Migräne mit Aura: Ursachen, Symptome und Umgang mit Taubheitsgefühlen im Gesicht

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch heftige, anfallsartige Kopfschmerzen äußert. Bei etwa 10 bis 15 % der Betroffenen kündigt sich eine Migräneattacke durch eine sogenannte Aura an. Diese Aura kann verschiedene Symptome umfassen, darunter Sehstörungen, Sprachprobleme und Gefühlsstörungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühle, insbesondere im Gesicht.

Gefühlsstörungen als Begleitsymptom von Erkrankungen

Gefühlsstörungen können in Verbindung mit verschiedenen körperlichen oder neurologischen Erkrankungen auftreten. Die Art, Lokalisation, Ausprägung und der Verlauf der Missempfindungen können wichtige Hinweise auf die zugrunde liegende Ursache geben.

Einige Beispiele für Erkrankungen, bei denen Gefühlsstörungen häufig vorkommen, sind:

  • Polyneuropathie: Hierbei sind die peripheren Nerven geschädigt, was sich oft zuerst in den Füßen und Händen durch Missempfindungen äußert. Typisch ist eine beidseitige Ausbreitung der Beschwerden in einer strumpf- oder handschuhartigen Verteilung.
  • Multiple Sklerose (MS): Gefühlsstörungen wie Kribbeln, Taubheit oder neuropathische Schmerzen gehören zu den frühen und häufigen Symptomen von MS. Die Erkrankung führt zu einer gestörten Reizweiterleitung im Gehirn und Rückenmark.
  • Parkinson: Neben den typischen Symptomen wie Muskelsteifigkeit, Bewegungsverlangsamung und Zittern können auch Gefühlsstörungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühle auftreten, insbesondere wenn sensorische Bahnen oder die Wahrnehmungsverarbeitung betroffen sind.
  • Bandscheibenvorfall: Die Kompression von Nervenwurzeln im Bereich des Rückenmarks kann neurologische Symptome wie Taubheit, Kribbeln oder Muskelschwäche hervorrufen, typischerweise einseitig und abhängig vom betroffenen Bereich der Wirbelsäule.
  • Psychische Störungen: Angstzustände, Panikattacken oder chronischer Stress können ebenfalls Gefühlsstörungen verursachen, da das vegetative Nervensystem überreagieren und körperliche Symptome hervorrufen kann.

Migräne mit Aura: Was ist das?

Mediziner unterscheiden zwei Arten von Migräne: Migräne ohne Aura und Migräne mit Aura. Etwa 15 bis 25 Prozent der Migränepatienten sind von der Migräne mit Aura betroffen. Unter einer Migräne-Aura versteht man eine anfallsartige neurologische Störung, die sich vor allem in Sehbeschwerden äußert und normalerweise zwischen 5 und 60 Minuten andauert. Folgen mehrere Aura-Symptome aufeinander, kann sich die Dauer auch verlängern. Innerhalb einer Stunde nach Beginn der Aura setzen gewöhnlich die Kopfschmerzen ein.

Die Aura ist ein neurologisches Phänomen, das der Kopfschmerzphase einer Migräneattacke vorausgeht. Der Begriff "Aura" leitet sich von Aurora, der römischen Göttin der Morgenröte, ab, da die Wahrnehmungsstörungen wie die aufsteigende Sonne den Tag ankündigen. Menschen mit Migräne mit Aura können während der Attacken unter verschiedenen Seh-, Gefühls- und Sprachstörungen leiden. In seltenen Fällen kann es sogar zum Alice-im-Wunderland-Syndrom kommen, das durch eine verzerrte Wahrnehmung gekennzeichnet ist.

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Ursachen der Migräne mit Aura

Die Ursachen für Migräne mit Aura sind, wie auch bei der Migräne ohne Aura, noch nicht abschließend erforscht. Es wird jedoch vermutet, dass Menschen mit Migräne eine Überempfindlichkeit der Nervenzellen in der Hirnrinde aufweisen. Im Rahmen einer Attacke kommt es zu einer verstärkten Erregung von Nervenzellen, insbesondere des Trigeminusnervs, der für die Schmerzwahrnehmung im Gesicht hauptverantwortlich ist.

