Migräne behandeln: Ein umfassender Test von Medikamenten und Strategien

Migräne ist eine weit verbreitete neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, oft heftige Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Diese Schmerzen werden oft von Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Lichtempfindlichkeit und Geräuschempfindlichkeit begleitet. Die Behandlung von Migräne zielt darauf ab, die Schmerzen während eines Anfalls zu lindern und die Häufigkeit und Intensität zukünftiger Anfälle zu reduzieren. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über verschiedene Medikamente und Behandlungsstrategien zur Linderung von Migräne, basierend auf aktuellen Forschungsergebnissen und Empfehlungen von Experten.

Akutbehandlung von Migräne

Die Akutbehandlung von Migräne konzentriert sich auf die Linderung der Symptome während eines Anfalls. Es gibt verschiedene Medikamente, die dazu verwendet werden können, darunter rezeptfreie Schmerzmittel und verschreibungspflichtige Triptane.

Rezeptfreie Schmerzmittel

Für leichte bis mittelschwere Migräneattacken können rezeptfreie Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen, Paracetamol und Phenazon wirksam sein.

  • Acetylsalicylsäure (ASS): ASS hat einen starken schmerzlindernden Effekt bei Kopfschmerzen und sollte idealerweise als Brauselösung eingenommen werden, um eine schnelle Aufnahme im Magen-Darm-Trakt zu gewährleisten. Bei Jugendlichen beträgt die Dosierung 500 mg, bei Erwachsenen 1000 bis 1500 mg.
  • Ibuprofen: Ibuprofen ist in verschiedenen Formen erhältlich, darunter Tabletten, Brausegranulat, Zäpfchen und Kapseln. Es wird angenommen, dass Ibuprofen in seinem schmerzlindernden Effekt ähnlich wie ASS und Paracetamol ist. Die Einzeldosierung beträgt bei Kindern 200 mg, bei Erwachsenen bis zu 600 mg.
  • Paracetamol: Paracetamol ist normalerweise gut verträglich, sollte aber in der Schwangerschaft vermieden werden. Bei Kindern beträgt die Dosis 500 mg, bei Erwachsenen 1000 mg. Bei Leber- und Nierenerkrankungen ist Vorsicht geboten.
  • Phenazon: Phenazon ist ein seit vielen Jahrzehnten eingesetztes Medikament, das ebenfalls eine gute Wirkung in der Anfallsbehandlung der Migräne haben kann. Bei Kindern beträgt die Dosis 500 mg, bei Erwachsenen 1000 mg.

Eine Kombination aus ASS, Paracetamol und Koffein kann besonders wirksam sein, da die Schmerzmittel sich gegenseitig verstärken und das Koffein die Wirkung beschleunigt.

Antiemetika

Übelkeit und Erbrechen sind häufige Begleitsymptome von Migräneattacken. Antiemetika wie Metoclopramid oder Domperidon können helfen, diese Symptome zu lindern und die Aufnahme von Schmerzmitteln zu verbessern. Sie sollten 15 Minuten vor der Einnahme des Migränemittels eingenommen werden.

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Triptane

Triptane sind eine Klasse von Medikamenten, die speziell für die Behandlung von Migräne entwickelt wurden. Sie wirken, indem sie die erweiterten Blutgefäße im Gehirn verengen und Entzündungsprozesse hemmen. In Deutschland sind Almotriptan, Naratriptan und Sumatriptan rezeptfrei als Tabletten erhältlich. Andere Triptane wie Eletriptan, Frovatriptan, Rizatriptan und Zolmitriptan sind verschreibungspflichtig.

Eine Meta-Analyse von Studien hat gezeigt, dass Triptane in den meisten Fällen die beste Wahl zur Behandlung von akuter Migräne sind. Eletriptan, Rizatriptan, Sumatriptan und Zolmitriptan hatten die besten Wirkungsprofile und waren effektiver als neuere Medikamente wie Lasmiditan, Rimegepant und Ubrogepant.

Es ist wichtig zu beachten, dass Triptane nicht häufiger als zehnmal pro Monat eingenommen werden sollten, um einen medikamenteninduzierten Kopfschmerz zu vermeiden.

