Schlafstörungen sind ein weit verbreitetes Problem, das die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen kann. In Münster und Umgebung gibt es verschiedene Einrichtungen, die sich auf die Diagnose und Behandlung von Schlafstörungen spezialisiert haben, darunter das neurologische Schlaflabor. Dieser Artikel bietet umfassende Informationen zu Schlafstörungen, den Diagnoseverfahren im Schlaflabor Münster und den verschiedenen Therapieansätzen.
Was sind Schlafstörungen?
Schlafstörungen sind vielfältig und können sich in unterschiedlicher Weise äußern. Einige der häufigsten Schlafstörungen sind:
- Insomnien (Ein- und Durchschlafstörungen): Schwierigkeiten beim Einschlafen oder Durchschlafen, die zu Müdigkeit und Beeinträchtigungen am Tag führen.
- Schlafbezogene Atmungsstörungen: Dazu gehören Schnarchen, Schlafapnoe (Atemaussetzer während des Schlafs) und andere Atemstörungen, die den Schlaf beeinträchtigen und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen können.
- Hypersomnien (erhöhte Tagesmüdigkeit und -schläfrigkeit, Narkolepsie): Übermäßige Schläfrigkeit am Tag, die trotz ausreichend Schlaf auftritt. Narkolepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch einen unwiderstehlichen Schlafdrang gekennzeichnet ist.
- Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen: Störungen des natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus, z. B. durch Schichtarbeit oder Jetlag.
- Parasomnien: Unerwünschte Ereignisse während des Schlafs, wie Schlafwandeln, Albträume oder REM-Schlafverhaltensstörung.
- Schlafbezogene Bewegungsstörungen: Unwillkürliche Bewegungen während des Schlafs, insbesondere das Restless-Legs-Syndrom (RLS).
- Schlafstörungen bei neurologischen Erkrankungen: Schlafprobleme, die im Zusammenhang mit neurologischen Erkrankungen wie Parkinson, Epilepsie oder Multipler Sklerose auftreten.
Ursachen von Schlafstörungen
Die Ursachen von Schlafstörungen sind vielfältig und können sowohl körperliche als auch psychische Ursachen haben. Zu den häufigsten Ursachen gehören:
- Psychische Faktoren: Stress, Angst, Depressionen und andere psychische Belastungen können zu Schlafstörungen führen.
- Körperliche Erkrankungen: Viele körperliche Erkrankungen, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegserkrankungen, neurologische Erkrankungen und chronische Schmerzen, können den Schlaf beeinträchtigen.
- Medikamente: Einige Medikamente können als Nebenwirkung Schlafstörungen verursachen.
- Substanzmissbrauch: Alkohol, Nikotin und andere Drogen können den Schlaf stören.
- Schlechte Schlafgewohnheiten: Unregelmäßige Schlafzeiten, eine ungünstige Schlafumgebung oder die Verwendung von elektronischen Geräten vor dem Schlafengehen können den Schlaf beeinträchtigen.
- Schichtarbeit und Jetlag: Diese Faktoren können den natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus stören.
- Genetische Faktoren: In einigen Fällen können Schlafstörungen genetisch bedingt sein.
Diagnostik im Schlaflabor Münster
Ein Schlaflabor ist eine spezialisierte Einrichtung zur Diagnose von Schlafstörungen. Im Schlaflabor werden verschiedene Messungen durchgeführt, um den Schlaf des Patienten zu überwachen und mögliche Ursachen für die Schlafstörung zu identifizieren.
Ablauf einer Untersuchung im Schlaflabor
Vorgespräch: Vor der Untersuchung findet ein ausführliches Gespräch mit einem Schlafmediziner statt. Dabei werden die Beschwerden des Patienten, seine Krankengeschichte und seine Lebensgewohnheiten erfasst.
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Vorbereitung: Am Abend der Untersuchung wird der Patient im Schlaflabor aufgenommen. Er erhält eine Einführung in den Ablauf der Untersuchung und wird an verschiedene Messgeräte angeschlossen.