Im Vergleich zur Migräne ohne Aura wurde bei Migräne-Patienten mit Aura eine verminderte Hirndurchblutung in bestimmten Hirnarealen festgestellt. Dementsprechend könnte ein Sauerstoffmangel in betroffenen Hirnregionen für die Aura-Symptome verantwortlich sein. Grundlage dieser Störung ist vermutlich ein genetischer Defekt.

Bestimmte Auslöser, sogenannte Trigger, können Migräneattacken mit Aura hervorrufen. Solche Auslöser sind beispielsweise Stress, Wetterumschwünge und bestimmte Gerüche.

Symptome der Migräne mit Aura

Bei Migräne mit Aura können verschiedene Symptome auftreten, darunter visuelle, sensible und sprachliche Störungen.

  • Sehstörungen: Bei fast allen Migränepatienten (99 Prozent) mit Aura kommt es zu Sehstörungen. Die Migräne kann beispielsweise folgende Bildstörungen auslösen:
    • Skotom (Sehkraft lässt innerhalb eines Gesichtsfeldes nach oder fällt komplett aus)
    • blendende Kreise oder Vierecke (die sich immer weiter ausbreiten)
    • Zickzacklinien
    • Blitzlichter
    • Sternschnuppen

Die Sehstörungen treten unabhängig davon auf, ob die Augen offen oder geschlossen sind. In der Regel bilden sie sich innerhalb von einer Stunde wieder zurück.

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  • Gefühlsstörungen: Bei 30 bis 54 Prozent der Betroffenen treten außerdem Gefühlsstörungen auf. Migränepatienten mit Aura berichten beispielsweise von einem Kribbel- oder Taubheitsgefühl in Händen, Armen oder Wangen.
  • Sprachstörungen: Seltener (in 9 bis 31 Prozent der Fälle) sind auch Sprachstörungen möglich. Diese äußern sich zum Beispiel dadurch, dass die Aussprache und/oder die richtige Verwendung von Worten beeinträchtigt ist.

Atypische Migräne-Aura

Von der typischen Migräne-Aura werden atypische Auren unterschieden. Darunter fällt die Migräne mit Hirnstammaura. Betroffene leiden an Hirnstammsymptomen wie Drehschwindel, Tinnitus, Doppelbildern oder Bewusstseinsstörungen.

Eine hemiplegische Migräne diagnostizieren Ärzte, wenn die Aura mit motorischen Störungen wie einer halbseitigen Lähmung einhergeht. Die motorischen Symptome können länger andauern als andere Aura-Symptome, sie bilden sich aber innerhalb von 72 Stunden ebenfalls wieder vollständig zurück. Sind in der Familie (ersten oder zweiten Verwandtschaftsgrades) ähnliche Migränefälle bekannt, wird die Migräne noch spezifischer als familiär hemiplegische Migräne definiert.

Eine weitere atypische Form ist die retinale Migräne. Charakteristisch für diese sehr seltene Migräneform sind vorübergehende, visuelle Phänomene wie plötzliches Flimmern vor dem Auge, Gesichtsfeldausfälle (Skotome) oder eine Erblindung.

Differenzialdiagnose

Bei der Diagnose von Migräne mit Aura müssen Ärzte andere mögliche Ursachen ausschließen, da Symptome wie Taubheitsgefühl oder Sprachstörungen auch für einen Schlaganfall sprechen können.

Phasen einer Migräneattacke

Eine Migräneattacke lässt sich in verschiedene Phasen einteilen:

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  1. Prodromalphase (Frühphase): Etwa 30 Prozent der Patienten spüren vor einem Migräneanfall unterschiedliche Anzeichen. Diese Phase beginnt maximal 2 Tage, manchmal aber auch nur einige Stunden vor dem Migräneanfall. Typisch ist, dass die Frühphase bei Migräne ohne Aura vor dem Beginn der Schmerzen einsetzt. Symptome können Müdigkeit, Reizbarkeit, Heißhunger oder Konzentrationsstörungen sein.
  2. Auraphase: Diese Phase erleben 10 bis 15 Prozent der Betroffenen. Sie klagen über Sehstörungen wie helle Flecke, Lichtblitze und manchmal kurzzeitigen Sehkraftverlust. Weitere Symptome sind Kribbeln bzw. Taubheitsgefühle, Gleichgewichtsstörungen und Sprachprobleme.
  3. Kopfschmerzphase: Der Schmerz ist pochend, stechend oder pulsierend. Die Betroffenen sind licht- und geräuschempfindlich, manchmal können sie auch Gerüche oder Berührungen nicht ertragen. Hinzu kommen oft Übelkeit und Erbrechen.
  4. Auflösungsphase: Die Symptome sind zwar noch da, werden aber weniger intensiv. Die Kopfschmerzen sind nicht mehr pulsierend, sondern eher gleichbleibend. Patienten sind oft sehr müde. Die Übelkeit und die Empfindlichkeit z.B. gegen Licht werden weniger, sind aber noch nicht verschwunden.
  5. Erholungsphase: Die Patienten sind angeschlagen und fühlen sich wie nach einem Kater. Die Symptome ähneln denen der Prodromalphase.

