Migräne ist eine chronische neurologische Erkrankung, die Frauen im gebärfähigen Alter besonders häufig betrifft. Die Behandlung von Migräne während der Stillzeit erfordert besondere Aufmerksamkeit, um sowohl die Gesundheit der Mutter als auch des Kindes zu gewährleisten. Magnesium spielt eine wichtige Rolle bei der Vorbeugung und Behandlung von Migräne, und seine Anwendung in der Stillzeit ist ein wichtiges Thema für stillende Mütter.
Magnesium: Ein wichtiger Mineralstoff
Magnesium ist ein essenzielles Mineral, das der Körper nicht selbst bilden kann und daher über die Nahrung zugeführt werden muss. Es ist an mehr als 300 Prozessen im Körper beteiligt, darunter Energiestoffwechsel, Muskelkontraktion, Nervenfunktion und Knochenmineralisation. Magnesium aktiviert den zellulären Energieträger ATP (Adenosintriphosphat) und ist für die körpereigene Bildung von Serotonin und Melatonin notwendig.
Täglicher Magnesiumbedarf
Der tägliche Magnesiumbedarf variiert je nach Alter, Geschlecht und Lebensumständen. Frauen wird im Allgemeinen eine tägliche Aufnahme von 300 mg Magnesium empfohlen. Schwangere und Stillende haben jedoch einen erhöhten Bedarf von 310 bis 350 mg pro Tag. Leistungssportler, Diabetiker, Migränepatienten und Personen mit chronischem Stress haben ebenfalls einen erhöhten Magnesiumbedarf.
Magnesiummangel
Ein Magnesiummangel kann sich durch Müdigkeit, Erschöpfung, Schwindel, Schlafstörungen, Reizbarkeit, Nervosität, Verstopfung, Wadenkrämpfe und Bluthochdruck äußern. Um den Magnesiumspiegel festzustellen, werden in der Praxis die Blutserum-Werte bestimmt. Werte im Normalbereich lassen jedoch nur bedingt eine Auskunft über den tatsächlichen Magnesium-Spiegel im Körper zu. Die Blutserumwerte können völlig in Ordnung sein, obwohl tatsächlich ein Mangel vorliegt. Gute Magnesium-Werte im Blut lassen nur bedingt eine Auskunft über den tatsächlichen Magnesium-Spiegel im Körper zu!
Der Körper möchte den Magnesium-Spiegel im Blut konstant halten, damit alle magnesiumabhängigen Reaktionen im Körper ablaufen können. Dazu holt er sich bei zu geringen Aufnahmemengen Magnesium aus den körpereigenen Speichern (Knochen oder Muskeln). Erst wenn diese nicht mehr zur Verfügung stehen, kann man einen Mangel über die Blutwerte feststellen. In diesem Fall liegt jedoch bereits ein drastischer Mangel vor. Eine aussagekräftigere Bestimmungsmethode ist der Magnesium-Loading-Test. Hier wird nach intravenöser Gabe einer bestimmten Menge von Magnesium der Urin über 24-48 Stunden gesammelt. Dadurch kann man auf den Magnesiumspiegel im Körper rückschließen. Magnesium kann auch intrazellulär bestimmt werden, dafür ist allerdings eine Gewebeprobe nötig.
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Magnesiumreiche Lebensmittel
Magnesium ist in vielen Lebensmitteln enthalten, insbesondere in grünem Blattgemüse, Nüssen, Samen und Hülsenfrüchten. Kürbiskerne, Weizenkleie, Sonnenblumenkerne, Cashewnüsse, Sojabohnen, Mandeln, Erdnüsse und Spinat sind besonders reich an Magnesium.
Magnesium zur Migräneprophylaxe
Magnesium kann Migräne vorbeugen, indem es Nervenzellen beruhigt, Gefäße entspannt und Botenstoffe beeinflusst. Studien haben gezeigt, dass eine tägliche Einnahme von 400 bis 600 mg elementarem Magnesium über 8 bis 12 Wochen die Häufigkeit und Intensität von Migräneanfällen reduzieren kann. Es wird empfohlen, mit einer niedrigen Dosis von 200 mg Magnesium abends zu beginnen und diese langsam zu steigern. Magnesiumcitrat oder Magnesiumglycinat sind oft gut verträglich.
Wer profitiert von Magnesium?
Personen mit menstruell getriggerter Migräne, niedriger Magnesiumzufuhr, hoher Stressbelastung oder Muskelkrämpfen berichten überdurchschnittlich häufig von einem Nutzen von Magnesium zur Migräneprophylaxe.
Nebenwirkungen und Wechselwirkungen
Häufige Nebenwirkungen von Magnesium sind weicher Stuhl oder Durchfall, insbesondere bei der Einnahme von Magnesiumoxid. Bei Nierenerkrankungen oder regelmäßiger Medikamenteneinnahme sollte vor Beginn der Einnahme von Magnesium ärztlicher Rat eingeholt werden. Magnesium kann die Aufnahme bestimmter Medikamente wie Tetracycline, Fluorchinolone, Bisphosphonate und Levothyroxin beeinträchtigen, daher sollte ein Abstand von 2 bis 4 Stunden zwischen der Einnahme von Magnesium und diesen Medikamenten eingehalten werden.
Migräne in der Schwangerschaft und Stillzeit
Bei den meisten Migränikerinnen bessert sich die Erkrankung im Laufe der Schwangerschaft, besonders ab dem 2. Trimester. Nach der Geburt kehren die Migräneattacken oft innerhalb des ersten Monats zurück. Es gibt Hinweise dafür, dass das Stillen die Zeit bis zum Auftreten der ersten Migräneattacke nach der Geburt verlängern kann.
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Medikamentöse Migräneprophylaxe in der Stillzeit
Sofern eine medikamentöse Migräneprophylaxe in der Stillzeit erforderlich ist, stehen einige Wirkstoffe zur Verfügung, die nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung angewendet werden sollen. Die Anwendung von Betablockern wie Metoprolol oder Propranolol gilt als sicher und ist die Behandlung der Wahl. Amitriptylin ist eine weitere Option. Auch die monoklonalen Antikörper Erenumab, Galcanezumab, Fremanezumab und Eptinezumab können in Betracht gezogen werden, obwohl der Erfahrungsumfang zur Anwendung in der Schwangerschaft sehr gering ist.
Magnesium in der Schwangerschaft und Stillzeit
Während der Schwangerschaft und Stillzeit ist eine ausreichende Magnesiumversorgung besonders wichtig. Eine orale Magnesiumgabe von 400 mg Magnesiumoxid 1- bis 2-mal pro Tag wurde nicht mit einem erhöhten Risiko für Fehlbildungen assoziiert. Auch die Anwendung in der Stillzeit gilt als sicher.
Akutmedikation in der Stillzeit
Für die Akutmedikation von Migräneattacken in der Stillzeit werden Paracetamol und Triptane als Mittel der Wahl angesehen. NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika) wie Ibuprofen und Diclofenac sollten nur kurzfristig und niemals hoch dosiert eingenommen werden.
Nichtmedikamentöse Anfallsprophylaxe
Unabhängig von einer medikamentösen Prophylaxe können ein regelmäßiger Tagesablauf mit geregelten Mahl- und Schlafzeiten sowie nichtmedikamentöse Maßnahmen wie moderate Bewegung, Entspannungsverfahren (progressive Muskelentspannung, Meditation, Yoga), Akupunktur oder nichtinvasive Neurostimulation einen positiven Effekt ausüben.
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