Messungen während des Schlafs: Während des Schlafs werden verschiedene Parameter aufgezeichnet, darunter:
- Elektroenzephalogramm (EEG): Messung der Hirnstromaktivität zur Bestimmung der Schlafstadien.
- Elektrookulogramm (EOG): Messung der Augenbewegungen zur Identifizierung des REM-Schlafs.
- Elektromyogramm (EMG): Messung der Muskelspannung, insbesondere der Muskeln im Kinnbereich und an den Beinen.
- Elektrokardiogramm (EKG): Messung der Herzfrequenz und des Herzrhythmus.
- Atemfluss: Messung des Atemflusses durch Nase und Mund zur Erkennung von Atempausen.
- Sauerstoffsättigung: Messung des Sauerstoffgehalts im Blut.
- Körperposition: Aufzeichnung der Körperposition während des Schlafs.
- Videoaufzeichnung: Überwachung des Patienten während des Schlafs zur Erkennung von ungewöhnlichen Verhaltensweisen.
Auswertung: Am Morgen nach der Untersuchung werden die aufgezeichneten Daten von einem Schlafmediziner ausgewertet. Auf Grundlage der Ergebnisse wird eine Diagnose gestellt und ein individueller Therapieplan erstellt.
Spezialsprechstunden
Einige Kliniken bieten spezielle Sprechstunden für zahnärztliche und mund-, kiefer- und gesichtschirurgische Schlafmedizin an. Hier können Patienten mit Schlafproblemen, die durch anatomische Abweichungen im Mund-, Kiefer- und Gesichtsbereich bedingt sind, untersucht und behandelt werden. Bei Bedarf erfolgt eine Zusammenarbeit mit weiteren medizinischen Fachbereichen.
Ambulante Schlaflabore
Neben stationären Schlaflaboren gibt es auch ambulante Schlaflabore, in denen die Patienten zu Hause schlafen und die Messungen mit tragbaren Geräten durchgeführt werden. Diese Option ist besonders geeignet für Patienten, die sich in einer ungewohnten Umgebung nicht wohlfühlen oder deren Schlafstörung nicht schwerwiegend ist.
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Therapie von Schlafstörungen
Die Therapie von Schlafstörungen richtet sich nach der Ursache der Störung und dem individuellen Bedarf des Patienten. Es gibt verschiedene Therapieansätze, die einzeln oder in Kombination eingesetzt werden können.
Nicht-medikamentöse Therapien
- Schlafhygiene: Verbesserung der Schlafgewohnheiten durch regelmäßige Schlafzeiten, eine angenehme Schlafumgebung, Vermeidung von Koffein und Alkohol vor dem Schlafengehen und Entspannungsübungen.
- Kognitive Verhaltenstherapie (KVT): Eine psychotherapeutische Behandlung, die darauf abzielt, negative Gedanken und Verhaltensweisen zu verändern, die den Schlaf beeinträchtigen.
- Lichttherapie: Einsatz von hellem Licht zur Behandlung von Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen, insbesondere bei saisonal abhängiger Depression (SAD) oder Schichtarbeit.
- Entspannungstechniken: Erlernen von Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder Meditation, um Stress abzubauen und den Schlaf zu fördern.
- Atemtherapie: Spezielle Atemübungen zur Behandlung von Schlafapnoe und anderen schlafbezogenen Atmungsstörungen.
Medikamentöse Therapien
- Schlafmittel: Verschreibungspflichtige Medikamente, die das Einschlafen und Durchschlafen erleichtern können. Schlafmittel sollten jedoch nur kurzfristig und unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden, da sie abhängig machen und Nebenwirkungen verursachen können.
- Antidepressiva: Einige Antidepressiva haben eine schlaffördernde Wirkung und können bei Schlafstörungen im Zusammenhang mit Depressionen eingesetzt werden.
- Melatonin: Ein körpereigenes Hormon, das den Schlaf-Wach-Rhythmus reguliert. Melatonin kann als Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden, um das Einschlafen zu erleichtern.
Apparative Therapien
- CPAP-Therapie: Eine Behandlung für Schlafapnoe, bei der der Patient während des Schlafs eine Maske trägt, die mit einem Gerät verbunden ist, das einen kontinuierlichen Luftstrom erzeugt. Der Luftstrom hält die Atemwege offen und verhindert Atempausen.