Nicht jeder Patient durchläuft alle diese Phasen. Meist halten die Beschwerden der Migräne mehrere Tage an. Von den Vorboten bis zur Erholungsphase kann die Migräne-Dauer eine Woche betragen. Die eigentliche Attacke dauert meist zwischen vier und 72 Stunden.

Was tun bei Migräne mit Aura?

Akutbehandlung

  • Ruhe und Dunkelheit: Ziehen Sie sich in einen abgedunkelten, stillen Raum zurück.
  • Kühlung: Legen Sie ein feuchtes Tuch oder eine kühle Auflage auf Stirn und Nacken.
  • Schmerzmittel: Nehmen Sie Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS), Paracetamol oder Ibuprofen ein. Die Kombination mit Coffein kann die Wirkung verstärken.
  • Triptane: Bei stärkeren Migräneattacken können Triptane helfen, die Gefäße im Gehirn zu verengen und die Entzündung zu hemmen. Triptane sollten erst nach Abklingen der Aura eingenommen werden.
  • Medikamente gegen Übelkeit: Bei Übelkeit können Medikamente wie Zäpfchen helfen.

Vorbeugung

  • Regelmäßiger Lebensstil: Achten Sie auf regelmäßige Essens- und Schlafenszeiten.
  • Stress vermeiden: Planen Sie ausreichend Bewegung und Entspannung ein. Entspannungsmethoden wie autogenes Training oder Yoga können helfen, Stress abzubauen.
  • Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung und vermeiden Sie mögliche Trigger wie Alkohol oder bestimmte Nahrungsmittel. Ein Migränetagebuch kann helfen, individuelle Auslöser zu identifizieren.
  • Medikamentöse Prophylaxe: Bei häufigen oder schweren Migräneattacken können bestimmte Medikamente vorbeugend verschrieben werden, z.B. Betablocker, krampflösende Wirkstoffe oder Antidepressiva. Auch eine Kombination von Magnesium, Vitamin B2 und Coenzym Q10 wird als Migräneprophylaxe empfohlen.

Was Sie noch tun können

  • Kopfschmerztagebuch: Führen Sie ein Kopfschmerztagebuch, um Trigger und Prodrom-Symptome zu notieren.
  • Ärztliche Beratung: Suchen Sie bei häufigen oder starken Kopfschmerzen einen Arzt auf, um die Ursache abzuklären und eine geeignete Therapie zu finden.
  • Hausmittel: Tee aus Ingwer oder Kamillenblüten kann gegen Übelkeit wirken. Pfefferminzöl, das auf Stirn, Schläfen und Nacken aufgetragen wird, kann zur Schmerzlinderung beitragen.

Migräne-Aura und Schlaganfall

Studienergebnisse zeigen, dass Menschen mit Migräne-Aura ein leicht erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall haben. Die Migräne-Aura ist allerdings nicht Ursache für einen Schlaganfall. Fachleute vermuten genetische Faktoren hinter dem Zusammenhang.

Für Menschen, die an vorübergehende neurologische Symptome während einer Migräne-Aura gewöhnt sind, besteht die Gefahr, einen Schlafanfall nicht rechtzeitig zu erkennen. Bei bisher unbekannten oder länger andauernden Aura-Symptomen sollten sie ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Empfindungs-, Seh- oder Sprachstörungen und Lähmungserscheinungen, die gleichzeitig mit Kopf- oder Gesichtsschmerzen auftreten, können auf einen Schlaganfall hindeuten.

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