Paracetamol-Dosierung bei Migräne: Ein umfassender Überblick

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch starke Kopfschmerzen auszeichnet, oft begleitet von Übelkeit, Erbrechen und Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Die Akuttherapie zielt darauf ab, die Symptome während einer Migräneattacke zu lindern. Paracetamol ist ein weit verbreitetes Schmerzmittel, das oft zur Behandlung von leichten bis mittelschweren Migräneanfällen eingesetzt wird. Dieser Artikel beleuchtet die richtige Dosierung von Paracetamol bei Migräne, insbesondere im Hinblick auf verschiedene Altersgruppen, besondere Patientengruppen und mögliche Risiken.

Paracetamol: Ein Überblick

Paracetamol, auch bekannt als Acetaminophen, ist ein Schmerzmittel und Fiebersenker. Es wird zur Behandlung von leichten bis mittelschweren Schmerzen eingesetzt. Im Vergleich zu nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen hat Paracetamol schwächere entzündungshemmende Eigenschaften. Der genaue Wirkmechanismus von Paracetamol ist noch nicht vollständig geklärt, es wird jedoch angenommen, dass es hauptsächlich im zentralen Nervensystem wirkt.

Dosierung von Paracetamol bei Migräne

Die empfohlene Dosierung von Paracetamol bei Migräne variiert je nach Alter, Gewicht und individueller Verträglichkeit. Es ist wichtig, die empfohlene Dosis nicht zu überschreiten, um das Risiko von Nebenwirkungen zu minimieren.

Erwachsene

Für Erwachsene beträgt die übliche Einzeldosis Paracetamol bei Migräne 500 bis 1000 mg. Die Tageshöchstdosis sollte 4000 mg nicht überschreiten. Das Dosierungsintervall sollte mindestens 4 bis 6 Stunden betragen.

Die folgende Tabelle zeigt die übliche Dosierung von Paracetamol bei Erwachsenen mit Migräne:

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WirkstoffDosierung bei einem MigräneanfallTägliche Höchstdosis für Erwachsene
Paracetamol500-1000 mg4000 mg

Kinder und Jugendliche

Bei Kindern und Jugendlichen sollte die Dosierung von Paracetamol an das Körpergewicht angepasst werden. In der Akuttherapie der Migräne bei Kindern gilt Paracetamol in einer Dosierung von 15 mg pro Kilogramm Körpergewicht als gesichert. Die kritische kumulative Dosierung ist zu beachten. So darf pro Tag nicht mehr als 50mg/kg/KG verabreicht werden.

Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz betonte, dass Eltern Migräne bei Kindern bei einem Kinder-Neurologen abklären lassen sollten. Ab einem Alter von zwölf Jahren können Kinder bei einer Migräneattacke auch Acetylsalicylsäure einnehmen. Bei Triptanen müsse man sehr genau auf den Zulassungsstatus schauen. Ob eine medikamentöse Migräneprophylaxe eingeleitet werden sollte, müsse ein Arzt entscheiden. Als Pharmaka stehen dafür die Wirkstoffe Flunarizin und Topiramat zur Verfügung. Deren Anwendung gelte als gesichert bei der Migräneprophylaxe bei Kindern. Für ein Mittel der Wahl bei Erwachsenen, Propranolol, gebe es dagegen nur Hinweise auf einen Nutzen bei Kindern. Flunarizin sollten Kinder in einer Dosierung von 5 mg täglich oder alle zwei Tage einnehmen. Die Tagesdosis bei Topiramat liege zwischen 15 und 200 mg Wirkstoff.

Schwangerschaft und Stillzeit

Paracetamol gilt als Schmerzmittel der Wahl in allen Phasen der Schwangerschaft und Stillzeit. Von den migränespezifischen Substanzen ist Sumatriptan erste Wahl, sollte aber nur bei strenger Indikation eingesetzt werden, da es keine Zulassung für die Schwangerschaft besitzt.

Anwendungshinweise

  • Paracetamol sollte so früh wie möglich nach Beginn der Migräneattacke eingenommen werden.
  • Die Tabletten sollten mit ausreichend Flüssigkeit eingenommen werden.
  • Die Langzeitanwendung von Schmerzmitteln jeglicher Art zur Behandlung von Kopfschmerzen kann diese verschlimmern. Sollte dieser Fall eintreten oder zu befürchten sein, muss ärztlicher Rat eingeholt und die Behandlung abgebrochen werden.
  • Während der Behandlung mit Paracetamol sollte der Konsum von Alkohol vermieden werden, da Alkohol in Kombination mit Paracetamol zu Leberschäden führen kann.
  • Die Patienten sollten während der Behandlung mit Paracetamol den Konsum Coffein-haltiger Produkte einschränken, da eine übermäßige Einnahme von Coffein Nervosität, Reizbarkeit, Schlaflosigkeit und gelegentlich einen beschleunigten Puls hervorrufen kann.

Mögliche Nebenwirkungen

Paracetamol ist in der Regel gut verträglich. Mögliche Nebenwirkungen sind:

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Bauchschmerzen
  • Allergische Reaktionen

In seltenen Fällen kann Paracetamol Leberschäden verursachen, insbesondere bei Überdosierung oder bei Patienten mit vorbestehenden Lebererkrankungen.