- Unterkieferprotrusionsschiene: Eine individuell angepasste Schiene, die den Unterkiefer während des Schlafs leicht nach vorne zieht und so die Atemwege öffnet. Diese Schiene wird häufig bei Schnarchen und leichter bis mittelschwerer Schlafapnoe eingesetzt.
- Zungenschrittmacher: Ein implantierbares Gerät, das den Zungennerv stimuliert und so verhindert, dass die Zunge während des Schlafs zurückfällt und die Atemwege blockiert.
Chirurgische Therapien
- Kieferverlagerung: Eine Operation zur Korrektur von Kieferfehlstellungen, die zu einer Verengung der Atemwege führen.
- Uvulopalatopharyngoplastik (UPPP): Eine Operation zur Entfernung von Gaumenmandeln, Zäpfchen und Teilen des Gaumens, um die Atemwege zu erweitern.
Das Schlaflabor der Klinik Maria Frieden Telgte
Auch die Klinik Maria Frieden Telgte reagierte auf die Ankündigung von Bundeskanzlerin Merkel Mitte März, sich im Gesundheitswesen auf eine große Zahl von Patienten mit COVID-19 auszurichten. Es fand ausschließlich noch stationäre geriatrische und neurologische Rehabilitation statt und dies nur für eine kleinere Anzahl an Patienten, da ein Anteil an Betten freigehalten wurde. Jegliche weiteren Angebote wurden abgesagt, um einen größtmöglichen Schutz der hochvulnerablen Patienten und aller Mitarbeitenden zu gewährleisten.
Nach Aufforderung des Bundegesundheitsministers Jens Spahn, schrittweise wieder in einen Regelbetrieb zurückzukehren, nimmt nun auch die Klinik Maria Frieden Telgte bislang abgesagte Leistungsangebote wieder auf. Für das von Frau Prof. Dr. Happe, ärztliche Direktorin und Chefärztin der Klinik für Neurologie, betriebene Schlaflabor wurden nun innerhalb kürzester Zeit zwei neue Messplätze in einem Nebengebäude geschaffen, das über einen separaten Eingang verfügt. So kann den Schlafgestörten ein Angebot zur Diagnostik und Therapie ermöglicht werden, ohne jeglichen Kontakt zu den stationären Rehabilitationspatienten. Die Patienten können dort ambulant unter entsprechenden hygienischen Maßnahmen (u.a. Tragen von Mund-Nase-Schutz, vorheriges Abklären von coronabedingten Symptomen oder Kontakten) gesehen und untersucht werden. Außerdem wurde dort auch die Ermächtigungsambulanz unter entsprechenden Hygienestandards wieder aufgenommen. Für bereits bekannte Patienten steht zudem ab sofort auch die Möglichkeit einer Videosprechstunde zur Verfügung. Damit reagierte die Klinik auf die aktuelle Situation und erweiterte die Schlaflabordiagnostik um einen zusätzlichen Messplatz.
Kompetenzzentren für Schlafmedizin in Münster und Umgebung
- Universitätsklinikum Münster (UKM): Das UKM verfügt über eine Sektion Schlafmedizin mit einem Schlaflabor, das sowohl ambulante als auch stationäre Behandlungsplätze bietet. Das Schlaflabor ist mit modernster Technik ausgestattet und bietet ein breites Spektrum an diagnostischen und therapeutischen Leistungen.
- Klinikum Osnabrück: Mit dem Neurologen, Schlaf- und Palliativmediziner Prof. Dr. Matthias Boentert stellt sich das Klinikum Osnabrück noch besser für die Behandlung von Menschen mit Schlafstörungen auf. Neben dem bereits bestehenden Ambulanten Schlafzentrum wird das neue Department auch einen stationären Bereich umfassen.
- Franziskus Hospital Münster: Auch Zahnmediziner können die richtigen Behandlungspartner sein. So kann eine Anti-Schnarch-Schiene die Atemwege während des Schlafes freihalten und den Kreislauf der Atemaussetzer unterbrechen.
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