreten, mit und ohne Aura, als hormonelle Migräne und als chronische Migräne. Diese Formen unterscheiden sich nicht nur in ihrer Symptomatik, sondern auch im Verlauf:

  • Migräne mit und ohne Aura: Bei der Migräne ohne Aura steht der einseitige, pulsierende Kopfschmerz im Mittelpunkt. Bei einer Migräne mit Aura kommt es kurz vor dem Schmerz zu Sichteinschränkungen in Form von Lichtblitzen, Flackerlinien und Schleiern. Sehr selten treten außerdem Schwindel, Hautkribbeln und Taubheitsgefühle in einer Gesichtshälfte auf.
  • Chronische Migräne: Eine Migräne wird dann als chronisch bezeichnet, wenn sie mindestens drei Monate in Folge an mehr als 15 Tagen im Monat auftritt. Betroffene leiden quasi unter dauernden Migräneanfällen. Häufig ist der chronische Verlauf die Folge einer zuvor über viele Jahre bestehenden Kopfschmerzerkrankung. Die chronische Migräne ist ein Sonderfall und keineswegs der übliche Verlauf.
  • Retinale Migräne: Im Rahmen der retinalen Migräne kommt es während des Migräneanfalls zu einseitigen Sehstörungen, die nicht den neurologischen Störungen einer Aura entsprechen. Bei einer retinalen Migräne kann es vorübergehend sogar zur Blindheit auf einem Auge kommen. Die Symptome verschwinden jedoch mit dem Eintreten der Kopfschmerzen oder spätestens während der Kopfschmerzphase wieder.
  • Hormonelle Migräne: Die hormonelle oder auch menstruationsbedingte Migräne betrifft ausschließlich Frauen. Sie tritt, wie der Name schon sagt, kurz vor dem Einsetzen oder während der Periode auf. Ursächlich sind die hormonellen Veränderungen im Verlauf des Zyklus. Die hormonelle Migräne ist schlechter zu behandeln, sie verschwindet erst mit der Normalisierung des Hormonhaushaltes nach Ende der Periode und kehrt zyklisch einmal im Monat wieder.
  • Triptane Migräne: Durch die häufige Einnahme der Triptane kann es jedoch zu einem Gewöhnungseffekt kommen, der wiederum neuerliche Kopfschmerzen und Migräneattacken auslösen kann.
  • Hemiplegische Migräne: Diese Form geht mit zusätzlichen motorischen Störungen und Störungen des Gleichgewichts einhergeht. Auch Bewusstseinsstörungen wie Ohnmacht oder sogar Koma treten in Einzelfällen auf.
  • Basilarismigräne: Klassische Symptome sind neben den Kopfschmerzen auch Tinnitus, Doppelbildsehen, Bewusstseinsstörungen, Schwindelgefühle und Sprachstörungen. Anders als beim klassischen Migränetypus leiden Betroffene im Falle einer Basilarismigräne meist unter beidseitigen Kopf- und Augenschmerzen.

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