Migräne-Piercing: Erfahrungen, Wirkung und was Sie wissen sollten

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die mit starken Kopfschmerzen, Übelkeit, Lichtempfindlichkeit und anderen Symptomen einhergeht. Betroffene suchen oft nach verschiedenen Wegen, um ihre Beschwerden zu lindern. Eine unkonventionelle Methode, die in den letzten Jahren an Popularität gewonnen hat, ist das Migräne-Piercing, auch bekannt als Daith-Piercing. Dieser Artikel beleuchtet die Erfahrungen mit dem Migräne-Piercing, die zugrunde liegenden Prinzipien, die Vor- und Nachteile sowie die wissenschaftliche Evidenz.

Was ist ein Migräne-Piercing (Daith-Piercing)?

Das Migräne-Piercing, auch Daith-Piercing genannt, ist eine Piercing-Methode, die am Ohr angewendet wird. Dabei wird die innere Wölbung der Ohrmuschel direkt an dem kleinen Brückenknorpel in fast waagerechter Position gepierct. In der Fachsprache nennt sich dieser Knorpel Crus Helix, ist aber auch als Daith ein Begriff und für diese besondere Variante eines Ohrpiercings namensgebend.

Das Prinzip hinter dem Migräne-Piercing

An der Position, an welcher sich der Ohrknorpel befindet, geht auch der Vagusnerv entlang. Von insgesamt 12 Hirnnerven ist der Vagusnerv der einzige, der vom Gehirn bis zur Brust und in den Bauch hineinreicht und feine Äste zu den dort befindlichen Organen ausbildet. Als Teil des parasympathischen Nervensystems soll er Einfluss auf die Regeneration des Körpers nehmen. Diesen Ansatz macht sich das Migräne-Piercing zunutze und soll sich ähnlich wie der Druck bei einer Akupunktur auswirken. Wird dieser gezielt stimuliert, kann es möglich sein, die bei Migräne auftretenden starken Schmerzen zu lindern. Da das Migräne-Piercing dauerhaft im Ohrknorpel gesetzt bleibt, ist ein konstanter Druck auf den Vagusnerv zu erwarten.

Die schmerzlindernde Wirkung des Migräne-Piercings beruht auf der Lehre der Akupunktur, einer traditionellen Behandlungsmethode der chinesischen Medizin. In der Akupunktur geht man davon aus, dass bestimmte Punkte am Körper, darunter auch am Ohr, mit Organen und Körperfunktionen in Verbindung stehen. Durch die Stimulation dieser Punkte sollen Blockaden des Energieflusses gelöst und die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiviert werden.

Vorteile eines Migräne-Piercings

Befürworter eines Migräne-Piercings gehen davon aus, dass eine Wirkung durch die dauerhafte Druckausübung auf den Nerv erzielt werden kann. Auf Basis der ansprechenden Ästhetik eines Ohrpiercings ist eine weitere Idee hinter einem solchen Piercing, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Wie bei jedem anderen Piercing auch ist es möglich, verschiedenen Piercingschmuck zu verwenden. Er kann grundsätzlich jederzeit gewechselt und so der täglichen Mode angepasst werden.

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Nachteile und Risiken eines Migräne-Piercings

Aktuell schwingen jedoch die kritischen Stimmen im Hinblick auf ein Migräne-Piercing etwas lauter, als es die der Befürworter eines Daith-Piercings sind. In erster Linie ist es für das Schmerzempfinden beim Piercen ein erheblicher Unterschied, ob das weiche Ohrläppchen oder im Falle eines Migräne-Piercings ein harter Knorpel durchstochen wird. Des Weiteren ist es zum einen von der Kunst des Piercers, als auch von den Wundheilungsressourcen Deines Körpers abhängig, wie schnell der durchstochene Knorpel im Anschluss heilt.

Mögliche Komplikationen bei einem Migräne-Piercing können sein:

  • Blutungen
  • Entzündung der Einstichstelle und umliegenden Hautpartien
  • Wundinfektionen
  • Schwellungen
  • Allergien

Je nachdem, wie Dein Körper auf ein Migräne-Piercing reagiert, kann sich die Wundheilung in die Länge ziehen und von anderen Schmerzen als den Dir von Migräne bekannten begleitet sein. Außerdem ist es wichtig, dass der Piercer lizensiert für diese Aufgabe ist und dass beim Piercen höchste Hygienestandards zur Anwendung kommen.

