Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Es handelt sich um eine komplexe neurologische Erkrankung, die oft von einem geschwächten Immunsystem begleitet wird. Dieser Artikel beleuchtet den Zusammenhang zwischen Migräne und einem geschwächten Immunsystem, wobei verschiedene Aspekte wie Ursachen, Symptome, Behandlungsmöglichkeiten und Präventionsmaßnahmen berücksichtigt werden.
Was ist Migräne?
Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch wiederkehrende, oft einseitige Kopfschmerzen äußert. Diese Kopfschmerzen sind meist pulsierend, pochend oder hämmernd und werden von Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet. Migräne ist nicht durch ein stressiges Leben bedingt und ist nie das Symptom einer anderen Erkrankung! Betroffene sind weder arbeitsunwillig, psychisch krank noch suchen sie nach Aufmerksamkeit.
Migräne mit Aura
Einige Migränepatienten erleben vor oder während der Kopfschmerzphase eine sogenannte Aura. Die Aura kündigt die Migräne an und dauert meist höchstens 60 Minuten. Sie kann auch ohne nachfolgende Migräne auftreten. Die Aura tritt auf unterschiedliche Weise auf und wird von den Betroffenen individuell wahrgenommen.
Symptome einer Migräne mit Aura:
- Kortikale Symptome: Flimmerskotom (Flimmern im Gesichtsfeld), negatives Skotom (Gesichtsfeldausfall), positives Skotom (Wahrnehmung gezackter Linien), Lichtblitze, grelle Farbwahrnehmung, Sensibilitätsstörungen (Kribbeln, Taubheit), Aphasie (Sprachstörungen).
- Hirnstammsymptome: Beidseitige Gesichtsfeldausfälle oder Doppelbilder, Sprachstörungen (Dysarthrie), Bewegungsstörungen (Ataxie), Hörminderung, Bewusstseinsstörungen.
Das Immunsystem: Ein Überblick
Das Immunsystem ist ein komplexes Netzwerk aus Zellen, Geweben und Organen, das den Körper vor schädlichen Einflüssen wie Bakterien, Viren, Pilzen und Parasiten schützt. Ein geschwächtes Immunsystem kann die Anfälligkeit für Infektionen erhöhen und die allgemeine Gesundheit beeinträchtigen.
Der Zusammenhang zwischen Migräne und Immunsystem
Es gibt Hinweise darauf, dass Migräne und ein geschwächtes Immunsystem in einem Zusammenhang stehen könnten. Studien haben gezeigt, dass Migränepatienten häufiger an bestimmten Autoimmunerkrankungen leiden und eine erhöhte Anfälligkeit für Infektionen aufweisen. Die Mechanismen, die diesem Zusammenhang zugrunde liegen, sind jedoch noch nicht vollständig verstanden.
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Mögliche Erklärungsansätze
- Neuroinflammation: Migräne wird mit einer Entzündung im Gehirn in Verbindung gebracht, die als Neuroinflammation bezeichnet wird. Diese Entzündung kann das Immunsystem aktivieren und zu einer chronischen Immunantwort führen, die wiederum das Immunsystem schwächen kann.
- Stress: Chronischer Stress, der oft mit Migräne einhergeht, kann das Immunsystem beeinträchtigen. Stresshormone wie Cortisol können die Funktion von Immunzellen unterdrücken und die Anfälligkeit für Infektionen erhöhen.
- Genetische Faktoren: Es gibt Hinweise darauf, dass genetische Faktoren sowohl bei Migräne als auch bei Autoimmunerkrankungen eine Rolle spielen könnten. Bestimmte Genvarianten könnten das Risiko für beide Erkrankungen erhöhen. Mittlerweile sind 38 Genorte mit 44 Genvarianten bekannt, die das Risiko erhöhen, Migräne zu bekommen. Diese Genvarianten sind für die Reizübertragung, Reizempfindlichkeit und Reizverarbeitung zuständig. Darüber hinaus steuern sie die Regulation der Energieversorgung von Nervenzellen und Arterienwänden.
- CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide): CGRP ist ein Neuropeptid, das bei der Entstehung von Migräne eine wichtige Rolle spielt. Es hat in vielen Organen meist protektive Wirkungen, kann aber bei Migränepatienten auch Kopfschmerzattacken auslösen. Studien haben gezeigt, dass CGRP auch das Immunsystem beeinflussen kann.
Migräne-assoziierte Komorbiditäten
Eine groß angelegte amerikanische Studie mit über 15000 Migränepatienten konnte zeigen, dass bei Betroffenen ein deutlich erhöhtes Risiko für eine Reihe an weiteren Erkrankungen besteht. Am häufigsten wurden Depressionen, Angststörungen und Schlafstörungen beobachtet, gefolgt von Magenulzera, gastrointestinalen Blutungen, Epilepsie und Angina pectoris. Dabei war ein ansteigendes Risiko für das Auftreten von komorbiden Störungen eindeutig mit der Zunahme der Kopfschmerzfrequenz (Kopfschmerztage pro Monat) zu beobachten.
