Migräne Therapie: Infusionen und multimodale Ansätze in der Schmerzklinik

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, oft sehr starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Diese Kopfschmerzen können von weiteren Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet sein. Die Therapie von Migräne ist komplex und erfordert oft einen multimodalen Ansatz, der sowohl medikamentöse als auch nicht-medikamentöse Verfahren umfasst. Ein wichtiger Bestandteil der Behandlung kann die Infusionstherapie in einer spezialisierten Schmerzklinik sein.

Die neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel

Die neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel unter der Leitung von Prof. Dr. med. Dipl. Psych. Hartmut Göbel bietet eine spezielle Therapie für Migräne mit und ohne Aura, Migräne-Komplikationen und andere Kopfschmerzarten wie chronische Spannungskopfschmerzen, Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch und Clusterkopfschmerz. Auch Nervenschmerzen (neuropathischer Schmerz) und Rückenschmerzen werden dort behandelt.

Aufnahmeformalitäten

Für die Planung eines Aufnahmetermins sind folgende Schritte erforderlich:

  1. Der behandelnde Arzt stellt eine Verordnung von Krankenhausbehandlung aus.
  2. Der Arzt füllt die Aufnahme-Checkliste aus.
  3. Der Patient füllt den Schmerzkalender und den Schmerzfragebogen aus.
  4. Alle Unterlagen sowie Kopien relevanter Arztbriefe und Röntgenbilder werden an die angegebene Adresse gesendet.

Viele Krankenkassen haben eine integrierte Versorgung mit dem Behandlungsnetzwerk der Klinik vertraglich geregelt. Dies gilt unter anderem für Versicherte der AOK Schleswig-Holstein, der Techniker Krankenkasse, der Deutschen Angestelltenkrankenkasse, der Hanseatischen Krankenkasse HEK, der Landwirtschaftlichen Krankenkasse Schleswig-Holstein und Hamburg, der Knappschaft Bahn See, der BKK vor Ort und der E.ON Betriebskrankenkasse.

Therapieverfahren in der Schmerzklinik

Die enge Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen ermöglicht ein abgestuftes, multidisziplinäres diagnostisches und therapeutisches Programm. In interdisziplinären Schmerzkonferenzen werden besondere Krankheitsprobleme regelmäßig diskutiert.

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Akupunktur

Die Akupunktur kann bei richtiger Indikationsstellung und korrekter Anwendung eine nebenwirkungsarme Behandlungsmethode sein. Sie wird in der Schmerzklinik Kiel in verschiedenen Formen angewendet: Körperakupunktur, Ohrakupunktur und die Neue Schädelakupunktur nach Yamamoto (YNSA). Für jeden Patienten wird ein individuelles Behandlungskonzept erstellt.

Infusionstherapie

Über eine kontinuierliche Infusion können verschiedene Medikamente wie Schmerzmittel, entspannende Substanzen und Vitaminpräparate verabreicht werden, um akute oder chronische Schmerzen zu lindern. Das Infusionsprogramm wird individuell für jeden Patienten zusammengestellt und begleitend bei vielen Schmerzsyndromen eingesetzt.

Medikamentöse Schmerztherapie

Eine große Auswahl an Schmerzmitteln in verschiedenen Formen (Tabletten, Tropfen, Injektionen, Salben, Pflaster etc.) ermöglicht ein individuelles Therapiekonzept. Die Erstellung eines solchen Konzepts erfordert umfassende Kenntnisse und Erfahrung auf dem Gebiet der Schmerztherapie.

Nervenblockaden und Sympathikusblockaden

Mit Hilfe einer Nervenblockade lassen sich Schmerzen im Versorgungsgebiet des jeweiligen Nerven oder Nervengeflechtes für einen begrenzten Zeitraum reduzieren oder beseitigen. Dies geschieht durch Injektion eines lokalen Betäubungsmittels oder Schmerzmittels. Bei bestimmten Schmerzsyndromen ist auch eine Blockade im Bereich des vegetativen Nervensystems (Sympathikusblockade) indiziert.

Neuraltherapie

Die Neuraltherapie, auch als Therapeutische Lokalanästhesie (TLA) bezeichnet, ist eine Regulationstherapie. Verschiedene Techniken, wie die Segmenttherapie oder die Störfeldbehandlung, werden angewendet, wobei ein lokales Betäubungsmittel in schmerzhafte oder schmerzauslösende Körperregionen injiziert wird.

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Physikalische Therapie

Nicht-medikamentöse, physikalische Verfahren dienen der Entspannung der Muskulatur und verbessern die Durchblutung. Sie können den Teufelskreis aus Schmerz und Muskelverspannung durchbrechen.

Phytotherapie

Die Anwendung von Pflanzen oder Pflanzenteilen bei Schmerzen hat eine lange Tradition. Pflanzliche Heilmittel können extern oder intern angewendet werden. Ein Vorteil ist die gute Verträglichkeit.

Wirbelsäulennahe Blockaden

Zu den invasiven schmerztherapeutischen Maßnahmen gehören Kaudal- und Epiduralanästhesie (PDA), Periradikuläre Infiltrationen (PRT) und Facettenblockaden.

Biofeedback

Das Biofeedback-Verfahren ist ein alternatives Verfahren zur aktiven Stressbewältigung. Es ermöglicht eine bewusste Kontrolle über physiologische Vorgänge wie Herzschlag, Atmung, Muskelspannung oder Durchblutung.

Symbioselenkung

Chronische Schmerzsyndrome wie Migräne oder Spannungskopfschmerz gehen häufig mit einer Störung der natürlichen Bakterienflora des Darmes einher (Darmdysbiose). In solchen Fällen ist eine Symbioselenkung (Darmsanierung) wichtig.