Neuere Medikamente

Neben Triptanen gibt es auch neuere Medikamente zur Migränebehandlung, wie Ditane und Gepante. Ditane docken nur an einem bestimmten Serotonin-Rezeptor an und verengen die Adern nicht. Gepante hemmen die Freisetzung des Botenstoffs CGRP im Gehirn, der gefäßerweiternd und entzündungsfördernd wirkt.

Migräneprophylaxe

Wenn Migräneattacken häufig auftreten oder die Lebensqualität stark beeinträchtigen, kann eine vorbeugende Behandlung in Betracht gezogen werden. Ziel der Prophylaxe ist es, die Häufigkeit, Dauer und Intensität der Migräneattacken zu reduzieren.

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Medikamentöse Prophylaxe

Es gibt verschiedene Medikamente, die zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden können, darunter:

  • Betablocker: Propanolol und Metoprolol
  • Kalziumkanalblocker: Flunarizin
  • Antiepileptika: Valproat und Topiramat
  • Gepante: Rimegepant und Atogepant (zur Vorbeugung episodischer und chronischer Migräne)

Die Auswahl des geeigneten Medikaments hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z.B. Begleiterkrankungen, Verträglichkeit und Wirksamkeit.

Nicht-medikamentöse Prophylaxe

Neben Medikamenten gibt es auch nicht-medikamentöse Maßnahmen, die zur Migräneprophylaxe beitragen können:

  • Biofeedback: Biofeedback kann helfen, die Körperfunktionen besser zu kontrollieren und Stress abzubauen.
  • Entspannungsverfahren: Entspannungsverfahren wie progressive Muskelentspannung oder autogenes Training können helfen, Stress abzubauen und die Häufigkeit von Migräneattacken zu reduzieren.
  • Kognitive Verhaltenstherapie: Kognitive Verhaltenstherapie kann helfen, negative Denkmuster und Verhaltensweisen zu verändern, die Migräneattacken auslösen können.
  • Regelmäßiger Ausdauersport: Regelmäßiger Ausdauersport kann helfen, Stress abzubauen und die allgemeine Gesundheit zu verbessern.
  • Nahrungsergänzungsmittel: Magnesium und Vitamin B2 können in einigen Fällen zur Vorbeugung von Migräne beitragen.

Integrative Versorgung

Einige Krankenkassen bieten eine integrierte Versorgung ihrer Versicherten mit speziellen Behandlungsprogrammen für Migräne an. Diese Programme umfassen in der Regel eine umfassende Diagnostik, individuelle Therapieplanung und interdisziplinäre Betreuung.

Wichtige Hinweise zur Einnahme von Migränemitteln

  • Frühzeitige Einnahme: Für die Behandlung von Kopfschmerzen ist es wichtig, dass die Kopfschmerzmittel - bei Migräne in erster Linie Triptane - möglichst frühzeitig eingenommen werden. Gerade bei der Migräne kommt es sehr häufig im Laufe der Attacke zu einer Störung der Aufnahmefähigkeit von Magen und Darm.
  • Reizabschirmung: Es gehört zu einer der ersten Maßnahmen in der Behandlung des Migräneanfalles, eine Reizabschirmung einzuleiten.
  • Nicht zu häufige Einnahme: Schmerzmittel und Triptane sollten nicht häufiger als zehnmal pro Monat eingenommen werden, maximal an drei Tagen hintereinander, weil eine Überdosierung medikamenteninduzierten Kopfschmerz verursachen kann.
  • Ärztliche Beratung: Bei Migräne und anderen primären Kopfschmerzarten sollten Sie sich so schnell wie möglich in fachärztliche Behandlung begeben. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt und beachten Sie die Angaben auf der Verpackung zur Dosierung der Medikamente.

Spezialisierte Einrichtungen

Für Menschen mit chronischen Schmerzerkrankungen wie Migräne gibt es spezialisierte Einrichtungen wie die Neurologisch-Verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel. Diese Kliniken bieten eine umfassende Therapie von Migräne mit und ohne Aura, Migräne-Komplikationen, chronischen Spannungskopfschmerzen, Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch, Clusterkopfschmerz, Nervenschmerz (neuropathischer Schmerz), Rückenschmerz und andere Formen chronischer Schmerzerkrankungen.

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