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Kontraindikationen

Paracetamol sollte nicht eingenommen werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen Paracetamol oder einen der sonstigen Bestandteile des Arzneimittels
  • Schwerer Leberinsuffizienz
  • Schwerer Nierenfunktionsstörung oder -insuffizienz

Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln

Paracetamol kann Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln eingehen. Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie andere Arzneimittel einnehmen/anwenden, kürzlich andere Arzneimittel eingenommen/angewendet haben oder beabsichtigen andere Arzneimittel einzunehmen/anzuwenden. Besondere Vorsicht ist geboten bei der gleichzeitigen Einnahme von:

  • Mögliche Leber-schädigende Substanzen wie Barbiturate (z. B. Phenobarbital - Schlafmittel), Phenytoin, Carbamazepin, Primidon (Arzneimittel gegen Epilepsie), trizyklische Antidepressiva, Johanniskraut (ein pflanzliches Mittel zur Behandlung von Depression) sowie Rifampicin (Tuberkulosemittel).
  • Isoniazid (Tuberkulosemittel) und Salicylamid (Schmerzmittel)
  • Metoclopramid und Domperidon (Arzneimittel gegen Übelkeit)
  • Arzneimittel, die zu einer Verlangsamung der Magenentleerung führen
  • Colestyramin (zur Senkung erhöhter Blutfettwerte)
  • Gerinnungshemmende Arzneimittel (orale Antikoagulantien, insbesondere Warfarin)
  • Lamotrigin (Arzneimittel gegen Epilepsie)
  • AZT (Zidovudin, Arzneimittel bei HIV-Infektionen)
  • Flucloxacillin (Antibiotikum)

Paracetamol in Kombination mit anderen Wirkstoffen

Paracetamol ist oft in Kombinationspräparaten mit anderen Wirkstoffen enthalten, wie z.B. Acetylsalicylsäure (ASS) und Coffein. Die Kombination ASS, Paracetamol und Coffein wird zur Behandlung von Kopfschmerzen und Migräne eingesetzt. Studien zeigen, dass Schmerzmittel mit Koffein deutlich wirksamer sind als ein Mono-Präparat ohne Koffein. Koffein wirkt außerdem auf die Blutgefäße im Gehirn - sie werden leicht verengt.

Es gibt auch Kombinationsmedikamente, die gegen Schmerzen und Übelkeit wirken und zum Beispiel Metoclopramid und das Schmerzmittel Paracetamol enthalten.

Alternativen zu Paracetamol

Wenn Paracetamol nicht ausreichend wirksam ist oder nicht vertragen wird, können andere Schmerzmittel oder Migränemedikamente in Betracht gezogen werden. Zu den Alternativen gehören:

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  • Ibuprofen
  • Acetylsalicylsäure (ASS)
  • Triptane
  • Ergotamine

Bei Kindern und Jugendlichen wirken Medikamente manchmal anders als bei Erwachsenen. Sie benötigen andere Dosierungen, und teilweise zeigen sich bei ihnen auch andere Nebenwirkungen als bei Erwachsenen. Für die Behandlung von Migräne bei Kindern und Jugendlichen sind in Europa folgende Mittel zugelassen:

  • Ibuprofen
  • Paracetamol: für Kinder ab zwölf Jahren, auch in Kombination mit Metoclopramid
  • Sumatriptan: als Nasenspray für Kinder ab zwölf Jahren

Was kann passieren, wenn man sehr oft Schmerzmittel nimmt?

Schmerzmittel oder Triptane können bei zu häufiger Einnahme selbst Kopfschmerzen verursachen. Man spricht dann von einem Kopfschmerz durch Medikamenten-Übergebrauch. Arzneimittelbedingte Kopfschmerzen sind dumpf und betreffen den gesamten Kopf. Migräneschmerzen sind eher pulsierend und noch von anderen Beschwerden begleitet. Kopfschmerzen durch Medikamenten-Übergebrauch sind chronisch, treten also über drei Monate an mehr als 15 Tagen pro Monat auf. Migräneattacken können noch hinzukommen.

Bei dieser Art von Kopfschmerzen ist es sinnvoll, die Medikamente für eine Weile abzusetzen - auch wenn sich die Kopfschmerzen dann zunächst verstärken und von Entzugserscheinungen wie Unruhe, Schlafstörungen oder Übelkeit begleitet werden.

Manchmal werden Medikamente auch vorbeugend angewendet.

Nicht-medikamentöse Maßnahmen

Zur Vorbeugung einer Migräne sollten alle Möglichkeiten der nichtmedikamentösen Prophylaxe ausgeschöpft werden. Dazu gehören:

  • Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Ausreichend Flüssigkeitszufuhr
  • Vermeidung von Stress
  • Entspannungstechniken (z.B. Yoga, Meditation, Progressive Muskelrelaxation)
  • Ausdauersport (z.B. langsames Laufen)
  • Akupunktur
  • Führen eines Kopfschmerztagebuchs, um Trigger zu identifizieren

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