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TENS

TENS (Transkutane Elektrische Nervenstimulation) aktiviert körpereigene, schmerzunterdrückende Abläufe im Zentralnervensystem. Es werden schmerzhemmende Substanzen (Endorphine) ausgeschüttet.

Spezielle Infusionstherapien bei Migräne

Neben den genannten allgemeinen Therapieverfahren gibt es spezielle Infusionstherapien, die bei Migräne eingesetzt werden.

Therapie mit Lokalanästhetika (Lidocain)

Die Infusion mit Lokalanästhetika wie Lidocain kann eine gute, wenn auch oft zeitlimitierte, Schmerzreduktion im ganzen Körper erreichen. Aufgrund der potenten Substanzen ist eine Überwachung der Neurologie und des Herz-Kreislauf-Systems notwendig.

Therapie mit Ketamin (Es-Ketanest)

Ketamin kann bei bestimmten Schmerzsyndromen oder starken depressiven Erkrankungen eingesetzt werden. Es kann chronisch negative Schmerzen positiv beeinflussen oder sogar komplett löschen. Die Infusion ist mit einer besonderen Logistik verbunden. Eine Therapie mit Ketamin/Propofol-Infusionen kann ein Marathon sein, der mehrere, in gewissen Regelmäßigkeiten durchgeführte Infusionen erfordert (3-7 Mal wiederholt). Nach der Infusion ist der Patient nicht voll geschäftsfähig bzw. nicht verkehrsfähig.

Migräne-Prophylaxe mit CGRP-Antikörpern

In den letzten Jahren hat sich die Wirksamkeit der CGRP-Antikörper (Calcitonin Gene-Related Peptide) in der Migräne-Prophylaxe erwiesen. CGRP ist ein Botenstoff, der bei der Entstehung von Migräne eine wichtige Rolle spielt. Bei Migräneattacken wird CGRP vermehrt ausgeschüttet, was zu einer Erweiterung der Blutgefäße in den Hirnhäuten und zur Sensibilisierung von Schmerzrezeptoren führt.

Wirkweise der CGRP-Antikörper

Die CGRP-Antikörper setzen an diesem Botenstoff an und hemmen entweder das CGRP-Molekül selbst (Galcanezumab, Fremanezumab) oder den CGRP-Rezeptor (Erenumab, Eptinezumab). Dadurch wird die Entstehung und Aufrechterhaltung der Migräneattacke verhindert.

Verabreichung der CGRP-Antikörper

Die meisten Medikamente zur Migräne-Prävention werden als Tabletten eingenommen. Eine Ausnahme bilden die CGRP-Antikörper, die entweder mittels Injektion unter die Haut gespritzt (meist 1x im Monat) oder als Infusion (1x alle 3 Monate) verabreicht werden. Die Injektion kann mit einem Injektionspen selbstständig zu Hause durchgeführt werden.

Studienergebnisse und Nebenwirkungen

Erste Studienergebnisse zeigen, dass die CGRP-Antikörper bei guter Verträglichkeit deutlich wirksamer sind als Placebo. Eine kleine Gruppe von Patienten wurde in den Studien sogar komplett migräneattackenfrei. Als typische Nebenwirkungen wurden Rötungen an der Einstichstelle oder Verstopfung berichtet. Daten legen zudem eine erhöhte Infektanfälligkeit nahe.

Kostenübernahme

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für die CGRP-Antikörper-Therapie in der Regel nur, wenn herkömmliche Therapien nicht geholfen haben und der Patient mindestens vier Migränetage im Monat hat.

Alternativen zur CGRP-Antikörper-Therapie

Neben der CGRP-Antikörper-Therapie gibt es weitere Möglichkeiten zur Migräne-Prophylaxe, wie z.B. Ausdauersport, Kraftsport, Entspannungsübungen, ein gesunder Takt bei Schlaf und Mahlzeiten sowie Methoden der Stressbewältigung. Auch Medikamente, die ursprünglich für andere Krankheiten entwickelt wurden (z.B. Betablocker), können zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden.

Multimodale Schmerztherapie in Augsburg

Auch in Augsburg gibt es spezialisierte Schmerzzentren, die eine multimodale Schmerztherapie anbieten. Unter der Leitung von Frau Dr. Aichinger-Rachaniotis und Herrn Dr. Rachaniotis widmet sich das Schmerzzentrum der Behandlung akuter und chronischer Schmerzen. Als regionales Schmerzzentrum des DGS orientieren sich die Therapien an den anerkannten Leitlinien der Universitätskliniken und den medizinischen Fachgesellschaften. Das Schmerzzentrum wird von der Schmerzklinik Kiel, Prof. Göbel, als "Kopfschmerzspezialisten vor Ort" empfohlen.

Therapieansätze in Augsburg

Das Schmerzzentrum in Augsburg bietet verschiedene Therapieansätze an, darunter:

  • Erkennen und Bewältigen psychosozialer Schmerzursachen
  • Ganzheitliche, leitlinienbasierte und interdisziplinäre Behandlung
  • Verschiedenste Formen der physikalischen Therapie
  • Bewährte Behandlung chronischer Schmerzen und Depressionen

Bedeutung der Patienten-Arzt-Beziehung

Eine wichtige Grundlage jeder Therapieform ist die Optimierung des Arzt-Patienten-Verhältnisses auf dem Boden einer Vertrauensbildung. Nachvollziehbare Erklärungen verbessern diese Beziehung.

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