Ein weiterer sehr wesentlicher Aspekt ist, dass sich Dein Körper unter Umständen an die neue Situation mit dem Migräne-Piercing anpasst. Da der Vagusnerv durch das Piercing dauerhaft stimuliert wird, kann es zu einem Gewöhnungseffekt kommen, wodurch das Daith-Piercing seinen beabsichtigten Effekt verliert. Einige von Migräne Betroffene berichten auch von einer gegenteiligen Wirkung, wobei es zu einer Verschlimmerung der migränebedingten Beschwerden kommen kann. Wie Du siehst, ist das Migräne-Piercing in seiner Wirkung sehr komplex.

Erfahrungen von Betroffenen

Die Erfahrungen mit Migräne-Piercings sind sehr unterschiedlich. Einige Betroffene berichten von einer deutlichen Linderung ihrer Migränebeschwerden, während andere keine Veränderung feststellen. Wieder andere erleben sogar eine Verschlimmerung ihrer Symptome.

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Einige Anwender berichten, dass ihre Beschwerden abgeschwächt wurden, die Häufigkeit der Anfälle abgenommen hat, die Intensität abgenommen hat und die Beschwerden durch eine milde Pharmakotherapie gelindert werden können, während in vielen Fällen die Symptome völlig verschwunden sind. Es wird auch empfohlen, das Shen Men-Piercing zusammen mit dem Migräne-Piercing zu installieren, da es vielen Kunden dabei geholfen hat, einen richtigen Schlafrhythmus und eine gute Erholung zu etablieren und somit Spannungskopfschmerzen zu lindern.

Es gibt auch Berichte von Personen, bei denen das Migräne-Piercing geholfen hat, Menstruationsmigräne, Migräne mit Aura, Cluster-Kopfschmerzen und vestibuläre Migräne zu lindern.

Es ist wichtig zu beachten, dass es sich hierbei um subjektive Erfahrungen handelt und die Ergebnisse bei jedem Menschen unterschiedlich sein können. Die Struktur und Anatomie jedes Ohrs ist unterschiedlich, daher variieren die Ergebnisse bei jedem Kunden.

Wissenschaftliche Erkenntnisse zur Wirkung

Die Datenlage ist aktuell noch sehr dünn. Es liegen noch keine umfangreichen wissenschaftlichen Studien zur Wirkung eines Daith-Piercings vor. Bei den von Betroffenen beschriebenen Erfahrungen ist außerdem nicht klar, ob es sich lediglich um eine Art Placebo-Effekt oder um ein tatsächliches Wirkresultat des Piercings handelt. Auch wenn Betroffene eine positive Wirkung wahrnehmen, so muss diese nicht zwangsläufig wissenschaftlich fundiert sein.

Einige Studien deuten darauf hin, dass Akupunktur bei der Vorbeugung von Migräneattacken wirksam sein kann. Da das Migräne-Piercing auf ähnlichen Prinzipien basiert, könnte es theoretisch eine ähnliche Wirkung haben. Es fehlen jedoch spezifische Studien, die die Wirksamkeit des Daith-Piercings bei Migräne untersucht haben.

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Was ist bei der Entscheidung für oder gegen ein Migräne-Piercing zu beachten?

Solltest Du Dich für ein Migräne-Piercing entscheiden, kann Dir keiner eine Garantie geben, dass Deine Migränebeschwerden gelindert werden. Dieser Beitrag stellt keine medizinische Beratung dar. Er ersetzt nicht den Besuch bei einem Arzt und ist auch nicht geeignet, um Diagnosen zu stellen.

Wenn Sie sich ein Migräne-Piercing stechen lassen, bedeutet das nicht, dass Sie das gleiche Erlebnis haben werden. Diese Methoden werden nicht durch klinische Studien unterstützt. Nach der Installation dieses Piercings ist keine ärztliche Aufsicht notwendig.

Ein verantwortungsvoller Piercer wird dir daher nicht versprechen, dich mit einem Daith-Piercing von deiner Migräne heilen zu können, denn bisher gibt es keinerlei wissenschaftliche Hinweise darauf, dass das Migräne Piercing helfen kann, Kopfschmerzen zu lindern.

Es ist wichtig, sich von einem Arzt oder Neurologen beraten zu lassen, um die Ursachen der Migräne abzuklären und geeignete Behandlungsmethoden zu besprechen. Das Migräne-Piercing sollte nicht als alleinige Therapie betrachtet werden, sondern allenfalls als ergänzende Maßnahme in Betracht gezogen werden.

Alternativen zum Migräne-Piercing

Untersuchungen haben gezeigt, dass es unabhängig vom Daith-Piercing andere alternative Therapien gibt, die bei Migränesymptomen helfen können. Hier eine kurze Übersicht:

  • Akupunktur
  • Ohrakupunktur (Aurikulotherapie)
  • Meditation
  • Biofeedback

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