Symptome eines geschwächten Immunsystems bei Migränepatienten
Migränepatienten mit einem geschwächten Immunsystem können eine Vielzahl von Symptomen aufweisen, darunter:
- Häufige Infektionen (z. B. Erkältungen, Grippe, Bronchitis)
- Verlängerte Krankheitsdauer
- Erschöpfung und Müdigkeit
- Verdauungsprobleme (z. B. Durchfall, Verstopfung, Blähungen)
- Hautprobleme (z. B. Hautausschläge, Ekzeme)
- Langsame Wundheilung
Diagnose
Die Diagnose eines geschwächten Immunsystems bei Migränepatienten erfordert eine gründliche Anamnese, körperliche Untersuchung und gegebenenfalls spezielle Bluttests, um die Funktion des Immunsystems zu beurteilen.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung des Zusammenhangs zwischen Migräne und einem geschwächten Immunsystem zielt darauf ab, sowohl die Migräne zu kontrollieren als auch das Immunsystem zu stärken.
Migränebehandlung
- Akuttherapie: Schmerzmittel (z. B. Ibuprofen, Paracetamol), Triptane (spezifische Migränemittel), Antiemetika (Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen).
- Prophylaxe: Betablocker (z. B. Metoprolol, Propranolol), Antidepressiva (z. B. Amitriptylin), Antiepileptika (z. B. Topiramat, Valproat), CGRP-Antikörper (z. B. Erenumab, Galcanezumab, Fremanezumab).
Stärkung des Immunsystems
- Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und gesunden Fetten kann das Immunsystem stärken.
- Regelmäßige Bewegung: Moderate körperliche Aktivität kann die Immunfunktion verbessern.
- Ausreichend Schlaf: Ausreichend Schlaf ist wichtig für die Regeneration des Körpers und die Stärkung des Immunsystems.
- Stressmanagement: Stressreduktion durch Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder progressive Muskelentspannung kann das Immunsystem positiv beeinflussen.
- Nahrungsergänzungsmittel: In einigen Fällen können Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamin D, Vitamin C, Zink oder Probiotika sinnvoll sein, um das Immunsystem zu unterstützen. Es ist wichtig zu betonen, dass Magnesium alleine möglicherweise nicht ausreichend ist, um Migräneanfälle zu verhindern. Möchtest du Magnesium als Nahrungsergänzungsmittel zur Vorbeugung von Migräne versuchen, erhältst du bei edubily einen einzigartigen 2:1:1-Komplex aus Magnesiumglycinat, Trimagnesiumdicitrat & Magnesiumcarbonat. Dabei handelt es sich um spezielle Magnesiumvarianten, die vom Körper schnell resorbiert werden.
Medikamentöse Besonderheiten bei Komorbiditäten
Bei der Behandlung von Migräne bei Patienten mit Nieren- oder Leberfunktionsstörungen sowie gastrointestinalen Erkrankungen sind einige Besonderheiten zu beachten.
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- Nierenfunktionsstörungen: NSAR sollten vermieden werden. Amitriptylin sollte reduziert werden. Betablocker und Flunarizin können ohne Dosisreduktion eingesetzt werden. Für CGRP-Antikörper ist keine Dosisanpassung erforderlich.
- Leberfunktionsstörungen: Topiramat, Onabotulinumtoxin A und CGRP-Antikörper sind Mittel der Wahl zur Migräneprophylaxe.
- Gastrointestinale Erkrankungen: NSAR und Metamizol sollten vermieden werden. Metoprolol, Propranolol, Flunarizin, Valproat und Topiramat gelten als sichere Optionen für die Migräneprophylaxe.
Nichtmedikamentöse Maßnahmen
Nichtmedikamentöse Optionen für Therapie und Prophylaxe können eine hilfreiche Alternative darstellen und sollten vor allem bei vorliegenden Komorbiditäten berücksichtigt werden. In der akuten Attacke haben sich kühlende Anwendungen, die Abschirmung von Lichtreizen und die Massage von bestimmten Druckpunkten im Gesichts- und Halsbereich bewährt. Des Weiteren verschafft es einigen Patienten Linderung im akuten Schmerz, die Schläfen mit ätherischen Ölen (wie Pfefferminzöl) einzureiben.
Prävention
Zur Vorbeugung von Migräne und zur Stärkung des Immunsystems können folgende Maßnahmen ergriffen werden:
- Identifizierung und Vermeidung von Triggern: Ein Migräne-Tagebuch kann helfen, individuelle Auslöser zu identifizieren und zu vermeiden.
- Regelmäßiger Lebensstil: Regelmäßige Mahlzeiten, ausreichend Schlaf und regelmäßige Bewegung können helfen, Migräneanfälle zu reduzieren und das Immunsystem zu stärken.
- Stressbewältigung: Erlernen von Stressbewältigungstechniken wie Yoga, Meditation oder autogenes Training.
- Soziale Kontakte pflegen: Einsamkeit kann das Immunsystem schwächen. Regelmäßige soziale Kontakte sind wichtig für die psychische und physische Gesundheit.
- Schutz vor Strahlung: Reduzierung der Exposition gegenüber Handystrahlung und UV-Strahlung.
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